|
Seit einigen Minuten lag ich in meinem Bett und
starrte an die Decke. Es war 22.00 Uhr und in
vier Stunden sollte es wieder für zwei Wochen
an den Lac de St. Cassien nach Frankreich gehen.
Meik Pyka, Christian Kasper und Jan-Simon Saamen
waren bereits seit mittags unterwegs. Sven Brodbeck
und ich mussten noch arbeiten und hatten uns auf
zwei Uhr am nächsten morgen verabredet. Da
ich sowieso nicht schlafen konnte, rief ich Sven
an um ihn zu fragen, ob wir nicht gleich losfahren
wollten. Sven konnte auch nicht schlafen uns so
waren wir bereits eine Stunde später auf
der Autobahn in Richtung Süden unterwegs.
Nach genau 96 Kilometern bemerkte meine Freundin
Francesca, dass sie ihre Tasche mit einigen für
Frauen unverzichtbaren Medikamenten zuhause vergessen
hatte. Während Sven und seine Freundin Julia
langsam weiter fuhren, holte wir die Tasche, was
unsere Fahrzeit um zwei Stunden verlängerte
und zu allem Überfluss mussten wir in der
Eifel noch eine Umleitung in Kauf nehmen…
 |
| |
Am frühen Nachmittag kamen wir am Cassien
an und begannen sofort damit, die Boote zu beladen.
Von Christopher Paschmanns, der schon einige Tage
vor uns am Cassien angekommen war, wussten wir,
dass der Wasserstand des Sees zum ersten Mal seit
Jahren in diesem Sommer sehr hoch war und so hatten
Sven und ich uns bereits zuhause vorgenommen,
den Südarm zu befischen. Doch wieder hatten
wir Pech. Als wir die Boote vollständig beladen
hatten und gerade dabei waren abzulegen, riss
Sven sich sein Schlauchboot an einem Stein auf.
Unsere Stimmung war nach 14 Stunden anstrengender
Autofahrt auf einem Tiefpunkt angekommen und da
wir bereits über 30 Stunden nicht mehr geschlafen
hatten, reparierten wir das Boot und schliefen
die erste Nacht an der Rampe unter der Cassien
Brücke neben unserem Tackle.
Am nächsten Morgen brachen wir sehr früh
auf, um unsere Plätze zu sichern. Sven und
Julia entschieden sich für einen der „Schilderplätze“,
Frani und ich besetzten eine Spitze unterhalb.
Nachdem wir aufgebaut hatten, begannen wir unsere
Stellen sorgfältig mit dem Echo auszuloten.
In der Mitte zwischen unseren beiden Spitzen lag
das „Banana-Plateau“, das von 12 Meter
Tiefe bis auf 2,5 Meter hoch ging. Wir beschlossen,
das Plateau mit reichlich „Drunken Monkey
Boilies“ zu befüttern, um es dann jeder
mit zwei Ruten zu befischen. Die anderen Ruten
wollten wir Ufernah an den angrenzenden Spitzen
und kleinen Buchten verteilen. Diese Ruten beköderten
wir ausschließlich mit Tigernüssen,
da wir in Tiefen über vier Metern Krebse
vermuteten. Diese gibt es im Cassien zu tausenden
und sie machen einen Großteil der Nahrung
(von Boilies mal abgesehen) der Karpfen aus. Es
ist nahezu unmöglich, mit Boilies zu angeln.
Wir hofften, dass sich aufgrund des hohen Wasserstandes
viele große Fische im Südarm aufhielten
und wir hier die große Chance hätten,
einen der alten Bullen an den Haken zu bekommen.
Am zweiten Tag fing Sven auf eine der ufernahen
Ruten einen Fisch mit genau 20 Kilo. Sollte unser
Plan tatsächlich aufgehen?
In den folgenden Tagen konnten wir noch einige
schöne Karpfen fangen. Die meisten von ihnen
auf den ufernah abgelegten Ruten, die wir nur
mit einer Hand voll Boilies und Tigernüssen
befüttert hatten. Auf dem großen Futterplatz
am Plateau bekamen wir nur selten einen Biss und
hatten dort auch mit Welsen Probleme, die immer
wieder unsere Köder fraßen. Nach fünf
Tagen blieben dann die Bisse auch an den Uferruten
aus. Frani und ich beschlossen, ins „Kreuz“
– den mittleren Teil des Sees – zu
ziehen wo Meik, der mittlerweile im Nordarm saß,
zwei Tage zuvor einen langen Spiegler über
20 Kilo landen konnte. Sven wollte weiter das
Plateau befischen und wir verabredeten, dass wir
uns vier Tage später im Nordarm treffen wollten,
um dort Meiks Geburtstag zu feiern.
Im Kreuz angekommen trafen wir Benoit, einen
französischen Freund von uns, der hier mit
seinem Sohn ein paar Tage angeln wollte. Während
wir uns unterhielten, machte uns Frani auf eine
kleine Bucht aufmerksam, in der mehrere Karpfen
rollten. Wir beschlossen uns die Bucht mit ungefähr
200 Badegästen zu teilen und dort die nächsten
Tage zu fischen. Nachdem ich die Bucht ausgelotet
hatte, beschloss ich an diesem Platz nur mit drei
Ruten zu fischen, um so wenig Schnüre wir
möglich durch die Bucht zu spannen. Ich stellte
meine Angelei komplett um und legte keine Futterplätze
mehr an. Stattdessen stellte ich nur drei Fallen:
Meine Ruten bestückte ich mit weißen
„Gorilla-Banana-Pop-up’s“ an
einem Light Rig. Hierzu bohrte ich mit einem Boilie-Bohrer
ein Loch durch den Pop-Up und steckte ein kleines
blaues Knicklicht in den Köder (siehe Infokasten).
 |
Rob
Hughes mit seinem größten
Cassien-Fisch:
Gefangen auf ein Light -Rig |
 |
|
Während ich in der Sonne saß und meine
Montage fertig stellte, bekamen wir Besuch von
Rob Hughes, der mich auch gleich auf meine Rigs
ansprach. Ich erklärte ihm, dass ich mit
dieser Methode schon öfters erfolgreich war,
wenn die Karpfen nicht besonders hungrig waren.
Nachdem Rob sich verabschiedet hatte legte ich
meine Rigs vor drei verschiedenen Spitzen ab,
die Unterwasser alle wie eine Treppe mit großen
Stufen aussahen. Um die Wirkung des Knicklichtes
nicht zu verfehlen, legte ich keine Rute flacher
als zwölf Meter ab und senkte zusätzlich
die Hauptschnur mit einem Absenker auf Tiefe.
Meine Fallen waren scharf und ich setzte mich
mit einem Glas Wein in meinen Stuhl und beobachtete
die Badegäste.
Ich hatte noch keine zwei Minuten gesessen, als
ich auf die mittlere Rute einen Pieper bekam.
Es waren keine Badegäste in der Nähe.
Ich raffte mich auf, wollte den Swinger, der etwas
gefallen war, wieder hoch drehen, da hob er sich
schon Richtung Blank und die Rolle gab sehr langsam
Schnur frei. Damit hatte ich nach so kurzer Zeit
nicht gerechnet. Der Fisch stand bombenfest am
Grund und es gelang mir nur mühsam, ihn von
den Steinen weg zu pumpen. Als er schließlich
im Freiwasser war, stiegen wir ins Boot und Francesca
ruderte mich über das Tier. Schon als ich
die Rute aufgenommen hatte, war klar, dass würde
kein kleiner Fisch sein und ich drillte ihn sehr
vorsichtig. Als der Karpfen das erste Mal unter
dem Boot auftauchte, bestätigte sich mein
Verdacht. Ich wurde zunehmend nervöser.
Mittlerweile waren wir von neugierigen Badegästen
auf Luftmatratzen und Tretbooten umgeben. Endlich
war der Fisch ausgedrillt und bereit für
den Kescher, doch Francescas erster Versuch schlug
fehl und eine der Maschen verhakte sich im Hakenschenkel.
Ein Tobsuchtsanfall meinerseits war die Folge.
Zum Glück saß der Haken perfekt im
Maul, so dass wir den Fisch sicher landen konnten.
Als er dann vor mir auf der Matte lag, konnte
ich mein Glück kaum fassen. Ich hatte es
geschafft, einen alten Bullen zu fangen. In den
folgenden Tagen fielen auf diesem Platz noch einige
Schönheiten auf meine Fallen herein, bevor
wir wie verabredet in den Nordarm reisten, um
dort mit Freunden Meiks dreißigsten Geburtstag
zu feiern. Fast alle Angler, die am See waren,
nahmen an der Geburtstagsfeier teil. Sie war der
krönende Abschluss eines gelungenen Urlaubs,
in dem eigentlich nichts so lief, wie wir es vorher
geplant hatten.
Als wir wieder zuhause waren, bekam ich einen
Anruf aus England. Es war Rob Hughes, der mir
erzählte, dass er einige Tage nach unserem
Treffen am Cassien seinen neuen „Personal
Best“ auf ein „Light Rig“ fing…
Mark Bergmann
 |
| Durchstechen
& Bohren |
 |
|
 |
| Knicklicht |
 |
|
 |
| Überstehen |
 |
|
|
 |
| Aufziehen |
 |
|
 |
| Andere
Variante |
 |
|
 |
|
Ergebnis |
 |
|
|
Das Light-Rig, mit Licht zum Dicken:
Die Idee für das Light-Rig stammt vom dänischen
Spezialisten Jens Bursell. Er experimentierte
schon vor Jahren mit Knicklichtern in Hakenködernähe
und hatte damit gute Erfolge. Beispielsweise fiel
der inoffizielle dänische Rekordkarpfen mit
über 18 Kilo auf einen Köder herein,
der mit einem Knicklicht garniert war. Jens fixierte
das Knicklicht hierbei auf dem Vorfach kurz hinter
dem Haken, oder auch auf dem Haar. Meik Pyka entdeckte
das Light-Rig in den Neunzigern für sich
und fing damit am Lac de St. Cassien eine ganze
Anzahl wirklich großer Fische. So etwas
hatten die Karpfen in Frankreichs Süden noch
nicht gesehen! So sieht die Montage von Jens Bursell
im Detail aus. Meik verwendete sie gerne in Kombination
mit einer einzelnen Tigernuss. Das Prinzip dahinter
ist einfach: Die Lichtquelle soll die Neugierde
der Karpfen wecken und die Fische direkt in die
Nähe des Hakenköders führen. Ein
Fluo-Pop-Up zum Beispiel soll den selben Effekt
erzielen. Warum also nicht beides kombinieren?
Ein Miniknicklicht in einem Pop-Up verbindet beides
perfekt. Licht wie Köder sind für sich
extrem auffällig und bei der Verbindung steckt
die Lichtquelle im Boilie - Fehlbisse ausgeschlossen.
Angeblich sind die Farben Blau und Weiß
in tiefem Wasser besonders gut zu sehen. Darum
macht es Sinn, einen weißen Fluo-Pop-Up
mit einem blauen Miniknicklicht zu kombinieren.
So ein Kombiköder hat mehr Leuchtkraft und
Lockwirkung durch Geruch und Geschmack, als die
im Handel erhältlichen künstlichen Leuchtboilies.
Der Knicklicht-Poppy spielt seine Stärken
nicht nur bei Nacht aus. Auch wenn der Himmel
wolkenverhangen ist und natürlich in tiefem
Wasser ist er ein echter Leuchtturm für neugierige
Karpfen. Wie genau ihr den Pop Up präpariert,
seht ihr auf dieser Seite.
Es werde Licht...
|