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carp.de | Berichte
Ausgabe 139 | 16. August 2010
TAKTIK

Stillwasser - What to do?
Von Marvin Glinka / Dezember 2009

 

Tagelanges warten, das Hoffen auf einen Biss. Habe ich etwas Falsch gemacht? Viele Male saß ich am Ufer eines Sees. Bisher erbarmte sich mir kein einziger Fisch. Ich wurde verrückt! Den SMS-Ton von dem Handy meiner Freundin interpretierte ich als einen Fullrun. In meinen Gedanken sprang ich auf. „Schatz, ist alles in Ordnung bei dir?“, fragte sie mich. „Ja schon, habe nur Wahnvorstellungen, sorry Süße!“ Es war frustrierend, doch was zog mich immer wieder an dieses Gewässer zurück – hätte ich doch am nahe gelegenen Vereinsteich bestimmt schon einen Lauf gehabt!? Was motivierte mich? Ich wusste, irgendwann muss einer beißen, doch wann kommt endlich die Erlösung vom Karpfengott?

Stillwasser - Was ist die beste Taktik?

Oft wird man auf eine Geduldsprobe gestellt, doch wenn man seinen Fang stolz der Kamera präsentieren kann, weiß man, wofür sich der ganze Aufwand gelohnt hat! Beißflauten trieben mich zur Weißglut. Ausdauer, Flexibilität und Experimentierfreudigkeit sind Schlüsselbegriffe für erfolgreiches Fischen in stehenden Gewässern. Man muss flexibel sein, sich schnell an nicht vorhersehbare Situationen anpassen können. Man muss richtig handeln und richtig vorgehen, um Erfolg zu haben!

Das Gewässer lokalisieren
Vor dem ersten Fischen sollten wir das Gewässer gründlich untersuchen um Kenntnisse über die Struktur und über die Fressplätze unserer beschuppten Freunde zu erlangen. Ein erster Rundgang um den See kann einige Anhaltspunkte liefern. Beobachtet die Wasseroberfläche, denn Karpfen verraten durch „Rollen“ ihren Standort. Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten, um nähere Informationen zur Gewässertiefe und zum Gewässergrund zu erhalten:


1. Lotrute:
Um eine Gewässertiefe ermitteln zu können, braucht man keine spezielle „Marker Rod“. Jede Rute mit ausreichend Wurfgewicht kann für diesen Zweck verwendet weden. Notwendige Hilfsmittel sind Markerfloat und Tastblei.

 

Markerfloat / Tastblei
Das Tastblei wird auf die
Hauptschnur aufgefädelt
Die Marker-Pose wird an das
Ende der Schnur geknotet

 

Die Anwendung ist denkbar einfach: Die Montage wird an den gewünschten Platz geworfen. Man lässt das Blei bis zum Grund absinken. Dann kurbelt man so lange Schnur ein, bis man einen Widerstand merkt; die Lotpose wurde durch das Gewicht gestoppt. Sie befindet sich am Gewässergrund. Daraufhin wird die Bremse gelöst. Nun zieht man 50cm Schnur von der Spule ab. Das Abziehen der Schnur wird solange wiederholt, bis die Pose an der Wasseroberfläche erscheint. Zieht man beispielsweise 5 mal 50cm Schnur ab, so ist die Stelle 2,50m tief.

2. Boot mit Echolot
Einfacher und Bequemer, aber dafür in der Anschaffung teuer, ist ein Boot mit Echolot. Der große Vorteil eines Echolotes ist der, dass die Grundstruktur auf einem Bilderschirm dargestellt wird; man kann viel schneller Flächen absuchen. Der Einsatz dieses technischen Helfers macht besonders dann Sinn, wenn große Bereiche erkundet werden sollen.

Wurfrohr
Futterrakete
Futterschaufel


Futter? – eine Frage der Geschmäcker
Die Frage, welches Futter verwendet werden soll, lässt sich nicht verallgemeinern. Dies hängt von den eigenen Vorlieben ab. Ich persönliche füttere gerne Hartmais (sehr ergiebig ) und Boilies (als Leckerbissen ) an. Zudem verwende ich Pellets und Hanfkörner. Pellets lösen sich zügig auf und setzten nach kurzer Zeit viele Lockstoffe frei. Gerade bei kurzen Ansitzen macht sich dieser Köder bezahlt, denn Rüssler werden durch die große Futterwolke schnell an den Platz gezogen. Hanf wird nicht nur von Karpfen gern gefressen. Alle Weißfische lieben diese Körner, deshalb sollte der Einsatz nur an Gewässern mit geringen Brassen- und Rotaugenbestand erfolgen.


Möglichkeiten des Anfütterns
Es gibt es mehrere Wege um Futter an den ausgewählten Platz zu bringen. Mit einem Wurfrohr lassen sich Boilies sehr genau anfüttern. Übung macht den Meister, denn nicht von Anfang an gelingen exakte Würfe. Nach kurzer Zeit entwickelt man ein Gefühl dafür, sodass die Kugeln punktgenau auf der Wasseroberfläche eintreffen. Eine Futterrakete dient dazu, Partikel, Grundfutter und Stick-Mixturen ins Wasser zu befördern. Die Rakete wird an die Hauptschnur montiert und von einer speziellen Spod-Rod ( höhere Belastbarkeit ) ausgeworfen. Die Schnur wird am Schnuclip der Rolle fixiert um immer die gleiche Weite zu werfen. Kommen Futterballen als Lockmittel in Frage, so empfiehlt der Einsatz einer Futterschaufel. Die Schaufel wird auf eine Kescherstange geschraubt. Mit diesem Hilfsmittel können große Kugeln auf eine Distanz von über 60 Metern präzise gefüttert werden.

Endlich – Die Natur blüht!

Der Jahreszyklus
Wie gehe ich zu bestimmten Jahreszeiten an einem Seen vor? Welche Aspekte spielen eine Rolle und was muss ich beachten?


Frühling:
Die ersten Sonnenstrahlen des Jahres lassen die Natur erwachen und die Vögel zwitschern. Für uns Karpfenangler heißt das, die flachen Bereiche des Sees aufzusuchen. Dort erwärmt sich das Wasser am schnellsten. Nach der Winterruhe sind die Karpfen in diesen Zonen auf Nahrungssuche. Die Fische sind hungrig und wollen sich für die bevorstehende Laichzeit stärken. Aus diesem Grunde sollten wir mit der Futtermenge nicht geizen. Verteilt das Futter großflächig, denn so bleiben die Karpfen länger auf euren Futterplatz und ihr könnt mehrere Anbisse bekommen.

 

Sommer:
Während der Laichzeit im Mai/Juni kann man von wenigen Aktivitäten ausgehen. Die Fische bemühen sich um den Nachwuchs und zeigen für unsere Köder kein Interesse. Ist das Laichgeschäft verrichtet, sind sie hungrig und auf aktivster Futtersuche. Diese Phase sollten wir ausnutzen, denn die Chancen, ein schönen Karpfen auf die Matte zu legen, sind besonders gut. Ich lege eine große Futterspur an und versenke einige Kilos an Lockmitteln um angemessen auf den Fressrausch der „Wasserschweine“ zu reagieren. Durch die enorme Sonneneinstrahlung ist der Sauerstoffgehalt des Wassers sehr gering. Erfahrungsgemäß sind die Fische in der Morgen- und Abenddämmerung am beißfreudigsten. Abends sinkt die Sonne am Horizont und das Wasser nimmt bis zum Sonnenaufgang eine geringere Temperatur an, als tagsüber.

Der Herbst ist eine der besten Jahreszeiten!

Herbst:
Es wird kühler, die Blätter färben sich und fallen von den Bäumen. Eine ungemütliche Jahreszeit, jedoch sind sind die Chancen, etwas Kapitales zu überlisten, sehr gut. Die Karpfen starten die letzte Futterattake um den bevorstehenden Winter zu überstehen. Die großen Fische benötigen mehr Nahrung als die kleineren. Während die kleineren Exemplare den Stoffwechsel vermindert haben, sind sie großen Artgenossen aktiv. Es sind sehr gute Fänge bis Ende November möglich.

 

Winter:
Viele Karpfenangler legen im Winter eine Angelpause ein. Doch warum? Auch zu dieser Jahreszeit ist es möglich, Fische zu fangen. Die Karpfen sind sehr träge und halten sich im tiefen Wasser auf. Wasser hat bei 4 Grad die größte Dichte und ist schwerer als Eis - am Gewässergrund ist es am wärmsten ( Anomalie des Wassers ). Die Karpfen bewegen sich wenige Meter am Tag und fressen nur das Nötigste. Genau das sollte für uns ein Anreiz sein, einen Ansitz zu wagen. Im Winter sollte man sehr sparsam füttern. Oft kommen bei mir eine einzelne Murmeln zum Einsatz. Um die Attraktivität zu steigern verwende ich gerne PVA Sticks. Sie lösen sich schnell auf und haben eine große Lockwirkung.

Die Erlösung
Gehofft und gewartet – probiert und studiert! Ein einzelner Ton meines Bissanzeiger unterbrach die Stille. Sollte ich endlich belohnt werden? Der darauffolgende Fullrun ließ meinen Frust der vergangenden Wochen vergessen. Die Rolle kreischte. Er zog meterweise Schnur ab. Ich konnte ihn kaum bändigen und mir wurde klar, dass ich einen der größeren Moosrücken an der Rute hatte. Dieser Gedanke ließ meine Knie zittern. Je näher er ans Ufer kam, desto nervöser wurde ich.

Die Erlösung – meine Freude war riesig!

Zum ersten Mal sah ich ihn, würde er die magische 30Pfund Marke durchbrechen? Meine Konzentration nahm zu und nach weiteren Fluchten konnte ich ihn endlich keschern. Ein klasse Fisch, über den ich mich wahnsinnig freute. Für dieses Gewässer eine Ausnahme. Der Zeiger blieb bei genau 30Pfund stehen.

 

Der Glaube an sich selbst und ein bischen Glück sind entscheident! Gebt niemals, jeden Fisch muss man sich erkämpfen! Ein unvorhersehbarer Sieg oder eine unvorhersehbare Niederlage - man weiß nie was kommt. That’s carpfishing!


Viel Erfolg am Wasser

Marvin Glinka
www.marvin-glinka.de

 
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