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Tigernuts – Die Alternative

Von Christian Münz / Dezember 2006

Was hat es auf sich mit dem wahrscheinlich erfolgreichsten und selektivsten Partikelköder, der Tigernuss oder Erdmandel, wie sie in ihrem Heimatland genannt wird. Für mich die Alternative zum Boilie. Richtig präpariert und präsentiert, erfüllen sie nahezu alle Kriterien, die auch einen guten Boilie auszeichnen: Lockstofffreigabe, Selektivität und natürlich Resistenz. Doch dazu später mehr, denn vorerst stellt sich die Frage was sie ist und wo sie herkommt:

Es war eine einzelne Nuss...Tigernuss, was ist das eigentlich?
Die Tigernuss stammt ursprünglich aus Ägypten, wo sie bereits im Altertum als Arzneimittel Verwendung fand. Auch heute noch stellt sie für den humanen Gebrauch eine Nahrungsquelle dar. Durch den hohen Ballaststoffanteil und den süßlichen, guten Geschmack, sind sie zum Beispiel sehr gut für eine Diät geeignet, da sie beim Menschen relativ schnell sättigend wirken und trotzdem eine eher kurze Darmdurchlaufzeit besitzen (auch beim Karpfen, der sie ja gecrusht aber unverdaut wieder ausscheidet).

Darüber hinaus weisen sie wichtige Enzyme, Phytohormone, Biotin (Vitamin H) oder Rutin auf. So wundert es nicht, dass bereits 30g dieser Erdfrüchte ausreichen, um den menschlichen Körper mit allen wichtigen Inhaltsstoffen zu versorgen, die er pro Tag benötigt. Die Hauptanbaugebiete liegen heutzutage in Spanien. Die Tigernuss selbst bildet sich an den unterirdischen Teilen des Tigernussgrases. Von der Pflanzung im April vergehen sechs Monate, bis die Früchte schließlich im November geerntet werden.

Hiernach werden sie 3 Monate lang getrocknet und mit einem Pilzabtötenden Pulver behandelt. An einem trockenen und luftigen Ort, kann man sie mindestens zwei Jahre lang ohne Qualitätsverlust lagern. Man unterscheiden drei wichtige Arten: Die länglichen und damit größeren, die runden die generell etwas kleiner sind und dann wären da noch die schwarzen Tigernüsse. Sie besitzen die größten Früchte mit ca. 1,5 – 2 cm.

Und was bringt das dem Karpfen?
Unseren beschuppten Freunden kann dies alles relativ egal sein. Wegen ihres fehlenden Magens können sie Tigernüsse erst gar nicht verdauen und so wandern die Tigers, lediglich von den Schlundzähnen stark zerkleinert - ich glaube Karpfen lieben es diese kleinen, süßen Nüsse zu knacken - relativ schnell durch den Darm des Karpfens. Ich habe schon beobachtet, dass 4-5 Stunden nach Anlage des Futterplatzes, Karpfen, welche ich dort fangen konnte, größere Mengen zerkleinerter Tigernüsse ausschieden.

Dies kommt uns entgegen, da sich die verkürzte Darmpassage positiv auf das Fressverhalten auswirkt. Tigernuss machen Karpfen förmlich süchtig und nicht selten verfallen die Fische in einen wahren Fressrausch. Da ein Gewässer im Allgemeinen auch reichlich Naturnahrung enthält, fällt das „Nährstoffmanko“ der Nüsse für die Fische auch nicht weiter ins Gewicht. So konnte ich mittlerweile an verschiedenen Seen beobachten, wie sich die kleinen Nüsse zu wahren Karpfenmagneten entwickelten während sie an anderen Seen völlig vernachlässigt wurden. Eine wirklich sinnvolle und überzeugende Erklärung habe ich dafür jedoch noch nicht gefunden.

Mit etwas Kork in der MitteHerrscht aber einmal längere Zeit Flaute an eurem Gewässer, so ist es sicherlich lohnenswert, Tigernuts zu testen. 2004 konnte ich so an einem Gewässer, an dem man meist eher mäßigen Erfolg hatte, wahre Sternstunden erleben und fing alleine aus diesem dünn besetzten See über 30 Fische, darunter einige der Großen, in sehr kurzer Zeit und alle auf die guten Tigers. Als Futter verwendete ich durchgehend eine 3:1 Tigernut-Boilie Mischung.

Die richtige Zubereitung
Um die Tigernüsse auch wirklich attraktiv für den Karpfen zu machen, weiche ich sie erst einmal 24 Stunden lang in kaltem Wasser ein. Hierbei füge ich dem ganzen noch 300 Gramm Zucker pro Kilogramm Tigernüsse hinzu. Nachdem die Nüsse „vorgequollen“ (viel Wasser saugen sie nicht auf) sind, koche ich sie in dem gleichen Sud 30-40 Minuten lang, wobei ich dies von der Größe der Nüsse abhängig mache. Eine ausreichende Kochzeit ist wichtig, damit nachher die Aromastoffe und vor allem die Stärke aus den Tigernüssen austreten können. Dabei müssen sie immer vollkommen mit Wasser bedeckt sein.

Zum Schluss lassen wir sie in dem Wasser abkühlen und noch mindestens zwei Tage stehen. Die Tigernüsse sind genau dann ideal, wenn der Schleim, welcher sich aus dem Zuckerwasser und der beim kochen aus den Tigernüssen austretenden Stärke bildet, so zäh ist, dass sie in der Hand kleben bleiben. Ab diesem Zeitpunkt werden sie durch die Gärung für den Karpfen nur noch attraktiver, also keine Angst, wenn das ganze etwas säuerlich riecht. Am Cassien lagerten sie zuletzt drei Wochen lang in schwarzen Packsäcken in der Gluthitze. Kein Problem wenn man bei Zeiten das Wasser wechselt – Gefangen haben sie trotzdem verteufelt gut.

Will man dem ganzen noch die Krone aufsetzen, fügt man ihnen nach dem abkühlen noch ein Flavour hinzu oder übersprüht sie mit einem Baitspray wie z.B. CreamBanana oder Maple von DD Bait, um dem Schleim noch mehr Geschmack zu geben. Man kann sie jetzt gleich verwenden, oder auch sehr gut einfrieren. Da ich damals keine Gefriermöglichkeiten hatte, musste ich mir was einfallen lassen. Als ebenfalls sehr geeignet erwies es sich, die Tigernüsse einzumachen. Dazu ließ ich sie einfach in den Einmachgläsern 30-40 Minuten lang kochen. Nachdem man sie langsam hat abkühlen lassen, kann man sie problemlos 2 Monate lang lagern, wobei man sie dann rechtzeitig zum Angeltrip aufmachen muss, damit sie noch den charakteristischen zähen Schleim ausbilden können.

Präsentationsmöglichkeiten
Oft gilt, je höher der Angeldruck, desto unauffälliger muss gefischt werden. Ist der Angeldruck jedoch eher gering, kann sich eine auffällige Köderpräsentation auch positiv auf die Bissausbeute auswirken. Es ist wohl damit zu erklären, dass die natürliche Neugier die Scheu vor einem möglichen schlechten Erlebnis mit einem Haken überwiegt, da die schlechte Erfahrung noch nicht so oft gemacht wurde. Eine künstliche, schwimmende Tigernuss kann da schon einmal Wunder wirken, wenn sie die zwei anderen Tigernüsse verführerisch über dem Grund schweben lässt. Schaumstoff oder ein 16er Pop-Up wirken auch sehr gut.

Gerade an den besonders schlammigen Gewässern haben sich leicht auftreibende oder auch austarierte Köder bewährt. Diese versinken nicht so schnell im Schlamm und werden so besser wahrgenommen. Eine von uns häufig diskutierte Frage beschäftigt sich mit dem Hakengewicht und dessen Auswirkungen auf die Fängigkeit eines Köders. Das zusätzliche Gewicht des Hakens wird durch den austarierten Köder neutralisiert, an Seen wo die Fische vorsichtig beißen, eine durchaus lohnenswerte Präsentationsmöglichkeit.

Tiger-SchuppiEine an stark befischten Seen ebenfalls Erfolg versprechende Taktik besteht darin, nur eine einzelne Tigernuss als Köder zu verwenden. Schließlich liegen die Futternüsse ja auch einzeln am Grund. Den Futterplatz bereite ich, wie schon erwähnt, relativ großflächig mit einer Tigernut-Boilie Mischung vor, wobei ich dem ganzen manchmal noch Chilli-Hanf, Mais oder Pellets untermische. Hierbei verwende ich auch großzügig den Schleim, welcher sich während des Herstellungsprozesses gebildet hat.

Er sinkt auf den Boden des Sees und gibt kontinuierlich Lockstoffe frei, welche sich zuvor aus den Tigernüssen rausgelöst haben. Eine bessere Lockstoffabgabe kann man wohl auch mit Boilies kaum erreichen. Die große Zahl der kleinen Nüsse ähnelt der Naturnahrung und kann bei Karpfen einen wahren Fressrausch auslösen. Ähnlich vielleicht wie Erdnüsse oder Flips bei uns. Einen Haken kann man dann natürlich schon mal leicht übersehen, zumal wohl kein Boilie an die Natürlichkeit einer Tigernuss herankommen wird und schon gar nicht an deren Crunch-Effekt... Mit der Zeit bildete ich mir sogar ein, weniger Fische zu verlieren und irgendwie glaube ich auch, dass die Fische wegen der kleinen Köder und fehlender Skepsis im Durchschnitt noch besser gehakt waren.

Vor- und Nachteile
Ein Nachteil der Tigernuss ist vielleicht der Aufwand beim Füttern. Auf kurze Distanz ist die Wurfkelle noch völlig ausreichend, aber auf weite Distanz kommt man um eine Spod Rod oder ein Boot nicht rum. Zwei maßgebliche Vorteile der Tigernuts sind natürlich deren Weißfisch- und Krebsresistenz. Man kann seine ausgelegten Köder also auch mal getrost eine zweite Nacht auf dem eigentlich so fängigen Plateau in 300m Entfernung liegen lassen, wobei Ruhe am Futterplatz nicht nur an so stark befischten Seen wie dem Cassien noch den ersehnten Fisch bringen kann. Dort zumindest klauen einem die Krebse höchstens mal den Stopper, die Nuss selbst bekommen sie nicht!

Als zusätzlicher, positiver Nebeneffekt bleibt natürlich noch zu erwähnen, dass der Preis der Tigernüsse deutlich unter dem von halbwegs guten Boilies liegt. So braucht man sich auch keinerlei Gedanken machen, wenn man mal bei einer guten Session ein paar Kilo mehr verfüttert. Witziger Weise kommen die Nüsse sogar wieder zu einem zurück, in zerkleinerter Form sozusagen. Teilweise habe ich am Morgen nach einer erfolgreichen Nacht aus einem Karpfensack allein gut ein Pfund dieser Nussreste holen können, was wohl eine deutliche Sprache spricht.

Interessant ist, das manche Fische scheinbar eine wahre Vorliebe für die kleinen Nüsschen entwickeln und sich besonders oft auf diese fangen lassen – ob sie auf Boilies auch gebissen hätten? Dies kann natürlich auch Zufall sein, aber hat nicht auch jede Katze ihr ganz bestimmtes Lieblingsfutter? Wer weiß ob nicht manch ein Geisterfisch auf der Matte landet, wenn man öfter gegen die Konventionen angelt und die Tigers – statt sie nur als Beifutter zu Boilies zu verwenden – auch auf das Haar fädelt?

Und dennoch, den Ködern wird berechtigter Weise viel Bedeutung beigemessen, allerdings sollte man dabei nicht die Platzwahl vernachlässigen. Ein guter Platz kann den schlechtesten Köder im besten Licht erstrahlen lassen, anders herum erweist es sich aber schon als bedeutend schwieriger.
Ran an die Nüsse…

Christian Münz

 

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