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carp.de | Berichte
Ausgabe 139 | 16. August 2010
SATIRE

Gestatten: Herbert Knödl - Heilige Messe
Von Herbert Knödl / Mai 2009

 

Boah glaubse, ich sachet sie! Gut, datte im Sommer und im Herbst ordentlich der Fischerei frönen kanns, um die Durststrecke bis zum Winter hin gut zu überbrücken. Sons wär et ja quasi gar nich auszuhalten mitte Warterei bis hin zu den Ereignis! Und ich bin en geduldigen Warter, dat könne Se mir glauben. Ich sitzet aus, wennet sein muß!

Ein Unikat: Herbert Knödl

Endlich is widder Messezeit. Ich hab mein Frau schon Bescheid gesacht, dat dat nix wird mit den Haushaltsgeld diesen Monat. Dat wär alles schon immer ginär ausgegeben. Ich muss aufstocken. Ich habbet nämlich geschafft, übbert Jahr mein ganzet Täckel zu verangeln. Also, Materialschlacht. Ja gut, bei uns am Fluss da kannse aber auch auf 100 Gramm mehr oder weniger beim Blei nich kucken.

Auf jeden Fall hab ich schon den ganzen Klan, also den Karl-Heinz Schaberniak, den Kurt Pichel, den Ernst Grabellus und den Opa Blaschke Bescheid gegeben, zwecks Bildung vonne Fahrgemeinschaft. Weil alleine könntese den Spass ja gar nich mehr bezahlen bei sonne weiten Strecke. Und selbs die Moni vonne Freien Tanke anne B 224 hat die Preise mittlerweile sowat von angezogen, dat dir die Tränen davon kommen. Ach da fällt mir grad en Witzken zu ein: „Hör ma, glaub mein Portemoneng is aus Zwiebelleder...kuckse rein...kommen mir de Tränen! Ja ne komm, Spass muss sein!“

Innen Ruhrpott is ja noch keiner vonne Strategens ausse Szene auffe Idee gekommen, ma ne Messe zu veranstalten. Also getz ne Karpfenmesse und nicht die „Tuning and Titten“ oder „Mode, Heim und Handwerch“.
„Der Trick anne Sache is, dat wir quasi als erstet vorne anne Forte stehen“, sach ich noch für den Ernst, als wir morgens um 2 Uhr auffe Piste biegen. Ich habbet alles bis innet kleinste Kinkerlitzchen geplant. Wir machen dat, wie unsere Ollen im Sommerschlussverkauf bei Horten. Der Ernst kümmert sich umme Nüsse, der Kurt und ich besorgen de Pällätz und die Hakens und der Rest flaniert en bisken rum und hält Ausschau nache besten Schnäppchen und Neuigkeitens.

Bis kurz vorre Halle dacht ich auch noch: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“, alla A-Team, weil ich die riesige getarnte Schlange ers gar nich gesehen hab. Im letzten Augenblick sind dann aber doch die Neong-Aufschriften auffe Team-Tischörts bei mir inne verquollenen Augen geblinkt. Dat war wie samstachs auffe Kirmes annem Frauentollettenwagen. Ich frach mich immer noch, wie die alle gleichzeitig hinter meinen genialen Plan gekommen sind. Ich vermut ja den Oppa Blaschke. Ja komm, der konnt noch nie watt für sich behalten. Ich sach sie, dat is dat letzte mal, dat ich den einweihen tu in mein Strategie.

Als wir dann endlich drin waren, wurd datt Gedrängel auch nich unbedingt weniger. Und kaum hasse dich umgedreht, waren die Kollegens vonne Fahrgemeinschaft im Getümmel verschwunden. Da war ich wohl auf mich allein gestellt. Aber wat en echten Schnäppchenjäger is, der schafft dat auch solo. Ich hab mich ersma für de Neuigkeiten umgesehen. Da kam ja allerhand zusammen, watte so ma gut gebrauchen kanns: Ankerbleie für extra starke Strömung, Bojen mit Rundumleuchte, wenne nachts ma die Angelstelle nich findest, das neue Mega Afrodieter–Dome mit integriertem Waschsalon für die 8–Wochensitzung in Frankreich, die Tasche für die Tasche, Tarnbekleidung, die sich vollautomatisch dem Gelände anpasst und so weiter.

Aber irgendwie waren die jungen Burschen immer schneller anne Theke vorne. Und ne Gelddruckmaschine hatten die auch alle innen Keller, oder wie kommtet dat en alten Messehase wie den Knödel dem jungdymanischen Verkaufsliesken erläutern muss, dat für ein Angebot die Preise runter und nich raufgehn müssen. Getz also meine Enkeln haben auf jeden Fall nich son dickes Taschengeld. Und wenn ich mich dann ma durchgekämpft hab, dann wollten die bekloppten Verkäufers ihre Klamotten nich loswerden. Meistens war alles watt ich haben wollte nich da. Oder die wollten auf meine gut gefeilschten Angebote nich eingehen.

Wer nich will der hat schon! Da bin ich dann lieber zu die Autogrammstunde von den neuen Karpfenpapst gegangen, Ja gut, zu jeder Messe gehört auch en Heiliger. Und danach wurd noch der neue Star am Karpfennachwuchshimmel gekrönt. Dustin Dingenskirchen (12) hat mit den neuen XY-Ruten en 68-pfündigen Schuppi innem Karpfenpuff gefangen und ziert jetzt den aktuellen Geräte–Katalog. Leck mich annen Arsch, die Jugend holt auf. Da hasse im Alter gar keine Schangse mehr, mit dat verangelte Gerät. Und die ganzen Täckeldielers wollen ja nur anne junge Kundschaft watt verdienen.
Aber da werd ich watt dran ändern! Ich werd für dat nächste Jahr ma ne Messe im Ruhrpott ogganisiern. Da bin ich auf jeden Fall als erster anne Bedientheke. Und die angelnden Ruhrpott–Rentner und von denen gibbet nich grad nur en paar, ham dann nen Extra–Eingang mit roten Teppich und allem Schnickschnack. Und den Oppa Blaschke, der präsentiert dann seine eigene Anziehkollekzion „Grey-Line“ passend zur Haarfarbe vonne Anglers. Ich weiss nämlich wo die Kaufkraft steckt.

Euer Herbert Knödel

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