Erlebnisse eines Karpfenanglers zum Saisonstart
In diesem Bericht möchte ich Euch meine Gedanken und das Erlebte zum Saisonstart mittteilen. Weiterhin möchte ich Euch einen kleinen Einblick in das Leben eines Karpfenanglers mit über zwanzigjähriger Erfahrung geben. Nach dem langen und kalten Winter konnte ich es kaum erwarten, endlich wieder am Wasser zu sein. Das erste richtig schöne Wochenende konnte ich nicht fischen gehen, so dass ich mich entschlossen hatte, das Wochenende danach fischen zu gehen. Im Internet hatte ich mich im Voraus schlau gemacht, welches Wetter es geben würde. Keine so guten Aussichten - für das Wochenende 18. bis 20. März war Regen und Frost angesagt.
Aber nichts konnte mich jetzt davon abhalten, dieses Wochenende fischen zu gehen. Im Voraus hatte ich mir schon überlegt, an welchem Gewässer ich die neue Saison eröffnen wollte. Ich entschied mich für einen kleinen See (4,5 Hektar), da ich letztes Jahr zum Saisonstart dort gut gefangen hatte. In der Hoffnung dass es dieses Jahr auch so sein würde, begann ich meinen Plan in die Tat umzusetzen. Weiterhin hoffte ich, dass sich der See nach zwei Wochen wärmerem Wetter genügend erwärmte hatte, um die Karpfen aus ihrem Winterschlaf zu reißen. In diesen zwei Wochen hatte ich auch eine kleine Fütterkampagne geplant. Aus den Erfahrungen des letzten Jahres wusste ich, oder hoffte es zu wissen, wie viel ich füttern konnte. Meine Planung für die zweiwöchige Futterkampagne begann ich am 06. März.
Also ab ins Auto und die 40 Kilometer zum See gefahren. Vorher hatte ich mir meine Spod-Rute und die Markerrute eingepackt um noch ein wenig zu Loten. Das Futter hatte ich aber natürlich auch dabei. Nach 45-minütiger Fahrt hatte ich den Parkplatz vom See erreicht, packte meine Sachen und ging los. 25 Minuten später war ich dann am See. Aber was war das? Der Weg zu meiner bevorzugten Angelstelle stand 20 bis 25 Zentimeter unter Wasser. Kein Herankommen ohne Stiefel! Und diese lagen (wie sollte es auch anders sein) bei mir zu Hause. Jetzt musste ein Plan B her. Also gedacht und dann gemacht. So schlug ich mich dann die 50 Meter durch Dornen und herumliegende Bäume zu dem Angelplatz durch.
Dort angekommen packte ich meine Sachen aus und fing an zu Loten. Über den Winter hatte sich nichts verändert, außer dem Wasserstand. Meine bevorzugten Angelstellen waren noch immer so wie im Herbst 2010. Es hatten sich keine Äste oder Bäume dort niedergelassen, so dass ich nun mit dem Füttern beginnen konnte. Ich füttere immer zwei Stellen mit unterschiedlichen Boilies an. Eine Stelle hatte ich mir kurz vor einem Schongebiet auf 1,5 Meter Tiefe ausgesucht. Die Stelle am Schongebiet lag nur drei Meter entfernt vom Ufer und zehn Meter von meinem Angelplatz entfernt. Zur Laichzeit ziehen die Karpfen zu diesem Platz, um sich dort zu Vermehren. Dieser Platz ist nichts für Leute, die ständig Besuch bekommen oder zu zweit angeln gehen möchten. Bei der geringen Entfernung zum Platz am Schongebiet muss es leise am Angelplatz sein, dann kann man auch auf kurzer Entfernung große Fische fangen, wie sich 2010 herausgestellt hatte. Die zweite Rute wollte ich an einer kleinen Kante von nur 30 Zentimetern platzieren. Die Stelle hatte eine Wassertiefe von 3,8 Metern und lagt 50 Meter vom Ufer entfernt. Nun aber los und das Futter ins Wasser gebracht. An der Schongebietsstelle verteilte ich das Futter (500 Gramm Boilies und circa einen Liter Mais) großflächig auf etwa sechs bis acht Quadratmeter. Dieses machte ich, um die Fisch länger am Platz zu halten.
Bei der Stelle an der Kante ging ich anders vor. Dort markierte ich die Stelle als erstes mit der Markerrute, um dann das Futter um den Marker herum großflächig zu verteilen. Dieses mache ich mit einem Rohr und der Spod-Rod. Als Futterrakete benutze ich seit 2010 die Spomb. Ein echt tolles Teil! Es fällt kein Futter mehr heraus während man wirft und man braucht auch keinen Binder mehr für die Partikel. Bei der Spod-Rod hatte ich mir nach dem ersten Wurf die Schnur im Line-Clip eingeklemmt, um immer wieder die richtige Entfernung für die nächsten zwei Wochen zu erreichen. Durch das Hochheben der Spod-Rod erreichte ich beim Füttern eine bessere Verteilung des Futters. So hatte ich den Mais nicht nur auf einer Linie liegen, sondern viel besser verteilt. Der Fisch muss länger suchen und bleibt somit auch länger am Platz.
Nachdem ich so alles Futter verteilt hatte, ging es wieder durch die Dornen zum Weg und dann nach Hause. Zu Haus angekommen legte ich mir gleich meine Stiefel raus, um beim nächsten Füttern den überschwemmten Weg nehmen zu können. Nachdem ich dieses gemacht hatte, rief ich den Gewässerwart des Sees noch an, um ihn zu fragen, ob der Wasserstand ein Dauerzustand währe. Das verneinte er aber und sagte mir, das der Wasserstand in den nächsten Tagen wieder normal sein würde, da der Ablauf des Sees dann repariert sei.
Montag bis Mittwoch ging ich dann wieder zur Arbeit, ohne mich um den Futterplatz am See zu kümmern. Ich behielt aber über das Internet das Wetter im Auge und freute mich, dass die Temperaturen stetig in die Höhe gingen. Mittwochabend bereitete ich dann mein Futter vor und belud mein Auto mit den Sachen zum Füttern. Ich hatte vorher schon mal ausgetestet, dass es kürzer wäre von der Arbeit aus zum See und dann nach Hause zu fahren als vorher nach Hause und dann zum See. So sparte ich pro Futtertag 35 Kilometer Fahrstrecke. Bei den heutigen Spritpreisen rechnet sich das...
Donnerstag nach der Arbeit ging es dann wieder zum See. Meine Stiefel hatte ich ja jetzt auch mit dabei. Also dann wieder los und ab zum Wasser. Parkplatz erreicht, Sachen ausgepackt und 25 Minuten laufen. Am See angekommen schaute ich erst einmal nach dem Wasserstand. Er war etwas gefallen, aber normal war er immer noch nicht. Fünf Zentimeter standen immer noch auf dem Weg. Also Stiefel angezogen und los zum Platz, es bleibt ja nicht ewig hell. Es war schon 18.00 Uhr und ich wollte den Platz an der Kante noch Füttern, da ich so besser sehen konnte, wo die Boilies landen. Nachdem ich alles zu meiner Zufriedenheit erledigt hatte ging es nun endlich in den wohlverdienten Feierabend. Aber dazu musste ich erst mal zum Auto und dann nach Hause.
Zu Hause angekommen Sachen aus dem Auto und auf die Couch. Freitag nach der Arbeit ging es dann mit der zweiten Arbeit weiter. Messestand in Bonn auf bauen um Samstag die Messe machen zu können. Das gehört auch zu dem Job eines Testfischers und Produktendwickler dazu. Nach der Messe dann wieder abbauen und endlich Wochenende.
Sonntag nach einer längeren Erholungsphase (Messe ist echt Anstrengend) ging es wieder zum See. Als erstes mal an gefüttert. Dann hatte ich mir etwas Zeit genommen und setzte mich noch auf eine Bank am See und beobachtete meine Futterplätze. Nach kurzer Zeit zeigte sich dann auf dem Futterplatz, an der Kannte, ein Fisch. „Geil", war mein erster Gedanke. Alles läuft so wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich blieb noch eine halbe Stunde so sitzen, aber es zeigte sich kein weiterer Fisch mehr. Also ging es wieder nach Hause die restlichen freien Stunden genießen.
Montags ging ich dann nach der Arbeit wieder füttern. Ich blieb auch wieder was am See, sah aber keinen Fisch auf meinen Futterplätzen. Aber der Wasserstand war wieder fast normal. Ich erreichte meinen Platz endlich ohne Stiefel.Mittwochs dann wieder zum See. Nun hatte sich die gewohnte Routine in meinem Tun nach der Winterpause eingestellt. Das bezieht sich nicht nur aufs füttern sondern auch auf die Vorbereitung. Nach dem Füttern sah ich dann wieder einen Fisch auf meinem Kantenplatz rollen. Diesmal konnte ich genau erkennen das es ein Karpfen war. „Ich hatte wohl wieder die richtige Taktik gewählt", waren meine Gedanken. „Aber abgerechnet wird erst nach dem angeln am Wochenende", war der nächste Gedanke.
Donnerstag ging es dann nach der Arbeit in den Supermarkt um mir meinen Proviant für das Wochenende zu besorgen. Nachdem ich dieses erledigt hatte fuhr ich nach Hause und bereitete meine Angelsachen vor. Die meisten Angelsachen war noch im Winterschlaf, sodass ich mir alles erst einmal zusammen suchen musste. Aber nach anderthalb Stunden war das auch erledigt. Diese Vorbereitung ist für mich sehr wichtig, da ich am anderen Tag erst so gegen 16.00 Uhr zu Hause ankomme, um dann erst mein Auto zu packen. Ich fahre nicht gerne 150 Kilometer mit einem voll beladenen Auto durch den Berufsverkehr. Sicherheit geht mir vor. Nachdem nun alles vorbereitet war, freute ich mich auf morgen. Und das nach über 20 Jahren Karpfen angeln.
Nach einer kurzen Nacht, Freitags fange ich immer eine Stunde früher an, ging es dann zur Arbeit.
Nach acht Stunden Arbeit konnte ich es kaum erwarten endlich wieder am See zu sein und meine Murmeln zu baden. Zu Hause angekommen schnell die vorbereiteten Angelsachen ins Auto und die Katzen noch vorsorgt. Dann ab zum See. Dort angekommen alles auf die Karre geladen und los zum Angelplatz. Bei dieser Aktion komme ich mir immer vor wie ein Auswanderer der mit Sack und Pack über eine grüne Grenze geht. Und in meinem Alter merkt man jedes zusätzliche Gramm was mitgeschleppt wird. Aber ich bin dem Virus des Karpfen angeln verfallen und so sehe ich diese Tortur des Schleppens als Konditionstraining an um den Winterspeck abzutrainieren. Nachdem ich 35 Minuten zum Angelplatz gebraucht hatte, merkte ich das der Wetterbericht doch recht hatte. Es zogen immer mehr Wolken auf und es begann leicht zu Nieseln. Schnell hatte ich das Zelt aufgebaut, um die Angelsachen, soweit es noch ging trocken zu halte. Nachdem ich dieses gemacht hatte, waren die Ruten dran.
Der leicht Nieselregen war in heftigen Regen umgeschlagen. Die Ruten platzierte ich dann noch so genau wie es im Dämmerlicht möglich war, auf den vorbereiteten Plätzen. Mit den was ich getan hatte war ich zufrieden und verzog mich in mein Zelt um dem jetzt immer stärker werdendem Regen zu entkommen. Gott sei Dank, hatte ich mir im Winter neue Regensachen zugelegt. Ich war nicht durchnässt bis auf die Haut, sondern meine Kleidung war schön trocken. Nachdem ich dann meinen Fernseher, DVBT macht es möglich, aufgebaut hatte schaute ich auch noch was fern. Wenn man so wie ich ausschließlich alleine geht, ist ein Fernseher mit DVBT eine gute Unterhaltungsmöglichkeit für die beißfreien Stunden. Nach einem kleinen Abendmahl und anzünden der Heizung beobachtete ich den See. Es waren keinerlei Bewegungen von größeren Fischen zu sehen. Kleinere Fische konnte ich durch den noch immer stärker werdenden Regen sowieso nicht erkennen.
So gegen 22.30 Uhr wurde ich so Müde das ich mich in den Schlafsack legte. Kurz darauf muss ich wohl eingeschlafen sein, sodass ich erschrocken hoch fuhr als mich um 23.15 Uhr mein Delkim weckte. Auf der Uferrute hatte sich ein Fisch gemeldet und direkt wieder verabschiedet. Nur ein Anrun. Aber es waren Fische da. Jetzt raus aus dem Schlafsack, Rute herausgehoben und nachgeschaut was los war. Alles in Ordnung, keine Verhedderung. „Ob das Schneemännchen zu groß war", ging es mir durch den Kopf. „Ne, kann nicht sein", wahren die nächsten Überlegungen. Danach die Rute wieder neu beködert und wieder auf den Futterplatz raus geworfen. Dann schnell in das warme Zelt geflüchtet und in den Schlafsack verkrochen, da der Regen nochmals stärker geworden war. Es war jetzt ein Wolkenbruch.
Nachdem ich wieder eingeschlafen war verlief die Nacht ohne weitere Aktionen. Als ich so gegen sieben Uhr morgens aufgewacht war, hatte sich auch der Wolkenbruch verzogen. Es war nun das schönste Wetter. Die Sonne ging langsam auf und der Himmel war strahlend blau. Bevor ich mich um meine Ruten kümmern wollte, dachte ich an mich. Ich setzte mir Wasser auf um mir einen Kaffee zu machen. Als dieses gemacht war genoss ich den Morgen bei einer heißen Tasse Kaffee. Zwei Schlücke hatte ich getrunken als sich meine Rute an der Kannte mit einem Vollrun meldete. Nach einem kurzen Drill hatte ich den Gegenüber sicher im Kescher gelandet. Nachdem ich ihn gewogen hatte (11,9 Kilogramm Schuppenkarpfen) sackte ich ihn ein und freute mich über den gelungenen Start in die neue Session. Der Tag verging dann wie im Fluge. Es tat sich nichts mehr, außer einen kurzen Besuch vom Gewässerwart, der dann den Karpfen fotografierte.
So blieb mir Zeit die Umgebung etwas zu beobachten. Die Erdkröten, wahren wie jedes Jahr, wieder im Liebesrausch, sodass ich dieses nutzte um einige Aufnahmen zu machen. Am späten Nachmittag legte ich dann meine Ruten neu aus und hoffte das sich noch was in der Nacht beißen würde. Aber da hatte ich mich vertan. In der Nacht wurde es so kalt das das ganze Leben am und im See eingefroren war. Mein Wasser zum Kaffee machen war ein Eisklumpen, die Delkims und die Ruten hatten eine Raureifschicht angesetzt. Aus meiner Erfahrung heraus weiß ich das bei solchen extremen Wetterwechsel an diesem See nichts mehr geht. In der Nacht hatte ich minus sieben Grad und Tagsüber wahren es in der Sonne plus fünfzehn Grad.
Bei zweiundzwanzig Grad Temperaturunterschied im Frühjahr stellen die Fische an diesem See das fressen ein. Aber ich freute mich trotz dem über den einen Karpfen den ich überlistet hatte. Nachdem ich es geschafft hatte mein Kaffeewasser aufzutauen und dann auch den Kaffee getrunken hatte machte ich mich so gegen 12.00 Uhr daran meine sieben Sachen einzupacken und den Nachhauseweg anzutreten. Zu Hause angekommen plante ich dann schon meinen nächsten Trip an den See. Bis dahin muss ich aber fünf Tage arbeiten und immer wieder mal füttern gehen.
Dieses wahren meine Erlebnisse zum Sessionstart 2011. Man sollte sich nicht entmutigen lassen wenn es nicht so läuft wie man will sondern immer positiv an die Sache herangehen. Während ich diese Zeilen schreibe war ich ein zweites Mal an dem See angeln und habe drei Karpfen gefangen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Detlev Rauth, Team Keen Carp Deutschland




