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Gründonnerstag,
16 Uhr. Osterwochenende! Das Signal für den
deutschen Karpfenangler schlechthin, seine Ruten
einzupacken und sich für die, oftmals erste
lange Session des Jahres, zum Lieblingssee aufzumachen.
Wo er sich dann natürlich mit all den anderen
Anglern, die komischerweise dieselbe Idee hatten,
um die vorhandenen Stellen kloppen wird…
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Gehört zum Elbangeln dazu:
Kilometerlange Märsche |
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Die Wassertemperaturen waren seit Monatsanfang
wieder zaghaft in zweistellige Bereiche vorgedrungen,
und ich war mit gemischten Gefühlen auf der
A 24 Richtung Hamburg unterwegs. Einerseits war
ich natürlich aufgeregt, nach der Winterpause
mal wieder ans Wasser zu kommen. Auch die Aussicht,
mit Christian und André an der Elbe zu
sitzen und sich den Wind um die Nase wehen zu
lassen, ließ die lange Anfahrt schnell vergehen.
Aber da war es schon, das Stichwort, mein Nemesis:
Die Elbe! 1.165 km lang, vom Riesengebirge bis
nach Cuxhaven. Mit einem Einzugsgebiet von annähernd
150.000 km. Das große Wasser, das mir, der
ich bislang kaum an Fließgewässern
gefischt hatte, mehr als nur gesunden Respekt
einflösst.
Die Elbe trägt ihren weiblichen Artikel nur
zu recht: Wie eine schöne Frau kann sie dir
ihre Gunst erweisen oder dich zur Verzweiflung
treiben. Mit den Worten Christians: „Entweder
sie liebt, oder sie hasst dich.“. Und genau
hier lag leider mein Problem: Madame Elbe zeigte
mir trotz meiner ernst gemeinten Avancen bislang
immer die kalte Schulter... Letztes Jahr durfte
ich beispielsweise zusehen, wie Christian und
André einen schönen Fisch nach dem
anderen fingen, während bei mir, 50 Meter
stromauf, absolute Funkstille herrschte. Dieser
Zustand wurde nur ein einziges Mal durch einen
10 kg- Graser unterbrochen, der mein Vertrauen
in die Elbe kurzzeitig wieder aufzubauen vermochte.
Natürlich nur, bis Christian keine zwei Stunden
später mit süffisantem Grinsen ein beinah
20 kg schweres Exemplar vom Haken löste...
Aaaarrrgh, böser Anfall von Fischneid!
Nun sollte es also wieder losgehen. Aber diesmal
bei gerade einmal 9°C Wassertemperatur, bei
der ein durchschnittlicher Karpfen wohl kaum mehr
als ein, zwei Maul voll Nahrung am Tag aufnimmt.
Tolle Aussichten! Na ja, dachte ich so bei mir,
während der Asphalt unter mir die Reifen
brummen ließ, weniger als sonst kannst du
gar nicht fangen, also lass dich einfach überraschen.
Ehrlich gesagt -und deshalb an dieser Stelle nochmals
ein herzliches Dankeschön an André
und Christian- hätte ich ohne die Hilfe der
Beiden sowieso niemals eine reelle Chance gehabt,
innerhalb der mir zur Verfügung stehenden
Zeit an diesem riesigen Gewässer zum Erfolg
zu kommen: Zu unüberschaubar ist die Wasserfläche,
zu unterschiedlich der Gewässergrund um als
Ortsfremder mal eben hinfahren und einen Fisch
fangen zu können. Viele Stellen scheinen
auf den ersten Blick wirklich fischverdächtig,
aber unter Wasser liegt oft so viel Material aus
alten Uferbefestigungen, dass jede Montage unwiderruflich
zwischen den Brocken verloren geht.
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Der "Schiffshalterkarpfen", schon ohne seinen
kleinen grünen Freund |
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Oder am ersten
Abend kommt dann einer der vielen Nebenerwerbsfischer
angetuckert und kontrolliert drei Meter vor den
Ruten seine Aalreusen, die hier, wie jeder Einheimische
weiß, seit 15 Jahren liegen. Andere Abschnitte
sind wiederum glatt wie eine Bundesstraße,
so dass das Angeln an sich problemlos verläuft;
jedoch bleibt hier leider aufgrund der Strömung
kaum ein Köder liegen und man angelt in einer
Wüste, die kaum von Fischen aufgesucht wird.
Man muss fast zwangsläufig an der Elbe wohnen
und sich eingehend mit ihr beschäftigen,
um sie gnädig stimmen und ihr regelmäßig
einen Fisch entlocken zu können.
Deshalb
war ich sehr dankbar, vom Wissen meiner Nordlichter
profitieren zu dürfen. Dies gilt umso mehr,
da in einem derart großen Gewässer
Bisse ohne vorherige Futteraktionen meist die
Ausnahme bleiben. Und vor einer Session wochenlang
von Berlin nach Hamburg mit einem Malereimer Boilies
im Gepäck?! Glücklicherweise hatte sich
André bereit erklärt, für uns
etwas Futter auf zwei potenziellen Angelstellen
zu verteilen, so dass wir sogar über eine
Ausweichmöglichkeit verfügen würden,
wenn es an unserer ersten Stelle nicht richtig
laufen sollte.
Thanks, mate! Eine erste wichtige
Erkenntnis stellte sich bereits vor dem Erreichen
des Wassers ein: Die Wollhandkrabbe war wieder
auf Wanderschaft. Auf den Straßen beidseits
der Elbe lagen unzählige der kleinen Globetrotter
zerquetscht auf dem Asphalt. Auch unser Konvoi
ließ die Zahl der Opfer weiter in die Höhe
schnellen, was uns einerseits wirklich Leid tat.
Andererseits war bereits jetzt klar, dass uns
die kleinen Biester beim Angeln ordentlich zusetzen
würden, so dass das popcorn-ähnliche
Geräusch der unter den Reifen zersplitternden
Krabbenpanzer von mir mit heimlicher Genugtuung
zur Kenntnis genommen wurde.
Die von Christian und André ausgesuchte
und vorgefütterte Stelle präsentierte
sich nach halbstündigen Gewaltmärschen
über Deich und Deichvorland mit kurzem Gras
sowie einzelnen Büschen und Bäumen fast
wie ein gepflegter englischer Garten. Es macht
einfach Spaß, in solch offener Parklandschaft
zu angeln, trotz der Trauben an Hundebesitzern
und Spaziergängern, die bei Schönwetter
die Elbufer in Scharen aufsuchen. Die Tippis wurden
im Abstand von jeweils 100 Metern nahe der Uferbefestigung
aufgebaut und die Ruten mit einem Schlenker aus
dem Handgelenk nur wenige Meter weit, direkt am
Fuß der Steinpackung, ausgelegt.
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Schrecksekunde: Eine einsame Wiese stellt sich
am nächsten Morgen als Jungbullenwiese heraus... |
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Beim Auswerfen
(oder besser gesagt Auspendeln) entscheiden Fingerspitzengefühl
und Ortskenntnis: Einige Meter zu weit von der
Packung, die in ihren Ritzen uns Spalten unser
Futter festhält entfernt und die Bisse nehmen
rapide ab. Aber einen Meter zu kurz und die Montage
ist meist verloren! Sinnvolle Bleigewichte beginnen
bei 5 bis 6 oz. Da diese jedoch nicht weit geworfen
werden müssen, können auch etwas weichere
Ruten zum Einsatz kommen. Ich nutzte meinen vertrauten
Satz Zweidreiviertelpfünder, gebräuchlicher
sind jedoch 3 bis 3,5 lbs- Ruten. Die Kontrolle
der Köder sollte normalerweise alle vier
Stunden erfolgen, da Strömung, Wollhandkrabben
und Weißfische nichts unversucht lassen,
die Montage zu verknoten, das Haar zu durchtrennen
oder den Knödel still und heimlich abzulutschen.
Ein weiterer Faktor, der das Angeln im unteren
Teil der Elbe zuweilen sehr abenteuerlich werden
lassen kann, sind die Gezeiten. Um die Schnur
wegen der zahlreichen Hänger vom Grund fernzuhalten
ist es oft notwendig, die Ruten möglichst
steil und vor allem dicht an der Steinpackung
aufzubauen. Dies bedeutet aber fast zwangsläufig,
dass zur Kontrolle der Ruten regelmäßig
Gummistiefel benötigt werden, weil diese
bei Flut schon mal in einem Meter tiefen Wasser
enden können. Insbesondere bei länger
anhaltendem, starkem Wind aus Richtung Nordsee
kann es aber auch passieren, dass nicht nur der
Pod, sondern die gesamte Angelstelle für
ein bis zwei Stunden unter der Wasseroberfläche
zu verschwinden droht und die ganze Sache plötzlich
durchaus brenzlig werden kann...
Die einzige Absicherung gegen Hochwasser ist das
tägliche Verfolgen von eventuellen Flutwarnungen
im Radio. Gut geeignet, sofern man zu Hause anrufen
kann, ist auch der Videotext des NDR, Seite 180.
Jeder verantwortungsvolle Angler sollte sich soweit
unter Kontrolle haben, dass er nicht wegen seines
Karpfenfiebers absäuft. Baut bei angesagtem
Hochwasser lieber sicherheitshalber ab und zieht
Euch frühzeitig auf den Deich zurück,
anstatt euer Tackle und eventuell Euer Leben zu
riskieren! Oftmals fällt das Deichvorland
zwischen Ufer und Deich nämlich wieder ab,
so dass, wenn das Wasser das Zelt erreicht, hinter
euch vielleicht 800 Meter brusttiefes Wasser auf
euch warten und ihr euch gar nicht mehr ohne weiteres
zurückziehen könnt! Also immer ein Radio
mitnehmen oder zur Not Zelt ausräumen, alles
in den nächsten Baum hängen und zwei
Stunden abwarten. Sieht zwar ziemlich lustig aus,
so ein Angler mit seinem Gerödel auf einem
Baum mitten in der Elbe. Ist aber besser als zuzusehen,
wie das Tackle langsam aus dem Zelt gespült
wird, während man nach 800 Meter Freistil
triefend auf der Deichkrone hockt...
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Fix und fertig. Die Kraft der Elbschuppis
ist einfach phenomenal |
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Gegen sieben Uhr abends, nachdem die letzten Hundebesitzer
ihre Abendrunde gemacht und vor dem Fernseher
Platz genommen hatten, wurde es ruhiger am Fluss.
Im schwindenden Licht saßen wir bei heißem
Tee noch ein wenig zusammen, um die bei 5°C
Lufttemperatur kräftig vor sich hin dampfende
Elbe vorüberziehen zu sehen. Obwohl die Wassertemperatur
gerade einmal neun Grad betrug, war Christian
optimistisch: „Du wirst sehen, wenn der
Weißdorn blüht, dann kommen auch die
Karpfen...“. Da Christian sich als Forstarbeiter
jeden Tag in der Natur bewegt und ein gutes Gespür
für Jahreszeiten und Wetterumschwünge
entwickelt hat, hielt ich mich mit meinem „Die-Elbe-mag-mich-nicht-schon-gar-nicht-bei-9-Grad-ich-fang-hier-EH-NIE-WAS!“-
Gefühl vornehm zurück, trank meinen
Tee aus und ließ mich nach der obligatorischen
Köderkontrolle, die noch einmal um vier Uhr
früh wiederholt werden musste, von den fallenden
Temperaturen ins Bett vertreiben. Ob Christian
Recht behalten sollte?
Der nächste Tag wurde von einer Hundenase
eröffnet, die lautstark damit beschäftigt
war, sich unter dem Zelteingang hindurch einen
Weg in meine Ködertasche zu bahnen. Aha,
ungefähr acht Uhr, die ersten Hundebesitzer
machen die Morgenrunde. Also raus, dem Hund ein
paar Boilies spendieren und Tee aufsetzen. Leider
war die erste Nacht ansonsten ohne tierischen
Besuch verlaufen und auch Christian und André
hatten nichts zu erzählen. Na ja, erneute
Köderkontrolle und raus mit den Ruten.
Der Tag wurde zusehends freundlicher und warm,
so dass wir bereits kurz nach dem Frühstück
im T-Shirt auf den Stühlen sitzen und in
die Sonne blinzeln konnten. Kurz vor Mittag waren
dann erste Zeichen von Fischaktivität auszumachen:
Kleine Schwalle an der Oberfläche und das
sporadische Platschen eines buckelnden Fisches
ließen keine Zweifel daran, dass sich einige
Flossentiere für das Futter zu interessieren
begannen. „Hoffentlich sind das auch Karpfen
und nicht wieder Monster-Alande...“ unkte
ich in Erinnerung an eine Session aus dem vergangenen
Jahr noch ein wenig herum. „Das sind Karpfen,
kannst du ruhig glauben!“ beruhigte mich
Christian.
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| "Auflaufendes Wasser. Im Zelt gab es nasse Füße" |
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Und wirklich, im Laufe des Nachmittags
kamen die ersten Karpfen auf unsere Matten, wobei
wir erstaunlicherweise viele Schuppis fingen,
obwohl diese in der Elbe weit weniger häufig
vorkommen als Spiegelkarpfen. Gleich der erste
Fisch verlangte mir trotz des recht kalten Wassers
einiges ab. Kraft und Ausdauer der Elbkarpfen
sind im Vergleich zu Karpfen aus Stillgewässern
wirklich unglaublich! Die Tiere stehen in ihrem
Leben scheinbar kaum einmal still, sie schwimmen
bei der Futtersuche täglich große Strecken
ab und haben wenige Möglichkeiten, der Strömung
zu entgehen. Das Resultat dieses permanenten Trainings
sind steinharte, stur kämpfende Fische, die
im Drill auch noch die Strömung für
sich zu nutzen wissen.
Der besagte Schuppi brachte mich in der nächsten
Viertelstunde wirklich zum Schwitzen und zeigte
über den gesamten Drill eine Kraft, wie ich
sie bislang nur von deutlich größeren
Fischen kannte. Ein wenig verlegen war ich am
Ende ja schon: Ein 9 kg-Fisch bringt mich dazu,
die Rute abzustützen und zu jammern??? Na
ja, ein beeindruckendes Tier, ein unglaublicher
Kampf und eine schöne Erinnerung, die mich
meine Entscheidung, es auch mal auf Waller zu
versuchen, noch einmal überdenken lässt:
Wenn Karpfenangeln so schmerzhaft sein kann, wie
fühlen sich dann 30 Minuten oder - Gott bewahre!
- zwei Stunden Wallerdrill an?!
Gegen Abend fielen die Temperaturen zu einsetzendem
Regen wieder und es kehrte Ruhe an den Ruten ein.
Genügend Zeit also, um erneut beisammen zu
sitzen, in den heißen Tee zu pusten und
sich gegenseitig mit der Art von Angelgeschichten
zu bespaßen, bei denen scheinbar immer derjenige
mit den längsten Armen den größten
Erfolg gehabt zu haben scheint.
Der Ostersamstag begann freundlich und mit einem
deutlichen Anstieg der Krabbenaktivität an
den Ködern. Nach gut 24 Stunden mit relativ
wenig vertüddelten Montagen und ohne abgetrenntes
Haar schien sich nun die gesamte Krabbenpopulation
des Hamburger Hafens bei uns eingefunden zu haben.
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Schönes Schuppentier mit für die
Elbe typischen Hautveränderungen |
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Ich vermute übrigens, dass man in dieser
Situation oftmals nicht deshalb weniger Karpfen
fängt, weil die Krabben die Köder klauen,
sondern weil Karpfen, wenn sie neben dem Boilie
eine Armada Krabben vorfinden, mit Vorliebe die
Krabben dezimieren und unsere Köder ignorieren.
Die immer wieder zu lesende Behauptung, Elbkarpfen
würden sich häufig große Wunden
an Flanken und Bauch zuziehen, weil sie den leckeren
Krabben mit roher Gewalt zwischen den Steinen
nachstellen, glaube ich aber nicht so ganz. Die
von vielen Anglern beobachteten Hautveränderungen
sehen für mich vielmehr nach einer in der
Teichwirtschaft altbekannten Hauterkrankung, der
„Carp Erythrodermatitis“ (oder kurz
CE) aus, die durch ein Bakterium verursacht wird
und insbesondere in der warmen Jahreszeit Geschwüre
in der Haut von Karpfen und Goldfischen verursacht.
Dass diese Geschwüre kaum etwas mit einer
Beutesuche über steinigem Grund zu tun haben,
sieht man daran, dass Karpfen aus Zuchtteichen,
wo der Boden oft sehr weich und schlammig ist,
ähnliche Veränderungen aufweisen.
Außerdem
zeigen im zeitigen Frühjahr gefangene Fische
meist keine oder nur kleine Wunden, was typisch
für eine bakterielle Erkrankung ist: Je kälter
das Wasser, desto langsamer ist die Vermehrungsrate
der Bakterien. Erst im Sommer nehmen diese so
richtig Fahrt auf und schädigen die empfindliche
Karpfenhaut. Ist der Fisch beim Entstehen der
CE- Geschwüre bereits geschwächt, so
führt die Infektion mitunter zum Abmagern
und Verenden des Tieres; ist er hingegen gut konditioniert,
so verheilen die Wunden unter Umständen spontan.
Als sorgsamer Karpfenangler kann man beim Antreffen
tieferer Wunden eigentlich nur zwei Sachen für
den Fisch tun: Erstens die betroffenen Stellen
der Form halber desinfizieren, zweitens den Fisch
keiner weiteren Belastung aussetzen und ihn sofort
wieder entlassen, um die Chancen, dass sich das
möglichst wenig gestresste Tier erfolgreich
mit dem Erreger auseinander setzt, zu optimieren.
Es half derweil alles nichts, meine Kontrollintervalle
wurden aufgrund der Krabbenaktivität notgedrungen
auf drei Stunden verkürzt. Trotz der chinesischen
Invasion schienen die Karpfen das Interesse an
unseren Ködern bislang nicht verloren zu
haben und nach einem fairen Kampf konnte Christian
den ersten 30er der Saison auf die Matte legen.
Wir staunten allerdings nicht schlecht, als Christian
uns den 11 cm-Gummifisch präsentierte, der
mit seinem Einzelhaken tief ins Muskelgewebe des
Karpfens eingedrungen war und dem Tier offenbar
schon seit längerem als neongelber Schiffshalter
Gesellschaft geleistet hatte, ohne das dies den
Karpfen wesentlich gestört hätte. Natürlich
wurde der Karpfen schonend von seinem „kleinen
Freund“ befreit, die Wunde versorgt und
der Patient anschließend mit Bussi entlassen.
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Swinger im Regen - Wann kommt
endlich Bewegung ins Spiel? |
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Wenig später musste Christian einen ordentlichen
Sprint einlegen, weil ein Fisch unvermittelt einen
seiner Köder genommen und blitzschnell die
halbe Spule geleert hatte, ehe Christian bei den
Ruten war. Wahnsinn! Trotz der denkbar ungünstigen
Vorraussetzungen gelang es Christian im sich nun
entwickelnden spannenden Zweikampf den Fisch um
die schlimmsten Stellen des Flussbettes zu manövrieren
und das Duell mit einem schönen 20er im Kescher
zu beenden, nachdem er dem Fisch fast hundert
Meter am Ufer gefolgt war und aus der Erinnerung
eine Stelle finden konnte, wo der Grund einigermaßen
hängerfrei und eine Landung möglich
war. Wirklich beeindruckend!
Am Nachmittag kamen uns für ein Stündchen
unser eigentlich verhinderter vierter Mann Thorsten
und seine Freundin Ariane besuchen. Noch während
Christian mit einem weiteren Fisch und den guten
Ratschlägen von Seiten des anwesenden Publikums
(vier Hundebesitzer, drei Hunde, ein Spaziergängerpärchen,
André, Thorsten, Ariane und ich) beschäftigt
war, machte sich auch eine meiner Ruten erneut
bemerkbar, so dass ich mir schnell Thorsten zum
keschern auslieh. Der folgende Drill entwickelte
sich rasch zu meinem bisher kräftezehrendsten
Kampf mit einem Elbbewohner. Schon an der nicht
enden wollenden Ausdauer des Tieres während
der zahllosen weiten Fluchten war schnell klar,
dass sich wieder ein Schuppenkarpfen ans Band
verirrt haben musste.
Nach vielen Finten und plötzlichen
Sprints kam der Fisch langsam in Ufernähe.
Mit vollem Zug der 2,75-Pfund-Rute auf den direkt
unter der Spitze über Grund stehenden Fisch
kam es mir minutenlang so vor, als hätte
das Tier Hände entwickelt, um sich am Boden
festzuklammern. Nachdem der Schuppi dann doch
noch den Weg in den Kescher gefunden hatte und
der Zeiger der Waage sich bei fast 15 kg einpendelte,
waren Schmerzen in Arm und Rücken jedoch
schnell vergessen. Mit einem Grinsen im Gesicht
und einem blauen Fleck in der rechten Leiste verbrachte
ich den Rest des Tages mit dem wärmenden
Gefühl im Bauch, endlich einen Schuppi über
zwanzig Pfund auf der Matte gehabt zu haben. Zu
Zeiten der Radutafische vielleicht ein lächerliches
Ziel, aber es hatte mich nun schon über 10
Jahre begleitet…
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Ein Osterei der ganz besonderen Sorte:
Ein toller Spiegler! |
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Gegen Abend begannen rings um uns die ersten Osterfeuer
zu brennen. Aus den umliegenden Dörfern drang
durch die Dämmerung immer mehr der Lärm
der rasch an Fahrt gewinnenden Osterfeiern zu
uns. Ach ja, das Nachtangeln ist doch etwas wunderbares:
Das lautlose Fließen des dunklen Wassers,
der Wind, der sachte durch die Bäume fährt,
die erste Nachtigall, die im Lichte des Mondes
ihr melancholisches Lied anstimmt - und im nächsten
Dorf singen hunderte bierbeseelte Männerkehlen
mit wenig Talent und viel Elan „Life is
LIFE! Na naaaa, NA NA NA!“.
Die Wollhandkrabben schienen ebenfalls ihre eigene
Osterparty feiern zu wollen, meine Montagen waren
bei jeder der folgenden Kontrollen entweder kunstvoll
verschnürt oder kurzerhand am Haar durchtrennt.
Selbst eine Kontrolle alle zwei Stunden brachte
wenig Abhilfe, so dass ich mich um 2 Uhr morgens
entschloss, auf mein geliebtes Braid zu verzichten
und aus steifem 35-Pfund-Mono kurze No-Knot-Vorfächer
zu binden. Sollte auch das nichts bringen, so
wollte ich am nächsten Tag auf Mais als Hakenköder
umsteigen. Die Kontrolle zwei Stunden später
zeigte glücklicherweise, dass die Wollhandkrabbe
zwar immer noch am Köder knabberte, aber
das dicke Mono weder verheddern noch am Haar durchtrennen
konnte. Beruhigt beschloss ich, die Intervalle
wieder auf vier Stunden auszuweiten und legte
mich erneut schlafen.
Um kurz vor halb sechs, bei absolutem Wassertiefstand,
kam der nächste Biss. Dieser war so zaghaft,
dass ich zunächst dachte, das Wasser wäre
nur „gekippt“ und würde nun wieder
steigen, was zuweilen ein paar Piepser provoziert.
Ein Blick auf die Rutenspitze der fraglichen Rute
zeigte jedoch, dass hier vielleicht mehr vonstatten
ging als nur ein Gezeitenwechsel: Die Rute war
so krumm, dass ich befürchten musste, sie
würde im nächsten Augenblick aus der
hinteren Ablage gerissen. Also nichts wie raus,
Anhieb setzen, Kescher greifen und wie eine Ballerina
in Gummipantoffeln die glitschige Steinpackung
vier Meter zum Wasser runter.
Und nun passierte:
Nichts. Nada. Rien. Die Schnur verschwand straff
gespannt direkt vor mir im pechschwarzen Wasser
und nichts rührte sich. Sollte die auflaufende
Flut etwa doch das Blei zwischen die Steine..?
Aber die anderen Bleie hatten sich doch auch nicht
bewegt..! Also doch ein Fisch? Nach mehreren ereignislos
verstrichenen Minuten wurde mir so langsam bewusst,
das ich in T-Shirt und Fleecehose in einer fast
winterlichen Szene stand: Das Gras, mein Zelt,
die Ruten, alles um mich herum war komplett überfroren
und stand unbeweglich in funkelnden Reif gehüllt
da. Die ganze Welt in silbernen Mondschein gegossen
und unter tiefschwarzem Himmel erstarrt. Wunderschön,
aber verdammt kalt! Ostersonntag, fünf Uhr
dreißig, minus 3 Grad... Brrrrr.
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| Wollhandkrabbe... |
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Mittlerweile fast überzeugt, dass ich hier
seit Minuten Druck auf einen hoffnungslosen Hänger
machte, überlegte ich schon, ob ich nicht
kurz die Rute ablegen und wenigstens einen Pulli
aus dem Zelt holen sollte, als die Rutenspitze
fast unmerklich nach unten gezogen wurde, ein
minimaler Schlag durch den Blank fuhr und auf
einmal direkter Kontakt mit etwas Lebendigem am
anderen Ende der Schnur bestand. KONTAAAAAAAKT!!!
Im Gegensatz zu den bisherigen Kämpfen nahm
der Fisch in den ersten Minuten kaum mehr als
vier Meter Schnur von der Rolle, was mich zunächst
enttäuschte. Hatte lediglich ein kleiner
Karpfen zwischen den Steinen festgehangen und
würde sich jetzt, nachdem sich das 6 oz-Blei
glücklicherweise gelöst hatte, ohne
Widerrede einkurbeln lassen? Nachdem jedoch weitere
zehn Minuten vergangen waren, ohne dass ich den
Fisch ein einziges Mal an die Oberfläche
hätte hieven können, wurde klar dass
dies nicht der Fall sein konnte.
Nachdem kurze
Fluchten offenbar nicht zur Erlangung seiner Freiheit
führten, verlegte sich der Fisch nun wieder
auf seine alte Taktik: Statt Gas zu geben, stand
er erneut stur über Grund und schaffte es
ohne viel Bewegung, sich dem Zug der Rute zu widersetzen.
Offensichtlich kein weiterer Schuppi. Aber was
dann? Ein großer Spiegler vielleicht? Oder
ein Monstergraser, wie er so typisch ist für
die Elbe? Aber ein Graser bei Wassertemperaturen
um zehn Grad? Ungeachtet meiner Überlegungen
stand der Fisch einfach da. Schon mal versucht,
eine Kuh mit vollem Druck der Schulter dazu zu
überreden, endlich mit ihrer Klaue von eurem
Fuß runterzusteigen? Pustekuchen! Die Kuh
bleibt einfach stehen, so sehr man auch drückt.
So ähnlich kam ich mir mittlerweile vor,
die Rute krumm und die volle Kraft aus Beinen
und Rücken nutzend, um den Druck aufrechtzuerhalten,
ohne dass eine Reaktion erfolgte.
Doch dann endlich:
Ohne dass viel Bewegung zu spüren gewesen
wäre, kamen erst einzelne Blasen und dann
ein großer Schwall Luft zur Oberfläche
geperlt; ich war sicher, dass sich das Blatt nun
wenden würde! Kurze Zeit später wurde
deutlich, dass sich der Fisch langsam vom Grund
lösen musste und nun erneut sein Heil in
der Flucht suchen wollte. Das Tauziehen hatte
jedoch auch bei meinem Kontrahenten Spuren hinterlassen,
so dass seine Fluchten kaum noch über den
ersten Meter hinauskamen. Dennoch dauerte es noch
etliche Minuten, bis der Fisch die Oberfläche
durchbrach und nach einigen unwilligen Ehrenrunden
in den Maschen verschwand.
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"Vielleicht mag sie mich doch?"
Ostersonntag an der Elbe |
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Völlig geschafft versuchte ich, den Kescher
wie gewohnt zusammenzuklappen, einzurollen und
zusammen mit der Rute die Steinschüttung
hoch zu tragen. Zu meiner Überraschung wollte
mir dies jedoch nicht gelingen. Also wanderte
der umgeschlagene Kescher kurz ins Wasser zurück,
und ich kraxelte zunächst nur mit der Rute
zum Zelt hinauf, wo ich sie ablegte und meine
Kopflampe mitnahm. Nach einer erneuten halsbrecherischen
Partie die glitschige Steinpackung hinunter (komisch,
wenn man einen Fisch am Band hat, scheint man
nachts trotz der Gummipantoffeln über diese
Steine schweben zu können...) konnte ich
den Fang im Schein der Lampe das erste Mal richtig
begutachten.
Ein Spiegler! Ein Spiegler mit wirklich
ungewöhnlichen Proportionen: Er schien ebenso
hoch wie breit, wie lang, wie er da vor mir im
Netz schwamm. Ein ausnehmend schönes „Osterei“,
mit zwei wunderschönen einzelnen Schuppen
auf der Flanke. Es war rund. Es war niedlich.
Es war perfekt! Mit zwei Händen beförderte
ich das Riesen-Ei nun erfolgreich zur Abhakmatte,
und zusammen mit Christian wurde der Fisch versorgt.
Ein wirklich schönes Tier, das im Wasser
stur bis zur letzten Sekunde gekämpft hatte
und nun lammfromm und mit kindlich erstauntem
Blick vor uns lag. Die folgende Fotosession bei
Minusgraden, im weichen Licht des anbrechenden
Tages und mit einem kugelrunden Fisch in den Armen
schien mir ein wunderbares Ostergeschenk von Madame
Elbe zu sein, zumal es an der Elbe wegen der Strömung
und der Steinpackung fast unmöglich ist,
einen Fisch risikofrei zu hältern - wäre
der Biss nur eine Stunde früher gekommen,
hätte ich mich mit ein paar Nachtaufnahmen
begnügen müssen!
Nach dem Frühstück beschlossen wir spontan
einzupacken und in der restlichen Zeit einem anderen
Gewässer noch einen Besuch abzustatten, woran
die Aussicht auf einen Boxenstop mit heißer
Dusche und Ostersonntagsessen bei Christians Familie
sicherlich nicht ganz unschuldig war. Ein letzter
Blick auf die Elbe, die schon wieder vor Spaziergängern
und Hunden wimmelte, ließ mich heimlich
grinsen: Vielleicht würde mich Madame Elbe
ja fortan doch ein bisschen in ihr großes
Herz geschlossen haben…
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