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Rio Ebro - Fluch und Segen

Von Placido Klitzke/ Februar 2012

Es ist kalt, nass, die Weihnachtsfeiertage sind vorbei und man wünscht sich nichts mehr, als den Frühling! Die Natur erwacht aus ihrem Winterschlaf, die Sonne zeigt sich wieder regelmäßig, die Temperaturen steigen an und die Ersten unserer Art begeben sich wieder ans Wasser! Doch bis dahin dauert es leider noch ein wenig und somit bleibt einem nichts anderes übrig als sich Fotos der vergangenen Sessions anzuschauen und in Erinnerungen zu schwelgen.

Ein schöner Schuppi aus dem EbroSo war es auch dieses Jahr wieder bei mir: Eigentlich sollte ich längst drauf und dran sein, etwas für die Uni zu tun, da die Prüfungszeit immer näher kommt und trotzdem kommt man an den Ordnern mit den Angelbildern der vergangenen Zeiten einfach nicht vorbei. An einem Ordner blieb ich besonders hängen und er trieb mich auch dazu, das Fotoalbum mit den entsprechenden Bildern aus dem Regal zu holen, um Seite für Seite und Bild für Bild durchzugehen. Es waren Bilder vom Sommer 2009, um genauer zu sein, Bilder aus dem Zeitraum des 29.05- 12.06.2009.

Wenn ihr euch jetzt fragen solltet, warum es genau jene sind, dann ist das relativ leicht zu beantworten: Es handelt sich um Bilder meines Urlaubs in Spanien. Ein Urlaub, an den ich mich wohl immer erinnern werde, weil er ein Traum für mich war, seit dem ich mit dem Karpfenangeln im Alter von 13Jahren begonnen habe und der sich nun endlich erfüllen sollte.

Ein Trip an den Ebro, ins Camp vom „Urlaub-nach-Maß-Team". Da ich zu der Zeit noch in die Schule ging, war ich leider an die Pfingstferien und somit an eine ziemlich warme Jahreszeit gebunden und doch war ich so von Erwartungen und Hoffnungen erfüllt, dass kein Gedanke an eventuelle resultierende Nachteile gehegt wurde. Doch wie schon die Überschrift verrät, sollte es ein Urlaub werden, der sowohl Fluch, als auch Segen in einem war.

Das Angeln am Ebro hat einen ganz besonderen FlairEs begann mit der Vorbereitung und dem damit verbundenen ersten Fluch: Da es eine Art „Familienurlaub" war, auf den sich meine Mutter eingelassen hatte, war von vornherein klar, dass Kompromisse nötig sein werden und mein Vater und ich somit nicht 12 Tage lang von morgens bis abends durchfischen konnten. Aber auch dem muss man zustimmen, wenn man eine solche Reise zum Geburtstag geschenkt bekommt.

Zudem wusste ich erstens nicht wirklich was mich in Spanien erwarten wird, natürlich gab es hunderte von Berichten und ich hatte zuvor auch mit Olli, dem Besitzer des Camps ein, zwei Male oder auch öfter telefoniert, aber dennoch ist es bei Weitem etwas anderes, ob ich einen Trip an den Main-Donau-Kanal plane, der bei mir vor der Tür liegt, oder dem Ebro. Geplagt von Gedanken, was alles an Ausrüstung mit muss und was nicht, kam noch die Einschränkung, dass meine Eltern ja eventuell auch ein paar Sachen benötigen und somit ein bisschen Platz im Auto auch dafür hergegeben werden musste.

Somit wäre der erste Zwischenstand folgender: Fluch 3, Segen 0 - und das schon vor dem Eintreffen am eigentlichen Ziel! Das Ergebnis kann auch gleich um noch einen Fluch erweitert werden: Stolze 1676 Kilometer lagen zwischen dem heimischen Nürnberg und dem Zielort Mequinenza. Eine Strecke, die meine Eltern verständlicherweise nicht in einem Stück hinter sich bringen wollten, und somit ein Zwischenstopp in Frankreich eingeplant war. Dadurch waren nun schon einige Faktoren gegeben, die es auszugleichen galt. Der Tag der Abreise war da, das Auto bis unter das Dach, oder besser gesagt bis über das Dach hinaus beladen da der Innenraum allein nicht ausreiche und noch eine Dachbox montiert werden musste. Das erste, was als Segen gewertet werden kann, war die Tatsache, dass wir bis zu unserem Motel in Frankreich keinen einzigen Stau, oder sonstige negativen Vorkommnisse hatten.

Mein Vater auf Abwegen mit einem Ebro WelsDoch leider ist auch gleich als nächstes ein weiterer Punkt auf der Habenseite der Flüche zu vermerken: Das Essen im Motel. Ich habe ja nun wirklich schon einiges an verkochten Hähnchen gesehen und gegessen, aber dieser Gummiadler hatte eine erschreckend große Ähnlichkeit mit dem Spielzeug-Hühnchen meines Hundes.

Jedoch muss man auch beachten, dass es sich lediglich um eine Unterkunft handelte, in der man die Beine ausstrecken und Kraft für den letzten Teil der langen Fahrt sammeln konnte. Kurz anzumerken bleibt, dass dies aber leider auch nur bedingt möglich war, da ortsansässige Franzosen das Motel wohl lieber als Liebeshöhle benutzten, anstatt als Schlafmöglichkeit, was Dank der dünnen Wände für einen eingeschränkten Schlaf sorgte. Jedoch können diese beiden Vorkommnisse als ein Fluch zusammengefasst werden.

So ging es am nächsten Morgen zum Glück auch schon weiter Richtung Ziel. Nach weiteren 600 Kilometern kamen wir dann endlich in der „Weltstadt" Mequinenza an und wurden herzlichst von Olli begrüßt. Ich möchte kurz die Anspielungen rund um das berüchtigte Mequinenza erklären. Faßt man die letzten 60 Kilometer durch eine Art Steinwüste, vorbei an Nichts, Nichts und verlassenen Häusern, mit dem kleinen Dorf, das umgeben von Bergen und eingebettet in dem Flussdelta liegt, zusammen und beachtet dann noch das es eigentlich lediglich eine Straße dorthin gibt, erklärt es vielleicht den Begriff Weltstadt ;)

Ein Blick auf den EbroDa wir aber nun auch nicht hier waren, um eine Städte- und Kulturreise zu machen, sollte mal hervorgehoben werden, was dieses kleine Städtchen so bezaubernd macht und zu solch einer Einzigartigkeit werden lässt: Wie schon beschrieben, befindet sich Mequinenza in Mitten von Bergen, gesäumt von Pfirsich-Plantagen, wird vom wundervollen Rio Segre durchquert, der dann in den Ebro mündet. Neben dem kleinen Castello, am Gipfel des Berges, sticht die riesige Riba-Roja-Staumauer sofort ins Auge.

Nun aber zurück zum Wesentlichen: Nach der angesprochenen herzlichen Begrüßung von Olli, folgte eine Einweisung in die Besonderheiten vor Ort. Neben stabilen und geräumigen Alubooten mit 25 PS-Motoren, gibt es Köderfischbecken und einen Abstellraum für das Equipment. Die Wohnungen sind mit dem nötigsten versehen und vollkommen ausreichend, wenn man bedenkt, wofür man eigentlich an diesen Ort kommt. Zudem stand ein Garten mit Liegen und Stühlen zur Verfügung, der auch meine Mutter zufriedenstellen sollte. Für meinen mitgereisten Hund gab es genügend Katzen und somit hatte jeder das, was er brauchte.

Ein weiterer Schuppi aus dem EbroNach kurzer Plauderei mit Olli und dem Bezug der Wohnung, wollte er mir den Platz zeigen, an dem in der Vorwoche ein Gast wohl recht gut gefangen hatte. Hierfür konnte somit wohl ein zwischen zeitiges Unentschieden zwischen Fluch und Segen vermeldet werden. Jedoch muss ich auch hier erwähnen, dass dieses nicht lange anhielt, da die Fahrt im Land Rover mit Olli als eindeutiger Fluch zu bezeichnen ist, da man das schon nicht mehr als Fahrt, sondern eher als Flug über kratertiefe Schlaglöcher bezeichnet werden konnte. Ich muss zwar klar zugeben, dass Olli die Lage stets im Griff hatte, jedoch wird einem schon recht mulmig im Magen, wenn man so über die Löcher mehr oder weniger hinweg gleitet und einem dann ein Auto auf der Straße entgegen kommt, wo eigentlich nur für ein Fahrzeug Platz gewesen wäre. Aber auch das wurde geschafft und wir kamen an einem wunderschönen Platz an, der umgeben von zwei Buchten war, genügend Schatten vor der brennenden Sonne zu bieten hatte und zudem einige gute Stellen für Karpfen aufwies.

Wieder zurück im Camp zeigte mir Olli noch die Tonne mit dem gekochten Mais die für uns parat stand und wies uns darauf hin, dass es ein Restaurant am Zeltplatz gäbe, bei dem das Essen und die Sangria wohl nahezu perfekt sein sollten. Da der Tag nun eh schon dem Ende zu ging und mein Vater und ich uns vornahmen das Angeln am nächsten Tag in Ruhe zu starten, folgten wir Ollis Rat und testeten das Essen und natürlich auch die Sangria. Bereits hier muss gesagt werden, dass Olli vollkommen recht behielt was die Qualität anging und wir nicht das letzte Mal in den zwölf bevorstehenden Tagen dort waren.

Nach einem gemütlichen familiären Beisammensein am Abend und einer ruhigen Nacht, sollte es am nächsten Morgen nach dem Frühstück gleich an den besagten Platz gehen. Das Auto wurde wieder mit dem kompletten Equipment bepackt und dann ging es, ein wenig sanfter und ruhiger als bei Olli, an den Ort der unser zweites Zuhause für die kommenden Tage werden sollte. Wir fütterten zuerst einige Kilo Mais und Boilies, bauten langsam alles auf und platzierten alle 4 Ruten in der vor uns liegenden Bucht.

Die imposante StaumauerAllein für die Schönheit des Platzes mit seiner tollen Aussicht auf Mequinenza, den unzähligen HotSpots und der tollen Vielfalt an Tieren gab es hier eindeutige Punkte für die „Mannschaft Segen". Auch der erste Ebrokarpfen sollte nicht lange auf sich warten lassen und auch wenn er nur etwa sechs Kilo auf die Waage brachte, so kämpfte er - wie alle folgenden auch - wie ein Riese. Das scheint wohl allgemein eine Eigenschaft der Ebrokarpfen zu sein. Neben ihrem tollen Schuppenkleid, entwickeln gerade die kleineren Karpfen in Relation zu ihrer Größe eine immense Kraft, die einen tollen Drillspaß zur Folge hat. Wir fingen an unserem ersten Tag noch einige weitere schöne und kampfstarke Karpfen zwischen vier und acht Kilo. Auch wenn das nicht das erklärte Ziel sein sollte, konnten wir damit schon wirklich zufrieden sein, da die Stunden wie im Flug vergingen und jeder von uns Beiden zu seinem Spaß kam.

Die nächsten beiden Tage verliefen eigentlich fast genauso, abgesehen davon, dass ich auf Grund des dichten Krautbestandes leider einen recht großen Karpfen verlor. Wieder ein Fluch mehr...

Am vierten Tag sollte es dann am Mittag mit Olli zu einer Guidingtour auf Wels gehen. Da mein Vater und ich bis zu diesem Zeitpunkt noch völlig unerfahren im Bereich Wels waren, stellten die folgenden 5 Stunden eine wahnsinnige Herausforderung und Erfahrung zugleich für uns beide dar. Wir fuhren mit Olli an eine Stelle oberhalb von Mequinenza und er platzierte die Ruten an Erfolg versprechenden Plätzen. Auch hier ließ sich der erste Fisch nicht lange Zeit und nach nur 40 Minuten konnte ich meinen ersten Wels mehr oder weniger in den Händen halten, da es wohl zwischen Olli und mir eine gewisse Unstimmigkeit gab, was die Übergabe des Welses betraf und somit glitt dieser mir aus den Händen direkt ins Wasser.Fluch und Segen zugleich...

Kurz darauf hatte ich wiederum ziemlich Glück: Als ich auf dem, doch recht rutschigen Boden hinfiel und mein Fuß nur Zentimeter an dem montierten Welshaken vorbeifegte.

Es folgte ein wirklich schöner Abend mit tollen Gesprächen und einigen schönen Fischen. Im Nachhinein muss ich ehrlich zugeben, dass ich glücklich darüber war, dass die Fische alle nicht größer als circa 150cm waren und der wirklich große Brocken an diesem Abend in seinem Element blieb, da es für ungeübte Welsangler, wie wir es nunmal waren, wirklich nicht so einfach ist einen Wels mit geschlossener Bremse aus der starken Strömung zu pumpen.

Am nächsten Tag wollten wir uns wieder unseren eigentlichen Zielfischen widmen und zogen wieder auf unseren Platz an der Sonne. Wir bemerkten leider sofort, dass der eindeutige Rückgang des Wassers und die enorme Hitze wohl auch einen recht großen Einfluss auf die Aktivität der Fische hatte, da die Karpfen nicht wie sonst ständig rollten, sondern statt dessen absolute Ruhe auf der Wasseroberfläche herrschte.

Das spiegelte sich dann auch in unseren Fängen wieder, da an diesem Tag nur drei Karpfen den Weg in unseren Kescher fanden und die Zehn-Kilo-Marke bei weitem noch nicht geknackt war. Unser Pech sollte auch am nächsten Tag nicht abreißen.

Der Wasserspiegel sank weiter ab und wir hatten den ganzen Tag absolut keine Aktion an den Ruten zu verzeichnen, was für den Ebro schon sehr untypisch ist. Wir wurden gegen Nachmittag dann auch von einem Gewitter überrascht, das sich in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit aufbaute und ein wahres Naturereignis darstellte, da es genau so schnell wie es kam, auch wieder verschwand. Doch in der kurzen Zeit entlud es sich mit seiner vollen Kraft und was dann folgte war ein prächtiges Lichterspektakel. Leider zeigte sich auch nach dem Gewitter keinerlei Aktion an den Karpfenruten und lediglich die - aus mehr oder weniger Verzweiflung ausgelegte – Zanderrute brachte einen schönen 78ger Zander hervor.

Der Ebro in voller BreiteWas dann folgte glich aber leider einem Alptraum, nachdem meiner Vater und ich beschlossen den Rückweg anzutreten, fingen wir an all unsere Sachen zusammenzupacken. Nachdem sich erst eine Schraube aus meinem RodPod löste und im Ebro verschwand, durchlief ein schriller Aufschrei mein Rückenmark. Mein Vater saß mit schmerzverzerrtem Gesicht vor der Rutentasche und da es mittlerweile dunkel war, konnte ich trotz der Kopflampe nicht wirklich sehen was geschehen war.

Doch als ich zu ihm herüber rannte und sah was geschehen war, wurde mir fast schlecht: Er wollte mir scheinbar beweisen, dass die Selbsthakmontage mit dem 180 Gramm Blei wirklich funktionierte, was zur Folge hatte das sich der Haken auf der einen Seite des Fingers rein- und auf der anderen Seite wieder rausbohrte. Nach kurzfristiger Ahnungslosigkeit und Überforderung mit der Situation, schnitt ich dann das Vorfach durch und setzte meinen Vater auf den Beifahrersitz, da ihm durch den Schock und wohl auch dem Wetterumschwung schwindelig und Übel wurde. Da die Hälfte unseres Equipments aber noch nicht eingepackt war und ich auch nicht wirklich wusste, wo ich mit meinem Vater hinfahren könnte, um den Haken entfernen zu lassen, rief ich Olli an und bat ihn um Rat. An dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank und ein ganz großes Kompliment an ihn, dass er trotz seines Grillfestes, alles stehen und liegen lies und sich auf den Weg zu uns machte um uns zu helfen.

Doch die nun folgenden 15 Minuten schienen einfach nicht zu vergehen. Da steht man in Mitten eines fremden Landes, im absoluten Nirgendwo und der eigene Vater stand kurz vor einem Kreislaufkollaps. Immer noch völlig überfordert, packte ich die restlichen Ruten und Taschen ins Auto und dann sah ich auch schon die Lichter des Land Rovers über die schmale Straße fliegen. Da wusste ich dass Hilfe naht.

Als Olli mit seinem Kollegen Taffi dann bei uns eintraf, klärte ich sie kurz daüber auf was passiert war und dann fuhren wir mit den beiden Autos zum örtlichen Krankenhaus in dem dann die nette Krankenschwester den Haken zu entfernte. Mit einem Schrecken und einem kleinen Verband um den Finger ging es dann in Begleitung der beiden Retter zurück in die Wohnung. War das ein Tag!

Am nächsten Tag stand dann ein weiteres Guiding mit Taffi auf dem Plan und man hätte meinen sollen, dass nun die Punkte für die Seite der Flüche aufhören und endlich der Segen mal wieder an der Reihe wäre. Doch auch das kam anders. Taffi holte uns ab und wir begaben uns diesmal an eine andere Stelle, die wohl auch recht erfolgversprechend sein sollte. Nach kurzer Autofahrt entluden wir das Auto und hievten das Kanu vom Dach des Land Rovers. Was jetzt folgte war schon fast Bilderbuchreif: Man stelle sich einen kleinen Abhang von etwa 7 Meter vor, mit einer Steigung von circa 65 Prozent, mit einem dann folgenden Sitzplatz von etwa 1,5 Meter Breite, hinter denen dann der Fluss sein Bett hatte. Ziel war es, dass Kanu an den Platz zu bekommen, ins Wasser gleiten zu lassen und dann an einem Baum festzubinden.

Vorgehensweise Taffi: Ich lasse das Kanu einfach den Abhang runterrutschen und das wird dann schon da unten bleiben. Dass das nicht wirklich klappen konnte, war ihm dann danach wohl auch klar. Ich muss wohl nicht weiter erläutern, dass ich mich weigerte meinen Fotoapparat mit ins Kanu zu legen, dass sich nach sanftem Herablassen dann verselbstständigte und beschloss den Strom alleine hinunter zu schippern. Das Gesicht von Taffi werden wir wohl nie mehr vergessen. Nachdem er erst versuchte dem Boot am Ufer zu folgen, kehrte er nach 5 Minuten zurück und wir fuhren gemeinsam den Uferbereich ab. Es folgten 2 Stunden intensiver Suche durch vier Leute, einige Aufregung und das Wiederauffinden des in mehrere Teile zerbrochenen Kanus.

Da das Urlaub-nach-Maß-Team aber nicht so einfach unterzukriegen ist und sie zu jeder Zeit alles tun, um ihren Gästen einen unvergessenen Urlaub zu bereiten, wurde einfach ein neues Kanu aufgespannt und wir konnten den Trip wie geplant fortsetzen.

Auch an diesem Abend wurden wieder ein paar schöne Welse gefangen, was für eine richtig gute Stimmung sorgte. Am achten Tag unseres Aufenthaltes stieg der Wasserspiegel wieder an und die Karpfen kehrten wieder zurück an unseren Platz, nun fingen wir auch wieder einige schöne Schuppis und vier von ihnen wogen zwischen 10 und 13 Kilo. Dass das bei weitem nicht die Größten Exemplare des Ebros sind, spiegelte sich in drei wahnsinnigen Vollruns, gefolgt von heftigen Drills wieder, die dann doch im Kraut ausschlitzten. Mein Vater und ich sind uns sicher, dass diese drei Burschen jenseits der 30 Pfund Marke waren.

Wildlebende Geier - Sowas habe ich bislang noch nicht gesehenAn diesem Tag hatten wir noch das Glück, die heimischen Geier mit ihren Jungen in der Felswand bewundern zu können, was ein weiteres Highlight des Urlaubs darstellt, da wir noch nirgends zuvor Geier in der freien Wildbahn sehen konnten. Ab dem neunten Tag wurde unser bisher befischter Platz leider von ein paar weniger rücksichtsvollen deutschen Welsanglern besetzt, die bereits früh um 11 schon ein paar Bierchen zu viel hatten. Für uns stand schnell fest, dass wir hier nicht weiter fischen wollten. Da nun aber nur noch 2,5 Tage vor uns lagen, beschlossen wir keinen neuen Platz zu suchen und dort wieder von vorne das Füttern zu beginnen, sondern stattdessen, ein wenig Zeit mit meiner Mutter auf dem Boot beim Zanderangeln zu verbringen.

Immerhin war der Urlaub schon ereignisreich genug. Hierbei konnten wir dann auch noch ein paar schöne Exemplare erwischen. Nun näherte sich der Urlaub dem Ende entgegen und der letzte Abend stand mit einem tollen Abendessen und leckerer Sangria vor der Tür. Wir ließen nochmal alles Geschehene Revue passieren und genossen die letzten Sonnenstrahlen, einen herrlichen Blick über das wunderschöne Flussdelta und das einzigartige Mequinenza.

Das beleuchtete CastelloAn unserem Abreisetag verabschiedeten wir uns von Olli und seinem Team und bedankten uns für alles was sie für uns getan hatten, und uns einen so einzigartigen Urlaub ermöglichten. Ich habe nun zwischen zeitig Vergessen wie der Endstand zwischen Fluch und Segen wirklich ist, aber ich würde an dieser Stelle eindeutig sagen, dass der Rio Ebro ein eindeutiger Segen ist. Mit seiner vollen Pracht, seinen kampfstarken Karpfen, den einzigartigen Naturgegebenheiten, dem tollen Camp und dem mystischen Castello, das über das kleine Städtchen Lucky-Luke-Town wacht.

Somit bleibt zu sagen, dass es mehrere Gründe gibt, warum Spanien wohl immer ein Traum für viele Karpfenangler sein wird. Und auch wenn wir diesmal leider keinen der wirklich dicken Schuppis überlisten konnten, werden wir ganz bestimmt bald wieder kommen und wer weiß, vielleicht heißt es dann nur noch: Der Rio Ebro - Ein Segen!

In diesem Sinne: Petri Heil!