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Tagelanges warten, das Hoffen auf einen Biss.
Habe ich etwas Falsch gemacht? Viele Male saß
ich am Ufer eines Sees. Bisher erbarmte sich mir
kein einziger Fisch. Ich wurde verrückt!
Den SMS-Ton von dem Handy meiner Freundin interpretierte
ich als einen Fullrun. In meinen Gedanken sprang
ich auf. „Schatz, ist alles in Ordnung bei
dir?“, fragte sie mich. „Ja schon,
habe nur Wahnvorstellungen, sorry Süße!“
Es war frustrierend, doch was zog mich immer wieder
an dieses Gewässer zurück – hätte
ich doch am nahe gelegenen Vereinsteich bestimmt
schon einen Lauf gehabt!? Was motivierte mich?
Ich wusste, irgendwann muss einer beißen,
doch wann kommt endlich die Erlösung vom
Karpfengott?
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| Stillwasser - Was ist die beste Taktik? |
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Oft wird man auf eine Geduldsprobe gestellt, doch
wenn man seinen Fang stolz der Kamera präsentieren
kann, weiß man, wofür sich der ganze
Aufwand gelohnt hat! Beißflauten trieben
mich zur Weißglut. Ausdauer, Flexibilität
und Experimentierfreudigkeit sind Schlüsselbegriffe
für erfolgreiches Fischen in stehenden Gewässern.
Man muss flexibel sein, sich schnell an nicht
vorhersehbare Situationen anpassen können.
Man muss richtig handeln und richtig vorgehen,
um Erfolg zu haben!
Das Gewässer lokalisieren
Vor dem ersten Fischen sollten wir das Gewässer
gründlich untersuchen um Kenntnisse über
die Struktur und über die Fressplätze
unserer beschuppten Freunde zu erlangen. Ein erster
Rundgang um den See kann einige Anhaltspunkte
liefern. Beobachtet die Wasseroberfläche,
denn Karpfen verraten durch „Rollen“
ihren Standort. Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten,
um nähere Informationen zur Gewässertiefe
und zum Gewässergrund zu erhalten:
1. Lotrute:
Um eine Gewässertiefe ermitteln zu können,
braucht man keine spezielle „Marker Rod“.
Jede Rute mit ausreichend Wurfgewicht kann für
diesen Zweck verwendet weden. Notwendige Hilfsmittel
sind Markerfloat und Tastblei.
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| Markerfloat / Tastblei |
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Das Tastblei wird auf die
Hauptschnur aufgefädelt |
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Die Marker-Pose wird an das
Ende der Schnur
geknotet |
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Die Anwendung ist denkbar einfach: Die Montage
wird an den gewünschten Platz geworfen. Man
lässt das Blei bis zum Grund absinken. Dann
kurbelt man so lange Schnur ein, bis man einen
Widerstand merkt; die Lotpose wurde durch das
Gewicht gestoppt. Sie befindet sich am Gewässergrund.
Daraufhin wird die Bremse gelöst. Nun zieht
man 50cm Schnur von der Spule ab. Das Abziehen
der Schnur wird solange wiederholt, bis die Pose
an der Wasseroberfläche erscheint. Zieht
man beispielsweise 5 mal 50cm Schnur ab, so ist
die Stelle 2,50m tief.
2. Boot mit Echolot
Einfacher und Bequemer, aber dafür in der
Anschaffung teuer, ist ein Boot mit Echolot. Der
große Vorteil eines Echolotes ist der, dass
die Grundstruktur auf einem Bilderschirm dargestellt
wird; man kann viel schneller Flächen absuchen.
Der Einsatz dieses technischen Helfers macht besonders
dann Sinn, wenn große Bereiche erkundet
werden sollen.
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| Wurfrohr |
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| Futterrakete |
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| Futterschaufel |
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Futter? – eine Frage der Geschmäcker
Die Frage, welches Futter verwendet werden soll,
lässt sich nicht verallgemeinern. Dies hängt
von den eigenen Vorlieben ab. Ich persönliche
füttere gerne Hartmais (sehr ergiebig ) und
Boilies (als Leckerbissen ) an. Zudem verwende
ich Pellets und Hanfkörner. Pellets lösen
sich zügig auf und setzten nach kurzer Zeit
viele Lockstoffe frei. Gerade bei kurzen Ansitzen
macht sich dieser Köder bezahlt, denn Rüssler
werden durch die große Futterwolke schnell
an den Platz gezogen. Hanf wird nicht nur von
Karpfen gern gefressen. Alle Weißfische
lieben diese Körner, deshalb sollte der Einsatz
nur an Gewässern mit geringen Brassen- und
Rotaugenbestand erfolgen.
Möglichkeiten des Anfütterns
Es gibt es mehrere Wege um Futter an den ausgewählten
Platz zu bringen. Mit einem Wurfrohr lassen sich
Boilies sehr genau anfüttern. Übung
macht den Meister, denn nicht von Anfang an gelingen
exakte Würfe. Nach kurzer Zeit entwickelt
man ein Gefühl dafür, sodass die Kugeln
punktgenau auf der Wasseroberfläche eintreffen.
Eine Futterrakete dient dazu, Partikel, Grundfutter
und Stick-Mixturen ins Wasser zu befördern.
Die Rakete wird an die Hauptschnur montiert und
von einer speziellen Spod-Rod ( höhere Belastbarkeit
) ausgeworfen. Die Schnur wird am Schnuclip der
Rolle fixiert um immer die gleiche Weite zu werfen.
Kommen Futterballen als Lockmittel in Frage, so
empfiehlt der Einsatz einer Futterschaufel. Die
Schaufel wird auf eine Kescherstange geschraubt.
Mit diesem Hilfsmittel können große
Kugeln auf eine Distanz von über 60 Metern
präzise gefüttert werden.
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| Endlich – Die Natur blüht! |
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Der Jahreszyklus
Wie gehe ich zu bestimmten Jahreszeiten an einem
Seen vor? Welche Aspekte spielen eine Rolle und
was muss ich beachten?
Frühling:
Die ersten Sonnenstrahlen des Jahres lassen die
Natur erwachen und die Vögel zwitschern.
Für uns Karpfenangler heißt das, die
flachen Bereiche des Sees aufzusuchen. Dort erwärmt
sich das Wasser am schnellsten. Nach der Winterruhe
sind die Karpfen in diesen Zonen auf Nahrungssuche.
Die Fische sind hungrig und wollen sich für
die bevorstehende Laichzeit stärken. Aus
diesem Grunde sollten wir mit der Futtermenge
nicht geizen. Verteilt das Futter großflächig,
denn so bleiben die Karpfen länger auf euren
Futterplatz und ihr könnt mehrere Anbisse
bekommen.
Sommer:
Während der Laichzeit im Mai/Juni kann man
von wenigen Aktivitäten ausgehen. Die Fische
bemühen sich um den Nachwuchs und zeigen
für unsere Köder kein Interesse. Ist
das Laichgeschäft verrichtet, sind sie hungrig
und auf aktivster Futtersuche. Diese Phase sollten
wir ausnutzen, denn die Chancen, ein schönen
Karpfen auf die Matte zu legen, sind besonders
gut. Ich lege eine große Futterspur an und
versenke einige Kilos an Lockmitteln um angemessen
auf den Fressrausch der „Wasserschweine“
zu reagieren. Durch die enorme Sonneneinstrahlung
ist der Sauerstoffgehalt des Wassers sehr gering.
Erfahrungsgemäß sind die Fische in
der Morgen- und Abenddämmerung am beißfreudigsten.
Abends sinkt die Sonne am Horizont und das Wasser
nimmt bis zum Sonnenaufgang eine geringere Temperatur
an, als tagsüber.
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| Der Herbst ist eine der besten Jahreszeiten! |
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Herbst:
Es wird kühler, die Blätter färben
sich und fallen von den Bäumen. Eine ungemütliche
Jahreszeit, jedoch sind sind die Chancen, etwas
Kapitales zu überlisten, sehr gut. Die Karpfen
starten die letzte Futterattake um den bevorstehenden
Winter zu überstehen. Die großen Fische
benötigen mehr Nahrung als die kleineren.
Während die kleineren Exemplare den Stoffwechsel
vermindert haben, sind sie großen Artgenossen
aktiv. Es sind sehr gute Fänge bis Ende November
möglich.
Winter:
Viele Karpfenangler legen im Winter eine Angelpause
ein. Doch warum? Auch zu dieser Jahreszeit ist
es möglich, Fische zu fangen. Die Karpfen
sind sehr träge und halten sich im tiefen
Wasser auf. Wasser hat bei 4 Grad die größte
Dichte und ist schwerer als Eis - am Gewässergrund
ist es am wärmsten ( Anomalie des Wassers
). Die Karpfen bewegen sich wenige Meter am Tag
und fressen nur das Nötigste. Genau das sollte
für uns ein Anreiz sein, einen Ansitz zu
wagen. Im Winter sollte man sehr sparsam füttern.
Oft kommen bei mir eine einzelne Murmeln zum Einsatz.
Um die Attraktivität zu steigern verwende
ich gerne PVA Sticks. Sie lösen sich schnell
auf und haben eine große Lockwirkung.
Die Erlösung
Gehofft und gewartet – probiert und studiert!
Ein einzelner Ton meines Bissanzeiger unterbrach
die Stille. Sollte ich endlich belohnt werden?
Der darauffolgende Fullrun ließ meinen Frust
der vergangenden Wochen vergessen. Die Rolle kreischte.
Er zog meterweise Schnur ab. Ich konnte ihn kaum
bändigen und mir wurde klar, dass ich einen
der größeren Moosrücken an der
Rute hatte. Dieser Gedanke ließ meine Knie
zittern. Je näher er ans Ufer kam, desto
nervöser wurde ich.
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| Die Erlösung – meine Freude war riesig! |
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Zum ersten Mal sah ich
ihn, würde er die magische 30Pfund Marke
durchbrechen? Meine Konzentration nahm zu und
nach weiteren Fluchten konnte ich ihn endlich
keschern. Ein klasse Fisch, über den ich
mich wahnsinnig freute. Für dieses Gewässer
eine Ausnahme. Der Zeiger blieb bei genau 30Pfund
stehen.
Der Glaube an sich selbst und ein bischen Glück
sind entscheident! Gebt niemals, jeden Fisch muss
man sich erkämpfen! Ein unvorhersehbarer
Sieg oder eine unvorhersehbare Niederlage - man
weiß nie was kommt. That’s carpfishing!
Viel Erfolg am Wasser
Marvin Glinka
www.marvin-glinka.de
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