Knipsen oder Fotografieren? Teil II
Nachdem ich im ersten Teil auf die von meinen Freunden und mir verwendete Ausrüstung beim Fotografieren eingegangen bin, möchte ich mich im zweiten Teil mit den für uns Karpfenangler fototypischen Situationen beschäftigen. Doch zunächst einmal etwas Grundsätzliches. Man kann nicht erwarten, wenn man drei Dias von einem gefangenen Fisch macht, dass ein echtes Spitzenbild dabei ist. Das gleiche gilt in allen anderen Bereichen der Fotografie. Wenn man an einem interessanten Objekt arbeitet, z.B. Rutenablegen vom Boot aus vor glutrotem Himmel bei Sonnenuntergang, dann sollte man ruhig einmal 20 Bilder "verschwenden" und verschiedene Einstellungen und Brennweiten ausprobieren. Gerade als Nichtprofi lernt man jedes Mal wieder von seinen Fehlern, wenn man sich notiert, was man gemacht hat und es später mit den Dias vergleicht. Die Chance, dass bei 20 Bildern ein richtig Gutes dabei ist, ist, wenn man überlegt ans Werk ging, relativ hoch. Bei den nicht so guten Bildern hat man aber zumindest gelernt, nämlich das, was falsch gemacht wurde.
Sascha Kral und ich haben während der Produktion unserer Diashow "Obsession for Carp" etwa 250 Diafilme belichtet. Das sind runde 9000 Dias, wovon etwa 850 in die Show eingingen. Der Rest war zum Glück nicht ausschließlich Müll, ein erheblicher Teil davon aber leider schon. Doch gerade von den schlechten Bildern haben wir viel gelernt, und es beim nächsten Mal besser machen können.
Ich will damit sagen, dass man sich fotografisch nur weiterentwickeln kann, wenn man auch bereit ist, Filmmaterial sinnvoll zu opfern: immer wieder etwas Neues ausprobieren und somit dazulernen!
Kommen wir nun zur ersten fototechnischen Situation, die ich vorstellen möchte. Das Fotografieren eines gefangenen Karpfens. Das ist die Situation, die wir uns alle herbeisehnen. Nach Wochen des Fischen und Leidens hat endlich der riesige Spiegler den Weg in unseren Kescher gefunden. Er ist gewogen (schonend auf der Matte) und wartet im Wiegesack im Wasser auf die Ablichtung. Die kurze Verschnaufpause, die wir dem Fisch gönnen, nutzen wir, um das Fotografieren vorzubereiten und suchen eine halbwegs brauchbaren Hintergrund. Doch damit geht das Drama und die Probleme schon los.
Wir verbringen beim Karpfenangeln sehr viel Zeit am Wasser, davon ist ein Großteil relativ unproduktiv. Das soll heißen, wir dösen im Stuhl, lesen, reden mit dem Kollegen, usw. Diese Zeit können wir sehr gut nutzen, um uns in aller Ruhe Gedanken über den möglichen Standort der Ablichtung und den dazugehörigen Hintergrund zu machen. Ist der Fisch erst einmal im Kescher geht die Hektik los und wir treffen vorschnelle Entscheidungen, die wir später dann bereuen. Für mich kommen grundsätzlich zwei Arten von Hintergrund in Frage. Zum einen die sogenannten grüne Wand und der See, mit einem interessanten Vordergrund.
Die grüne Wand kann z.B. ein Busch sein, der mit seinen gedeckten Farben nicht schreiend ins Auge springt oder aber auch eine Schildwand. Bäume mit deutlichen Ästen oder blühende Büsche bringen sehr viel Unruhe ins Bild. Trägt der Fänger dann noch ein passend gelbes Shirt, ist das Farbenchaos perfekt. Lassen Sie die Finger davon und gehen sie auf Nummer sicher. Ein dichter, gedeckt grüner Busch, der später auf dem Bild den gesamten Hintergrund bildet, ist vielleicht nicht die interessanteste, aber doch zumindest eine sichere Wahl. Einen Busch im Bild nur anzuschneiden sollten sie vermeiden, weil es ebenfalls Unruhe ins Bild bringt.
Beliebte Aufnahmen sind solche, bei denen der See im Hintergrund zu sehen ist. Oftmals verkommen sie leider zu wunderschönen Landschaftsaufnahmen, mit einem fischhaltenden Karpfenangler, den man kaum erkennen kann. Man sollte sich immer bewusst machen, was wirklich wichtig ist. Wenn ich eine gelungene Aufnahme von meinem Gewässer machen möchte, gehört der Fisch nicht hinein. Falls ich aber ein Porträt eines tollen Dreißigers mitsamt Fänger machen will, sollte ich mich, was die Landschaft angeht, doch einschränken. Es kann immer nur einen Bildmittelpunkt geben, also entscheiden sie sich.
Eine ausgefallene Bildidee ist es, den Fänger mit dem Fisch ins Wasser zu stellen. Leider bleiben die Fotografen bei diesen Bildern oft am Ufer, so dass ein steiler Aufnahmewinkel entsteht, der superlangweilig wirkt. Ziehen sie sich eine Wathose oder Badehose an und gehen sie als Fotograf mit ins Wasser. Halten sie die Kamera knapp über die Wasseroberfläche, so ergibt sich für sie ganz plötzlich ein ganz anderer, interessanterer Blickwinkel.
Sehr schöne Bilder ergeben z.B. auch Holzplattformen oder Stege, die im Schilf stehen. Sollte dann noch die Sonne gerade hinter dem Fänger untergegangen sein und die Wolken rot färben, ist ein Klassebild fast garantiert.
Bei allen Entscheidungen, die sie bezüglich des Hintergrundes treffen, sollten sie aber immer beachten, dass der Hintergrund ruhig wirkt. Spaziergänger, Hunde, irgendwelche Kinder, die hinter ihnen herumlaufen während Sie den Fisch halten, stören das Bild. Bitten sie sie also höflich aus dem Bild zu gehen.
Nachdem sie den richtigen Hintergrund nun gefunden haben, beginnen sie den Platz, an dem sie die Bilder machen wollen, aufzuräumen. Nichts stört mehr als ein schöner weißer Eimer, der neben dem Fänger leuchtet oder die Lehne eines Stuhles, die ganz dezent in den Bildausschnitt ragt.
Die Kleidung sollten sie auch vorher entsprechend auswählen. Ein Ravershirt mit leuchtenden Farben ist etwas unpassend. Viele wählen ein T-Shirt ihrer favorisierten Köderfirma.
Sie sollten dabei aber bedenken, dass sich Vorlieben auch ändern können und dann kann man das Bild später vielleicht nicht mehr verwenden. Tarnkleidung ist nicht jedermanns Sache und Bilder mit Jungs in Kampfanzügen sollten doch eher der Vergangenheit angehören. Mein Ding ist es jedenfalls nicht. Ich bevorzuge ein dezentes Grün, das passt irgendwie immer. Auf die coole Sonnenbrille verzichte ich gerne und auch Kippen, die lässig im Mundwinkel hängen, gehören eigentlich nicht auf das Bild. Gerade morgens ist es auch kein Fehler, sich kurz die Haare zu kämmen, falls man noch welche hat. Eine Sturmfrisur ist vielleicht lustig, doch man muss nicht absolut zersaust auf dem Bild aussehen.
Kommen wir zum Bildausschnitt und der Abbildungsgröße des Fisches, bzw. des Fängers. In meinen fotografischen Anfangszeiten bevorzugte ich das Hochformat, um einen Fisch abzulichten. Im Laufe der Zeit lernte ich aber die Vorteile des Querformates zu schätzen. Ich finde es geht beim Fotografieren eines Fisches nicht darum, einen möglichst riesigen Fisch abzubilden hinter dem der Fänger und die Umgebung verschwindet. Der Fische sollte zwar im Mittelpunkt des Bildes stehen, doch es sollte ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Fisch, Fänger und Umgebung herrschen. Dies kann im Endeffekt nur das Querformat, welches zusätzlich noch unserem natürlichen Blickfeld entspricht. Eine richtig üble Angewohnheit ist das sogenannte Vorhalten des Fisches beim Fotografieren. Man erkennt solche Bilder leicht an den überdimensionalen Wurstfingern des Fängers, die in einem seltsamen Verhältnis zum kleinen Kopf des Anglers stehen. Ich finde diese Bilder eigentlich nur peinlich, besonders dann, wenn der Fisch so weit vorgehalten wird, dass der Kopf des Fängers langsam unscharf wird, weil er aus der Tiefenschärfe der Blende herausrutscht. Kleiner Tipp für solche Leute: wählt eine kleinere Blende, so etwa 19 - 22, dann ist auch der Hintergrund scharf. Dummerweise verlängert sich die Belichtungszeit und dann wird es ganz schön anstrengend, den Fisch so weit vorzustrecken. Dirigieren sie als Fotograf den Fänger, wie er den Fisch zu halten hat. Solche Regieanweisungen sind eigentlich immer nötig, da der Fänger nicht wissen kann, wie seine momentane Haltung auf dem Bild aussieht. Sparen sie deshalb nicht mit Kommentaren.
Der wichtigste Punkt beim Fotografieren eines Karpfens und beim Fotografieren generell ist das Licht. Geza Aschoff hat einmal in einer alten Karpfenscene einen sehr informativen Artikel zum Thema Fotografieren geschrieben. Er behandelte das Thema Licht und die Auswirkungen auf die Dias sehr ausführlich. Aus diesem Grunde möchte ich mich kurz fassen. Das beste, weil wärmste Licht, bekommt man kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang.
Alle Bilder mit leuchtenden Farben auf dem Hintergrund und dem Fisch, die sie bis jetzt gesehen haben, sind zu dieser Zeit gemacht worden. Je mehr wir uns von dieser idealen Zeit auf Mittag zu bewegen, bekommt das Licht mehr Blauanteil. Blau wirkt kühler und irgendwie nicht so schön. Die Farben auf den Bildern sind dann blasser und ausgewaschen. Ein Warmtonfilter kann unter Umständen noch Abhilfe verschaffen, doch morgens und abends ist das Licht definitiv am besten. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie schaffe ich es nur zu dieser Zeit Fische zu fangen? Über das Hältern von Karpfen ist schon viel geschrieben worden und man kann in diesem Punkt durchaus geteilter Meinung sein. Ich finde es nicht schlimm einen Fisch, den ich nachts um 2 Uhr gefangen habe bis morgens um 6 zu hältern, um ihn dann zu fotografieren. Das funktioniert aber nur, wenn die Schnur am Karpfensack richtig lang ist (mindestens 3m besser 5m) und der Fisch damit ins tiefe, sauerstoffreiche Wasser kann.
Ein Hältern über mehrere Tage, um auf besseres Wetter zu warten, ist für mich absolut inakzeptabel, denn auch bei schlechtem Wetter kann man gute Fischbilder machen, wenn man einen entsprechenden Hintergrund wählt, der den Himmel abdeckt. Dicke Regenwolken können nämlich eine richtig miese Stimmung auf den Bilder erzeugen. Wenn das gewünscht ist, dann ist es in Ordnung, aber ansonsten sollte man den Weltuntergang aus den Bildern lassen.
Der beste Trick, um richtig gute Bilder zu machen, ist das sogenannte Aufblitzen. Wie funktioniert das? Viele haben bestimmt schon Profifotografen im Fernsehen gesehen, die immer und überall blitzen, obwohl es eigentlich hell genug war. Genau so mache ich es auch. Wenn Sascha und ich Fische fotografieren, wird immer aufgeblitzt, selbst bei bestem Sonnenschein. Warum? Störende Schatten im Gesicht, Streiflicht auf dem Fisch oder andere, unerwünschte Effekte kann ich somit kompensieren. Die Farben wirken kräftiger, das ganze Bild also frischer und klarer.
Tagsüber kann man einfach den Blitz der Kamera (intern oder extern) zuschalten, abends wird es dann allerdings schwieriger. Die Kamera nutzt das vorhandene Licht und fügt dann für den Vordergrund noch ein schwaches, aber ausreichendes Blitzlicht hinzu. Wenn das vorhandene Licht schwächer wird, kann es passieren, das die Aufnahme dann wie ein Nachtbild wirkt. Dann muss man einen anderen Trick anwenden. Wir nennen es AEL Aufblitzen. Die Dynax 7 von Minolta besitzt eine AEL Taste, die, wenn sie gedrückt wird, dafür sorgt, dass das vorhandene Licht benutzt wird und der Blitz nur ergänzend hinzukommt.
Das bedeutet, zum Beispiel, ein Sonnenuntergang wird mit den real gemessenen 1/10 sec belichtet und der Blitz kommt noch hinzu. Ohne die AEL Einstellung würde die Kamera z.B. die Blitzsynchronzeit von 1/60 sec wählen und der Hintergrund wäre wie bei einer Nachtaufnahme schwarz. Ein typisches Bild ist hierfür der leicht angeblitzte Karpfen und Fänger vor einem See mit glutrotem Himmel nach Sonnenuntergang.
Auf den externen Blitz sollte man dann noch eine sogenannte Softbox setzen. Die sieht zwar ein wenig dämlich aus, streut aber das Licht sehr schön. Die Blitzaufnahmen wirken dann nicht so hart, sondern schön weich ausgeleuchtet. Bei der Verwendung von mehreren externen Blitzen mit Softbox, eventuell auch mit Blitzschirm, kann man dann schon fast fotostudiomässige Ergebnisse erzielen, doch das würde hier zu weit führen.
Zum Schluss dieses Kapitels noch etwas Grundsätzliches zum Belichten der Filme. Ich verwende standardmäßig immer 100 ASA Filme, doch ich belichte sie je nach Situation mit 125 oder 160 ASA.
Jede Spiegelreflexkamera bietet die Möglichkeit, die ASA Einstellung zu verändern und davon mache ich Gebrauch. Diese feine Unterbelichtung von 1/3 bzw. 2/3 Blende sorgt dafür, dass die Farben intensiver und das Dia dadurch brillanter wird. Eine Kleinigkeit, die aber bei vielen Bildern den Unterschied zwischen einem guten und einem sehr gut belichteten Bild ausmacht.
Eine weitere Situation, die uns häufig beim Karpfenfischen begegnet, ist der klassische Sonnenuntergang bzw. -aufgang mit den Ruten davor. Jeder kennt die Situation, dass man abends bei den Ruten sitzt und denkt, wie toll der Sonnenuntergang wieder ist und macht schnell ein Bild davon. Auf dem entwickelten Abzug sieht das alles dann nicht mehr so toll aus.
Zunächst müssen einige Vorraussetzungen für ein schönes Sonnenuntergangsbild gegeben sein. Das wichtigste ist die Größe des Gewässers. An einem 3 ha Pool wird man nur schwer ein tolles Bild zustande bekommen, an einem 30 ha See mit entsprechend großer Wasserfläche ist das schon viel einfacher. Die Größe, der vor den Ruten liegenden Wasserfläche macht den Unterschied aus, da das Bild mehr Raumtiefe erhält. Steile Ufer sind ebenfalls ungeeignet, falls sie das Pod im Vordergrund platzieren wollen. Stege sind optimal, da man sich auf gleicher Höhe mit den Ruten befindet.
Ein Stativ ist hier Pflicht, weil sich aufgrund des schwachen Lichtangebotes lange Belichtungszeiten ergeben, die ein Fotografieren aus der Hand unmöglich machen. Außerdem sollten sie Ihr Objektiv mit einer Gegenlichtblende versehen. Eine Gegenlichtblende ist eine Art Rohr, das vor das eigentliche Objektiv gesetzt wird. Die Länge variiert je nach Brennweite des Objektivs. Sie verhindert, dass Streulicht von der Seite auf die Linse fällt und so Lichtringe auf dem Bild erzeugt, die unerwünscht sind.
Grundsätzlich gibt es zwei mögliche Zeitpunkte, um ein perfektes Sonnenuntergangsbild zu machen. Erstens, wenn die Sonne kurz vor dem Verschwinden ist und zweitens, wenn der eigentliche Sonnenuntergang schon ca. 15 Minuten vergangen ist.
Im ersten Fall haben wir es mit einer Gegenlichtsituation zu tun und sollten daher mit der Kamera nicht die Sonne direkt anmessen, da wir sonst eine Unterbelichtung der restlichen Bildelemente riskieren. Hochwertige Spiegelreflexkameras bieten eine sogenannte Integralmessung an, die man auch nutzen sollte. Trotzdem macht es Sinn eine Belichtungsreihe zu fotografieren, um verschiedene Belichtungsstufen auszutesten. Falls wir wichtige Bildelemente, wie z.B. einen Rutenaufbau heller ausleuchten wollen, können wir das mit dem AEL Aufblitzen machen, genauso wie ich es zuvor beschrieben habe. Doch auch hier lieber zwei, drei Bilder mehr machen und verschiedene Einstellungen ausprobieren.
Die spektakulärsten Bilder sind meiner Meinung nach die, welche 10 bis 20 Minuten nach Sonnenuntergang gemacht werden. Oftmals färbt sich in diesem Zeitraum der Himmel noch einmal richtig rot und gibt dem Bild eine sehr schöne Note. Ein kleiner Trick um die Wolken dramatischer zu färben, ist die Verwendung von Verlauffiltern. Die Firma Cokin stellt rechteckige Filter her, die in einen Halter geschoben werden, der auf dem Objektiv montiert ist. Ein Verlauffilter ist oben eingefärbt und besitzt einen fließenden Übergang zur unteren, klaren Seite. Man verschiebt im Falle eines Sonnenuntergangs den Filter so, dass die Farbgrenze mit der Untergrenze der Wolken abschließt.
Man sollte diesen Trick aber möglichst dezent einsetzen, da die Farben im Bild schon wieder unrealistisch wirken können. Bevor man auf den Auslöser drückt, sollte man sich auch Gedanken über die Bildeinteilung und die Tiefenschärfe des Bildes machen. In der Bildeinteilung gibt es Regeln, die besagen, man sollte den Horizont immer in die Mitte des Bildes legen, allerdings bei Tieren eben nicht. Man kann diese Regeln beachten oder es auch sein lassen. Eine kleine Ente in der Mitte eines Bildes zu platzieren ist sicherlich nicht besonders spannend und ein interessanter Vordergrund kann es auch bei einer Landschaftsaufnahme nötig machen, den Horizont in das obere Drittel des Bildes zu verlegen.
Ich denke, es kommt auf die jeweilige Situation an und jeder sollte einfach ausprobieren, was gut aussieht. Sehr wichtig ist es aber, sich zu überlegen, welche Teile des Bildes scharf abgebildet sein sollen und welche nicht. Die Programmautomatik der meisten Kameras wählt normalerweise eine möglichst große Blende passend zu einer Belichtungszeit, die es noch erlaubt aus der Hand zu fotografieren. Das bedeutet, das wenn man ein Rod Pod anfokussiert und die Kamera z.B. eine Blende 3.5 wählt, der Hintergrund nicht mehr scharf abgebildet wird.
Man kann dieses Problem umgehen, indem man den Modus der Zeitautomatik (A) wählt. Das bedeutet, dass man die Blende manuell vorwählt und die Kamera berechnet automatisch die dafür nötige Belichtungszeit. Um ein Rutensetup und den Hintergrund scharf abzubilden würde ich eine Blende 22 wählen, die eine große Tiefenschärfe garantiert. Legt man den Fokus auf die Ruten, wird der Hintergrund dann automatisch scharf. Bei der daraus resultierenden langen Belichtungszeit ist natürlich ein Stativ nötig. Falls ihre Kamera über eine. Abblendtaste verfügt, können sie die Tiefenschärfe auch noch zusätzlich durch das Drücken dieser Taste kontrollieren.
Manchmal kann es sinnvoll sein, die Ruten im Vordergrund aufzublitzen. Allerdings sollte man gerade bei Edelstahl Setups vorsichtig sein, da der metallische Glanz schnell unnatürlich wirken. Das bisher gesagte gilt natürlich auch für Sonnenaufgänge, doch hier sollte man schon rund eine Stunde vor dem eigentlichen Erscheinen der Sonne hinter dem Stativ sitzen. Eine neblige Stimmung z.B. im Herbst oder die Rotfärbung der Wolken ist meist schon nach wenigen Minuten dahin, wenn die Sonne den Horizont erklimmt. Frühes Aufstehen ist also gerade im Sommer angesagt.
Es gibt natürlich noch viel mehr lohnende Fotomotive als die bisher beschriebenen Fische und Sonnenuntergänge. Alle möglichen Tiere, wie Schwäne, Reiher, Frösche, Karpfen an der Wasseroberfläche sind potentielle Fotoziele. Auch Makroaufnahmen von Seerosen, Blumen oder Insekten sind ein riesiges Gebiet. Je weiter man sich in die Kunst des Fotografierens vertieft und daran Spaß gewinnt, desto mehr Betätigungsfelder werden sich ergeben. In den meisten Fällen gilt das bisher gesagte. Die vorgestellten Regeln von Blendenvorwahl, Belichtungszeit, Bildkomposition, Blitzlichtverwendung finden in der restlichen Naturfotografie ihre Anwendung. Ich kann jedem wirklich Interessierten die Bücher von Fritz Pölking und die Zeitung Naturfoto ans Herz legen. Hier werdet ihr viele Anregungen und Tipps finden, die eure eigene Fotografie bereichern.
Vielleicht konnte ich den einen oder anderen unter euch mit meinen beiden Artikel für das Fotografieren interessieren und zeigen, dass der Sprung vom Knipsen zum Fotografieren gar nicht so groß ist, wie manche denken. Viel Spaß beim Ausprobieren.
Jörg Schaffner






