Allein in einem fremden Land
Das Leben steckt voller Überraschungen. Man muss nur eben jene Chance nutzen und merkt erst hinterher, was man verpasst hat. Gelegentlich verbirgt sich ein Wink des Schicksals dahinter, manchmal sollte es so sein…
Es ist Sonntagmorgen gegen 8.00 Uhr, als sich eine SMS mit einem Klick angekündigt hat. Hm, Matthias. Was will der denn? Beim Lesen wurde mein Hals trocken und trockener. Blabla, keine Zeit mit in den Urlaub zu fahren, zu viel Arbeit und überhaupt... Toll, zehn Tage vor dem vereinbarten zweiwöchigen Trip und der Partner sagt feige via SMS ab. Auch ein Anruf konnte ihn nicht umstimmen, zehn Tage oder wenigstens eine Woche waren bei ihm nicht möglich. So, da stand ich nun auf mich alleine gestellt und habe zuerst alle möglichen in Frage kommenden Kollegen sortiert und mit zweien gesprochen, ob sie eventuell mitfahren können. Es hagelte zweimal eine Absage wegen zu kurzfristigen Termins.
In der kommenden Woche ging ich das ganze Prozedere mit mir selber durch, wägte ab ob ich mir diese Nummer alleine antun sollte oder doch besser zuhause bleiben sollte. Natürlich war ich schon alleine in Frankreich zum Fischen unterwegs, aber zu zweit macht es doch viel mehr Spaß und außerdem war es seit langem geplant. Um es kurz zu machen: Ich habe letzten Endes doch beschlossen, alleine zu fahren. Was soll schon passieren und wer weiß für was es gut ist. Ein gutes hatte die Absage von Matthias, denn es war jetzt reichlich Platz im Auto. Doch alles was im Auto ist muss ja auch irgendwann ins Boot und deswegen hatte ich mein Tackle komplett neu sortiert. Alles was nicht unbedingt mitgenommen werden musste, blieb in der Garage. Es wurde auf Teufel komm raus reduziert und plötzlich hatte ich sogar noch Platz für zwei eventuelle Anhalter. Verrückte Welt...
Schon die Anreise zum Zielort werde ich nicht so schnell vergessen. Mitten in der Nacht zeigte das Thermometer 19° C, gemessen am Grenzübergang Basel Anfang Oktober. Natürlich hatte ich den dicken Schlafsack im Gepäck, wer rechnet in dieser Jahreszeit schon mit solchen Temperaturen?
Früh um 6.00 Uhr erreichte ich nach einer problemlosen Fahrt mein ausgewähltes Gewässer und traf mich mit zwei befreundeten Kollegen zum Kaffeetrinken und Austauschen von Informationen bezüglich der letzten Woche. Sie fingen in jeder Nacht ihre Fische. Bis auf einen etwas besseren allerdings nur Fische, welche im Vorjahr besetzt wurden. Daher wollten sie nach zwei weiteren Tagen die Heimreise antreten. Ich ließ mein Boot an ihrem Platz zu Wasser und das Auto dort stehen. Christian gab mir ein Sprechfunkgerät mit auf den Weg und wünschte mir viel Glück. Da stand ich nun am von mir ausgewählten Platz mitten in der französischen Einöde - Alleine. Aber zum Jammern war ich nicht hier, sondern zum Fischen und das konnte ich jetzt endlich mal ohne auf jemanden Rücksicht nehmen zu müssen. Alles was ich jetzt mache, oder auch nicht, habe ich selbst zu verantworten.
Was war das? Bereits beim Entladen des Bootes konnte ich einen Fisch beim Springen ausmachen und das gar nicht weit vom Ufer entfernt. Das fing auf alle Fälle vielversprechend an. Ich schaute mir die Stelle später etwas genauer an, legte die Rute an einer Kante ab und fütterte zwei Hände Boilies darauf. Zwei weitere Ruten zog ich etwa 450 Meter am Ufer entlang und legte sie auf unterschiedlichen Wassertiefen ab. Dies in einer Bucht, die wahrscheinlich noch nie zuvor von Karpfenanglern befischt wurde. Dort fütterte ich großflächig ca. 5 kg Boilies in verschiedenen Größen, das sollte für das erste genügen. Inzwischen dämmerte es bereits und ich war seit über 24 Stunden auf den Beinen. Entsprechend müde und ging dieses Mal mit den Hühnern ins Bett.
Mitten im Tiefschlaf spielte die Funkbox ihr schönstes Lied und das ausgerechnet auf der Rute, die ich noch gar nicht erwähnt hatte, nämlich Rute Nummer vier. Diese hatte ich wegen fehlender Lust und enormer Müdigkeit einfach geradeaus geworfen, ohne zusätzliches Futter mitten ins Blaue. Zum Vorschein kam ein Spiegler, der nicht durch seine körperliche Größe beeindruckte, sondern durch seine überdimensional großen Flossen. Ich fing diesen Fisch bereits ein Jahr zuvor, mein damaliger Partner hatte aber so seine Probleme mit der Kamera. Deswegen bekam das Flossenmonster das kleine Schwarze von innen zu sehen und Christian den Auftrag, bessere Bilder zu machen. Dabei wollte ich doch nur schlafen.
Der Samstag brachte außer viel zu hohen Temperaturen für diese Jahreszeit keinen weiteren Fisch, lediglich der „Springer" in Ufernähe war noch da und ich konnte mal schön relaxen. Bei einem guten Buch und einem Pastis wurde ich zunehmend eins mit dem Drumherum und fühlte mich sauwohl dabei, jetzt hier in Frankreich zu sein und nicht zuhause.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag fing ich zwei weitere Fische, die ich aber mit einem Bauchgriff am Boot aus dem Wasser hob, um den Haken zu lösen. Die Nacht lag in ihren letzten Zügen und Nebelschwaden zogen über das Wasser, als eine der beiden in der Bucht abgelegten Montagen langsam den Bissanzeiger in Bewegung setzte. Ich nahm mir meinen Kaffee mit ins Boot und fuhr ohne Druck zu machen dem Fisch entgegen. Als der Schlagschnurknoten durch die Ringe klackerte, fing ich an, etwas Druck auf den Fisch auszuüben, was diesen aber nicht sonderlich interessierte. Stattdessen zog er mich und das Boot in Richtung Seemitte. Gut so dachte ich mir, dort ist es tief und Hindernisse konnte ich im Vorfeld auch keine ausmachen.
Der Fisch fühlte sich richtig gut an, er schwamm tief und absolut ruhig. Ich trank an meinem Kaffee und genoss bei einer Zigarette das Gefühl des Drillens bei aufgehender Sonne. Aber irgendwann ist jeder Fisch müde und ich konnte zunehmend Schnur gewinnen. Als ich in das glasklare Wasser weit genug einblicken konnte, blieb mir fast die Luft weg. Ein gewaltiger Fisch zog unter dem Boot ganz ruhig seine Bahnen. Der Kaffee war leer und mir schmerzte der Arm, trotzdem oder gerade deshalb lockerte ich die Bremseinstellung, denn diesen Fisch wollte ich auf gar keinen Fall im letzten Moment verlieren.
Meine einfach gehaltenen Montagen funktionieren aber schon seit Jahren und Aussteiger sind mir fremd. Kurze Zeit später war der Fisch dann an der Wasseroberfläche und schließlich im Kescher. Das Gewicht des Fisches wurde mir erst bewusst, als ich diesen ins Boot heben wollte. Im dritten Versuch gelang es und vor mir lag ein Fisch jenseits der 25 kg. Wahnsinn!
Über das Sprechfunkgerät nahm ich Kontakt mit Christian und Hansi auf, die dachten erst, dass ich zuviel getrunken hätte. Als ich ihnen das Gewicht durchgab, waren aber beide zügig bei mir um den Fisch zu fotografieren. Danke Jungs, danke für die Bilder und danke für das Bier zum Anstoßen darauf.
Am Mittag bekam ich Besuch von der Garde de Peche und der nette Herr fragte mich, ob sein bester Freund ein paar Tage hier mit mir zusammen fischen könne. Nun ja, Platz für zwei war ja vorhanden. Aber fischen mit einem völlig Fremden und unterhalten in einer fremden Sprache? Ich überlegte kurz und willigte ein. Eine Stunde später kam ein über und über beladener Trolley den Trampelpfad herunter, so hoch gepackt, dass ich den Franzosen dahinter kaum ausmachen konnte.
Die Begrüßung fiel eher spärlich aus, man schüttelte sich die Hand und stellte sich mit Namen vor. Anstandshalber half ich beim Aufbau seines Zeltes und half beim Ausbringen der Ruten. Seine französische Gelassenheit brachte mich bereits nach wenigen Stunden an den Rand des Wahnsinns. Mittlerweile war es stockdunkel und noch immer waren nicht alle Ruten im Wasser. Was soll´s, keiner drängelt und meine deutsche Tugenden sind hier wertlos und fehl am Platz.
Außerdem bin ich im Urlaub und nicht auf der Arbeit. Wir tranken noch einen Kaffee zusammen und legten uns schlafen. Platsch, der Springer war also immer noch hier. Warum er sich nicht an meiner Montage aufhängte, raubte mir fast den Schlaf. Sebastien, so hieß der Franzose, fing in dieser Nacht zwei Brassen und ich fuhr eine Nullnummer ein.
Ich erzählte ihm am nächsten Morgen von diesem irren Fisch, der einfach so sinnlos immer wieder am selben Platz springt, ohne zu beißen, als plötzlich und endlich diese Rute abging wie Schmidt´s berühmte Katze. Wir stiegen gemeinsam in mein Boot und fuhren dem Fisch hinterher. Dieser kämpfte wie ein Irrer unter dem Boot und zog immer und immer wieder einige Meter Schnur von der Rolle.
So schnell wie der Fisch geschwommen war, so schnell war er aber auch ausgepowert und bereit zum Keschern. Verdammt lang der Bursche. Breit im Kreuz, nicht sehr hoch und trotzdem richtig schwer. In Deutschland nennt man solche Fische fast schon verächtlich Endvierziger. Leider war Sebastien im Umgang mit digitalen Silberknipsen ein Anfänger und übrig blieben zwei verwackelte Bilder, die allenfalls für die Galerie in meiner Garage gut genug sind. Dummerweise habe ich das erst bemerkt, als der Fisch schon wieder im Wasser war. Aber egal, davon geht die Welt nicht unter. Es ist nur ein Fisch.
Wir nutzten den Tag, um uns über Rigs, Boilies und das Fischen allgemein zu unterhalten und haben einen richtig guten Draht zueinander gefunden. Er gehört zu den wenigen Franzosen, die sich ihre Boilies selber drehen, obwohl das Beschaffen guter Zutaten in Frankreich eine fast unlösbare Aufgabe darstellt. Seine Boilies waren im Geruch und Geschmack nicht unbedingt schlecht, aber für meinen persönlichen Geschmack viel zu weich, was er mit fehlender Kochzeit begründete und ihm wohl aus diesem Grund die Brassen bescherte.
Ich hatte Boilies dabei, die mir kein geringerer als Klaus Brix selber zur Verfügung gestellt hatte und die heute unter dem Namen Hemp & Meat-Meal-Boilies von Daiwa vertrieben werden. Ich war sofort begeistert, als mir der Geruch dieses Fleischmehlboilies in die Nase stieg. Gerade an Gewässern, in denen häufig mit Fischmehlboilies geangelt wird, ist das eine echte Alternative, außerdem sind keine künstlichen Flavour darin enthalten. Sebastien mochte meine Boilies und gerne bot ich ihm an, doch welche zu verwenden. Genug hatte ich auf alle Fälle dabei und den Beweis, dass sie ihre Fische fangen, erbrachten sie bereits.
Unzählige Stunden tauschten wir uns über unsere Montagen aus, während er in meinen Augen eventuell zu viele der Unterwasservideos gesehen hatte und seine Montagen dementsprechend kompliziert aufgebaut waren. Er war er sehr erstaunt, als ich ihm meine Montagen auf den Tisch legte. Viel zu einfach aufgebaut, das geht ja gar nicht, war sein erster Kommentar. Ein kleiner Haken, etwas Vorfachschnur und am unteren Ende ein Boilie und am oberen Ende eine Schlaufe. Fertig ist das Hexenwerk. Und das Ganze funktioniert auch noch ohne überteuerte englische Artikel!
Als Vorfachmaterial hat mich bereits vor vielen Jahren Snaggy Waters von Cormoran überzeugen können. Diese Schnur kommt Krystons Quick Silver sehr nahe, ist aber zusätzlich noch beschichtet und wesentlich preiswerter. Alternativ zu geflochtenem Material benutze ich eine Flouro-Carbon Schnur mit 0,40 mm Durchmesser, ebenfalls von Cormoran, welche früher unter der Bezeichnung UFS erhältlich war. Beide Schnüre haben mich eigentlich noch nie im Stich gelassen, aber meinen Geldbeutel enorm geschont und den Trends bin ich noch nie hinterher gerannt.
Zusammen fischen bedeutet auch immer voneinander zu lernen, jedenfalls konnte ich Sebastien meine Montagen schmackhaft machen. Mit der Begründung, dass solche unkomplizierten Rigs in Windeseile neu gebunden sind und ich somit viel besser und schneller auf wechselnde Bedingungen reagieren kann. Ich habe auch noch keinen erfolgreichen Angler in Frankreich getroffen, der komplizierte Rigs verwendet. Die Kunst liegt im Weglassen! Das Wichtigste ist aber immer, das man ein gutes Gefühl bei der verwendeten Montage hat und Verwicklungen ausschließen kann. Nichts ist ärgerlicher, als ein Knäuel nach zwei Tagen aus dem Wasser zu holen, der einmal unsere Montage war.
Mittlerweile war es später Nachmittag. Eine gute Zeit für eine Tasse Kaffee, um danach die Ruten neu abzulegen bzw. zu kontrollieren. Sebastien hatte seine Ruten nun mit einfachen Rigs bestückt und auch Boilies von mir aufgezogen, dieses mal die Ruten alleine abgelegt, während ich nur neu beködert hatte und ein paar frische Boilies zufütterte. Die Nacht brach herein und im Schlafsack liegend wunderte ich mich über meine Fremdsprachenkenntnisse. Irgendwann in der Nacht ging eine seiner Ruten ab und er alleine mit dem Boot hinterher.
Das war so ausgemacht. Es dauerte so seine Zeit, die Fische hatten allesamt eine enorme Kampfkraft. Doch etwa 15 Minuten später kam er mit einem Grinsen im Gesicht zurück und wir freuten uns beide über seinen Mittvierziger. Es ist schon verrückt: Viele Fische fingen wir zwar nicht im Gegensatz zu Hansi und Christian, aber hier war jeder zweite Karpfen richtig fett. Am nächsten Morgen durfte ich hinter der Knipse Platz nehmen und lieferte ein paar richtig gute Bilder ab. Irgendwie hatte ich dafür schon immer ein Händchen. Das Beste gelang mir aber zweifelsohne mit dem Selbstauslöser und uns beiden hinter dem Fisch.
Endlich wurden auch die Temperaturen herbstlicher und es kam Wind auf, viel Wind. Schaumkronen auf dem See machten das Ausbringen oder Kontrollieren der Montagen nicht unbedingt einfacher, aber auch nicht unmöglich. Mittlerweile hatten wir Mittwoch. Eigentlich wollte Sebastien heute wieder gehen, aber durch unser perfektes Miteinander hatte er beschlossen, die komplette Woche bis Samstag hier zu verbringen.
Ich hatte jedenfalls nichts dagegen und auch sein Freund Julien kam nun jeden Tag auf einen Kaffee vorbei und brachte mit was immer uns fehlte. Auch lud er in seinem Büro unsere Bootsbatterien auf. Diese mussten wir dann zwar selber zum Auto wuchten, aber was tut man nicht alles für Mobilität auf dem Wasser. Das erneute Ablegen der Ruten machte wie bisher jeder für sich, weil es einfach schneller vonstatten ging. Auch einigten wir uns darauf trotz heftigem Wind alleine zum Fisch zu fahren, wenn denn einer beißen würde.
In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war es dann so weit. Der Wind gab Vollgas und ein Fisch an Sebastiens Rute ebenfalls. Während er alleine herausfuhr, zog ich mich trotzdem schon mal wetterfest an. Heute nenne ich es eine böse Vorahnung, damals war es einfach Instinkt. Er verschwand im Dunkel der Nacht und schon bald hörte ich, wie er meinen Namen schrie, er bräuchte Hilfe und zwar ganz schnell. Ich sprang also in mein Boot und fuhr mit allem was der Motor hergab in die Richtung, aus der die Rufe kamen. In solchen Momenten bin ich über jedes Kilopond Schubkraft des Elektromotors froh. Zu viel Leistung kann man in diesen Momenten gar nicht haben.
Ich wusste ja gar nicht was passiert war, als er um Hilfe rief. OK, er kniete immer noch in seinem Boot und ich wusste im ersten Moment gar nicht, was er von mir wollte. Doch plötzlich begriff ich, dass sich die Schraube seines Motors in dem Seil einer herumtreibenden Boje verfangen hatte und der Fisch bereits an der Oberfläche lag, er aber wegen des Sturmes und der blockierten Schraube nicht an ihn herankam, um ihn zu keschern. Also baute ich meinen Kescher zusammen, fuhr in Richtung des Fisches und was ich dort an der Wasseroberfläche liegen sah, machte mich sprachlos.
Ein gewaltiger Fisch lag dort und wusste wohl selber nicht, was gerade passierte, als sich die Maschen meines Keschers an ihn schmiegten. Ich schnitt die Schnur von Sebastien durch und brachte ihm das Messer, damit er seinen Motor freischneiden konnte. Dann fuhr ich mit dem Fisch im Kescher zurück zum Platz. Das erste Wiegen brachte mir die Bestätigung, dass es sich um einen weiteren Fisch jenseits der 25 kg-Marke handelte.
Sebastien war noch wenige Meter vom Ufer entfernt und fluchte über das Seil wie ein Rohrspatz. Als ich ihm das Gewicht seines Fisches zurief, wollte er es nicht wahrhaben. Ein erneutes Wiegen brachte aber Gewissheit. Wir fielen uns in die Arme und während er sich bei mir für die Selbstverständlichkeit bedankte, gratulierte ich ihm zu seinem Fisch. Obwohl wir uns vor drei Tagen das erste Mal über den Weg gelaufen waren, harmonierte unsere Fischerei perfekt. Jeder hatte das Gefühl, dass er sich auf den anderen zu 100 % verlassen konnte.
Noch vor dem Fotografieren des Fisches am nächsten Morgen kam seine Freundin mit einer Flasche Rothschild und zwei Gläsern vorbei. Darauf musste mit dem besten Schampus angestoßen werden, das ist auch in Frankreich Ehrensache. Julien ließ sich ebenfalls nicht bitten und so hatten wir alle schön einen in der Krone und schliefen gegen Mittag unseren kleinen Rausch aus, bevor es wieder an das übliche Prozedere ging.
Wir fingen in den folgenden zwei Tagen noch ein paar kleinere Fische und am Samstag musste mich mein neuer Freund verlassen. Zum Abschied schenkte ich ihm einige Sachen, die er in Frankreich nicht bekommen konnte und die ich doppelt hatte. Einfache Sachen, die ihn in dieser Zeit überzeugten und die er sich jedes Jahr aufs Neue von mir mitbringen lies. Einzig von den Boilies bekam er keine, denn mit denen hatte ich zuhause noch etwas vor.
Er wollte nicht gehen, das merkte ich, aber seine Freundin konnte ihn mit einem bösen Blick davon überzeugen, dass jetzt Schluss mit Lustig war. Er versprach am Sonntag vorbei zu kommen und mir Trinkwasser mit zu bringen. Ich wollte eigentlich noch bis Dienstag oder Mittwoch bleiben, entschied aber im Laufe der Nacht, dass ich bereits am Montag die Kurve kratzen wollte. Man soll immer dann aufhören, wenn es am schönsten ist, lautet ein deutsches Sprichwort. Am Sonntagmittag hatte ich erneut einen Biss auf eine der weit entfernten Ruten und der Drill ließ mich erneut auf einen richtig Dicken hoffen.
Der Fisch zog mich nach Belieben kreuz und quer über den See, schwamm dabei ruhig und tief wie der erste gute dieser unglaublichen Woche. Nach unendlichen Minuten folgte der Fisch seinem Blasenteppich an die Oberfläche und ich wunderte mich, wie es dieser Fisch schaffte, mich gefühlte 30 Minuten über den See zu ziehen. Es war zwar ein Fisch der 20 kg Klasse, aber irgendwie war ich enttäuscht, obwohl alles andere wohl auch zuviel des Guten gewesen wäre. Die Bilder machte ich mit dem Selbstauslöser und fing danach an, meine Sachen zu sortieren. Eine letzte Nacht wollte ich dort noch fischen und mich am nächsten Tag auf die Heimreise begeben.
In der letzten Nacht konnte ich kaum schlafen. Ständig schwirrten mir die Erlebnisse dieser Woche mit einem Unbekannten durch den Kopf. Mittlerweile danke ich Matthias für seine Absage, denn ohne sie hätte es diese Wahnsinnswoche nie gegeben. Dieser Urlaub wird mir immer in guter Erinnerung bleiben. Ich habe viele nette Leute kennengelernt und einen echten Freund gefunden.
Mittlerweile haben Sebastien und ich schon einige gute Sessions zusammen verbracht und viele gute Fische gefangen. Wir haben sehr viel voneinander gelernt und uns immer super verstanden, auch bin ich durch Ihn immer bestens über die Gewässer seiner Region informiert. Übrigens: Mit dem Eingangs erwähnten Matthias war ich nie wieder zusammen fischen.
Always stay hungry.
Achim Fritsch & Sebastien Bonnevie






