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carp.de | Berichte
Ausgabe 132 | 16. Januar 2010
ERLEBNISBERICHTE

Mahseer! - Teil II
Von Dirk Buran / Mai 2007

 

Auch wenn es mich wieder zu Terry’s Rock zog, so beschloss unser Guide es am Vormittag in der Nähe des Affenbaumes, dem Bereich in dem Prakash auch am Vortag erfolgreich war, zu versuchen. Kurz etwas zum Affenbaum: Dies ist eine sehr schöne Stelle, die es aber in sich hat! Der Affenbaum ist riesig und ragt weit über den Fluss. Er wird von Affen bevölkert, die sich im Geäst zanken und auch miteinander kämpfen. Der Verlierer fällt dabei auch schon einmal vom Baum ins Wasser, wo die Krokodile sich dann um die leichte Beute balgen.

Dieser Angelplatz war uns eigentlich ein bisschen unheimlich, aber am heutigen Morgen war weder von Affen noch von Krokodilen etwas zu sehen. Dennoch waren wir ständig damit beschäftigt, die Umgebung nach verdächtigen Anzeichen zu überprüfen und erschraken gewaltig als plötzlich Eva’s Rollenbremse aufkreischte und Schnur von der Rolle gezogen wurde. Eva konnte mit ihrem Anschlag den Fisch sicher haken und der Kampf begann.

Auch Eva hat ihren Mahseer!

Auch dieser Fisch nahm kräftig Schnur von der Rolle, schien dann aber urplötzlich fest zu hängen. Der Guide löste sofort das Boot und versuchte über den Fisch zu kommen. Dieser hatte sich aber bereits befreit und zog nun wieder in eine ganz andere Richtung. Sofort manövrierte der Guide unser Boot wieder ans Ufer, um für den harten Drill einen sichereren Stand für Eva zu gewährleisten. Etliche Minuten ging es hin und her und viele Meter mühsam zurückeroberter Schnur wurden in Sekundenbruchteilen vom Fisch wieder von der Rolle genommen. Einen solchen Drill hatte Eva, die zuvor schon einige gute Karpfen gefangen hat, noch nie erlebt und klagte bereits über Schmerzen in den Armen. Helfen lassen wollte sie sich allerdings nicht und so standen weitere Minuten harte Arbeit an bis der Masheer erste Schwächen zeigte. Es gab noch ein paar kurze heftige Fluchten, dann aber war es soweit und unser Guide konnte Eva’s Fisch erfolgreich landen. Mit vom Guide geschätzten 44 lbs (ca. 20 kg) für einen Masheer noch kein Riese, aber für uns ein wahres Prachtexemplar. Nach der obligatorischen Fotosession durfte der Fang dann bald wieder in den Fluten des Cauvery verschwinden.

Beflügelt durch diesen Fang wollte ich die Ruten schnell wieder im Wasser haben. Durch die Unruhe des vorherigen Drills glaubte ich aber, an dieser Stelle keinen weiteren Biss mehr kriegen zu können. Insgeheim liebäugelte ich schon wieder mit Terry’s Rock. Der kurze, aber erfolglose Drill vom Vorabend ging mit Sicherheit auf einen gewaltigen Fisch zurück und auch wenn der von Eva gefangene Masheer schon absolut klasse war, glaubte ich bei Terry’s Rock am ehesten die Chance auf einen Giganten zu haben. Mit dem Coracle machten wir uns auf die Reise flussabwärts. Terry’s Rock war von unserem Freund Prakash schon belegt, so dass wir die Stelle in unmittelbarer Nähe belegten. Unsere Köder waren kaum ausgelegt als bei Prakash der Tanz losging. Ein harter Drill begann und ca. 15 Minuten lang beobachteten wir wie es hin und her ging. Dann war mit einem Schlag Ende und der Fisch entkommen.

Auch wenn unser kleines Felseneiland kaum mehr als 15-20m von Terry’s Rock entfernt war, so konnten wir Prakashs Schreie und Schilderungen des Drills durch das tosende Wasser unmöglich verstehen. Schließlich winkte er uns herüber und erzählte, was passiert war. In den 15 Minuten des Drills machte der Fisch, was er wollte und gerade als er glaubte, etwas Kontrolle gewinnen zu können geschah das Unglück und der dickdrahtige Owner Haken brach entzwei! Prakash war hiernach ziemlich entnervt und meinte, wir sollten nun alleine weiterfischen. Eigentlich versprach ich mir hiervon nicht viel, der vorherige wilde Drill sollte auch an dieser Stelle für Aufregung unter Wasser gesorgt haben, aber das Anfahren einer neuen Stelle hätte sich so kurz vor der Mittagspause auch nicht mehr gelohnt. Also rein mit den Ködern! Es dauerte keine fünf Minuten, da bekam ich auch schon einen völlig unerwarteten Biss. „Auf ein Neues!“ und ich setzte den Anschlag. Wieder war es ein ganz Großer, der mir nun die Schnur von der Rolle riss, aber dann auf einmal fest hing. Der Guide löste das Boot und manövrierte uns über den Fisch.

Durch den geänderten Druck löste sich der Fisch und sauste stromabwärts wo er sich mit einem mächtigen Schwall kurz an der Oberfläche zeigte. Mir blieb fast das Herz stehen! Diesen Fisch schätzte ich auf gut 40 kg und wollte ihn unbedingt auch landen. Deutlich behutsamer als am Vortag drillte ich nun und hatte das Gefühl, so langsam die Oberhand zu gewinnen - leider ein Fehlschluss! Der Masheer flüchtete bisher immer nur stromab, überlegte es sich aber plötzlich anders und im Rekordtempo ging es stromauf. Leider bekam ich es nicht auf die Reihe, die schlaff werdende Schnur aufzunehmen und so geschah das Unvermeidliche. Der Haken löste sich durch den fehlenden Druck und der Fisch war weg. Wieder einmal ging es für mich frustriert zum Camp zurück!

Die Mittagspause und der Nachmittag verlief für mich ereignislos. Zwar versuchte ich auch diesmal vom Ufer aus mein Glück, aber weder eine Schildkröte, noch Kleinfische ganz zu schweigen von einem Mahseer erbarmten sich meiner. Der nette Inder, den wir am Vortag kennen gelernt hatten, war aber erfolgreicher und konnte nach einem nervenzehrendem Drill von knapp einer Stunde seinen ersten Mahseer landen. Das gesamte Schauspiel konnte ich vom Ufer aus mitverfolgen und es war schon gigantisch, wie der Fisch von der Stelle aus wo er gehakt wurde erst mal 300 m stromabwärts zog, um sich hier dann immer noch widerspenstig zu zeigen. Ohne das Coracle und den Guide wäre Mr. Singh wohl auch diesmal nicht erfolgreich gewesen, wobei sein Gerät für das Mahseer-Fischen mit Sicherheit auch eine Ecke zu leicht war. Mit einer Rute mit ca. 80 g Wurfgewicht ist diesen Giganten nur schwer beizukommen. Na ja, er schaffte es diesmal auf jeden Fall und war zu recht Stolz und glücklich über einen Fisch von 16kg.

Mittlerweile war ich von den Anglern des Camps der einzigste, der noch keinen Erfolg hatte. Trotz allem Frust wollte ich am Abend natürlich noch mal so richtig angreifen! Aber an diesem Abend sollte es trotz mehrfachen Stellenwechsel und dem Ausdehnen der Angelzeit auf schon fast nächtliche Stunden wieder nicht klappen. Weder ich noch irgendeiner unserer Mitstreiter bekam auch nur einen Zupfer. Nach dieser erfolglosen Abendsession war ich am verzweifeln. Mir blieben nur noch wenige Stunden am nächsten Morgen, um vielleicht doch noch zum Erfolg zu kommen. Mit dem Guide wurde ausgemacht, dass er am nächsten Morgen bereits um 5:45 Uhr mit mir zum Angeln starten sollte und ich selbst wollte bereits um 4:30 Uhr aufstehen, um vielleicht zuvor schon einen Mahseer am Campufer haken zu können.

Ein typisches indisches Transportmittel

Trotz einiger guter Rumgetränke gelang es mir recht gut um ca. 5:00Uhr am Wasser zu sein. Bis 6:15 Uhr tat sich allerdings gar nichts, außer dass ich mich ärgerte, dass der Guide wohl nicht wirklich verstanden hatte, dass ich diesmal früher aufbrechen wollte. Um Punkt 6:15, der Guide kam mit seinem Coracle gerade dem Fluss heraufgerudert, geschah es dann aber. Die Bremse kreischte auf und ein guter Fisch zog ordentlich Schnur von der Rolle. Beim Anhieb dann allerdings wieder die Ernüchterung, die superstarke geflochtene Schnur riss! Was ich mir bereits beim ersten Anriss gedacht hatte und vom Guide immer wieder bestätigt wurde, nämlich das geflochtene Schnüre bei all den steinigen Unterwasserhindernissen und Muscheln gar nicht taugen, stand nun auch für mich fest. Die Rute mit der Dyneema Schnur blieb so dann auch am Ufer und ich vertraute dem betagten Leihgerät mit der starken Monofilschnur! Der Guide munterte mich nach dem erneuten Versagen kurz auf und es ging zu der Stelle an der Eva bereits am Vortag erfolgreich war.

Er war wirklich sehr überzeugt von dem Spot und es dauerte auch wirklich keine zehn Minuten bis ich meinen Biss bekam. Da ich in Indien echt jede Minute vom Pech verfolgt war kam es natürlich wie es kommen musste: Ich setzte erfolgreich den Anhieb, spürte eine starke Flucht und dann war es auch schon wieder vorbei - Haken gebrochen! Wer jetzt glaubt, hier war Schund angebunden, der täuscht sich! Auf Owner konnte ich mich beim Karpfenangeln immer verlassen, aber diese Kampfmaschinen sind halt etwas anderes. Nach dem erneuten Misserfolg war der Frust erneut riesig und ich hätte echt heulen können. Der Guide konnte mich aber noch mal aufrichten und erneut flog mein Köder ins Wasser. Nach einer dreiviertel Stunde geschah dann das Unerwartete und ich bekam dann meine nächste Chance. Die Rollenbremse kreischte auf und trotz meiner vorherigen Lethargie setze ich erfolgreich den Anhieb.

Der Fisch setzte sich sofort in einem Hindernis fest und ich glaubte schon wieder an einen Misserfolg. Professionell wurde ich aber über den Fisch gerudert und dadurch, dass ich mich nun direkt über dem Fisch befand, ließ er sich auch wieder befreien. Der nun folgende Drill war auch wieder hart, aber die Gegenwehr doch deutlich geringer als zuvor bei Eva’s Fisch oder bei meinen erfolglosen Versuchen! Diesmal ging dann auch tatsächlich alles glatt und nach einigen bangen Minuten war dann ein ca. 12-15 pfündiger Mahseer reif zur Landung. Leider keiner der ganz Großen, aber nach den vorherigen Misserfolgen war ich dennoch überglücklich über den Erfolg. Trotzdem wollte ich aber immer noch mehr. Den Guide hatte ich schon vor diesem Fisch bearbeitet, endlich zu Terry’s Rock zu rudern. Er sah die größten Chancen aber eindeutig an der Stelle, an der sowohl Prakash, Eva und letztendlich auch ich selbst erfolgreich waren. Terry’s Rock ist wohl etwas für die Harten und bisher war ich noch nicht reif dafür. Nun mit dem Erfolg im Rücken sollte es in den allerletzten Minuten aber auch hier noch einmal klappen.

Um es kurz zu machen, am letzten Tag war Terry’s Rock nicht in der Stimmung, mich mit seinen goldenen Mahseern zu belohnen und die letzte halbe Stunde vor der Abfahrt verlief erfolglos. Trotz allem weiß ich schon jetzt, dass mich der Cauvery, das Cauvery Jungle Camp und natürlich ganz besonders Terry’s Rock wiedersehen werden. Das Angeln hier ist intensiv wie kaum sonst wo. Misserfolg und Enttäuschung liegen ganz dicht neben grenzenloser Freude über einen gigantischen Fang und von diesem Erlebnis habe ich garantiert noch nicht genug! Der nächste Trip ist schon in Planung, wird wohl ein wenig länger sein. Mit der Erfahrung der gerade beschriebenen Tage hoffe ich dann auch meinem Traum von der großen gigantischen Riesenbarbe Mahseer in Erfüllung gehen zu lassen.

Chancen hatte ich schon jetzt genügend gehabt, der große Fisch ist noch ausgeblieben. Aber auch John Bailey musste einige Zeit und mehrere Trips abwarten, bis er sich seinen eigenen Traum vom großen Mahseer erfüllen konnte. Bis zum geplanten zweiten Trip wird es aber mindestens noch ein paar Monate dauern. Ganz sicher wird mich aber auch in dieser Zeit das bisher Erlebte immer wieder Fesseln und die Vorfreude ist schon jetzt riesig. Lasst euch dieses Abenteuer nicht entgehen, hier liegt wirklich noch eine wahre Herausforderung für jeden Angler!

Euer Dirk

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