|
Viele von Euch wissen, dass ich seit Jahren mein
Lowrance Echolot X-85 liebe. Doch dies hat jetzt
ausgedient. Im Sommer dieses Jahres hatte ich
den ersten Kontakt mit den Humminbird Echoloten
der neuen Generation. Nicht wenige von Euch kennen
mit Sicherheit noch die einfachen Echolote von
Humminbird von Anfang der 90er Jahre. Es war nicht
einfach zu erkennen, ob der Untergrund hart oder
weich, bzw. ob Kraut auf dem Boden wahr. Auch
die Darstellung von Fischen war seinerzeit nicht
wirklich optimal.
 |
Das
System des "Tri Beam Gebers"
von Humminbirg |
 |
|
Eine Darstellung der Rohechos als Sichel gab
es nicht und die Fischsymbole waren nicht aussagekräftig
genug, um Nutzen daraus zu ziehen. Die heutigen
Geräte haben hier zum Glück keine Probleme
mehr. Die Darstellung des Bodens ist heutzutage
geradezu perfekt. Es ist deutlich zu erkennen,
ob der Boden aus hartem Stein oder weichem Sand
besteht. Steine, Pflanzen und Bäume sind
unter Wasser deutlich zu erkennen und zu unterscheiden.
Bei den Farbgeräten kann man die Unterschiede
hier sogar noch deutlicher erkennen. Erfolgt bei
Schwarz/Weiß Geräten die Darstellung
der Härte über unterschiedliche Graustufen,
wird bei den Farbegeräten die Härte
über verschiedene Farben dargestellt. Das
ermöglicht relativ einfach zu erkennen ob
es sich nun um Pflanzen oder Holz handelt.
Doch nicht nur in der Darstellung auf dem Bildschirm,
auch in der Gebertechnik hat sich viel getan.
Man kann sogar sagen, das Humminbird derzeit über
die innovativste Gebertechnik auf dem Echolotmarkt
verfügt. Je nach Einsatzzweck stehen bei
den Humminbird-Echoloten verschiedene Gebertypen
zur Verfügung. Vom 1-Strahl Geber bis zum
6-Strahl Geber gibt es für jeden Einsatzbereich
einen passenden Geber. Der Vorteil ist vor allem,
dass man sich selbst beim 6-Strahl Geber aussuchen
kann, welchen der 6 Strahlen man angezeigt bekommt.
Natürlich lassen sich auch alle Strahlen
gleichzeitig darstellen. Nachfolgend möchte
ich Euch einen Überblick über die verschiedenen
Geber und deren Einsatzbereich geben.
Um einfach nur den Bodenverlauf direkt unterm
Boot zu erkennen, reicht ein 1-Strahl Geber völlig
aus. Leider ist der abgetastete Bereich dabei
natürlich auch sehr klein. Um einen optimalen
Angelplatz zu finden, muss man den ausgewählten
Bereich in vielen, eng beieinanderliegenden Linien
überfahren und immer wieder Marker setzen,
damit man einen erfolgsversprechenden Platz wiederfindet.
Dieser Gebertyp stellt bei fast allen Herstellern
den Standartgeber dar. „Single Beam“
- Geber besitzen meistens einen Geberwinkel von
20 Grad. Das heißt, der Bodenausschnitt
entspricht etwa 1/3 der Tiefe. Verwendet man ein
Echolot mit so einem Geber, geht viel Zeit bei
der Suche nach einem optimalen Angelplatz verloren.
Ich weis noch, wie ich früher über die
Seen gefahren bin, um eine vielversprechende Angelstelle
zu finden.
Um größere Gebiete schneller abzufahren,
benötigt man also ein Echolot mit einem größeren
Geberwinkel. Doch aufgepasst: Wird der Winkel
nur von einem Sendekegel erzeugt, ist die Darstellung
immer noch ungenau. Es gibt zwar Geräte,
die einen Winkel von bis zu 120 Grad aufweisen.
Bei einem einzelnen Sendekegel ist dann allerdings
keine Aussage möglich, wo der Boden jetzt
so aussieht, wie er auf dem Bildschirm dargestellt
wird. Um dies zu verstehen, muss ich Euch kurz
erklären, wie sich das Bild bei einem Echolot
aufbaut. Man kann sich vorstellen, das sich unser
Boot am oberen rechten Bildrand befindet. Jetzt
sendet das Echolot einen Schallimpuls aus. Dieser
Schall wird von allen Gegenständen (Fische,
Pflanzen, Wurzeln und Boden) reflektiert.
 |
Das
System des "Quadra Beam Gebers"
von Humminbird |
 |
|
Aufgrund der Zeit zwischen dem Aussenden und
Empfangen des Schallimpulses kann das Echolot
errechnen, wie weit entfernt das entsprechende
Objekt ist. Die zurückkehrenden Signale stammen
von allen Objekten im Wasser im Bereich des Geberwinkels.
Diese Informationen stellt dann das Echolot auf
1-Pixel-Breite dar. Für den nächsten
Schallimpuls werden dann die Signale um einen
Pixel nach links verschoben und der oben beschriebene
Vorgang wiederholt sich. Das Bild auf dem Echolotmonitor
stellt somit den Bereich hinter dem Boot dar.
Fällt der Boden in diesem Bereich zum Beispiel
von drei auf zehn Meter ab, so ist dies mit einem
solchen Geber nicht zu erkennen.
Besser sind hier Geber, mit mehreren Strahlen
arbeiten, wie zum Beispiel der „Tri-Beam“-
(drei Strahlen), oder „Quadra-Beam“-
(vier Strahlen) Geber. Je nach Gerät sind
verschiedene Ansichten möglich. So kann man
sich die Geberwinkel überlagert, oder aber
auch einzeln darstellen lassen. Das hat den Vorteil,
dass man nicht nur den Bereich unter dem Boot
sieht, sondern gleichzeitig auch noch seitlich
vom Boot. Hierbei wird der Bildschirm dann geteilt.
Oben wird der Boden direkt unter dem Boot dargestellt,
unten die beiden seitlichen Geber. So lassen sich
auch Unterschiede im Bodenverlauf, wie Kanten
oder Abbrüche einfacher erkennen, wie bei
einem Echolot mit nur einem Geberkegel. Damit
ist es möglich, auch ein größeres
Gebiet in kurzer Zeit abzusuchen, was uns natürlich
mehr Zeit für das eigentliche Fischen lässt.
Neben diesen Standard-Gebertypen bei Echoloten
gibt es auch Echolote, die den Boden in einer
dreidimensionalen Kontur anzeigen. Hier sieht
man sehr deutlich, wie der Boden unter Wasser
verläuft. Kanten, Erhebungen, Plateaus -
alles ist deutlich zu sehen. Auch Senken auf einer
ebenen Fläche lassen sich damit erkennen.
Einziger Nachteil, die Bodenhärte lässt
sich nur in der zweidimensionalen Ansicht richtig
erkennen. Aber auch hier hat der Hersteller eine
Lösung gefunden. Es ist möglich, sich
die sechs Geber wie sechs Scheiben nebeneinander
in einer zweidimensionalen Ansicht anzeigen zu
lassen. Hier sieht man zwar nicht die dreidimensionale
Kontur des Bodens als Relief, aber hat dafür
für jeden der Geberstahlen die Bodenhärteansicht.
Über eine gedachte Verbindung der sechs Ansichten
erhält man aber auch eine gewisse Übersicht
über die Kontur des Bodens.
Den neuesten Clou bei den Echoloten stellt die
Side-Imagin-Technik dar. Hier hat Humminbird eine
Technik vorgelegt die derzeit seinesgleichen bei
anderen Herstellern zu suchen ist. Bei diesen
Echoloten wird der Grund scheibchenweise erfasst
und dargestellt. Der Grund wird quasi richtig
abgescannt. Der spezielle Geber tastet den Wasserkörper
von der Oberfläche bis zum Grund ab. Daraus
ergibt sich eine gigantische Abdeckung von knapp
180 Grad. Allerdings funktioniert die Side Imaging
Technik derzeit nur bis zu einer Tiefe vom rund
45 Metern und einer Breite von 70 Metern links
und rechts vom Boot.
 |
Solche
Wurzelstöcke können einen
Angelplatz
nur sehr schwer befischbar machen! |
 |
|
Dies reicht uns aber beim Karpfenangeln problemlos
aus. Was ist an dieser Technik jetzt so revolutionär?
Ganz einfach: Das Echolotbild sieht aus wie eine
Fotografie von oben auf den Gewässerboden.
Damit kann man genau erkennen, wie die Unterwasserwelt
aussieht. Jeder Ast, Stein und jede Kante sind
deutlich zu erkennen. Selbst Lücken in Krautfeldern
lassen sich mit dieser Technik problemlos finden.
Nun werden sich viele Fragen „Ich sehe
zwar viel, aber wo befindet sich der entsprechende
Punkt in unserem Gewässer?“. Auch hier
gibt es eine einfache Lösung. Alle Geräte
mit Side-Imaging-Technologie sind mit GPS ausgestattet.
Entweder besitzen sie eine eingebaute GPS-Antenne
oder einen Anschluss für eine externe GPS-Antenne.
Mit den Pfeiltasten und einem Cursor kann man
nun entsprechende Stellen auf der Ansicht markieren.
Da das Gerät durch das GPS die Richtung und
Entfernung aufnimmt und diese Informationen im
Hintergrund zur Bildschirmdarstellung bereit hält,
ist es dem Gerät möglich, die Koordinaten
zu jedem Punkt auf dem Display abzuspeichern.
Dadurch entfällt auch das lästige Setzen
von Markern, was auch immer viel Zeit in Anspruch
genommen hat. Hat man nun entsprechende interessante
Punkte markiert, kann man die Stellen einfach
nochmals abfahren, in dem man dem GPS sagt, welchen
Punkt man anfahren will. Dann kann man sich nochmals
davon überzeugen, ob die Wahl richtig war.
Beim Fischen selber kann man Dank der Kombination
von Echolot und GPS auf das Setzen von Bojen verzichten.
Muss die Rute neu ausgebracht, oder nur angefüttert
werden, lässt man sich von seinem Side-Imaging-Echolot
genau zu der entsprechenden Stelle bringen. Ducht
die Kombination von Echolot und GPS ist dies problemlos
möglich.
Neben den Sendewinkeln spielt auch die Frequenz
der Geber eine entscheidende Rolle wie gut die
Unterwasserlandschaft dargestellt wird. Niedrige
Frequenzen, wie zum Beispiel 50 kHz (Kilohertz)
oder 83 kHz können sich unter Wasser zwar
weit ausbreiten, sind aber sehr ungenau. Man kann
dies ähnlich der Musik bei einem Open Air
Konzert vergleichen. Die niederen Bass Töne
sind meilenweit zu hören. Aber mehr als den
Grundrhythmus, das „Bum Bum“ hört
man nicht. Diese Frequenzen sind nur für
große Tiefen ideal, allerdings sind sie
nicht sehr genau. Nur große Objekte können
erfasst werden. Je höher die Frequenz wird,
umso genauer wird die Darstellung.
 |
| Markus
Buchelt mit einem schweren Spiegelkarpfen |
 |
|
Dies ist der Grund, warum die meisten Hersteller
200 kHz als Standardfrequenz verwenden. Diese
Frequenz ist ein Kompromiss zwischen erreichbarer
Tiefe und Detailgenauigkeit. Verglichen mit der
Musik handelt es sich hierbei um einen Mittelton.
Die Musik ist gut zu hören und die Reichweite
ist auch nicht mal so schlecht. Natürlich
kommt diese Frequenz nicht an die Tiefen bei den
niederen Frequenzen heran. Die Firma Humminbird
setzt zur Lösung dieses Problems hier noch
eine weitere Technik ein.
Bei den „Quadra-Beam“-Gebern, den
3-D-Gebern und der Side-Imaging-Technik kommen
Frequenzen von 455 kHz und höher zum Einsatz.
Im Vergleich zur Musik hört man jetzt alle
Töne und dies kristallklar. Durch die hohen
Frequenzen sind die Geräte in der Lage, auch
noch kleine Objekte genau darzustellen. Allerdings
ist die Tiefe bei diesen Frequenzen begrenzt.
Je nach Geber und Frequenz erreichen diese Geber
nur Tiefen bis 45 Meter bzw. 75 Meter.
Durch die intelligente Kombination von verschiedenen
Winkeln und Frequenzen decken jedoch Geber wie
der Quadra-Beam große Tiefen und große
Bereiche ab. Der zentrale Kegel mit 20 Grad und
200 kHz ist für die Tiefe bestimmt und geht
senkrecht nach unten. Ein überlagerter 60-Grad-Geber
mit 83 kHz sorgt für eine zusätzliche
Fischortung in diesem Bereich. Der Clou am Quadra-Beam-Geber
sind allerdings die beiden seitlichen 35-Grad-Geber
mit 455 kHz, mit denen der abgesuchte Bereich
auf 90 Grad deutlich vergrößert wird.
Diese lassen sich wie oben beschreiben auch einzeln
anzeigen. Beim Side-Imaging verhält sich
dies so ähnlich, wie beim Quadra-Beam. Der
Unterschied liegt nur darin, dass der abgetastete
Bereich nicht nur links und rechts bis 45 Grad
geht, sondern bis fast zur Wasseroberfläche.
Daraus ergibt sich ein abgetaster Bereich von
nahezu 180 Grad. Bedingt durch die hohe Frequenz
beim Side-Imaging ist die Tiefe auf 45 Meter begrenzt
und die Breite auf jeweils 70 Meter links und
rechts vom Boot. Das Gigantische am Side-Imaging
ist allerdings, dass man ähnlich einer Ultraschalluntersuchung
alles genau sieht.
Stehen Bäume oder Wurzelstöcke im Wasser,
mit einem Side-Imaging Echolot bleibt einem nichts
verborgen. Und das Ganze nicht nur direkt unter
dem Boot wie bei den klassischen Echoloten, sondern
auch bis zu 70 Meter seitlich vom Boot. Durch
diese Techniken hat Humminbird in den letzten
Jahren gewaltig Fortschritte gemacht und neue
Maßstäbe in der Echolottechnik gesetzt.
 |
Dreidimensionale
Ansicht der Bodenstruktur
ergibt ganz neue Einblicke |
 |
|
Ich möchte mein Humminbird 797 mit Side-Imaging
mittlerweile nicht mehr missen. Es hat mir sogar
an bislang bekannten Gewässern neue Einblicke
gegeben, da durch die fotografische Draufsicht
auf den Gewässerboden viele Zusammenhänge
unter Wasser nun erst erkennbar geworden sind.
Diese neuen Erkenntnisse haben mir zwischenzeitlich
schon den einen oder anderen Fisch gebracht.
Tight Lines
Markus Buchelt
|