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carp.de | Berichte
Ausgabe 139 | 16. August 2010
KOLUMNE

Karpfenangler sind schon etwas besonderen - Gedanken zum Karpfenangeln
Von Jan Simon Saamen / Mai 2007

 
 
  
 
   
    Name: Jan Simon Saamen
    Alter: 22 Jahre
    
 
 

Karpfenangler sind schon etwas Besonderes. In jeder Hinsicht, glauben sie mir. Wir schaffen es die größten Fische zu fangen, machen uns die absolut genialsten Gedanken zum Fang unserer Lieblinge, beobachten sie sogar unter Wasser und zeichnen dies auf Band auf. Wir beschäftigen uns viel mit unserem Hobby, schreiben darüber, lesen viel, oder schauen uns zumindest bunte Bildchen an. Wir belächeln inzwischen den Aal-Opi von nebenan, der uns früher immer mal wieder einen geräucherten Fisch schenkte und immer eine nette Geschichte wusste, der aber niemanden gestört hat. Überall versuchen wir uns krampfhaft eine Lobby zu verschaffen, reden viel über fehlende Freiheiten und wollen andere davon überzeugen, das genau wir das richtige tun, das unser Handeln von erheblicher Bedeutung ist.

Wir gehen so weit, dass nicht unweit meines zu Hauses Karpfenangler einen Polizisten tätlich angingen, als dieser sie in ihren selbsterklärten Rechten beschneiden wollte. Mal ganz ehrlich. Womit versuchen wir uns eine Lobby aufzubauen, welche Bedeutung hat unser Tun? Sind wir eine breite Front von Wissenschaftlern, die Hand in Hand daran arbeiten die Fischbewirtschaftung national zu revolutionieren, oder vielleicht in der jeweiligen Heimatregion überaus wirtschaftlich gesellschaftliche Probleme zu lösen, um nur zwei Ideen zu nennen? Nein. Leider nein. Wir angeln lediglich, ziehen Fische aus dem Wasser.

Ich habe im Moment das Gefühl, dass wir alles, aber auch wirklich alles machen um uns selber Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Wir genießen im Rahmen des Fischereigesetzes die gleichen Vorzüge wie unsere Kollegen, die auf Aal, Zander, Hecht und sonstige Fischarten angeln, aber da wir ja ganz besonders sind, reichen uns diese Rechte nicht aus. Wir versuchen deshalb nicht sensibel und kleinschrittig einige Rechte zu dehnen, sondern schaffen es, auf unsere eigene, subtile Weise, Mauern zu zertrümmern, die eigentlich so nie bestanden haben. Ein netter Förster der mich am frühen Morgen weckt und für einen schnellen Kaffe dankbar ist, erzählt von riesigen Zelten mitten im Naturschutzgebiet in der Brutzeit, betrunkenen Anglern im Tarnlook, die im trockenen Sommer auf ihr Grillfleisch nicht verzichten wollten, allerdings Spaß daran hatten ihn ins Wasser zu befördern, als er sie auf das Feuer ansprach. Auch Müll, ordentlich zurückgelassen in einem blauen Sack, von Karpfenanglern die ein Wochenende in seinem Revier verbrachten kommt nicht nur selten vor. Ich hätte verstanden, wenn er mir nur aufgrund meiner Liege, die frei unter dem Himmel steht, kategorisiert und des Platzes verwiesen hätte.

Auch kann ich den Freizeitkapitän verstehen, der auf seiner letzten Kanalfahrt am vermeintlich neuen BW Truppenübungsplatz Hamm kopfschüttelnd die Drehzahl erhöhte. Zelte in Luxusformat und „Raketenabschussrampen“ sind ja inzwischen Standard. Erneut kopfschüttelnd registriert er nun, während er auf meiner Abhakmatte sitzt, dass dieses Phänomen als Karpfenangeln bezeichnet wird. Warum wundert er sich da bloß? WIR sind doch soo bekannt, berühmt und überall zu finden? Man kann uns nicht übersehen!

Wir schreien in der Öffentlichkeit nach mehr Rechten, fühlen uns missachtet und glauben, jeder könne froh sein, wenn er es mit uns, den wahnsinnig populären Karpfenanglern zu tun bekommt. Was, objektiv betrachtet schaffen wir für die Gesellschaft? Wir treiben eine kleine Wirtschaftssparte an, so klein, dass man in ihr im seltensten Falle von der alleinigen Produktion, oder dem Vertrieb von Carpfishing-Produkten im seltensten Falle leben kann. Wir benehmen uns wie offene Hosen, übertreten Reihen von Gesetzen und halten dies für rechtens, propagieren dies sogar, pöbeln harmlose Bürger an, ignorieren, nein verachten alle „normalen“ Angler und sprechen dann von Erholung und naturnahem leben. Was ein Witz. Überall treten wir dominant bis in die Haarspitzen auf, stellen riesige Domes auf in denen bei einigen nicht mal mehr der Fernseher als Grundausstattung fehlt, haben sogar teilweise zwei Liegen mit und lassen wie selbstverständlich Kippen und Kaffeesatz zurück.

Vielleicht überlegen und reflektieren wir mal, bevor wir neue Interessensgemeinschaften bilden, lernen uns etwas im Hintergrund zu halten, in unserem Angeln nicht so aufzufallen, üben wieder die Grundregeln des Benimm und halten uns nicht für eine Elitetruppe der Sportfischerei. Glaubt mir, wer den Wald abholzt um sich naturnah ein Haus bauen zu können, dem nimmt man seine Liebe zur Natur auch nicht ab. Lasst uns lernen, mit denen die unser Hobby, nämlich Angeln, nicht Specimen- Hunting, teilen zusammenzuarbeiten, dann sind Fronten zu bereinigen. Bilden wir eine Gegenarmee und zwar auf Rundumschlag getrimmt, gibt es Krieg. Garantiert. Die Parolen dafür findet ihr schon überall. Ist es nicht eher viertel nach zwölf, als fünf vor? Die Saison ist da und damit eine neue Chance. Nutzen wir sie, oder lauschen im nächsten Januar den neuen Einschränkungen...

Tight Lines



 
Es sind (ist) 9 Artikel verfügbar.

"Carp-Kolumne Nr.18: Wasservögel - Gedanken zum Karpfenangeln" von Jan Simon Saamenl (04/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Langsam schaukelt der Hanger von rechts nach links, die Diode leuchtet noch. Wieder steigt er ruckartig an, der Micron gibt seinen Senf dazu. Vorsichtig stelle ich meinen Becher Wein (in der Edelstahltasse besonders stilecht) neben mir ins hohe Gras. Langsam, als könnte ich den Zauber des Moments zerstören erhebe ich mich, gehe zu den Ruten und schlage an. An diesem Gewässer einen Fisch zu fangen ist für mich etwas besonderes, etwas seltenes. Nun ist die Rute krumm, deutlich verspüre ich die Schläge...
"Carp-Kolumne Nr.21: Die Sache mit den Boilies" von Jan Simon Saamen (07/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Leise spielt im Hintergrund das Radio. Die Masse auf dem Tisch will wieder mal nicht so, wie ich es gern hätte. Am liebsten nicht klebend, nicht zu trocken. Wenn wir gerade dabei sind: Zudem nährwerttechnisch optimal (Zuckmückenlarven in 14-22mm Durchmesser), für mich und meine Umwelt wohl riechend, selbst rollend und trocken garend…
"Carp-Kolumne Nr.20: Karpfenanglerfeminismus" von Jan Simon Saamen (06/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Wieder einmal stehe ich im Angeladen „bei mir um die Ecke“, meine Augen schweifen durch die Räumlichkeiten, betrachten Wände an denen grün dominiert und die stillschweigend die immensen Lasten ertragen. Was es so alles gibt... Durch die Rutenwälder mit Edelstahlgriffen erblicke ich Wurfrohre, Kellen, Schlagschnüre (sagen wir 25000m). Blei in jeder erdenklichen Form (die elektronische Waage steht natürlich daneben). Kleinteile soweit das Auge reicht. Schwindelig schaue ich mir die nächste Wand genauer an. Dort hängen sie, bilden DEN Trend.
"Carp-Kolumne Nr.19: Karpfenangler sind schon etwas besonderes! (05/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Karpfenangler sind schon etwas Besonderes. In jeder Hinsicht, glauben sie mir. Wir schaffen es die größten Fische zu fangen, machen uns die absolut genialsten Gedanken zum Fang unserer Lieblinge, beobachten sie sogar unter Wasser und zeichnen dies auf Band auf. Wir beschäftigen uns viel mit unserem Hobby, schreiben darüber, lesen viel, oder schauen uns zumindest bunte Bildchen an. Wir belächeln inzwischen den Aal-Opi von nebenan, der uns früher immer mal wieder einen geräucherten Fisch schenkte und immer eine nette Geschichte wusste, der aber niemanden gestört hat.
"Carp-Kolumne Nr.22: Erfolge, oder so…" von Jan Simon Saamen (08/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Wieder und wieder betrachte ich das Bild von Markus Pelzer. Im Hintergrund das zartgrüne Schilf, das Wasser bis zu den Knien, den Blick auf den riesigen Schuppenkarpfen gerichtet. Mary. Was für ein gigantischer Fisch, was für ein schönes Bild. Mir fällt Lampes ein, wie er mit einem überdimensional großen Fisch in die Kamera lacht. Und plötzlich purzelt alles in meinem Kopf wild durcheinander. Große Namen machen sich breit, nicht nur die der Fänger, aber auch die. Egal welche Zeitschrift ich in die Finger bekomme, überall sind sie und strecken (manche mehr, manche weniger) dicke alte Recken in die Kamera.
"Carp-Kolumne Nr.24: Zielfische" von Jan Simon Saamen (10/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Inzwischen ist es Mitte Oktober. Oktober. Der Herbst ist eingeläutet, eigentlich schon in vollem Gange. Das Wasser wird zunehmend kälter, abends steht dünner Nebel über dem Wasser, es wird wieder früh dunkel. Um halb acht verschwindet es, das Tageslicht. Jetzt ist die Zeit für den einen, für den Dicken. Jetzt? Oder war sie schon? Ein langes Jahr liegt hinter uns, hinter mir. Viele Nächte am Wasser, vielleicht Tage. Viele aufregende Stunden. Viel Zeit haben wir investiert.
"Carp-Kolumne Nr.25: Winter" von Jan Simon Saamen (11/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Alles wie immer denke ich, als ich gestern die Haustür öffne und zum Auto gehe. Obwohl… hua, lausig kalt ist es geworden, das hatte ich fast vergessen. Ich gehe noch mal rein und hole meine Winterjacke. Ja, die Winterjacke, denn genau der holt uns ein. So richtig habe ich es nicht wahr haben wollen. Ich möchte eigentlich viel lieber noch ein bisschen Herbst haben, also wärmeres Wasser, bunte Blätter, die morgens auf meiner Überdecke liegen und Ruten, deren Griff noch nicht von Rauhreif überzogen ist, wenn ich des nachts drillen will.
"Carp-Kolumne Nr.26: Durststrecken?" von Jan Simon Saamen (12/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Umgeben von meinen neuen vier Wänden sitze ich an meinem Schreibtisch und überlege mir, was Thema der Dezember Kolumne sein soll. Der erste Ansatz ging daneben und das Thema ist dahin, ich will es zu einem Artikel ausbauen, hat es doch nicht Kolumnencharakter. Objektiv betrachtet sitzt also ein Lehramtsstudent am Schreibtisch, findet keinen klaren Gedanken und kann sich nicht konzentrieren. Subjektiv gesehen wäre ihm jetzt sogar das wohlvertraute "CHHRTKLACK" eines Mofaständers willkommen, welches im Ruhrpottalltag stets Vorzeichen kommunikationswütiger Rentner ist.
"Carp-Kolumne Nr.23: Traumsession" von Jan Simon Saamen (09/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Gemütlich, so eine Liege. Ich drehe mich um, richte den Blick auf die Nebelschwaden die über das Wasser treiben. Ein kalter Morgen, bald wird die Sonne erwachen und alles in ein rotgoldenes Licht tauchen. Ich wühle mich tiefer in meinen Schlafsack, fühle mich rundum wohl und genieße die Wärme. Langsam schweifen meine Gedanken ab, die Augen schließen sich wie von selber und ich döse in die Traumwelt zurück.

 
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