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carp.de | Berichte
Ausgabe 139 | 16. August 2010
KOLUMNE

Durststrecken? - Gedanken zum Karpfenangeln
Von Jan Simon Saamen / Dezember 2007

 
 
  
 
   
    Name: Jan Simon Saamen
    Alter: 22 Jahre
 

Umgeben von meinen neuen vier Wänden sitze ich an meinem Schreibtisch und überlege mir, was Thema der Dezember Kolumne sein soll. Der erste Ansatz ging daneben und das Thema ist dahin, ich will es zu einem Artikel ausbauen, hat es doch nicht Kolumnencharakter. Objektiv betrachtet sitzt also ein Lehramtsstudent am Schreibtisch, findet keinen klaren Gedanken und kann sich nicht konzentrieren. Subjektiv gesehen wäre ihm jetzt sogar das wohlvertraute „CHHRTKLACK“ eines Mofaständers willkommen, welches im Ruhrpottalltag stets Vorzeichen kommunikationswütiger Rentner ist. Könnte ich den Schreibtisch gegen mein Zelt am Wasser eintauschen, ich glaube unser IchweißallesundkennejedenOpi bekäme sogar einen heißen Tee mit Schuss angeboten.

Faktisch sitze ich jedoch immer noch am Schreibtisch und- richtig – ich lenke mich ab. Mit einer Zeitschrift. Carp Connect versteht sich. Man muss ja beim Thema bleiben.

Interessantes Heft. Ich bin immer wieder erstaunt, wie es manche Leute schaffen, derartig fundiert anmutend darzulegen, wie sich bestimmte Rigs unter Wasser verhalten. Wäre das nicht mal ein Thema? Rigethnologische Studien? Ach nee, bisschen zu wenig Leben in dem Metall-, Plastikgewirre um ein Verhalten studieren zu können, obwohl, man weiß ja nie… Der ein oder andere entwirft bestimmt in nächster Zeit ein Rig, was, aktiviert durch den Aufschlag des Bleies am Boden, losläuft und sich direkt in die Burg von Großvater Schuppenschwein schleicht um sich dort in der Speisekammer auf Regalbrett Direktvorderschnauze zu postieren. Großfischgarantie!! Gab es da nicht auch mal einen Mix? „Go for fourty“, oder so! Was hab ich gelacht. Nee, so richtig ist eine Karpfenzeitschrift gerade nix für mich. Bedingt durch meinen Umzug und andere Besonderheiten des Lebens bin ich derzeit herauskatapultiert aus der Szene. Ich weiß nur, das ein Herr „Mattin Schulle aus Obahausn“ noch mal so gerade einer Katastrophe in Bonn entgangen ist und der ein, oder andere nette Karpfenverrückte geheiratet hat. Dat war et aber auch.

Jahha, Papa hat nämlich ein kleines Geheimnis. Man glaube doch nicht, das so ein Umzug, viel Arbeit, oder irgendwelches Kroppgezeugs es schaffen mich komplett von den Ufern der häuslichen Gewässer fernzuhalten. Nee, nee. Ich sags mal dezent, hört ja keiner zu. Ich ghe fmd. ?? Habt ihr nicht verstanden? Maaann! Ich geh fremd! Karpfenangeln interessiert mich derzeit eher weniger. Ja tut mir ja leid, aber wer frei von Sünde, der Werfe den ersten Stein. Unfähige halten sich raus. Derzeit fahren in meinem Kofferraum eine 1.90m lange Rute mit Pistolengriff und Multirolle, sowie eine 2,70m lange, steife Rute mit 400er Shimano Rolle und geflochtener Stroft in Neonfarbe, sowie mehrere Kisten Kunstköder mit.

Immer wenn sich eine freie Stunde auftut, springe ich in die Watstiefel greife mir dem Wetter und Gewässer entsprechend entweder die Jigrute, oder die Jerke und flitze los um Zahnfische zu ärgern. Wie dumm die Tiere sind. Mal ehrlich, würde ein Karpfen ein Stück Plastik in den Mund nehmen, nur weil es sich unter Wasser verhält wie Mais... Shit. Naja sind die Fische halt egal blöde.

Auf jeden Fall habe ich sehr viel Spaß an der Geschichte und bin eigentlich etwas erbost, das demnächst die Schonzeit beginnt. Habt ihr in eurem Leben schon einen Jerk geführt und den heftigen Schlag kennen gelernt, der einem ins Handgelenk knallt wenn Meister Esox seinen Appetit mit einem Stück perfekt ausgebleitem Holz stillen will? Nicht? Es wird Zeit! So schön und erstrebenswert die Treue auch ist, Fremdgehen hat seinen Reiz. Vielseitigkeit gehört doch irgendwie zum Leben dazu, oder? Stellt euch vor, man kennt nur immer einen Teil eines riesigen Spektrums… Ehrlich, das hat doch Engstirnigkeit zur Folge. Dirk, den Pikebob samt Peripherie hab ich auch probiert und viele feine Erlebnisse gehabt…

Ich bin wieder ein Stück (F)freier, biete mich an und lebe das Anglerleben in all seinen Facetten der verschiedenen Fischereien, sogar ein Gfk Boot für die großen Ruhrtalsperren liegt inzwischen im Garten und wartet darauf, das ich es wieder aufs Autodach schnalle(sieht lustig aus) und damit zur Möhne fahre. Geht ihr eigentlich auch fremd, oder fischt ihr komplett Fischartentreu? Ich erinnere mich immer gerne an Stunden in denen ich gemeinsam mit anderen Karpfenanglern fremdgegangen bin. Zum Beispiel war da die Zeit am Cassien, als Meik und ich bekleidet mit Sonnenbrille und Schwimmshorts im azurblauen Wasser gestanden haben um ein Wettangeln auf Barsche zu veranstalten.

Christopher und ich dümpeln öfters Mal rum und versuchen Hechte, oder Barsche zu überlisten und können uns auch über eine schöne Schleie, oder andere Nichtkarpfen freuen. Fremdgehen zeigt neue Möglichkeiten, lässt nicht karpfenanglerisch nutzbare Zeit gut vorübergehen und schafft völlig neue Zugänge und Ansichten bezüglich meiner größten Liebe. Versucht es mal, vielleicht seid ihr positiv überrascht… Ich würde mich freuen, nicht nur über die leeren Stellen. Jetzt lese ich doch wieder Carp Connect. Florian Läufer hatte ich übersehen.

Frohe Weihnachten euch allen und eine besinnliche Zeit bis zum großen Knall des Jahreswechsels. Ach ja und demnächst hab ich wieder genug Zeit, dann schleppe ich wieder einen größeren Rucksack ans Wasser, sicher mit einer Extradose darin.


 

 
Es sind (ist) 9 Artikel verfügbar.

"Carp-Kolumne Nr.18: Wasservögel - Gedanken zum Karpfenangeln" von Jan Simon Saamenl (04/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Langsam schaukelt der Hanger von rechts nach links, die Diode leuchtet noch. Wieder steigt er ruckartig an, der Micron gibt seinen Senf dazu. Vorsichtig stelle ich meinen Becher Wein (in der Edelstahltasse besonders stilecht) neben mir ins hohe Gras. Langsam, als könnte ich den Zauber des Moments zerstören erhebe ich mich, gehe zu den Ruten und schlage an. An diesem Gewässer einen Fisch zu fangen ist für mich etwas besonderes, etwas seltenes. Nun ist die Rute krumm, deutlich verspüre ich die Schläge...
"Carp-Kolumne Nr.21: Die Sache mit den Boilies" von Jan Simon Saamen (07/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Leise spielt im Hintergrund das Radio. Die Masse auf dem Tisch will wieder mal nicht so, wie ich es gern hätte. Am liebsten nicht klebend, nicht zu trocken. Wenn wir gerade dabei sind: Zudem nährwerttechnisch optimal (Zuckmückenlarven in 14-22mm Durchmesser), für mich und meine Umwelt wohl riechend, selbst rollend und trocken garend…
"Carp-Kolumne Nr.20: Karpfenanglerfeminismus" von Jan Simon Saamen (06/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Wieder einmal stehe ich im Angeladen „bei mir um die Ecke“, meine Augen schweifen durch die Räumlichkeiten, betrachten Wände an denen grün dominiert und die stillschweigend die immensen Lasten ertragen. Was es so alles gibt... Durch die Rutenwälder mit Edelstahlgriffen erblicke ich Wurfrohre, Kellen, Schlagschnüre (sagen wir 25000m). Blei in jeder erdenklichen Form (die elektronische Waage steht natürlich daneben). Kleinteile soweit das Auge reicht. Schwindelig schaue ich mir die nächste Wand genauer an. Dort hängen sie, bilden DEN Trend.
"Carp-Kolumne Nr.19: Karpfenangler sind schon etwas besonderes! (05/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Karpfenangler sind schon etwas Besonderes. In jeder Hinsicht, glauben sie mir. Wir schaffen es die größten Fische zu fangen, machen uns die absolut genialsten Gedanken zum Fang unserer Lieblinge, beobachten sie sogar unter Wasser und zeichnen dies auf Band auf. Wir beschäftigen uns viel mit unserem Hobby, schreiben darüber, lesen viel, oder schauen uns zumindest bunte Bildchen an. Wir belächeln inzwischen den Aal-Opi von nebenan, der uns früher immer mal wieder einen geräucherten Fisch schenkte und immer eine nette Geschichte wusste, der aber niemanden gestört hat.
"Carp-Kolumne Nr.22: Erfolge, oder so…" von Jan Simon Saamen (08/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Wieder und wieder betrachte ich das Bild von Markus Pelzer. Im Hintergrund das zartgrüne Schilf, das Wasser bis zu den Knien, den Blick auf den riesigen Schuppenkarpfen gerichtet. Mary. Was für ein gigantischer Fisch, was für ein schönes Bild. Mir fällt Lampes ein, wie er mit einem überdimensional großen Fisch in die Kamera lacht. Und plötzlich purzelt alles in meinem Kopf wild durcheinander. Große Namen machen sich breit, nicht nur die der Fänger, aber auch die. Egal welche Zeitschrift ich in die Finger bekomme, überall sind sie und strecken (manche mehr, manche weniger) dicke alte Recken in die Kamera.
"Carp-Kolumne Nr.24: Zielfische" von Jan Simon Saamen (10/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Inzwischen ist es Mitte Oktober. Oktober. Der Herbst ist eingeläutet, eigentlich schon in vollem Gange. Das Wasser wird zunehmend kälter, abends steht dünner Nebel über dem Wasser, es wird wieder früh dunkel. Um halb acht verschwindet es, das Tageslicht. Jetzt ist die Zeit für den einen, für den Dicken. Jetzt? Oder war sie schon? Ein langes Jahr liegt hinter uns, hinter mir. Viele Nächte am Wasser, vielleicht Tage. Viele aufregende Stunden. Viel Zeit haben wir investiert.
"Carp-Kolumne Nr.25: Winter" von Jan Simon Saamen (11/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Alles wie immer denke ich, als ich gestern die Haustür öffne und zum Auto gehe. Obwohl… hua, lausig kalt ist es geworden, das hatte ich fast vergessen. Ich gehe noch mal rein und hole meine Winterjacke. Ja, die Winterjacke, denn genau der holt uns ein. So richtig habe ich es nicht wahr haben wollen. Ich möchte eigentlich viel lieber noch ein bisschen Herbst haben, also wärmeres Wasser, bunte Blätter, die morgens auf meiner Überdecke liegen und Ruten, deren Griff noch nicht von Rauhreif überzogen ist, wenn ich des nachts drillen will.
"Carp-Kolumne Nr.26: Durststrecken?" von Jan Simon Saamen (12/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Umgeben von meinen neuen vier Wänden sitze ich an meinem Schreibtisch und überlege mir, was Thema der Dezember Kolumne sein soll. Der erste Ansatz ging daneben und das Thema ist dahin, ich will es zu einem Artikel ausbauen, hat es doch nicht Kolumnencharakter. Objektiv betrachtet sitzt also ein Lehramtsstudent am Schreibtisch, findet keinen klaren Gedanken und kann sich nicht konzentrieren. Subjektiv gesehen wäre ihm jetzt sogar das wohlvertraute "CHHRTKLACK" eines Mofaständers willkommen, welches im Ruhrpottalltag stets Vorzeichen kommunikationswütiger Rentner ist.
"Carp-Kolumne Nr.23: Traumsession" von Jan Simon Saamen (09/07) :: CARP.DE :: BERICHTE
Gemütlich, so eine Liege. Ich drehe mich um, richte den Blick auf die Nebelschwaden die über das Wasser treiben. Ein kalter Morgen, bald wird die Sonne erwachen und alles in ein rotgoldenes Licht tauchen. Ich wühle mich tiefer in meinen Schlafsack, fühle mich rundum wohl und genieße die Wärme. Langsam schweifen meine Gedanken ab, die Augen schließen sich wie von selber und ich döse in die Traumwelt zurück.

 
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