7.30 Uhr!
Nach dem Reinfall des letzten Frankreichtrips sollte eigentlich eine Revanche Anfang November stattfinden. Da aber mal wieder berufliche Gründe dazwischen kamen, blieb mir nichts übrig, als das verlängerte Wochenende am heimischen Gewässer zu verbringen.
Am See war nicht viel los, somit konnte ich den favorisierten Platz „beziehen". Es waren eigentlich top Bedingungen - dachte ich... Als ich jedoch mein GTM aus dem Wasser holte, war ich dann mehr als überrascht, denn das Wasser hatte nur noch knapp über 8 Grad. Schnell wurde alles aufgebaut und startklar gemacht.
Das Wasser war sehr klar und der Krautbewuchs noch recht dicht. Um besondere optische Reize zu setzten, entschied ich mich für die weißen 14 mm Scopex Dumbells, präsentiert als Schneemann mit einem gelben Pineapple PopUp. Dass dieser Köder, besonders auch bei kälteren Temperaturen, sehr gut arbeitet gab mir zusätzliches Vertrauen.
Den ersten Spot, eine größere freie Stelle vor einer Krautbank mit recht hartem Boden, fütterte ich nur wenig und punktuell über dem Hakenköder.
Als zweiten Spot wählte ich eine leicht abfallende harte Kante, gesäumt von sehr dichtem Kraut. Hier fütterte ich zwei bis drei Hände über die gesamte Kante.
Mit Einbruch der Dunkelheit waren alle Fallen scharf, und der Gaskocher im Brolly lief auf Hochtouren, um mein Rindersteak „medium" zu braten. Mit Bratkartoffeln, ordentlich Zwiebel und nem guten Bardolino war das eine runde Sache, die mich relativ schnell nach dem Essen in einen tiefen Schlaf fallen ließ.
Die Nacht verlief ruhig. Um 7:30 Uhr dann ein Dauerton. Es war die abfallende Kante. welche den Biss brachte. Schnell ruderte ich durch den dichten Nebel in Richtung Fisch, der sich nach ein paar kräftigen Fluchen relativ schnell zum Landgang überreden ließ. Ein schön gefärbter Spiegler mit 14,5kg zum Ersten. Kein schlechter Start. Verwunderlich war nur, dass er nicht sonderlich fett war, was um diese Jahreszeit eigentlich zu erwarten wäre.
Die Montage wurde neu bestückt und auf ihren Platz abgelegt.
Es war kalt, und der dichte Nebel machte es richtig ungemütlich. Nach einem heißen Cappuccino kroch ich wieder in meinen Schlafsack. Es dauerte bis in den späten Mittag, bis die Sonne die Überhand über den Nebel bekam. Die Lufttemperatur stieg sofort um ein paar Grad an und es wurde ein perfekter Herbsttag. Die Sonneneinstrahlung gab mir Hoffnung auf etwas Aktion an den Futterplätzen. Doch bevor man sich an die warme Sonne gewöhnt hatte verabschiedete sie sich schon wieder am Horizont, und der kalten, feuchten Nacht Platz zu machen.
Nach einer ausgiebigen Mahlzeit mit etwas Wein, startete ich die ThermX, um im Schein der Kopflampe etwas zu lesen. Gegen 22 Uhr bekam ich einen Fallbiss, der durch darauf folgendes hektisches auf und ab eine Brasse vermuten ließ - der Verdacht bestätigte sich. Der Nebel war so dicht, dass man keine 5 Meter weit schauen konnte. Ich besitze zwar ein GPS-Gerät, was mir jedoch nichts brachte, da ich den Spot noch nicht gespeichert hatte. Da dies bereits die zweite Aktion auf dem Platz war, musste die Montage unbedingt wieder und schnellst möglich auf den Spot.
Um die Orientierung nicht zu verlieren, legte ich meine LED-Lancer in einen weißen Eimer. Dieser helle Fleck sollte trotz des Nebels sehr weit sichtbar sein. Nach einem kleineren Suchmarathon fand ich meine Boje schließlich und legte die Montage an ihren Zielort. Natürlich habe ich dabei gleich den Spot im GPS abgespeichert. Dank meines „Leuchteimers", den ich gerade noch so erkennen konnte, kam ich ohne weitere Probleme wieder am Ufer an.
Nach getaner Arbeit freute ich mich leicht frierend auf mein warmes Zelt. Ich kochte mir noch schnell einen heißen Kräutertee und gab mich wieder dem Lesen hin. Es konnte nicht lange gedauert haben, bis ich einschlief, denn als ich gegen 2 Uhr aufwachte, lag ich auf meinem Buch - Sabberfleck inklusive...
Punkt 7:30 Uhr wieder ein Fallbiss, unmotiviert streckte ich den Kopf aus dem Zelt in den feuchten Morgenhimmel... neee oder, hab ich jetzt die Seuche am Platz? Der Hanger ging wieder langsam nach oben, und blieb oben. Ganz langsam wurde Schnur von der Rolle gezogen. Unsicher stieg ich ins Boot, um dem Fisch entgegen zu rudern. Als ich anfing Druck aufzubauen, merkte ich schnell, dass es sich nicht um eine Brasse handelt. Vielmehr spürte ich langsame, aber kraftvolle Fluchten. Durch das klare Wasser hindurch meinte ich ein breites Kreuz zu erkennen.
Ich war mir sicher, der Fisch knackt dieses Mal die 15kg-Marke. Stetig zog der Bursche seine Bahnen durch das ihm vertraute Element. Als ich ihn das erste mal an der Oberfläche hatte, erkannte ich einen massigen Schuppi. Das könnte einer meiner Zielfische aus diesem Gewässer sein – der größte in diesem See! Die Aufregung stieg, ich machte etwas weniger Druck, um einen eventuellen Ausstieg zu verhindern. Ein paar Minuten später war ich der Sieger und ja - ER war es! Gespannt ruderte ich wieder zurück ans Ufer. Die Waage blieb bei 21,3kg stehen. Nicht sein Höchstgewicht, aber auf jeden Fall top!
Nachdem der Fisch versorgt war, kochte ich mir erst mal einen heißen Kaffee. Nachdem die Montage wieder platziert war, suchte ich mir einen neuen Spot für die zweite Rute. Eine krautfreie Stelle ziemlich ufernah sollte es richten. Ich fütterte nur ein paar wenige Boilies um den Hakenköder herum.
Der dichte Nebel wollte den ganzen Tag nicht weichen – es war unangenehm nasskalt. Den ganzen Tag verbrachte ich im Schlafsack, abends war ich dann so ausgeschlafen, dass ich bis um 1 Uhr nachts nicht mehr schlafen konnte. Gegen 3:30 Uhr bekam ich ein paar Pieper auf die neu gelegte Rute. Ein dickes Rotauge – aber immerhin eine Aktion.
Wieder lag ich nach dem erneuten Auslegen der Montage hellwach auf meiner Liege. Im Hintergrund spielte mein Radio und machte ich mir schon Gedanken, was mich wohl um 7:30 Uhr erwarten würde. Schließlich kamen fast auf die Minute genau zwei Tage hintereinander die Bisse...
Wie erwartet: Punkt 7:30 Uhr ein schöner Vollrun ohne Ansatz – Perfekt!






