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carp.de | Berichte
Ausgabe 139 | 16. August 2010
TAKTIK

New Dimensions - Geber und Winkel
Von Markus Buchelt / November 2009

 

Viele von Euch wissen, dass ich seit Jahren mein Lowrance Echolot X-85 liebe. Doch dies hat jetzt ausgedient. Im Sommer dieses Jahres hatte ich den ersten Kontakt mit den Humminbird Echoloten der neuen Generation. Nicht wenige von Euch kennen mit Sicherheit noch die einfachen Echolote von Humminbird von Anfang der 90er Jahre. Es war nicht einfach zu erkennen, ob der Untergrund hart oder weich, bzw. ob Kraut auf dem Boden wahr. Auch die Darstellung von Fischen war seinerzeit nicht wirklich optimal.

Das System des "Tri Beam Gebers"
von Humminbirg

Eine Darstellung der Rohechos als Sichel gab es nicht und die Fischsymbole waren nicht aussagekräftig genug, um Nutzen daraus zu ziehen. Die heutigen Geräte haben hier zum Glück keine Probleme mehr. Die Darstellung des Bodens ist heutzutage geradezu perfekt. Es ist deutlich zu erkennen, ob der Boden aus hartem Stein oder weichem Sand besteht. Steine, Pflanzen und Bäume sind unter Wasser deutlich zu erkennen und zu unterscheiden. Bei den Farbgeräten kann man die Unterschiede hier sogar noch deutlicher erkennen. Erfolgt bei Schwarz/Weiß Geräten die Darstellung der Härte über unterschiedliche Graustufen, wird bei den Farbegeräten die Härte über verschiedene Farben dargestellt. Das ermöglicht relativ einfach zu erkennen ob es sich nun um Pflanzen oder Holz handelt.

Doch nicht nur in der Darstellung auf dem Bildschirm, auch in der Gebertechnik hat sich viel getan. Man kann sogar sagen, das Humminbird derzeit über die innovativste Gebertechnik auf dem Echolotmarkt verfügt. Je nach Einsatzzweck stehen bei den Humminbird-Echoloten verschiedene Gebertypen zur Verfügung. Vom 1-Strahl Geber bis zum 6-Strahl Geber gibt es für jeden Einsatzbereich einen passenden Geber. Der Vorteil ist vor allem, dass man sich selbst beim 6-Strahl Geber aussuchen kann, welchen der 6 Strahlen man angezeigt bekommt. Natürlich lassen sich auch alle Strahlen gleichzeitig darstellen. Nachfolgend möchte ich Euch einen Überblick über die verschiedenen Geber und deren Einsatzbereich geben.

Um einfach nur den Bodenverlauf direkt unterm Boot zu erkennen, reicht ein 1-Strahl Geber völlig aus. Leider ist der abgetastete Bereich dabei natürlich auch sehr klein. Um einen optimalen Angelplatz zu finden, muss man den ausgewählten Bereich in vielen, eng beieinanderliegenden Linien überfahren und immer wieder Marker setzen, damit man einen erfolgsversprechenden Platz wiederfindet. Dieser Gebertyp stellt bei fast allen Herstellern den Standartgeber dar. „Single Beam“ - Geber besitzen meistens einen Geberwinkel von 20 Grad. Das heißt, der Bodenausschnitt entspricht etwa 1/3 der Tiefe. Verwendet man ein Echolot mit so einem Geber, geht viel Zeit bei der Suche nach einem optimalen Angelplatz verloren. Ich weis noch, wie ich früher über die Seen gefahren bin, um eine vielversprechende Angelstelle zu finden.

Um größere Gebiete schneller abzufahren, benötigt man also ein Echolot mit einem größeren Geberwinkel. Doch aufgepasst: Wird der Winkel nur von einem Sendekegel erzeugt, ist die Darstellung immer noch ungenau. Es gibt zwar Geräte, die einen Winkel von bis zu 120 Grad aufweisen. Bei einem einzelnen Sendekegel ist dann allerdings keine Aussage möglich, wo der Boden jetzt so aussieht, wie er auf dem Bildschirm dargestellt wird. Um dies zu verstehen, muss ich Euch kurz erklären, wie sich das Bild bei einem Echolot aufbaut. Man kann sich vorstellen, das sich unser Boot am oberen rechten Bildrand befindet. Jetzt sendet das Echolot einen Schallimpuls aus. Dieser Schall wird von allen Gegenständen (Fische, Pflanzen, Wurzeln und Boden) reflektiert.

Das System des "Quadra Beam Gebers"
von Humminbird

Aufgrund der Zeit zwischen dem Aussenden und Empfangen des Schallimpulses kann das Echolot errechnen, wie weit entfernt das entsprechende Objekt ist. Die zurückkehrenden Signale stammen von allen Objekten im Wasser im Bereich des Geberwinkels. Diese Informationen stellt dann das Echolot auf 1-Pixel-Breite dar. Für den nächsten Schallimpuls werden dann die Signale um einen Pixel nach links verschoben und der oben beschriebene Vorgang wiederholt sich. Das Bild auf dem Echolotmonitor stellt somit den Bereich hinter dem Boot dar. Fällt der Boden in diesem Bereich zum Beispiel von drei auf zehn Meter ab, so ist dies mit einem solchen Geber nicht zu erkennen.

Besser sind hier Geber, mit mehreren Strahlen arbeiten, wie zum Beispiel der „Tri-Beam“- (drei Strahlen), oder „Quadra-Beam“- (vier Strahlen) Geber. Je nach Gerät sind verschiedene Ansichten möglich. So kann man sich die Geberwinkel überlagert, oder aber auch einzeln darstellen lassen. Das hat den Vorteil, dass man nicht nur den Bereich unter dem Boot sieht, sondern gleichzeitig auch noch seitlich vom Boot. Hierbei wird der Bildschirm dann geteilt. Oben wird der Boden direkt unter dem Boot dargestellt, unten die beiden seitlichen Geber. So lassen sich auch Unterschiede im Bodenverlauf, wie Kanten oder Abbrüche einfacher erkennen, wie bei einem Echolot mit nur einem Geberkegel. Damit ist es möglich, auch ein größeres Gebiet in kurzer Zeit abzusuchen, was uns natürlich mehr Zeit für das eigentliche Fischen lässt.

Neben diesen Standard-Gebertypen bei Echoloten gibt es auch Echolote, die den Boden in einer dreidimensionalen Kontur anzeigen. Hier sieht man sehr deutlich, wie der Boden unter Wasser verläuft. Kanten, Erhebungen, Plateaus - alles ist deutlich zu sehen. Auch Senken auf einer ebenen Fläche lassen sich damit erkennen. Einziger Nachteil, die Bodenhärte lässt sich nur in der zweidimensionalen Ansicht richtig erkennen. Aber auch hier hat der Hersteller eine Lösung gefunden. Es ist möglich, sich die sechs Geber wie sechs Scheiben nebeneinander in einer zweidimensionalen Ansicht anzeigen zu lassen. Hier sieht man zwar nicht die dreidimensionale Kontur des Bodens als Relief, aber hat dafür für jeden der Geberstahlen die Bodenhärteansicht. Über eine gedachte Verbindung der sechs Ansichten erhält man aber auch eine gewisse Übersicht über die Kontur des Bodens.

Den neuesten Clou bei den Echoloten stellt die Side-Imagin-Technik dar. Hier hat Humminbird eine Technik vorgelegt die derzeit seinesgleichen bei anderen Herstellern zu suchen ist. Bei diesen Echoloten wird der Grund scheibchenweise erfasst und dargestellt. Der Grund wird quasi richtig abgescannt. Der spezielle Geber tastet den Wasserkörper von der Oberfläche bis zum Grund ab. Daraus ergibt sich eine gigantische Abdeckung von knapp 180 Grad. Allerdings funktioniert die Side Imaging Technik derzeit nur bis zu einer Tiefe vom rund 45 Metern und einer Breite von 70 Metern links und rechts vom Boot.

Solche Wurzelstöcke können einen Angelplatz
nur sehr schwer befischbar machen!

Dies reicht uns aber beim Karpfenangeln problemlos aus. Was ist an dieser Technik jetzt so revolutionär? Ganz einfach: Das Echolotbild sieht aus wie eine Fotografie von oben auf den Gewässerboden. Damit kann man genau erkennen, wie die Unterwasserwelt aussieht. Jeder Ast, Stein und jede Kante sind deutlich zu erkennen. Selbst Lücken in Krautfeldern lassen sich mit dieser Technik problemlos finden.

Nun werden sich viele Fragen „Ich sehe zwar viel, aber wo befindet sich der entsprechende Punkt in unserem Gewässer?“. Auch hier gibt es eine einfache Lösung. Alle Geräte mit Side-Imaging-Technologie sind mit GPS ausgestattet. Entweder besitzen sie eine eingebaute GPS-Antenne oder einen Anschluss für eine externe GPS-Antenne. Mit den Pfeiltasten und einem Cursor kann man nun entsprechende Stellen auf der Ansicht markieren. Da das Gerät durch das GPS die Richtung und Entfernung aufnimmt und diese Informationen im Hintergrund zur Bildschirmdarstellung bereit hält, ist es dem Gerät möglich, die Koordinaten zu jedem Punkt auf dem Display abzuspeichern.

Dadurch entfällt auch das lästige Setzen von Markern, was auch immer viel Zeit in Anspruch genommen hat. Hat man nun entsprechende interessante Punkte markiert, kann man die Stellen einfach nochmals abfahren, in dem man dem GPS sagt, welchen Punkt man anfahren will. Dann kann man sich nochmals davon überzeugen, ob die Wahl richtig war. Beim Fischen selber kann man Dank der Kombination von Echolot und GPS auf das Setzen von Bojen verzichten. Muss die Rute neu ausgebracht, oder nur angefüttert werden, lässt man sich von seinem Side-Imaging-Echolot genau zu der entsprechenden Stelle bringen. Ducht die Kombination von Echolot und GPS ist dies problemlos möglich.

Neben den Sendewinkeln spielt auch die Frequenz der Geber eine entscheidende Rolle wie gut die Unterwasserlandschaft dargestellt wird. Niedrige Frequenzen, wie zum Beispiel 50 kHz (Kilohertz) oder 83 kHz können sich unter Wasser zwar weit ausbreiten, sind aber sehr ungenau. Man kann dies ähnlich der Musik bei einem Open Air Konzert vergleichen. Die niederen Bass Töne sind meilenweit zu hören. Aber mehr als den Grundrhythmus, das „Bum Bum“ hört man nicht. Diese Frequenzen sind nur für große Tiefen ideal, allerdings sind sie nicht sehr genau. Nur große Objekte können erfasst werden. Je höher die Frequenz wird, umso genauer wird die Darstellung.

Markus Buchelt mit einem schweren Spiegelkarpfen

Dies ist der Grund, warum die meisten Hersteller 200 kHz als Standardfrequenz verwenden. Diese Frequenz ist ein Kompromiss zwischen erreichbarer Tiefe und Detailgenauigkeit. Verglichen mit der Musik handelt es sich hierbei um einen Mittelton. Die Musik ist gut zu hören und die Reichweite ist auch nicht mal so schlecht. Natürlich kommt diese Frequenz nicht an die Tiefen bei den niederen Frequenzen heran. Die Firma Humminbird setzt zur Lösung dieses Problems hier noch eine weitere Technik ein.

Bei den „Quadra-Beam“-Gebern, den 3-D-Gebern und der Side-Imaging-Technik kommen Frequenzen von 455 kHz und höher zum Einsatz. Im Vergleich zur Musik hört man jetzt alle Töne und dies kristallklar. Durch die hohen Frequenzen sind die Geräte in der Lage, auch noch kleine Objekte genau darzustellen. Allerdings ist die Tiefe bei diesen Frequenzen begrenzt. Je nach Geber und Frequenz erreichen diese Geber nur Tiefen bis 45 Meter bzw. 75 Meter.

Durch die intelligente Kombination von verschiedenen Winkeln und Frequenzen decken jedoch Geber wie der Quadra-Beam große Tiefen und große Bereiche ab. Der zentrale Kegel mit 20 Grad und 200 kHz ist für die Tiefe bestimmt und geht senkrecht nach unten. Ein überlagerter 60-Grad-Geber mit 83 kHz sorgt für eine zusätzliche Fischortung in diesem Bereich. Der Clou am Quadra-Beam-Geber sind allerdings die beiden seitlichen 35-Grad-Geber mit 455 kHz, mit denen der abgesuchte Bereich auf 90 Grad deutlich vergrößert wird.

Diese lassen sich wie oben beschreiben auch einzeln anzeigen. Beim Side-Imaging verhält sich dies so ähnlich, wie beim Quadra-Beam. Der Unterschied liegt nur darin, dass der abgetastete Bereich nicht nur links und rechts bis 45 Grad geht, sondern bis fast zur Wasseroberfläche. Daraus ergibt sich ein abgetaster Bereich von nahezu 180 Grad. Bedingt durch die hohe Frequenz beim Side-Imaging ist die Tiefe auf 45 Meter begrenzt und die Breite auf jeweils 70 Meter links und rechts vom Boot. Das Gigantische am Side-Imaging ist allerdings, dass man ähnlich einer Ultraschalluntersuchung alles genau sieht.

Stehen Bäume oder Wurzelstöcke im Wasser, mit einem Side-Imaging Echolot bleibt einem nichts verborgen. Und das Ganze nicht nur direkt unter dem Boot wie bei den klassischen Echoloten, sondern auch bis zu 70 Meter seitlich vom Boot. Durch diese Techniken hat Humminbird in den letzten Jahren gewaltig Fortschritte gemacht und neue Maßstäbe in der Echolottechnik gesetzt.

Dreidimensionale Ansicht der Bodenstruktur
ergibt ganz neue Einblicke

Ich möchte mein Humminbird 797 mit Side-Imaging mittlerweile nicht mehr missen. Es hat mir sogar an bislang bekannten Gewässern neue Einblicke gegeben, da durch die fotografische Draufsicht auf den Gewässerboden viele Zusammenhänge unter Wasser nun erst erkennbar geworden sind. Diese neuen Erkenntnisse haben mir zwischenzeitlich schon den einen oder anderen Fisch gebracht.

Tight Lines
Markus Buchelt

 
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