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carp.de | Berichte
Ausgabe 133 | 16. Februar 2010
TAKTIK

„Kleinvieh macht auch Mist…“ - Über Groundbait und das Fischen mit „The Method“
Von Felix Kaczmarek / Januar 2010

 

Das Wasser spritzt, erneut finden einige Futterbälle ihren Platz an meinem durch einen Marker markierten Futterplatz. Das Gespött ist groß: „Ich wünsch dir viel Spaß beim Brassen fangen“. Die Reaktion darauf war eher innerlich. Er wird schon sehen, was er davon hat, denn diese Methode lockt nicht nur Kleinvieh, sondern auch kapitale Fische finden sich am Futterplatz ein. Natürlich werden zu Beginn Brassen, Rotaugen und andere Kleinfische am Platz ihren Hunger stillen.

Das Bait Lead ist optimal für diese
Art der Köderpräsentation

Doch von diesem Getümmel und dem lauten verführerischen Schmatzen der Kleinfische werden die Karpfen ebenfalls angelockt. Oftmals habe ich es erlebt, dass anderes Futter verschmäht wird und gerade diese Futterstrategie einige schöne Fische brachte. Das Prinzip ist das einfachste, was es im Grunde gibt.

Die ersten Erfahrungen sammelte ich in meiner Kindheit am nahe gelegenen Parkteich. Dort stellte ich regelmäßig, mit heute wohl eher primitiven Futter und Techniken, Karpfen, Schleien und Brassen nach. Der kleine Parkteich bot mir dazu die perfekten Bedingungen. Was damals sehr gut funktionierte, ist auch heute noch eine Taktik, auf die meiner Meinung nach viele Fische hereinfallen. Das Geheimnis steckt im Detail.

In den folgenden Zeilen möchte ich das Fischen mittels Groundbait und „The Method“ etwas näher bringen. Ich konnte mittels dieser Technik viele schöne Fische fangen. Nicht nur Karpfen, auch Schleien, Brassen und Barben gehörten zu meinen Erfolgen. Und es sei gesagt, dass alle diese Fische mit einem Höchstmaß an Respekt und Fischcare das Leben der Welt mit anderen Augen erneut erblicken durften. Und das verlange ich auch von jedem, Respekt gegenüber jeder Form von Fisch, egal welcher Größe.

Die moderne Art meiner primitiven Technik von früher lernte ich in einer englischen Karpfenzeitung kennen. „The Method“ bezeichnet die modernisierte Art des Fischens auf Karpfen mittels Groundbaitmischungen sowie Kleinstpartikel und Pellets.

Ich habe diese im Frühjahr erfolgreich eingesetzt. Obwohl mir die Weißfische an so manch einem Tag den letzten Nerv raubten, habe ich diese Methode immer wieder aufs Neue gefischt. Ich hatte das Gefühl, dass nicht nur mir auf dem Kopf herumgetrampelt wurde -ein Piep hier, ein Fallbiss da- die Karpfen fühlten sich nach einer gewissen Zeit ebenfalls genervt und mussten „sehen“, was da für ein Trouble ist. Trotz der vielen Weissfische, die ich gefangen habe, ist dies eine Art und Weise der Kontaktsuche, die ich auch im nächsten Frühjahr wieder erfolgreich einsetzen werde. Um nun einige Details zu präsentieren, fange ich einmal mit meiner Montage und den Rigs an.

Verschiedene Futtermittel, alles
interessante Optionen

In England und auch hier zu Lande wird „The Method“ meist mit so genannten Feederbleien gefischt. Das Futter hält auch bei größeren Wurfentfernungen in den Rillen der Bleie fest. Ein Nachteil vieler Bleie ist allerdings das zu geringe Gewicht. Einige Hersteller haben zwar sehr gute Modelle im Programm, jedoch nur mit Gewichten unter 90 Gramm. Der Selbsthakeffekt ist dabei nur bei sehr kleinen und dünnen Haken gegeben. Mein Favorit ist das Bait Lead der Firma Mika, welches es auch in den Gewichten 100 und 120 Gramm gibt.

Auf kurze Distanzen hält das Futter auch an normalen Inlinebleien. Dies ist jedoch nicht die optimale Lösung. Eine andere Alternative zu den „offenen“ Bleien ist Funnelweb. Dabei wird das Methodfutter komprimiert in einem kleinen PVA-Strumpf zu Futtersträngen geformt. Dieses löst sich unter Wasser durch die starke Kompression eher langsam auf und bietet eine lange Lockwirkung.

Um zu vermeiden, dass die Fische in Kontakt mit einem Tube, oder der Hauptschnur treten, benutze ich einen halben Meter Leadcore, welches mittels eines Mahin-Knotens mit der monofilen Hauptschnur verbunden wird. Mein bevorzugtes Material ist das Quantum Leadcore in 35 lbs.

Damit sich der Hakenköder so nah wie möglich am Futter befindet, bevorzuge ich kurze Rigs von maximal 15 cm. Kleinfische drehen den Hakenköder oftmals hin und her, aus diesem Grund greife ich zu Stiff-Materialien wie Fox Rigdity, oder für Kombi-Rigs zu Kryston Snake Skin oder ähnlichem. Die Hakengröße wird in Abhängigkeit zur Größe des jeweiligen Köders gewählt, wobei ich in 90 % der Fälle mit Haken der Größe 4 auskomme.

Gerade im Frühling und im Winter hat mir „The Method“ großen Erfolg gebracht. Allerdings auch bei Kurzansitzen im Sommer und Herbst. Das Füttern mit Groundbait vermischt mit einigen anderen Zusätzen, worauf ich einige Sätze weiter eingehen werde, verlangt natürlich nach regelmäßigem „Einsatz“. Ähnlich wie beim Füttern mit der Futterrakete ist es wichtig, regelmäßig nachzufüttern. Ich gehe es so an, dass ich am Anfang einen Futterplatz anlege. Ich füttere mit dem Groundbaiter ein paar kleine Futterbälle an den Platz und lasse diese zu Anfang wirken. Zusätzlich kommen einige Pellets, Boilies und nach Bedarf etwas Hanf mit auf den Futterplatz.

Das Hooklink, fertig zum Auswerfen

Das Gerät wird nun aufgebaut und mit Hakenködern bestückt. An die Bleie wird Futter geknetet und das Rig wird gegen Vertüddelung mittels PVA am Groundbaitballen fest gebunden, oder in das Futter am Blei eingesteckt. Nun werden die Ruten werden am Futterplatz ausgelegt. Ich habe je nach Weißfischaufkommen bereits nach geringer Zeit die ersten Anzeichen von Fischaktivität.

Nachgefüttert wird nach jedem ernsthaften Biss, oder nach Fischkontakt. Bei einem zu großen Aufkommen an Weißfischen kommen zwischendurch einige Raketenladungen voll mit Hanf, so wie Boilies an den Futterplatz, um die Weißfische ein wenig zu sättigen und um sicher zugehen, dass auch noch für die hungrigen Karpfen etwas bereit liegt.

Viele Match- und Feederangler, die es auf Kleinfische abgesehen haben, verwenden handelsübliche Stippfuttermischungen. Karpfen akzeptieren die Futterquelle daher auf Anhieb. Da die Fische Grundfuttermischungen seit ihrer Kindheit kennen, setze ich diese auch mit ihrer einfachen Zusammensetzung ein, diese werden von Karpfen sehr schnell ohne Scheu angenommen und gefressen. Was sich stark von den „normalen“ Stippfuttermischungen unterscheidet ist, dass ich eher grobe Zutaten verwende. Somit befinden sich Anteile von Hanf- und Maiscrush, so wie andere grobe Zutaten in den Futtermischungen.

Des Weiteren sollte die Konsistenz des Futters etwas härter und zäher sein, damit es nicht direkt auf der Oberfläche zerfällt, sondern auch noch nach längerer Zeit am Blei hält und sich erst nach und nach löst. Die Konsistenz sollte jedoch auch den Jahreszeiten angepasst sein. So nutze ich in kälteren Zeiten eher schnelllösliche und leichtere Zutaten als zu Zeiten, in denen das Wasser etwas wärmer ist.

Spezielles Methodfeederfutter, welches dem Stippfutter ähnelt, gibt es im Fachhandel zu kaufen. Ich verwende meist ein Gemisch aus: Paniermehl (gelb), Fischmehl, Sahnepulver, Maismehl oder Hanfmehl, Grieß und Boiliemix.

Leadcore in Verbindung mit scharfen Haken

Wen ich wenig Vorbereitungszeit habe, nehme ich auch mal gerne fertige Methodmixe. Zusätzlich verfeinere ich die Groundbaitmischung mit Partikeln wie Maples, Hanf und kleinen Fischpellets in 3 und 4 mm, welche auch in die Futterrakete kommen, wenn ich diese einsetze. Ebenfalls bietet es sich an, das Groundbait mit Flüssigaromastoffen anzumischen. Dabei bevorzuge ich Bloodworm-, Liver-, Fischprotein- oder Betainliquids.

Diese Liquids oder Baitbooster gibt es in einigen verschiedenen Geruchs- und Geschmacksrichtungen. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Alternativ dazu habe ich ebenfalls Lebertran und Fischöl hinzugefügt. Für die Angler unter euch, die eher süße Sachen bevorzugen, bewährt es sich, Kokusnussmilch, Corn Stepp Liquor oder Baitbooster auf Fruchtaromenbasis zu verwenden.

Was sich ebenfalls bewährt hat, ist die Verwendung von Boiliemixen. Diese werden nur mit Wasser oder Flüssigaromastoffen angerührt. Als vorteilhaft hat sich herausgestellt, dass man den Boiliemix oder einen ähnlichen verwendet, aus denen auch der Hakenköder ist. Ein nachträgliches Dippen in Liquids und Boiliedips bringt oftmals den erwünschten Erfolg. Gerade im Winter, wenn die Fische wenig Nahrung aufnehmen, muss der Hakenköder höchst attraktiv angeboten werden.

Was sich bei mir als sehr produktiv herausgestellt hat, war das Anbieten von Partikeln als Hakenköder. Natürlich bekommt man dadurch mehr Weissfische an den Haken, da Partikel nicht so selektiv einsetzbar wie Boilies sind, allerdings ist dies tagsüber eine hervorragende Abwechslung zum herkömmlichen Boilie. Ein wenig Fun bei Tagessitzungen kann nie schaden.

 

Man fängt nicht nur Kleinvieh...

Die Vorteile dieser Methode liegen auf der Hand. Ich will diese hier trotzdem noch einmal zusammenfassend aufführen:
Gerade bei Kurzansitzen von ein paar Stunden eignet sich das Fischen mit Groundbait hervorragend. Die Lockwirkung ist enorm, so dass die Fische schnell auf den Futterplatz aufmerksam werden. Lange Futterkampagnien sind nicht nötig. „The Method“ eignet sich zum Fischen in krautreichen Gewässern. Da ich das Rig entweder in das Futter drücke oder dieses mittels PVA-Schnur daran befestige, bleibt das Rig und das Blei nicht im dichten Kraut hängen.

Da der Aufwand sehr gering ist, kann ich es nur empfehlen diese Taktik einmal zu testen. Egal ob im Fluss, im flachen Dorfteich oder im glasklaren Baggersee, es wird den einen oder anderen Fisch bringen. Probiert es selbst!

Fangt was!

Schöne Grüße,

Felix Kaczmarek
www.carpcrisis.de

 
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