|
Auch wenn es mich wieder zu Terry’s Rock
zog, so beschloss unser Guide es am Vormittag
in der Nähe des Affenbaumes, dem Bereich
in dem Prakash auch am Vortag erfolgreich war,
zu versuchen. Kurz etwas zum Affenbaum: Dies ist
eine sehr schöne Stelle, die es aber in sich
hat! Der Affenbaum ist riesig und ragt weit über
den Fluss. Er wird von Affen bevölkert, die
sich im Geäst zanken und auch miteinander
kämpfen. Der Verlierer fällt dabei auch
schon einmal vom Baum ins Wasser, wo die Krokodile
sich dann um die leichte Beute balgen.
Dieser Angelplatz war uns eigentlich ein bisschen
unheimlich, aber am heutigen Morgen war weder
von Affen noch von Krokodilen etwas zu sehen.
Dennoch waren wir ständig damit beschäftigt,
die Umgebung nach verdächtigen Anzeichen
zu überprüfen und erschraken gewaltig
als plötzlich Eva’s Rollenbremse aufkreischte
und Schnur von der Rolle gezogen wurde. Eva konnte
mit ihrem Anschlag den Fisch sicher haken und
der Kampf begann.
 |
| Auch
Eva hat ihren Mahseer! |
 |
|
Auch dieser Fisch nahm kräftig Schnur von
der Rolle, schien dann aber urplötzlich fest
zu hängen. Der Guide löste sofort das
Boot und versuchte über den Fisch zu kommen.
Dieser hatte sich aber bereits befreit und zog
nun wieder in eine ganz andere Richtung. Sofort
manövrierte der Guide unser Boot wieder ans
Ufer, um für den harten Drill einen sichereren
Stand für Eva zu gewährleisten. Etliche
Minuten ging es hin und her und viele Meter mühsam
zurückeroberter Schnur wurden in Sekundenbruchteilen
vom Fisch wieder von der Rolle genommen. Einen
solchen Drill hatte Eva, die zuvor schon einige
gute Karpfen gefangen hat, noch nie erlebt und
klagte bereits über Schmerzen in den Armen.
Helfen lassen wollte sie sich allerdings nicht
und so standen weitere Minuten harte Arbeit an
bis der Masheer erste Schwächen zeigte. Es
gab noch ein paar kurze heftige Fluchten, dann
aber war es soweit und unser Guide konnte Eva’s
Fisch erfolgreich landen. Mit vom Guide geschätzten
44 lbs (ca. 20 kg) für einen Masheer noch
kein Riese, aber für uns ein wahres Prachtexemplar.
Nach der obligatorischen Fotosession durfte der
Fang dann bald wieder in den Fluten des Cauvery
verschwinden.
Beflügelt durch diesen Fang wollte ich die
Ruten schnell wieder im Wasser haben. Durch die
Unruhe des vorherigen Drills glaubte ich aber,
an dieser Stelle keinen weiteren Biss mehr kriegen
zu können. Insgeheim liebäugelte ich
schon wieder mit Terry’s Rock. Der kurze,
aber erfolglose Drill vom Vorabend ging mit Sicherheit
auf einen gewaltigen Fisch zurück und auch
wenn der von Eva gefangene Masheer schon absolut
klasse war, glaubte ich bei Terry’s Rock
am ehesten die Chance auf einen Giganten zu haben.
Mit dem Coracle machten wir uns auf die Reise
flussabwärts. Terry’s Rock war von
unserem Freund Prakash schon belegt, so dass wir
die Stelle in unmittelbarer Nähe belegten.
Unsere Köder waren kaum ausgelegt als bei
Prakash der Tanz losging. Ein harter Drill begann
und ca. 15 Minuten lang beobachteten wir wie es
hin und her ging. Dann war mit einem Schlag Ende
und der Fisch entkommen.
Auch wenn unser kleines Felseneiland kaum mehr
als 15-20m von Terry’s Rock entfernt war,
so konnten wir Prakashs Schreie und Schilderungen
des Drills durch das tosende Wasser unmöglich
verstehen. Schließlich winkte er uns herüber
und erzählte, was passiert war. In den 15
Minuten des Drills machte der Fisch, was er wollte
und gerade als er glaubte, etwas Kontrolle gewinnen
zu können geschah das Unglück und der
dickdrahtige Owner Haken brach entzwei! Prakash
war hiernach ziemlich entnervt und meinte, wir
sollten nun alleine weiterfischen. Eigentlich
versprach ich mir hiervon nicht viel, der vorherige
wilde Drill sollte auch an dieser Stelle für
Aufregung unter Wasser gesorgt haben, aber das
Anfahren einer neuen Stelle hätte sich so
kurz vor der Mittagspause auch nicht mehr gelohnt.
Also rein mit den Ködern! Es dauerte keine
fünf Minuten, da bekam ich auch schon einen
völlig unerwarteten Biss. „Auf ein
Neues!“ und ich setzte den Anschlag. Wieder
war es ein ganz Großer, der mir nun die
Schnur von der Rolle riss, aber dann auf einmal
fest hing. Der Guide löste das Boot und manövrierte
uns über den Fisch.
Durch den geänderten Druck löste sich
der Fisch und sauste stromabwärts wo er sich
mit einem mächtigen Schwall kurz an der Oberfläche
zeigte. Mir blieb fast das Herz stehen! Diesen
Fisch schätzte ich auf gut 40 kg und wollte
ihn unbedingt auch landen. Deutlich behutsamer
als am Vortag drillte ich nun und hatte das Gefühl,
so langsam die Oberhand zu gewinnen - leider ein
Fehlschluss! Der Masheer flüchtete bisher
immer nur stromab, überlegte es sich aber
plötzlich anders und im Rekordtempo ging
es stromauf. Leider bekam ich es nicht auf die
Reihe, die schlaff werdende Schnur aufzunehmen
und so geschah das Unvermeidliche. Der Haken löste
sich durch den fehlenden Druck und der Fisch war
weg. Wieder einmal ging es für mich frustriert
zum Camp zurück!
Die Mittagspause und der Nachmittag verlief für
mich ereignislos. Zwar versuchte ich auch diesmal
vom Ufer aus mein Glück, aber weder eine
Schildkröte, noch Kleinfische ganz zu schweigen
von einem Mahseer erbarmten sich meiner. Der nette
Inder, den wir am Vortag kennen gelernt hatten,
war aber erfolgreicher und konnte nach einem nervenzehrendem
Drill von knapp einer Stunde seinen ersten Mahseer
landen. Das gesamte Schauspiel konnte ich vom
Ufer aus mitverfolgen und es war schon gigantisch,
wie der Fisch von der Stelle aus wo er gehakt
wurde erst mal 300 m stromabwärts zog, um
sich hier dann immer noch widerspenstig zu zeigen.
Ohne das Coracle und den Guide wäre Mr. Singh
wohl auch diesmal nicht erfolgreich gewesen, wobei
sein Gerät für das Mahseer-Fischen mit
Sicherheit auch eine Ecke zu leicht war. Mit einer
Rute mit ca. 80 g Wurfgewicht ist diesen Giganten
nur schwer beizukommen. Na ja, er schaffte es
diesmal auf jeden Fall und war zu recht Stolz
und glücklich über einen Fisch von 16kg.
Mittlerweile war ich von den Anglern des Camps
der einzigste, der noch keinen Erfolg hatte. Trotz
allem Frust wollte ich am Abend natürlich
noch mal so richtig angreifen! Aber an diesem
Abend sollte es trotz mehrfachen Stellenwechsel
und dem Ausdehnen der Angelzeit auf schon fast
nächtliche Stunden wieder nicht klappen.
Weder ich noch irgendeiner unserer Mitstreiter
bekam auch nur einen Zupfer. Nach dieser erfolglosen
Abendsession war ich am verzweifeln. Mir blieben
nur noch wenige Stunden am nächsten Morgen,
um vielleicht doch noch zum Erfolg zu kommen.
Mit dem Guide wurde ausgemacht, dass er am nächsten
Morgen bereits um 5:45 Uhr mit mir zum Angeln
starten sollte und ich selbst wollte bereits um
4:30 Uhr aufstehen, um vielleicht zuvor schon
einen Mahseer am Campufer haken zu können.
 |
| Ein
typisches indisches Transportmittel |
 |
|
Trotz einiger guter Rumgetränke gelang es
mir recht gut um ca. 5:00Uhr am Wasser zu sein.
Bis 6:15 Uhr tat sich allerdings gar nichts, außer
dass ich mich ärgerte, dass der Guide wohl
nicht wirklich verstanden hatte, dass ich diesmal
früher aufbrechen wollte. Um Punkt 6:15,
der Guide kam mit seinem Coracle gerade dem Fluss
heraufgerudert, geschah es dann aber. Die Bremse
kreischte auf und ein guter Fisch zog ordentlich
Schnur von der Rolle. Beim Anhieb dann allerdings
wieder die Ernüchterung, die superstarke
geflochtene Schnur riss! Was ich mir bereits beim
ersten Anriss gedacht hatte und vom Guide immer
wieder bestätigt wurde, nämlich das
geflochtene Schnüre bei all den steinigen
Unterwasserhindernissen und Muscheln gar nicht
taugen, stand nun auch für mich fest. Die
Rute mit der Dyneema Schnur blieb so dann auch
am Ufer und ich vertraute dem betagten Leihgerät
mit der starken Monofilschnur! Der Guide munterte
mich nach dem erneuten Versagen kurz auf und es
ging zu der Stelle an der Eva bereits am Vortag
erfolgreich war.
Er war wirklich sehr überzeugt von dem Spot
und es dauerte auch wirklich keine zehn Minuten
bis ich meinen Biss bekam. Da ich in Indien echt
jede Minute vom Pech verfolgt war kam es natürlich
wie es kommen musste: Ich setzte erfolgreich den
Anhieb, spürte eine starke Flucht und dann
war es auch schon wieder vorbei - Haken gebrochen!
Wer jetzt glaubt, hier war Schund angebunden,
der täuscht sich! Auf Owner konnte ich mich
beim Karpfenangeln immer verlassen, aber diese
Kampfmaschinen sind halt etwas anderes. Nach dem
erneuten Misserfolg war der Frust erneut riesig
und ich hätte echt heulen können. Der
Guide konnte mich aber noch mal aufrichten und
erneut flog mein Köder ins Wasser. Nach einer
dreiviertel Stunde geschah dann das Unerwartete
und ich bekam dann meine nächste Chance.
Die Rollenbremse kreischte auf und trotz meiner
vorherigen Lethargie setze ich erfolgreich den
Anhieb.
Der Fisch setzte sich sofort in einem Hindernis
fest und ich glaubte schon wieder an einen Misserfolg.
Professionell wurde ich aber über den Fisch
gerudert und dadurch, dass ich mich nun direkt
über dem Fisch befand, ließ er sich
auch wieder befreien. Der nun folgende Drill war
auch wieder hart, aber die Gegenwehr doch deutlich
geringer als zuvor bei Eva’s Fisch oder
bei meinen erfolglosen Versuchen! Diesmal ging
dann auch tatsächlich alles glatt und nach
einigen bangen Minuten war dann ein ca. 12-15
pfündiger Mahseer reif zur Landung. Leider
keiner der ganz Großen, aber nach den vorherigen
Misserfolgen war ich dennoch überglücklich
über den Erfolg. Trotzdem wollte ich aber
immer noch mehr. Den Guide hatte ich schon vor
diesem Fisch bearbeitet, endlich zu Terry’s
Rock zu rudern. Er sah die größten
Chancen aber eindeutig an der Stelle, an der sowohl
Prakash, Eva und letztendlich auch ich selbst
erfolgreich waren. Terry’s Rock ist wohl
etwas für die Harten und bisher war ich noch
nicht reif dafür. Nun mit dem Erfolg im Rücken
sollte es in den allerletzten Minuten aber auch
hier noch einmal klappen.
Um es kurz zu machen, am letzten Tag war Terry’s
Rock nicht in der Stimmung, mich mit seinen goldenen
Mahseern zu belohnen und die letzte halbe Stunde
vor der Abfahrt verlief erfolglos. Trotz allem
weiß ich schon jetzt, dass mich der Cauvery,
das Cauvery Jungle Camp und natürlich ganz
besonders Terry’s Rock wiedersehen werden.
Das Angeln hier ist intensiv wie kaum sonst wo.
Misserfolg und Enttäuschung liegen ganz dicht
neben grenzenloser Freude über einen gigantischen
Fang und von diesem Erlebnis habe ich garantiert
noch nicht genug! Der nächste Trip ist schon
in Planung, wird wohl ein wenig länger sein.
Mit der Erfahrung der gerade beschriebenen Tage
hoffe ich dann auch meinem Traum von der großen
gigantischen Riesenbarbe Mahseer in Erfüllung
gehen zu lassen.
Chancen hatte ich schon jetzt genügend gehabt,
der große Fisch ist noch ausgeblieben. Aber
auch John Bailey musste einige Zeit und mehrere
Trips abwarten, bis er sich seinen eigenen Traum
vom großen Mahseer erfüllen konnte.
Bis zum geplanten zweiten Trip wird es aber mindestens
noch ein paar Monate dauern. Ganz sicher wird
mich aber auch in dieser Zeit das bisher Erlebte
immer wieder Fesseln und die Vorfreude ist schon
jetzt riesig. Lasst euch dieses Abenteuer nicht
entgehen, hier liegt wirklich noch eine wahre
Herausforderung für jeden Angler!
Euer Dirk
Zurück zu
Teil I
|