LK-Baits

Crazy Place - Als die Karpfen fliegen lernten

Von Philipp Rigol / Juni 2007

Es war mal wieder soweit… Wie auch die letzten Jahre, wurde auch dieses Jahr im Vorfeld und im Hinblick auf die anstehende Frankreich Reise ,in den kommenden Sommermonaten wieder viel geplant, zusammengepackt, neu angeschafft, erweitert und geräumt. Ja es war wieder soweit… Jetzt geht’s bald los, die Freude war groß und die Zeit verging natürlich wie im Fluge, haha…Allerdings vielen dann so kurz vor Reisebeginn doch wieder viele Dinge an, die zu erledigen waren. Das Auto, mein guter alter Pick-Up, musste für die anstehenden 750km hin und 750km zurück präpariert werden. Ölcheck, Reifendruck dies und jenes.

 Aber auch das Boot und der Motor mussten natürlich fit gemacht werden. Kurz einmal den Wasserschlauch drauf gehalten, da war es auch schon wieder sauber..:-)Aber auch hier musste der Trailer wieder auf alles Mögliche überprüft werden, damit bloß nichts schief geht…

Der Tag der Abreise kam immer näher und so häuften sich auch die Tacklemassen in der Garage. Meine Mutter stellte die übliche Frage, ob ich schon wieder auswandern wollte bei dem ganzem Kram den ich da irgendwie auf die Ladefläche bekommen musste. Ja ja, damit nicht genug, es kam ja noch diverser „Kleinkram“ dazu (Futteral, Bedchair, usw.). Zum Glück fuhren wir mit zwei Autos, unter anderem mit dem meines Freundes Benni, der dieses Jahr auch endlich mit an den Fluss kommen wollte, wo es die schönen Karpfen gibt.

So noch kurz meinen guten Freund Lutz eingeladen und schon konnte es losgehen…Ursprünglich war die Abreise um 4 Uhr morgens geplant, aber wie das ja so ist, ging es natürlich erst so gegen 5 Uhr los. Aber egal, es ging endlich los! Nach etwa 9 ½ Stunden Fahrt waren wir endlich an unserm Ziel angekommen. Da lag er vor uns, dieser wunderschöne Fluss der seine Bahnen durch das Herz Frankreichs zieht.
Nun erstmal fix einen Platz auf dem Campingplatz gesichert und dann ein schönes Frühstück bei unseren alten Freunden, dem „Zirkus Müller“ in ihrem wunderschönen Ferienhaus nahe des Flusses.

Gut gestärkt ging es daran die Fischereierlaubnis und ein paar Lebensmittel für die nächsten 2 Wochen zu besorgen. Auch dies brauchte seine Zeit und schon bald war es Abend und wir ließen den Tag beim Abendessen im Haus und einigen schönen kühlen „Kronenbourg“ ausklingen. Zurück am Campingplatz wurde noch die letzte Zigarette geraucht und die Taktiken für die nächsten Wochen geschmiedet.
Am nächsten Morgen ging es dann auch gleich los; Boot reinlassen, Echolot angeschlossen, Motor angeschmissen(in der Qualmwolke fast erstickt, aber er läuft) und ab geht’s in Richtung des ersten potenziellen Spots. Zunächst führte ich Ben ein wenig herum, damit er sich ein genaures Bild von der Umgebung machen konnte.

Zack da war er auch schon, der schöne Spot mit so viel Schatten, nicht ein Baum weit und breit und die Wettervorhersagen für die nächsten Tage waren Sonne, Sonne und noch mal Sonne. Dennoch, die Bodenbeschaffenheiten waren gut und die Stelle hatte sich im letzten Jahr schon äußerst bewiesen. Fisch ohne Ende! Bei der letzten Session konnten wir in nur drei Tagen und Nächten einen schönen Score aus mehreren 20igern und einem Dreißiger verzeichnen. Hoffentlich läuft es auch in diesem Jahr so…
Kurz gefüttert und schon ging es im Affenspeed (6PS, haha Affenspeed?!) zurück zum Campingplatz. Dort angekommen wurde alles zusammen gepackt und auf das Boot verlagert. Fix zu Wasser gelassen, das Drillboot vom Haus geholt und rein gelassen, Auto und Trailer wieder zum Haus, alles sicher verstaut und los geht’s!

Nach der jetzt etwas länger dauernden Fahrt zum Spot und zwei Zigaretten später waren wir da… Da lag er vor uns dieser riesige Seerosengürtel. Aber jetzt ging das Vergnügen ja erst richtig los; Boot entladen, Tackle sortieren und dann aufbauen, verstauen und so weiter und sofort. Bei 30 Grad in der Sonne nicht ganz so angenehm…Aber was soll’s, wer fischen will muss leiden…
Der Tag neigte sich dem Ende zu, alles war endlich aufgebaut und ready to go…Die Rod Pods schimmerten im Sonneuntergang, einfach traumhaft wieder hier zu sein. Noch mal gefüttert und dann konnte der Spaß losgehen…Ruten raus und ab dafür!

 Die Nacht verging sehr schnell und wie erwartet passierte nichts. Die Sonne ließ auch nicht lange auf sich warten und schon war das gemütliche lenzen auf dem Bedchair auch vorbei. Jetzt hieß es wieder schwitzen bis der Arzt kommt. Den Tag über wird nicht gefischt, da es meiner Meinung nach definitiv zu heiß ist und somit verbrachten wir die Zeit damit, uns über das Gewässer und sonstige Dönekes zu unterhalten. Bald verließ die Sonne die Bildfläche und es war wieder Zeit zum füttern. Kurze Zeit später waren wir wieder dabei die Ruten für die Nacht zu präparieren. Ausgeworfen, Optonics angeschaltet, Swinger eingehangen, Bremse kontrolliert und dann war die Hoffnung und Spannung wieder groß, was da wohl kommen mag. Nach der zweiten Futteraktionen waren wir für die Nacht schon sehr gespannt.

Meist reicht es aus, wenn man zwei bis drei Tage vorher füttert und am besten keine Schnüre im Wasser hat. Aber naja, das sollte uns jetzt nicht mehr entmutigen. Als wir uns auf unseren Liegen zurück lehnten und die restlichen Sonnenstrahlen genossen, schlug auch schon bald der Hunger den Karpfen auf den Magen. Die nächsten zwei Stunden waren ein wirklich super Start, wobei wir sechs Karpfen bis 30 Pfund auf die Matte legen konnten. Sechs Karpfen an diesem Spot, einer nach dem anderen machen schon viel Arbeit und können unter Umständen schon großes Chaos anrichten…? Als Beni einen fulminanten Biss auf seiner linken Rute bekommt, sind wir wieder voll in unserem Element. Der Drillablauf sitzt, Boot fertig machen, Abhakmatte und Wasserflasche rein, durch die Seerosen von zehn Meter Breite Kämpfen und den Fisch im hoffentlich freien Wasser drillen (wurde fleißig vorher geübt…). Oftmals ist es an diesem Spot so, das die Flusskarpfen wirklich extreme Kraft haben und durchaus gerne mal in den Seerosengürtel flüchten.

Nach ca zehn Minuten anstrengendem und aufregendem Drill, lag der erste Fisch der diesjährigen Summer Session erschöpft im Kescher. Kein schlechter Fight für einen anfang Zwanziger.. Schnell den Fisch ins Boot gehievt, Motor angeschmissen und zurück zum Camp. Da wir zu dritt unterwegs waren, blieb jeweils einer an den Bivvys um auf die Ruten aufzupassen. Wir fischten jeweils drei Ruten, was definitiv ausreicht, wenn Aktion auf dem Futterplatz ist. Der Fisch wurde samt Wiegeschlinge ans Ufer gebracht und natürlich gewogen. Satte 22 Pfund brachte dieser Kämpfer auf die Waage. Ein wirklich schöner Fisch. Lang gezogen und eine Schwanzflosse extremen Ausmaßes. Kurz darauf folgte die Fotosession und schon wurde der Carp wieder in sein Element zurückgesetzt. Nach diesem schöne Start mit diesem tollen Fisch, waren die Erwartungen das die Carps auf dem Platz seien natürlich hoch. Schon fünfzehn Minuten später rappelte es wieder im Karton. Ein massiver Biss auf Lutzis mittlerer Rute. Nach ein wenig Hektik und dem üblichen Prozedere, fanden wir uns schon bald wieder auf der Mitte des Flusses im Lichte des Vollmonds.

Der Drill dauerte nun schon ein wenig an der 2 ½ Rute unseres guten Freundes. Er war sehr aufgeregt über den Drill aber meisterte Ihn perfekt. Nach etwa zwanzig Minuten lag nun wieder einer dieser Fluss Schönheiten vor uns. Mein erster Anblick des Karpfens ließ ihn mich auf ca 30 Pfund schätzen. Was ein schöner Fisch. Die Freude über den gefangenen Fisch war entsprechen Groß und auf den Freudenschrei mussten wir nicht lange warten. Das ist er…Sein neuer Personal Best.. C’est fait! Fix luden wir den Kameraden ins Boot und machten uns auf den Weg zurück in die Seerosen.. Nach dieser Aufregung zog unser Kollege sich erstmal eine kurze Hose an, die hatte er nämlich vergessen und in Boxershorts gedrillt…? Wenige Minuten später schon lag er vor uns, dieses Prachtexemplar. Satte 29 ½ Pfund hat er auf den Schuppen und die Fotosession folgt zugleich. Nach ein paar Erinnerungsfotos setzen wir auch diesen schönen Karpfen wieder in sein Element…Neuer PB?! Das muss erstmal gefeiert werden… The French Way…

 Fix wurde die erste Schachtel Kronenbourg aus dem kühlenden Wasser gelandet und gleich mit dem Flocon Fraicheur zum Wohle und auf diesen tollen Fisch geprostet. Ein paar Kronenbourg später klingelte es wieder an unseren Ruten. Es war meine rechte und ich rannte los. Natürlich, wie konnte es auch anders sein, blieb ich mit der Watthose an meinem Stuhl hängen und taumelte gen Rod Pod, rabotte!!! lag ich auch schon in einer Kuhspur mit Rute in der Hand auf dem Boden wie ein Maikäfer auf dem Rücken. Der Fisch war gehakt und es konnte losgehen. Der Fisch schwamm straight ahead den Fluss aufwärts ohne auch nur einmal anzuhalten.. Wie immer hieß es ab ins Boot und so schnell wie möglich über den Fisch kommen. Nach ca 15 Minuten zeigte sich der Spiegler das erste Mal an der Oberfläche…Spiegler, kurz kombiniert, denn die großen Fische aus diesem Fluss sind meist die Spiegler…Dieser Gedanke ließ mein Adrenalin im Blut gleich höher schlagen und ich konnte es kaum erwarten den Fisch endlich im sicheren Keschernetz liegen zu sehen. Nach ein paar wirklich rasanten Fluchten, wobei er auch die Seerosen ansteuerte, konnten wir den Carp nach guten 25 Minuten landen.

Schnell rein mit dir ins Boot und fix zurück zum Camp. Noch voller Anspannung betrachteten mein Freund Beni und ich diesen super Fisch. Wow… Vorsichtig wurde er auf die Abhakmatte an Land gehievt und auch gleich gewogen. Diese Schwanzflosse, gigantisch. Der Zeiger der Waage blieb bei 39 ½ Pfund stehen und dieser Kämpfer war somit mein neuer Personal Best. Halleluja…Prost…Nach ein paar Fotos aus sämtlichen Richtungen und Einstellungen (ein Hammer diese französischen Einmal-Kameras!) entließ ich ihn wieder in seine Freiheit und war überglücklich diesen tollen Fang mit meinen Freunden teilen zu können. Denn was nützt die beste Ausrüstung, wenn das Teamwork bei so einer Session nicht stimmt… Es hat alles super geklappt und natürlich helfen wir uns immer gegenseitig im Drill…Pflump…und schon war der erste Vin Rouge geöffnet…Wein auf Bier, das rat ich dir…kam uns da ganz gelegen… Nach diesen beiden heißen Drills waren wir alle sehr erschöpft, aber überglücklich über diese beiden tollen Personal Bests! Müde und in guter Laune ließen wir uns alle auf den Bedchairs nieder und genossen das Froschkonzert nicht unweit von uns entfernt. Piiiiiieeeeep…Was war das denn… Die Sonne lachte schon wieder und Beni stand mit gebogener Rute pünktlich um halb Acht vor seinem Bivvy…

Oh nein, zu so früher Stunde, egal einer für Alle und alle für Einen…nun hieß es wieder rein ins Boot und raus über den Fisch. Nach den ersten Fluchten und dieser schönen Überraschung am Morgen konnte nun auch Beni seinen ersten Fisch der Session auf die Schuppen legen.. ein langezogener, goldiger Schuppi. Ein schöner Fisch. Zurück am Ufer wurden wir schon von Lutz und dem Fotoapparat erwartet. Nach dem Wiegen war es amtlich..Benis erster French Carp mit 25 Pfund. Saubere Leistung! Und wie immer hat der Teamgeist gesiegt. Nach ein paar Fotos im Sonnenschein entließen wir den Fisch wieder in sein Element und freuten uns schon sehnsüchtig aufs Frühstück…Zunächst das obligatorische Carp Frühstück: Café und Kippe und danach in epischer Breite Baguette mit Nutella und Salami…Die französische Salami ist wirklich der Hammer?

Gut gestärkt und frisch gemacht für den Tag, ging es pünktlich um kurz nach Zehn raus zum Füttern. Auf dem Spot fütterten wir breit gestreut, wie eigentlich immer in Frankreichs Flüssen, ein wenig gut gekochten Mais und eine handvoll Boilies in verschiedenen Größen pro Rute. Die Sonne und in folge dessen die Hitze, ließen nicht lange auf sich warten. Bald schon war die 30°C Grenze mal wieder überschritten.. Nun fuhren wir, wie fast jeden, oder jeden zweiten Tag nach einander zum Campingplatz, da wir dort ein großes Zelt stehen haben und es der Platz ist, wo wir übernachten und campen, wenn wir mal nicht fischen für ein, zwei Tage. Jeder machte sich frisch, da es teilweise an diesem Spot unerträglich über den Tag ist. Sonne pur und kein Fleckchen Schatten… Gegen vier Uhr waren wir alle wieder zusammen am Spot und wir bereiteten schon mal das Futter für die abendliche Ladung vor und „genossen“ noch ein wenig die Sonne. Kurze Zeit später und nach dem wir gefüttert hatten, war es wieder soweit die Ruten zu beködern und die Montagen auf die Spots zu bringen. Schon bald war alles erledigt und das Boot war für den ersten Drill des Abends in Position gebracht.

 Als die Sonne so langsam am Horizont verschwand, zündete Beni den Grill an. Schnell langen ein paar Steaks auf dem Rost und es dauerte nicht lange, da waren sie schon a point. Auch die Carps ließen nicht lange auf sich warten und nach zirka einer Stunde in der Dunkelheit, hieß es wieder Boot klar machen und raus damit. Benis Rute zeigte sich in ihrer schönsten Form und der Fisch ließ uns seinen Fluss(Saône) Charakter deutlich spüren. Nach mehreren Fluchten und Ausflügen in die Seerosen konnten wir ihn endlich keschern. Es war ein durchschnittlicher Fisch, aber mit enormer Kraft. Der Schuppi brachte 27 Pfund und die Freude war uns ins Gesicht geschrieben. Schwupps da war auch schon das erste Kronenbourg serviert.

Die nächsten Stunden verliefen etwas ruhiger und wir fingen noch 4 Karpfen bis 26Pfund. Gegen Mitternacht legten wir uns alle schlafen und träumten von den Karpfen die da noch kommen mögen…Als bald, so gegen 02:30 Uhr rappelts im Karton. Beni hat einen eher trägen Biss auf seiner Linken Rute. Der Fisch lässt sich langsam mit der Strömung treiben und zeigt wenig Aktion. Der erste Gedanke war: „..eine Brasse, neeein..!“ doch als Beni die ersten Kopfschläge in seiner Rute verspürte war ihm bewusst, das dies doch ein größeres Exemplar seien könnte. Da ich im tiefen Schlaf versunken war, bekam ich nur sehr wenig mit von dem Biss und rief ihm voller Optimismus rüber, er schaffe es schon alleine…? Nach ca 15 Minuten versuchte Beni mich erneut von der Liege zu holen, doch ich war schon wieder eingeschlafen. Alleine im Drill mit dem großen Fisch, machte er keine weiteren großen Fluchten. Beni ruppte den Karpfen wortwörtlich sicher durch die Seerosen und konnte Ihn nach wenigen Metern keschern….Puuuhhh…Endlich im Netz! (Keine Sorge dem Fisch ist nichts passiert!) Als er nun wieder an Land war und samt dem Fisch zu den Bivvys stiefelte, wurde ich so langsam wieder wach..

Ein Glück, war mein erster Gedanke, Gott sei dank hat er ihn nicht verloren! Sonst hätte er mir wohl schlimmes zugefügt… Anyway …Zusammen nun, Lutzi war auch endlich mal aufgestanden, beäugten wir beeindruckt den Fisch! Dieser hat definitiv über Dreißig blökte Lutz von rechts in die Runde…Rein in die Wiegeschlinge, die Waage angebracht…Spannung…40 ½ Pfund! Ein neuer, dritter Personal Best in nur wenigen Tagen! Weltklasse! Die Freude war mal wieder riesig und wir saßen noch ein bisschen zusammen um das Geschehene noch mal aufblühen zu lassen. Am nächsten Morgen fischten wir noch etwa bis 12:00Uhr und dann war es mal wieder Zeit die Stelle zu verlassen.
Wieder einmal hat uns dieser Spot sagenhafte und schöne Fische gebracht. Die Größe steht nicht im Vordergrund, doch war es ein schöner Zusatz das jeder seine Bestmarken neu setzten konnte.

Alles in allem war es einer von vielen schönen Trips zu dieser Zeit und in diesem Sommer, der mal wieder gezeigt hat, wie schön es ist in der Natur und am Wasser zu sein. Frankreich ist wirklich ein Paradies zum Kaprfenangeln und es gibt noch viele unentdeckte Spots. Es ist absolut eine Reise wert, sonst würde ich nicht jedes Jahr, seit zwanzig Jahren wieder kommen.
In diesem Sinne wünschen wir Euch eine erfolgreiche Saison und natürlich surrende Spulen!

Keep your Lines tight!

Phil, Beni & Lutz