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Viele Angler denken
und handeln nach der Regel, der weiteste Wurf fängt
den größten Fisch. Aber das ist ein Irrtum.
Besonders die Uferpartie eines Gewässers ist
reich an Pflanzenbewuchs und Kleinstlebewesen. Überall
ist Nahrung für den Karpfen zu finden und die
Uferböschung bietet zudem noch Schutz für
die scheuen Bartelträger. Ich gehöre auch
zu denen, die erfolgreich vor den Füßen
fischen, aber situationsbedingt auch meine Köder
in Entfernungen über 400 Meter anbiete. Dieses
extreme Entfernungsangeln ist mit herkömmlicher
Methode nicht zu bewerkstelligen.
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| Stefan mit einem Long Range Karpfen |
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Italien, ein See mit mehreren 100 Hektar erstreckt
sich vor mir. Der Uferbereich ist monoton gleich
tief, keinerlei Erhebungen sind auf dem Echolot
sichtbar. Mit dem Fernglas erspähe ich in
weiter Entfernung Pflanzen, die mit ihren Stängeln
die Wasseroberfläche durchbrechen. Nach einigen
Minuten rudern traue ich meinen Augen nicht. In
der Seemitte erschließt sich ein riesiges
Lotusblütenfeld von mehreren 100 Metern Durchmesser.
Ein riesiges Flachwassergebiet voller Nahrung
und vom Ufer nicht zu erreichen. Ein kurzer Blick
auf mein GPS genügt und ich weiß, dass
ich mich 436 Meter entfernt vom Ufer befinde.
Gefühlvoll lasse ich meinen Hakenköder
vor den Wasserpflanzen ab, verstreue noch einige
Boilies in der unmittelbaren Nähe und rudere
zurück. Nach zwei Stunden habe ich alle Köder
in Entfernungen zwischen 400 und 500 Meter entlang
dem Hot Spot platziert.
In den Morgenstunden geht ein leichter Ruck durch
meine Rutenspitze, meine Rollenbremse ist komplett
zu, der Swinger hebt sich leicht und schon sitze
ich im Boot und drille mich an den ersten Karpfen
aus der Weite heran. Der Elektro-Motor schiebt
mich in die Ferne und ich kurble eine schier nicht
enden wollende Schnurmenge auf meine Spule, bis
ich den Fisch endlich am Boot keschern kann. Noch
schnell ein Abschiedsbild und der Fisch kann direkt
vom Boot zurückgesetzt werden. Auch in Deutschland
gibt es mehrere Gewässer, wo die Hot Spots
unerreichbar scheinen. In zwei großen Seen
vor meiner Haustür verläuft eine mit
Muscheln überwucherte Sandbank in mehr als
300 Metern Entfernung vom Ufer. Erfolgreiches
Angeln in dieser Entfernung erfordert einige Veränderungen
im Gerät und der Montage.
Weitenjäger
Das wichtigste bei der Entfernungsangelei ist
der Köderkontakt und natürlich letztendlich
der Kontakt zu dem gehakten Karpfen. Dies ist
nur mit geflochtener Schnur möglich, da diese
keine Dehnung hat. Ich bespule meine Rollen durchgehend
mit einer 0,18 mm Geflochtenen, nur die letzten
20 Meter vor dem Köder bestehen aus monofiler
Schnur (Schlagschnur) der Stärke 0,40-0,50
mm. Diese ersten Meter Schlagschnur sind sehr
wichtig, da diese vor Muscheln und scharfkantigen
Steinen schützt und durch ihre Dehnung den
Haken im Fischmaul auch bei stärkstem Druck
nicht ausschlitzen lässt. Die Geflochtene
hat einen weiteren Vorteil, sie hat bei gleicher
Tragkraft einen viel geringeren Durchmesser als
Monofile und so kann die Spule ihrer Rolle fast
die dreifache Menge an Schnur aufnehmen, als das
bei Mono der Fall wäre.
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Leere Rollen beim Entfernungsfischen.
Geflochtene Schnur macht es möglich |
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Hohe Gewichte
Bleie, die beim Wurfangeln zum Einsatz kommen,
kann man ganz getrost vergessen. Ab einer Angeldistanz
von 200 Metern sollten Bleigewichte ab 200 Gramm
verwendet werden. Geht es über 400 Meter
hinaus kommen Gewichte über 300 Gramm zum
Einsatz. Der Sinn eines solch schweren Bleis liegt
darin, dass der Köder auch am gewählten
Platz liegen bleibt und nicht beim Spannen der
Schnur verzogen wird. So kann am Ufer genug Druck
aufgebaut werden und es entstehen keine lästigen
Schnurbögen zwischen Köder und Angler.
Meine Swinger habe ich mit zusätzlichen Bleigewichten
ausgestattet, um einen maximalen Druck auf die
Schnur auszuüben. Die Bleie befestige ich
an Safety Clips, diese geben das Blei frei, sobald
es sich in einem Hindernis verhakt.
Selektive Köder
Mehrere Montagen in die Ferne schleppen ist wahre
Arbeit und erfordert Zeit, deshalb ist es wichtig,
bei der Wahl des Köders darauf zu achten,
dass dieser eine bestimmte Härte und Größe
hat und so Weißfische als Beifang weitgehend
ausscheiden.
Steife Vorfächer
Beim Angeln in Wurfentfernung kann man beliebig
oft die Montage kontrollieren, bei diesen langen
Distanzen mache ich es nur alle 24 Stunden. Aus
diesem Grund verwende ich sehr steife Vorfächer
aus monofiler Angelschnur oder ummantelte geflochtene
Vorfächer. So erziele ich eine perfekte Köderpräsentation
und einen sicheren Selbsthakeffekt. Krebse und
Weißfische haben keine Chance das steife
Vorfach zu verwickeln und funktionslos zu hinterlassen.
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| Immer wieder spannend: Bootsdrill |
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Ausbringen der Montage instehenden Gewässer
und im Fluss
Das Ausbringen der Köder im See unterscheidet
sich von der Long Range Fischerei in Fließgewässern.
Mit den Faktoren Wind und Wellenschlag hat man
meist in Seen zu kämpfen, im Fluss ist es
die Strömung und das Treibgut, die das Entfernungsangeln
erschweren. In stehenden Gewässern kann die
Montage nur sicher ausgebracht werden, wenn man
die gesamte Angel mit ins Boot nimmt, den Futterplatz
anfährt, den Köder ablegt und dann mit
ablaufender Schnur direkt auf den Uferplatz zurück
steuert. Beim Rudern halte ich die Rute zwischen
den Knien, beim Fahren mit Motor halte ich die
Rute in der Hand und bremse den Schnurablauf,
um Schnurbögen zu vermeiden. Hat man stärkeren
Wellengang, empfiehlt es sich die Rutenspitze
auf der Rückfahrt ans Ufer unter die Wasseroberfläche
zu halten, damit nicht mehr Schnur als nötig
von der Spule gleiten kann. Umso gespannter die
Schnur auf dem Rückweg von der Rolle läuft,
desto weniger muss am Ufer nachgespannt werden.
Im Fluss muss nach dem Ablegen des Köders
die Strömung einkalkuliert werden. Es empfiehlt
sich nach dem Ablegen erst ein gutes Stück
gegen die Strömung wieder hinauf zu rudern
und einen Schnurbogen entstehen zu lassen. Diesen
mit der Strömung abtreibenden Schnurbogen
kann man dann vom Ufer aus gut einkurbeln bis
direkter Köderkontakt besteht. Eine weitere
Möglichkeit ist Teamarbeit. Während
der eine Angler die Montage mit dem Boot im Fluss
hinausbringt, hält der andere die Rute am
Ufer hoch über die Wasseroberfläche
und lässt die Schnur unter Spannung ablaufen.
Wenn der Bootsmann am Spot angelangt ist, gibt
er dem Uferangler ein Zeichen, dieser unterbricht
den Druck, bis der Köder am Grund angelangt
ist und nimmt dann sofort Köderkontakt auf.
Im Fluss empfiehlt es sich die Ruten sehr hoch
zu stellen, damit möglichst wenig Wasserdruck
auf die Lang-Leine wirken kann. Wegen der hohen
Hängergefahr im Fluss benutze ich bei dieser
Angelei fast nur Steine als Bodengewicht. Diese
verwende ich in Gewichten bis zu einem Kilo. Den
Stein fixiere ich mit einem Kabelbinder, welcher
durch eine 0,18 bis 0,20 mm Mono-Reißleine
mit meinem Clip verbunden ist. So habe ich genug
Gegengewicht zum Spannen der Montage und bei einem
Biss verabschiedet sich der Stein und ich kann
den Fisch frei drillen.
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| Ein Schuppi aus über 430m Entfernung |
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Alles im Boot
Mein Boot ist bei dieser Angelei perfekt organisiert.
Alles was ich brauche ist wasserdicht verpackt
in kleinen Mengen im Boot vorhanden. Ködernadel,
Boiliestopper, Ersatzblei, zwei bis drei neue
Vorfächer und einige Wirbel. Mit dieser Notausrüstung
kann ich mitten auf dem Wasser die Montage erneuern
oder verändern. Ein Echolot für die
Bodenbeschaffenheit und ein GPS Gerät für
die Angelplatzmarkierung und das sichere Zurückfinden
des Ufers bei Nacht sind unverzichtbar.
Kescher und Abhakmatte liegen ebenfalls im Boot,
denn selten wird ein Karpfen, der in großer
Entfernung beißt, vom Ufer gedrillt. Ratsam
ist es sich mit dem Boot auf den flüchtenden
Fisch hinzu zu bewegen und diesen vom Boot zu
Keschern. Hierbei sind Elektro-Motoren eine sehr
große Hilfe. Der Motor übernimmt den
Antrieb und der Angler hat beide Hände für
den Drill und die Landung des Fisches zur Verfügung.
Vorsichtsmaßnahmen
Wer sich auf großen Gewässern mit dem
Boot bewegt, sollte immer auch an die eigene Sicherheit
denken. Ich benutze automatische Schwimmwesten,
diese sind sehr angenehm zu tragen und man kann
diese sehr schnell umlegen. Bei dieser Angelei
muss einem auch klar sein, dass man eine riesige
Menge an Schnur unter der Wasseroberfläche
bis hin zum Köder gespannt hat. Schleppangler
und Wassersportler könnten sich darin verfangen.
Um diesem Ärger aus dem Wege zu gehen, ist
es ratsam die Schnur nach dem Auslegen am eigenen
Ufer mit einem Absenkblei auf den Grund zu legen.
So können selbst motorisierte Boote dicht
am Ufer vorbei fahren, ohne die Montage zu gefährden.
Stefan Seuß
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