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Boah glaubse, ich sachet sie! Gut, datte im Sommer
und im Herbst ordentlich der Fischerei frönen
kanns, um die Durststrecke bis zum Winter hin
gut zu überbrücken. Sons wär et
ja quasi gar nich auszuhalten mitte Warterei bis
hin zu den Ereignis! Und ich bin en geduldigen
Warter, dat könne Se mir glauben. Ich sitzet
aus, wennet sein muß!
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| Ein
Unikat: Herbert Knödl |
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Endlich is widder Messezeit. Ich hab mein Frau
schon Bescheid gesacht, dat dat nix wird mit den
Haushaltsgeld diesen Monat. Dat wär alles
schon immer ginär ausgegeben. Ich muss aufstocken.
Ich habbet nämlich geschafft, übbert
Jahr mein ganzet Täckel zu verangeln. Also,
Materialschlacht. Ja gut, bei uns am Fluss da
kannse aber auch auf 100 Gramm mehr oder weniger
beim Blei nich kucken.
Auf jeden Fall hab ich schon den ganzen Klan,
also den Karl-Heinz Schaberniak, den Kurt Pichel,
den Ernst Grabellus und den Opa Blaschke Bescheid
gegeben, zwecks Bildung vonne Fahrgemeinschaft.
Weil alleine könntese den Spass ja gar nich
mehr bezahlen bei sonne weiten Strecke. Und selbs
die Moni vonne Freien Tanke anne B 224 hat die
Preise mittlerweile sowat von angezogen, dat dir
die Tränen davon kommen. Ach da fällt
mir grad en Witzken zu ein: „Hör ma,
glaub mein Portemoneng is aus Zwiebelleder...kuckse
rein...kommen mir de Tränen! Ja ne komm,
Spass muss sein!“
Innen Ruhrpott is ja noch keiner vonne Strategens
ausse Szene auffe Idee gekommen, ma ne Messe zu
veranstalten. Also getz ne Karpfenmesse und nicht
die „Tuning and Titten“ oder „Mode,
Heim und Handwerch“.
„Der Trick anne Sache is, dat wir quasi
als erstet vorne anne Forte stehen“, sach
ich noch für den Ernst, als wir morgens um
2 Uhr auffe Piste biegen. Ich habbet alles bis
innet kleinste Kinkerlitzchen geplant. Wir machen
dat, wie unsere Ollen im Sommerschlussverkauf
bei Horten. Der Ernst kümmert sich umme Nüsse,
der Kurt und ich besorgen de Pällätz
und die Hakens und der Rest flaniert en bisken
rum und hält Ausschau nache besten Schnäppchen
und Neuigkeitens.
Bis kurz vorre Halle dacht ich auch noch: „Ich
liebe es, wenn ein Plan funktioniert“, alla
A-Team, weil ich die riesige getarnte Schlange
ers gar nich gesehen hab. Im letzten Augenblick
sind dann aber doch die Neong-Aufschriften auffe
Team-Tischörts bei mir inne verquollenen
Augen geblinkt. Dat war wie samstachs auffe Kirmes
annem Frauentollettenwagen. Ich frach mich immer
noch, wie die alle gleichzeitig hinter meinen
genialen Plan gekommen sind. Ich vermut ja den
Oppa Blaschke. Ja komm, der konnt noch nie watt
für sich behalten. Ich sach sie, dat is dat
letzte mal, dat ich den einweihen tu in mein Strategie.
Als wir dann endlich drin waren, wurd datt Gedrängel
auch nich unbedingt weniger. Und kaum hasse dich
umgedreht, waren die Kollegens vonne Fahrgemeinschaft
im Getümmel verschwunden. Da war ich wohl
auf mich allein gestellt. Aber wat en echten Schnäppchenjäger
is, der schafft dat auch solo. Ich hab mich ersma
für de Neuigkeiten umgesehen. Da kam ja allerhand
zusammen, watte so ma gut gebrauchen kanns: Ankerbleie
für extra starke Strömung, Bojen mit
Rundumleuchte, wenne nachts ma die Angelstelle
nich findest, das neue Mega Afrodieter–Dome
mit integriertem Waschsalon für die 8–Wochensitzung
in Frankreich, die Tasche für die Tasche,
Tarnbekleidung, die sich vollautomatisch dem Gelände
anpasst und so weiter.
Aber irgendwie waren die jungen Burschen immer
schneller anne Theke vorne. Und ne Gelddruckmaschine
hatten die auch alle innen Keller, oder wie kommtet
dat en alten Messehase wie den Knödel dem
jungdymanischen Verkaufsliesken erläutern
muss, dat für ein Angebot die Preise runter
und nich raufgehn müssen. Getz also meine
Enkeln haben auf jeden Fall nich son dickes Taschengeld.
Und wenn ich mich dann ma durchgekämpft hab,
dann wollten die bekloppten Verkäufers ihre
Klamotten nich loswerden. Meistens war alles watt
ich haben wollte nich da. Oder die wollten auf
meine gut gefeilschten Angebote nich eingehen.
Wer nich will der hat schon! Da bin ich dann
lieber zu die Autogrammstunde von den neuen Karpfenpapst
gegangen, Ja gut, zu jeder Messe gehört auch
en Heiliger. Und danach wurd noch der neue Star
am Karpfennachwuchshimmel gekrönt. Dustin
Dingenskirchen (12) hat mit den neuen XY-Ruten
en 68-pfündigen Schuppi innem Karpfenpuff
gefangen und ziert jetzt den aktuellen Geräte–Katalog.
Leck mich annen Arsch, die Jugend holt auf. Da
hasse im Alter gar keine Schangse mehr, mit dat
verangelte Gerät. Und die ganzen Täckeldielers
wollen ja nur anne junge Kundschaft watt verdienen.
Aber da werd ich watt dran ändern! Ich werd
für dat nächste Jahr ma ne Messe im
Ruhrpott ogganisiern. Da bin ich auf jeden Fall
als erster anne Bedientheke. Und die angelnden
Ruhrpott–Rentner und von denen gibbet nich
grad nur en paar, ham dann nen Extra–Eingang
mit roten Teppich und allem Schnickschnack. Und
den Oppa Blaschke, der präsentiert dann seine
eigene Anziehkollekzion „Grey-Line“
passend zur Haarfarbe vonne Anglers. Ich weiss
nämlich wo die Kaufkraft steckt.
Euer Herbert Knödel
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