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Viele von euch werden denken, was für ein
seltsamer Titel für einen Artikel, doch später
wird sich leicht erklären, warum es nur dieser
Titel sein konnte. Bei dem Orient handelt es sich
um einen speziellen Ort auf der Welt. Dieser See
ist ein absolut außergewöhnliches Wasser,
an dem man nie genau weiß, was als nächstes
anbeißt. Natürlich gehört auch
viel Glück dazu, aber die Chance auf einen
der ganz Großen hat man immer. Es war einer
dieser „Weihnachtstage“ am Orient.
Den Ausdruck „Weihnachtstage“ kreierte
mein guter Freund Tim Paisley während einer
gemeinsamen Oktober-Session, in der wir zusammen
den harten Bedingungen des Orients trotzten…
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| Bivy-City während der World Carp Classic 2007 |
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Ich möchte jedoch am Anfang beginnen, wie
es wohl auch am meisten Sinn macht. Am ersten
September erreichte ich diesen großartigen
See ein weiteres Mal. Mein Wagen war bis unter
das Dach mit Tackle, Baits und Lebensmitteln beladen.
Der einzige Grund, der mich nicht ganz so fröhlich
stimmte, war die Tatsache, dass ich für ganze
zwei Wochen nicht fischen konnte. Der Anlass hierfür
war die diesjährige „World Carp Classic“
hier am Orient.
Ich half den Veranstaltern bei
der Abwicklung der Veranstaltung, was in meinem
Fall hieß, dass ich mitverantwortlich für
das Ausstecken der Angelplätze war. Es war
schon ein mulmiges Gefühl, als ich vom Hafen
aus über den See blickte und die riesige
Wasserfläche mit seinem endlosen Ufer anschaute.
Ich hatte eine Karte vom See, mit allen Bereichen,
die ausgesteckt werden sollten.
Mir wurde sehr
schnell klar, dass ich die kommende Woche damit
verbringen würde, mir nahezu jede Ecke des
Sees anzuschauen. Auch nicht schlecht… Diese
Woche war wirklich ein hartes Stück Arbeit.
Ich hatte jedoch die Möglichkeit, einen faszinierenden
Einblick in Bereiche des Sees zu erlangen, die
ich nie zuvor gesehen hatte.
Die Veranstaltung war ein großer Erfolg.
Auch wenn nicht viele Karpfen gelandet wurden,
herrschte eine großartige Atmosphäre.
Wir hatten einfach eine tolle Zeit mit Karpfenanglern
aus ganz Europa und das ist es doch, was Karpfenangeln
ausmacht. Nach diesen zwei Wochen war ich ziemlich
geschafft, doch das Wissen, dass meine Zeit endlich
gekommen war, reichte mir völlig aus. Es
machte mich sichtlich nervös, meine Ruten
wieder auszulegen und wieder zu fischen. Nach
dem Ende der Veranstaltung und dem Ende der Nachangelsaison
am 01. November blieben mir also etwas mehr als
sechs Wochen, um meinen Traum von einem weiteren
Orient-Riesen zu verwirklichen.
Mein Plan war, wieder in Bivvy City zu fischen.
In diesem Bereich hatte ich schon während
der Session 2004 und für sieben Wochen im
Jahr 2006 gefischt. Damals (2006) war der schwerste
Fisch ein Schuppenkarpfen von 25,3 kg. Ich entschied
mich wieder für diesen Platz, da ich wusste,
dass in der Vergangenheit ein sehr großer
Spiegler in diesem Bereich gefangen wurde. Es
handelte sich hierbei um einen den Einheimischen
gut bekannten Fisch, der bei seinem letzten Fang
fast 32 kg wog.
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Stimmungsvoller Sonnenaufgang
an meiner Angelstelle |
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Ein sehr langer Fisch mit einer
leichten Falte am Ende seiner Schwanzflosse, leicht
wieder zu erkennen. Das war Anfangs aber auch
alles, was ich an Informationen über diesen
Fisch hatte. Bei der gezielten Angelei auf Großfische
in sehr großen Gewässern wie dem Orient
ist es enorm wichtig, alle verfügbaren Informationen
zusammenzutragen, um so einen Eindruck über
die Verhaltensweise des Zielfisches zu bekommen.
Es bestand aber auch die Möglichkeit, dass
ein anderer großer Lederkarpfen mit dem
Namen „Bienvenue“ („Herzlich
willkommen“, Anmerkung der Redaktion) zu
dieser Zeit in diesem Bereich residierte.
Der
Fisch wurde im Vorjahr, vier Tage nach meiner
Abreise, durch den Gewinner der World Carp Classic
2007, Jean-Pierre Becker gefangen. Das war der
Plan mit dem ich begann. Ich wollte die nächsten
sechs Wochen in Bivvy City fischen und hoffte,
dass mir eines der Orient Monster eine Chance
gab. Gute Köder, gute Rigs und eine paar
Gebete für passendes Wetter, mehr konnte
ich nicht tun. Ich begann direkt am Montagmorgen
mit dem Befischen der beiden großen Plateaus.
Ich hatte die Spots noch auf meinem GPS gespeichert,
wo ich 2004 und 2006 schon einmal große
Fische fangen konnte. Zwei Ruten fischte ich direkt
in dem Bereich zwischen den beiden Plateaus.
In
der Vergangenheit brachten diese beiden Ruten
die meisten der großen Fische. Dieses Areal
fütterte ich nur sehr leicht mit etwa ein
Kilo Nash Monster Pursuit Boilies. Ergänzt
wurde es durch die Rute mit einem Snowman Rig
in Verbindung mit PVA Bag, gefüllt mit Pellets
und ein paar halben Boilies. Die dritte Rute fischte
ich ca. 50 Meter hinter dem Plateau. Hier fütterte
ich recht stark an, in der Hoffnung so die kleineren
Fische zwischen 10-20 kg von den anderen Plätzen
abzulenken. Die übrig gebliebene vierte Rute
fischte vor dem Plateau, direkt an der Kante zwischen
der harten Zone vom Plateau und dem weichen Boden.
Dieser Platz hat nie viele Fische produziert,
doch in 2004er Session konnte ich auf diesem Platz
einen 28 kg Fisch fangen. Somit ist dieser Bereich
schon aus nostalgischen Gründen immer einen
Versuch wert.
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Diesen Lederkarpfen fing ich in der
gleichen Nacht wie den Großen |
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In Bivvy City lernte ich dann zwei Deutsche, Nils
und Sven, kennen, die zur linken Seite von mir
fischten. Anfangs planten die Beiden für
zwei Wochen zu fischen, am Ende blieben sie jedoch
einige Zeit länger, womit diese kleine Nachtangelzone
dann auch voll besetzt war. Der Wind und das Wetter
waren an den Anfangstagen nicht schlecht und somit
konnte Nils bald die ersten Karpfen fangen. Der
schwerste Fisch war ein 17 kg Schuppi. Dies waren
die ersten Fische für Nils nach 63 Nächten
blank. Es zeigt noch einmal deutlich, wie schwer
das Fischen am Orient sein kann. Ich war jedoch
recht zuversichtlich, waren doch eindeutig Fische
in unserem Bereich. Nun mussten nur noch die 50
kg Monster Pursuit Boilies und Halibut Pellets,
die ich auf zwei Hektar verteilt hatte, ihre Wirkung
zeigen und die Fische zu meiner Stelle ziehen.
Die erste Woche brachte keinen der ersehnten Karpfen.
Ich konnte lediglich einige Schleien bis 6,5 kg
und Brassen bis 8 kg landen. Trotz der riesigen
Dimensionen war ich natürlich nicht sehr
erfreut über diese Nervtöter. Schließlich
mindert die mit dem Fang verbundene Unruhe auf
der Angelstelle die Chancen auf einen großen
Karpfen erheblich. Die größten Sorgen
bereiteten mir die Vielzahl an Schleien, die ich
auf den beiden Ruten fing, die eigentlich für
wirklich großen Fische bestimmt waren. Obwohl
ich die Anzahl der Freebaits auf ein Minimum reduzierte,
schien es als ob die Schleien diesen Bereich einfach
bevorzugten.
Ich wollte diese Ecke aber unbedingt
ruhig halten und hoffte nicht bereits zuviel Unruhe
verursacht zu haben. Ich bin der festen Meinung,
dass die großen Fische die ruhigen Territorien
bevorzugen und somit überprüfe ich für
gewöhnlich meine Rute auch nur alle zwei
bis drei Tage. Nur in dieser Situation war mir
diese Vorgehensweise nicht möglich und somit
sah ich meine Chance auf einen echten Ausnahmefisch
schwinden. Die sehr großen Fische aus Gewässern
wie dem Orient werden nur alle paar Jahre einmal
gefangen. Zu erwarten, einen solchen Fisch bereits
in der ersten Woche zu fangen, ist absolut utopisch.
Ich habe so viele Angler gesehen, die bereits
nach drei oder vier Tagen ohne Fischaktivitäten
nervös wurden und den Platz wechselten, oder
aber sogar den See ganz verließen. Verrückt!
Am Orient ist es nicht außergewöhnlich,
dass man erst nach zehn Tagen seinen ersten Fisch
fängt, manchmal auch noch später.
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Der letzte und gleichzeitig auch größte Fisch
für mich in Bivy-City mit 16kg |
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Am Ende der zweiten Woche in Bivvy City sah die
Situation nicht gut aus. Okay, ich konnte noch
ein paar kleinere Fische bis 11 kg fangen, doch
selbst Nils, der am Zaunplatz fischte, wo normalerweise
regelmäßig kleinere Fische gefangen
werden, musste hart um jeden Fisch kämpfen.
Jocelyn, der auf der Insel fischte, konnte Anfangs
einige sehr schöne Fische fangen, langsamen
ließen jedoch auch bei ihm die Fischaktivitäten
deutlich nach. Der See war zu dieser Zeit sehr
launisch und es hatte den Anschein, dass der anhaltende
starke Nordwind die Fische nicht gerade zum Fressen
animierte. Der einzige Angler am See, der Fisch
um Fisch fing, war ein guter englischer Freund
von mir namens Barry Mills.
Barry befischt den
See bereits seit Jahren und fing eine Vielzahl
an Fischen zwischen 17 und 24 kg von meinem Lieblingsplatz,
dem letzten Platz am Michelin-Point. Der Grund,
warum ich mich nicht für diesen Platz entschieden
hatte, war die Tatsache, dass in diesem Bereich
schon seit geraumer Zeit kein wirklich großer
Fisch gefangen wurde und ich war nun einmal hier
war, um einen Ausnahmefisch zu landen. Somit war
ich der Meinung, dass meine Chancen hier in Bivvy
City doch eher am größten waren.
Nach der dritten Woche hatte sich die Situation
nicht wesentlich verändert, oder gar verbessert.
Der schwerste Fisch war immer noch der 17 kg Fisch
von Nils am ersten Tag. Kein 20 kg Fisch in der
ganzen Zeit aus Bivvy City, das waren keine guten
Nachrichten. Zeit zum Umdenken? Ich wollte die
restlichen drei Wochen zusammen mit meinem guten
Freund Tim Paisley fischen. Nur war momentan in
Bivvy City allerdings kein Platz mehr für
Tim. Nils und sein Begleiter waren immer noch
am See und somit musste eine Alternative her.
Ich verabschiedete mich vorerst einmal von meinem
Ziel, einen weiteren Orient-Biggie zu fangen und
wollte die noch verbleibende Zeit zusammen mit
Tim fischen. Tim wollte in dieser Session versuchen,
seinen bestehenden Personal Best zu überbieten.
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Nils und Sven bei der erfolgreichen
Landung ihres 17kg Fisches |
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Glücklicherweise packte zu diesem Zeitpunkt
Barry am letzten Michelin Platz sein Tackle ein
und wir beschlossen, seinen Platz zu übernehmen.
Es war für mich nun nicht mehr wichtig, dass
die Chancen auf einen Großfisch meiner Meinung
nach nun sehr gering waren. Wir könnten hier
immer noch schöne Fische zwischen 20–25
kg fangen. Barry hatte mir seine Bilder gezeigt,
es war schon eine sehr beeindruckende Strecke
an großen Fischen, die er fangen konnte.
Michelin ist so ein schöner isolierter Platz
gegenüber von Bivvy City. Das einzige Problem,
dass es noch zu bewältigen galt, war das
Übersetzen mit meinem kompletten Tackle einmal
quer über den See.
Tim erreichte den See
am Samstagmorgen und meine erste Aufgabe war es,
ihn nach einem gemeinsamen Kaffee von meinen Plan
zu überzeugen. Erstaunlicherweise war Tim
sofort einverstanden. Er hatte dort seinen ersten
Orient-Karpfen gefangen und kannte somit den Bereich.
Tim fuhr schon einmal rüber, um den Platz
zu übernehmen und ich wollte den Tag nutzen
um ganz gemütlich zu moven. Erfreulicherweise
war der See ruhig, doch Bivvy City überraschte
mich ein weiteres Mal mit einem 16 kg Schuppenkarpfen,
als ich gerade dabei war mein Tackle abzubauen.
War es wirklich die richtige Entscheidung zu moven?
Ich verstaute mein gesamtes Tackle, sämtliche
Köder und die Lebensmittel für die nächsten
drei Wochen in meinen zwei Booten und stach in
See. Es war eine angenehme Reise und der Wind
wurde erst stärker, als ich nach eineinhalb
Stunden das gegenüberliegende Ufer mit einem
herzlichen Willkommenen von Tim, Barry und Jean-Pierre
erreichte. Die beiden wollten am nächsten
Tag aufbrechen und Tim und ich konnten dann mit
dem Fischen beginnen. Ich überließ
Tim die Platzwahl. Er entschied sich für
die rechte Seite und so fischte ich natürlich
nach links. Das erste Problem, mit dem wir zu
kämpfen hatten, war der Schlamm.
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| Unser Angelplatz am Michelin Point |
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Es war der
reinste Horror hier, denn es war schier unmöglich,
zu den Booten zu gelangen. Es war reinste Schwerstarbeit,
die Stelle so zu präparieren, dass man im
Falle eines Bisses von den Ruten zu den Booten
gelangen konnte. Als nächstes galt es unsere
Spots zu füttern. Hierzu verwendete ich 10
kg Monster Pursuit Boilies. Abschließend
legten wir endlich unsere Fallen aus. Da ich keine
wirklichen Hot Spots ausmachen konnte, entschied
ich mich für vier unterschiedliche Tiefen,
wobei ich die tiefste Rute auf ca. acht Meter
Tiefe im alten Flussbett platzierte. Alle Ruten
beköderte ich wie zuvor mit dem Snowman-Rig
und PVA Bags.
Die Wetterbedingungen waren Anfangs nicht so optimal
mit kaltem Nordwind und dichtem Nebel.
Mittlerweile war es allerdings schon Oktober und
das Wetter war halt auch dem entsprechend. Nach
dem Füttern erwarte ich normalerweise in
den nächsten drei bis vier Tagen keine sichtlichen
Aktivitäten von Karpfen. Positiv daran war
aber, dass die sehr unangenehmen Attacken der
Brassen und Schleien ausblieben. Somit bot sich
mir die Möglichkeit, die Ruten für eine
Zeit von über 48 Stunden ohne Kontrolle liegen
zu lassen. Nach ruhigen zehn Tagen am Michelin
Point kam eine leichte Wetterflaute und der Wind
drehte in südlich–westliche Richtung.
Das wiederum war genau das, was wir brauchten
und ich fing auch prompt den ersten Karpfen mit
einem Gewicht von 16 kg.
Ein schöner Spiegler
und ein hoffnungsvoller Start. Der Fisch kam von
einem neuen Spot, den ich auf 200 Meter Entfernung
in sechs Meter Wassertiefe fand. Ein erstaunlich
kleines und hartes Plateau in der Größe
eines Esstisches. Da das Wetter gut war, befütterte
ich das Plateau gleich mit 5 kg Baits für
die nächste Nacht.
In der Nacht nach meiner großzügigen
Fütteraktion lag ich leicht dösend auf
meinem Bedchair, als ich einen heftigen Biss bekam.
Die Schnur wurde rasend schnell von der Rolle
gerissen und die Spitze der nicht gerade leichten
Rute bog sich Richtung Wasser. Also rein ins Boot
und raus in die Dunkelheit auf den See, zur Schlacht
mit einem recht verheißungsvoll wirkenden
Spiegler. Zurück am Ufer war ich ein wenig
vom den lediglich 13 kg Gewicht des Fisches enttäuscht.
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Der erste Fisch der Session vom Michelin Point,
ein Spiegler mit 16kg |
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Dennoch ein früher Biss, es war erst 20.00
Uhr und somit hoffe ich auf weitere Aktionen in
dieser Nacht. Dank meines GPS war das erneute
Ausbringen kein Problem und ich fand das kleine
Plateau ohne Mühe. Es war die gleiche Rute,
die mir ca. eine Stunde später einen weiteren
Fisch bescherte. Es war ein Lederkarpfen, ebenfalls
mit 13 kg.
Nachdem ich den Fisch so weit versorgt
hatte, legte ich die Rute wieder auf dem Plateau
aus, in der Hoffung einen weiteren Fisch zu überlisten.
Nachdem ich mir noch einen Kaffee gekocht hatte,
legte ich mich wieder gemütlich auf mein
Bedchair. Der Himmel war klar und der Mond ließ
die Wellen auf dem See in einem silbernen Licht
erstrahlen. Einige Sternschnuppen boten ein spektakuläres
Lichtspiel am Himmelsfirmament, wie man es nur
selten zu sehen bekommt. Ich konzentrierte meine
Aufmerksamkeit auf eine besonders helle Sternschnuppe
und wünschte mir (was sonst!) den Fang eines
20 kg Fisches. Nicht größer, ich wollte
schließlich nicht gierig sein. Ich bin dann
wohl eingeschlafen, denn das nächste, woran
ich mich erinnere, war ein schneller Biss auf
der Plateau Rute.
Der Fisch zog mich in meinem Boot weit auf den
See hinaus. Als ich versuchte meinen Gegner vom
Grund hoch zu pumpen, setzte dieser sein ganzes
Gewicht entgegen und ich war mir sicher, einen
der besseren Fische gehakt zu haben. Zum Glück
hielt die Big Game Schnur der Belastung stand
und nur Momente später durchbrach der Fisch
das erste Mal die Wasseroberfläche.
Ein Spiegler
über 25 Kilo, schoss es mir durch den Kopf
und ich spürte, wie sich mein Pulsschlag
sofort erhöhte. Ich versuchte das Keschernetz
unter den Fisch zu schieben, doch es ging nicht,
der Fisch war zu lang! Verärgert durch meinen
plumpen Kescherversuch, setzte der Fisch erneut
zu einer wilden Flucht an. Der Mond stand hoch
über den See und spendete mir tröstliches
Licht in diesen bangen Minuten.
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Wo es große Fische gibt, ist auch
Tim Paisley meist nicht weit |
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Ich konnte den
Fisch ein weiteres Mal zur Oberfläche zwingen
und nun tauchte der massive Körper längs
neben dem Boot auf. Ich raffte all meinen Mut
zusammen und streckte meinen Arm samt Kescher
so weit Richtung Fisch, wie es eben ging. Beim
Anheben des Netzes wäre ich dadurch fast
vornüber aus dem Boot gefallen. Ich hatte
jedoch, was ich wollte!
Die Maschen umschlossen
sicher den durch den Mondschein schimmernden Körper.
Schnell legte ich legte die Rute ins Boot, rollte
den Kescher ein Stück weit zusammen und schipperte
mit mäßiger Geschwindigkeit Richtung
unseres Platzes. Am Ufer angekommen, wollte ich
den Fisch zu Abhakmatte tragen, doch die Last
war zu schwer! Erst hier realisierte ich, dass
ich einen echten Ausnahmefisch gelandet hatte.
Wie in Trance holte ich Matte, Wiegeschlinge und
die Waage. Es war alles andere als leicht, den
Fisch alleine zu wiegen, doch am Ende ermittelte
ich ein Gewicht von etwas über 33 kg! Mein
zweiter Orient 70er (englische Pfund)! Ich war
wie von Sinnen. Schockiert. Glücklich. Es
waren einfach eine Millionen Emotionen.
Doch nun
galt es, den Fisch sicher im tiefen Wasser einzusacken.
Ein genaues Nachwiegen, so wie die Fotosession
sollte am Morgen stattfinden. Nun ging ich zu
Tim, um ihm das Geschehne zu berichten und um
ein wenig mit Brandy-Kaffee zu feiern. Ich brauchte
das jetzt einfach, um wirklich zu realisieren,
was passiert war. Später brachte ich dann
noch die Rute zum Plateau zurück, man kann
nie wissen…
In dieser Nacht konnte ich nicht mehr schlafen.
Immer wieder und wieder schaute ich nach dem Fisch,
ob auch alles in Ordnung war. Dieser spezielle
nächste Tag begann dann wie auf Wunsch auch
mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Zusammen
mit Tims Hilfe war das exakte Wiegen des Fisches
wesentlich einfacher. Wir ermittelten ein Gewicht
von 33 kg, was etwa 73 englischen Pfund entspricht.
Ich hatte meinen zweiten Siebziger!
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| Unglaubliche 33kg wiegt dieser Orient-Spiegler |
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Es war genau
der Fisch, den ich versucht hatte die letzten
zwei Jahre in Bivvy City zu fangen. Er musste
mir quer über den See gefolgt sein, um hier
von mir als mein neuer Personal Best an meiner
Lieblingsstelle, an meinem Lieblingssee gefangen
zu werden. Tim machte ein paar großartige
Fotos und mir wurde das Privileg zu Teil, diesen
großartigen Moment mit diesem großartigen
Mann zu teilen. Die Session endete Ende Oktober,
es war kalt und der See war wolkenverhangen. Für
mich ging jedoch eine tolle Session zu Ende.
Sei
vorsichtig, wenn du dir etwas bei einer Sternschnuppe
wünscht, du weißt nie was passiert…
Andy Chambers
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