LK-Baits

Break it up!

Von Otto Staab / Februar 2005

Als ich aus dem Auto steige, kann ich schon die beiden Angler sehen, die auf meinem bevorzugten Karpfenplatz fischen. "Oh nein!", denke ich bei mir, und überlege, die geplante Futteraktion auf den nächsten Tag zu verschieben. Doch es sind nur zwei Hechtangler und nach einem kurzen Gespräch, in dessen Verlauf ich mich nach dem Fangerfolg der beiden erkundige, beschließe ich, dennoch anzufüttern. Da sie sowieso gleich zusammenpacken wollen, hätten sie nichts dagegen, wenn ich mein Futter ausbrächte.

Otto Staab mit einem ZeilenkarpfenGesagt, getan - schnell ans Auto und die nötigen Utensilien nebst Futtereimer stehen kurze Zeit später am Ufer. Interessiert beobachten die Hechtfischer, wie ich an meiner Uptide - Rute eine Köderrakete montiere. Auf die neugierigen Blicke der beiden hin erkläre ich ihnen die Funktionsweise der kleinen „Kunststoffröhre“. Als ich den Ködereimer öffne und sie eine Nase voll von der Duftwolke abbekommen, sind sie recht angetan und wollen sehen, wie das nun funktioniert.

Sie wollten an diese Methode wohl noch nicht so recht glauben. Mit einer Hand fülle ich die Rakete und drücke anschließend die oberste Schicht des Mischfutters leicht an. Mit einem kräftigen Wurf werfe ich das gute Stück ihrem auserkorenen Ziel, einer Insel in etwa 90 – 100 m Entfernung, entgegen. Da ich meine Rolle mit einer 0,12er Geflochtenen gefüllt habe, ist es kein Problem, die nötige Distanz zu erreichen. Als die Rocket etwa fünf Meter vom Rand der Insel entfernt mit einem Höllenlärm einschlägt sind die Jungs beeindruckt. Ich warte bis sich der Körper der Rakete vollkommen entleert hat, kurbele sie wieder ein und beginne das Spiel von vorne.

Nach etwa 20 Würfen habe ich meine gewünscht Menge Kleinfutter ausgebracht und beginne, noch ein paar Boilies mit der Cobra hinterher zu schießen. Als ich damit fertig bin, bemerke ich, dass die Hechtangler den restlichen Inhalt meines Ködereimers inspizieren. Der Eine fragt mich ganz verwundert, warum sich in meinem Futter "eckige Bollies" befinden.

Er hätte immer gedacht, die müssten rund sein. Als ich ihn darüber aufkläre, dass die Köder mal rund waren, und ich sie nur klein geschnitten habe, schüttelt er den Kopf. "Der muss auch denken, ich bin bekloppt. Erst runde Boilies rollen und diese dann wieder klein schneiden", denke ich bei mir. Warum aber gerade diese Art und Weise, mit Boilies anzufüttern und zu angeln, sehr effektiv ist, werde ich im Folgenden darlegen.

Zuerst einmal muss man sich vor Augen führen, was bei der Herstellung eines solchen Boilies passiert. Man stellt einen Teig aus verschiedenen Mehlen, Aromen, Zusätzen und Eiern her. Dieser wird dann zu Kugeln geformt und gekocht. Beim Kochen wird das im Teig vorhandene Protein bzw. Eiweiß denaturiert und bindet zusammen mit der Stärke den Teig ab. Die Aromen und Zusätze in der äußeren Schicht des Teiges werden etwas ausgewaschen.

Halbierte Boilies an einem PVA-String. Punktgenaues Anfüttern ist damit möglichNach dem Kochen wird der Boilie über einen gewissen Zeitraum getrocknet. Dadurch wird dem Köder Wasser entzogen und er härtet aus. Da der Köder aber an der Außenhaut schneller trocknet als im Inneren, bekommt der Boilie sozusagen eine Schale, die sehr fest und undurchlässig ist. Dies ist natürlich gewünscht, da er ja den ungewollten Weissfischen trotzen soll. Gelangt der Köder nun ins Wasser, weicht die äußere Hülle langsam auf. Dies ist allerdings ein recht langwieriger Prozess und bis der Boilie soweit aufgeweicht ist, dass er die Aromen und Inhaltsstoffe aus dem Inneren in vollen Umfang freigeben kann, sind schon einige Stunden vergangen.

Damit dieser Prozess beschleunigt wird, muss die äußere Schale "geknackt" werden. So kann das Wasser schneller an den inneren Bereich der Boilies gelangen. Dies erreicht man z.B. durch einfaches Zerschneiden der Köder und hätte somit das Beste aus zwei Welten. Zum einen eine schnelle und starke Lockwirkung und trotzdem noch einen recht kompakten Köder, der immer noch relativ resistent gegen Weißfische ist. Da es aber sehr aufwändig ist, jeden einzelnen Boilie mit einem Messer zu halbieren oder zu vierteln, habe ich mir mehrere Varianten ausgedacht, die diesen Arbeitsgang sehr vereinfachen.

Zum einen gibt es bei Ikea einen wunderbar handlichen, preiswerten Eiscrusher, der aussieht wie ein überdimensionales Ei. Im Kopf des Gerätes befinden sich mehrere halbmondförmige Klingen, die ein sehr schnelles „Crushen“, also Zerbrechen der Boilies in die richtige Größe, gewährleisten. Unter den Klingen ist ein klarer Plastikbehälter angebracht, der die zerbrochenen Köder aufnimmt. Da das Gerät manuell betrieben wird und sehr klein ist (etwa 12 cm hoch), kann es bei jedem Angeltrip mitgeführt werden, ohne viel Platz zu beanspruchen.

Er ist sehr gut geeignet, wenn man kleine bis mittlere Mengen Köder verarbeiten will. Soll eine größere Futterkampagne gestartet werden empfiehlt es sich, den Boilieteig in Platten auszurollen, in Tüten einzupacken und am Stück zu kochen. Nach dem Kochen kann man diese Platten dann mit dem Messer in Würfel mit der gewünschten Größe schneiden.

Das benötigte Zubehör: Baitrockez & PVAUm diese zerbrochenen Köder nun anzufüttern, eignen sich die herkömmlichen Methoden wie Schleuder und Wurfrohr sehr schlecht, da die Bruchstücke weder rund sind noch ein gleichmäßiges Gewicht haben. Sie würden je nach Form unterschiedlich fliegen und somit überall landen, nur nicht dort wo sie sollten. Optimal geeignet, um diese ungleichen Köder gezielt auf größerer Distanz einzubringen ist die eingangs erwähnte Futterrakete oder ein Boot.

Ebenfalls könnte man die gebrochenen Köder in einer Futtermischung aus 50% Arachide, also Erdnussmehl, und einfachem Grundfutter verpacken. In größere, etwa apfelgroßen Bällen geformt, kann diese Mischung mittels Wettkampfkatapult oder Groundbaiter sehr weit ins Gewässer geschossen werden. Die Bälle platzen nach dem Einschlag auf die Wasseroberfläche auseinander und geben ihren verführerischen Inhalt frei. Auf mittlere Distanz und für den Einsatz direkt am Haken eignen sich besonders PVA Netze und Tüten sehr gut. Bei halbierten Boilies können auch PVA Schnüre zum Einsatz kommen. Dabei sollte man die Köder „rund gegen flach“ aufziehen, damit sich die Schnur schneller auflöst. Im Uferbereich werfe ich einfach einige ganze und halbierte Boilies von Hand ein, und „peppe“ meinen Hakenköder mit einem PVA Netz voller "Crushies" auf.

Natürlich sind die gebrochenen Boilies nicht nur für sich alleine einsetzbar. Soll um die Köder, die ja nach wie vor immer noch recht fest sind, eine verführerische Lockwolke gebildet werden, verwende ich Pellets, die es in verschiedenen Größen und mehreren Aromen gibt (z.B von Top Secret). Mikropellets lösen sich innerhalb weniger Minuten am Futterplatz auf, größere hingegen dauern je nach Wassertemperatur und Strömung auch schon mal über 30 Minuten. Weißfische wirbeln durch ihre Aktivitäten am Futterplatz große Mengen der gelösten Feinpartikel und Aromen auf. Diese werden durch die Strömung weitertransportiert und legen eine Duftspur, die die Karpfen aus einer größeren Entfernung anlockt – besser als ein Boilie je könnte.

Ein großer Spiegler, gefangen auf einen zuvor vorbereiteten Futterplatz.Doch nicht nur als Futter sind die zerkleinerten Boilies einsetzbar. Schneidet man sie vorsichtig in der Mitte durch oder beidseitig an, so kann man sie auch einwandfrei anködern. Kombinationen aus einem halben und einem ganzen Boilie haben sich oft schon als Geheimwaffe entpuppt. Auch die Würfel aus den in Tüten gekochten Platten sind immer noch resistent genug gegen unerwünschte Fischarten, um am Haken eingesetzt zu werden.

Es empfiehlt sich jedoch auch hier, einen Doppelköder mit einem ganzen Boilie zusammen anzubieten. So hat man immer die Sicherheit, dass man neben der schnellen Lockwirkung auch noch einen Köder am Haken hat. Außerdem besteht die Möglichkeit, einen Pop-Up mit einem „Boiliewürfel“ auszubalancieren und Schneemänner zu fischen.

Kombiniert man die drei Futtersorten miteinander - nämlich ganze, halbierte oder gecrushte Boilies - sowie noch einige Pellets, so hat man eine über Stunden gleichmäßige Lockwirkung, die es jedem Karpfen schwer machen wird, am Futterplatz vorbeizuschwimmen. Durch die Pellets löst man direkt nach dem Einwurf eine Lockwolke aus, die von den „Crushies“ und den ganzen Boilies nach und nach „erweitert“ wird.

Diese Methode eignet sich allerdings nicht unbedingt im Fluss, da die Strömung und der Schiffsverkehr Pellets und gecrushte Boilies zu schnell lösen und fortspülen. Halbierte Boilies jedoch sind dagegen sehr gut geeignet, um im fließenden Wasser als Futter und Hookbait gute Resultate zu erzielen. Die meisten meiner Saarkarpfen fielen auf einen 1 ½ Boilies als Hakenköder herein und mehr als 300 Fische sprechen für mich eine ziemlich deutliche Sprache.

Viele Dicke im Netz und eine erfolgreiche Saison,

Otto Staab