LK-Baits

Futter bei die Fische

Von Phillip Braun / Mai 2007

Der folgende Artikel gibt eine kleine Einsicht in die Gedanken, die ich mir mit meinen Freunden zum Thema Futter gemacht habe, während wir die letzten Monate gemeinsam an den Ufern verschiedener Kiesgruben und Naturseen in der Umgebung meines Heimatortes verbracht haben. Ich hätte meine Gedanken zu diesem Thema gern etwas systematischer präsentiert, aber wenn es ums Füttern unserer Lieblinge geht, gibt es so verdammt viel zu beachten, dass es unerlässlich erscheint, verschiedene Gedankengänge aufeinander zu beziehen und zu durchmischen.

Boilies & PelletsIm Gegensatz zu vielen Anglern, mit denen ich gefischt habe, macht es für mich einen deutlichen Unterschied, ob ich das Vertrauen der Fische in einen bestimmten Köder oder in einen bestimmten Angelplatz steigern möchte. Viele Angler füttern ihren Platz während der Zeit, in der sie angeln, und glauben so, die Fische am Platz halten zu können. Ich verbringe meine Zeit meist an stark befischten, eher kleinen Gewässern und meine Erfahrung ist, dass sich Fische nur schwer wirklich am Platz halten lassen. Zumeist ziehen die Fische umher und legen in gefütterten Bereichen einen kleinen Zwischenstopp ein, fressen ein wenig Futter und ziehen weiter. Unter diesen Umständen verringert man seine Chancen auf einen Biss durch zu starkes Anfüttern ungemein.

Die Fische werden auch kein richtiges Vertrauen in diese Gebiete entwickeln, da ja dort geangelt wird und hin und wieder ein Fisch gefangen wird. Wenn man also wirkliches Vertrauen der Karpfen in einen Angelbereich erwecken will, ist es oft unerlässlich, diesen Bereich zu füttern, lange bevor man mit dem Angeln beginnt. An Gewässern mit niedrigem Angeldruck ist es völlig ausreichend, zwei bis drei Tage zu füttern, an Gewässern mit hohem Angeldruck halte ich es für durchaus angemessen, zwei bis drei Wochen vorzufüttern, ohne dass die Stelle dabei beangelt wird. Sie bemerken die Problematik, gerade wo viel geangelt wird, wird es schwer sein, eine Stelle wochenlang zu füttern, ohne dass diese Stelle von anderen Anglern besetzt ist. Bevor ich auf Lösungsvorschläge für dieses Problem eingehe, möchte ich noch ein anderes Beispiel ausführen.

Ich war zu Beginn dieses Jahres der erste Angler, der jemals Nash´s Monster Pursuit, an einen stark beangelten See brachte. Glücklicherweise konnte ich eine Stelle füttern, für die sich keiner der ansässigen Karpfenangler zu interessieren schien. Nach nur drei Tagen des Vorfütterns hatte ich so viele Fische auf dem Platz, dass ich kaum dazu kam, beide Ruten abzulegen, da sie selten länger als drei, vier Minuten im Wasser waren bevor sie abliefen. In ein paar Nächten fing ich so viele Fische wie andere Angler, die an diesem See ansitzen, das ganze Jahr über nicht fangen. Die Futtertaktik war einfach: zwei Kilo Boilies pro Abend auf ca. 10 Quadratmeter gefüttert, das ganze drei Tage lang und immer um die gleiche Uhrzeit. Man bemerkt definitiv, dass sich die Fische schon nach so kurzer Zeit des Vorfütterns um die gewohnte Zeit am Platz einfinden. Zurück zum obigen Problem:

Die einzige Möglichkeit, eine Vertrauen erweckende Köderpräsentation zu erreichen, wenn am ganzen See gefischt wird ist ein Ausweichen von der Idee, das Vertrauen der Fische in eine Stelle zu erwecken, auf die Idee, das Vertrauen der Fische in einen Köder zu erwecken. Selbst wenn die Fische an jeder Stelle des Sees schlechte Erfahrungen mit den Gefahren der Montagen anderer Angler machen, so sollte es doch möglich sein, dass sie lange Zeit keine schlechten Erfahrungen mit einem bestimmten Köder machen, dem Köder nämlich, den ich füttere, ohne dass ich damit angele. Es ist immer eine Frage des Durchhaltevermögens, wie lange man ein Bait ins Wasser einbringen kann, ohne dabei zu viel Zeit oder zu viel Geld zu investieren. Was zusätzlich die Nerven strapaziert, ist dass andere Angler auf dem ausgebrachten Futter angeln und sicherlich dadurch oft nicht schlechter fangen.

Ein 24pfündiger SpieglerEs gibt aber oft Bereiche, die nicht beangelt werden wie zum Beispiel Schongebiete oder Stellen ganz nah am Ufer, dort kann man die Fische über längere Zeit füttern. Was ich versuche zu erreichen ist ein Vertrauen der Fische in meine Angelstelle oder meinen Köder und dabei gibt es nur einen Schlüssel zum Erfolg, nämlich Zeit. Auch während des Angelns beherzige ich dieses Prinzip. Meine Freunde fragen mich oft, ob ich verrückt bin, wenn ich während der hektischen Beißphasen an einem See großflächig nachfüttere und die Ruten für 24 Stunden aus dem Wasser nehme. Das hat für mich zunächst zwei wichtige psychologische Aspekte: Zum Einen hasse ich Stress, mein Alltag ist so verdammt stressig, dass ich beim Karpfenangeln nicht jede halbe Stunde einen Lauf brauche, um mich nicht zu langweilen. Zum Anderen erlebe ich, dass viele Angler mit der Zeit sehr nachlässig werden, wenn es gut läuft, die Haken nicht mehr wechseln, halbherzig drillen, Fische verlieren.

Das alles entspricht so ziemlich einer Einstellung zum Karpfenangeln, die mich langweilt. Ich will auch nicht möglichst viele Fische in möglichst kurzer Zeit fangen, sondern möglichst große Fische, immer so groß wie in dem beangelten Gewässer eben möglich. Daher kommen die Ruten während des Angelns nach zwei, drei Tagen öfter mal für einen Tag raus aus dem Wasser und ich gebe den Fischen Zeit, wieder Vertrauen in Köder und Stelle zu schöpfen. Ich glaube nicht, dass man Vertrauen der Karpfen in eine Stelle gut aufrechterhalten kann, während man dort angelt.

Die eigentliche Location spielt bei der Wahl der Futtermenge eine wichtige Rolle. Grundsätzlich gehe ich so vor, dass je attraktiver die Stelle von Natur aus schon ist, desto weniger gefüttert wird. Stellen wir uns einen kleinen Spot mit hohem natürlichen Nahrungsangebot vor, wie einen versunkenen Ast, ein Miniplateau mit Bewuchs oder Ähnliches. Hier bloß nicht abkippen. Ich bin mir sicher, dass man kleinen Spots, die von den Fischen präzise angeschwommen werden, mit starken Futteraktionen die Attraktivität nimmt. Für wirkliche Futterkampagnen eignen sich eher große Sand- oder Kiesbänke. An Gewässern, an denen man nicht lange vorfüttern kann, würde ich an solchen Stellen zu Beginn der Session auch ruhig etwas mehr Futter ins Wasser bringen. Ansonsten lege ich die Ruten gerne an kleinen Hotspots, von denen ich glaube, dass sie gezielt zum Fressen aufgesucht werden mit ein paar Händen Futter um den Hakenköder ab. Eine weitere Standardoption ist, die Rute auf einer Zugroute der Fische, oft hinter Plateaus und Kanten, abzulegen und etwas großflächiger 50 Baits hinterherzusticken.

Allgemein würde ich beim Füttern darauf achten, was die Anderen tun, lang angelegte Futteraktionen können gute Erfolge bringen, wo alle Welt punktuell abkippt, punktgenaues Füttern kann gute Erfolge bringen, wo andere Angler lange vorfüttern. Im Zweifelsfall starte ich mit 50 Boilies pro Rute, breitflächig gestickt und bleibe hinter den Ruten sitzen, auch mal zwei, drei Tage ohne Boiliewechsel einfach liegenlassen. Wenn der Platz dann anläuft kann man ihn immer noch vorsichtig mit Futter aufbauen. Wenig falsch machen kann man stets mit Pellets, da diese sich auflösen, wenn sie nicht gefressen werden und die Stelle nicht überfüttert werden kann. Ich bestelle meine Pellets direkt aus England in verschiedenen Größen.

Da läuft dem Karpfen das Wasser im Mund zusammen..Heilbuttpellets in verschiedenen Durchmessern etwa eignen sich hervorragend, um den Platz lange attraktiv für die Fische zu halten und die Karpfen finden trotz der großen Anziehungskraft des Geruches wenig Fressbares am Gewässergrund vor. Hanf ist ebenfalls gut geeignet, um einen starken Geruch zu verbreiten und die Fische lange am Platz zu halten, da er so klein ist und die Fische lang beschäftigt. Was die Boilies angeht, so bin ich nicht ganz so panisch gegenüber Fertigprodukten eingestellt wie viele meiner Kumpels. Ein gutes Readymade hat heute an den meisten stark beangelten Gewässern eine Lebensspanne von vielleicht drei bis vier Tagen am Stück. Dass die Fangerfolge nach dieser Zeit stark nachlassen, hat aber meiner Meinung nach oft weniger mit der Qualität des Baits zu tun als mit der Überstrapazierung des Angelplatzes. Nehmen Sie sich die Zeit, füttern Sie ihre Stelle nach und angeln Sie am nächsten Tag weiter.

Wenn ein Readymade für die Fische eine schlechte Verdaulichkeit hat, sehe ich ein, dass sich das negativ bemerkbar macht. Wenn ein Readymade aber einfach nur einen geringeren Nährwert hat als ein Selbstgerollter, unterstelle ich, dass sich die meisten Angler längst wieder auf dem Heimweg oder zu Hause befinden, bevor sie eine Beeinträchtigung der Fangerfolge bemerken könnten. Gute Shelf Life Readys wie Dynamite´s the Source, Nutrabaits´ Trigga oder Phoenix´ Dragonblood ( Neuer Vertrieb über Dragonbaits ) lassen sich nach meiner Erfahrung ohne Bedenken ein paar Tage während des Angelns füttern. Die Frage, die man sich stellen muss ist wohl: Wie lange kann man so ein Instant Bait füttern? Im Umkehrschluss bedeutet dies: Wie instant kann ein guter Futterboilie sein? Wenn ich mir über die Eigenschaften meiner Boilies den Kopf zerbreche, dann neben dem Mix insbesondere über Konservierer und Flavour. Letztere beiden Komponenten sind für mich der Hauptgrund, bei einer längeren Kampagne zuerst selbst zu rollen. Ich friere meine Baits oft gar nicht erst ein, sondern konserviere sie leicht, so dass sie sich ein paar Wochen halten.

Außerdem flavoure ich sie sehr mild, beispielsweise mit einem Liquidöl statt herkömmlichem Flavour. Gerade Fischmixe haben einen so starken Eigengeruch, dass Flavourn gar nicht mehr nötig ist und der Boilie schmeckt so nicht so scharf oder gar nach Alkohol. Das Problem ist wohl gar nicht so sehr die grundsätzliche Frage, ob Readymade oder Selbstgerollter, sondern die marktwirtschaftliche Herangehensweise vieler Baitfirmen an die Sache. Die meisten Anbieter drängen mit Produkten auf den Markt, mit denen man „straight out the package“, direkt aus der Verpackung aufs Haar also, erfolgreich ist. Wenn man wirklich füttern will, leider meist nicht allzu lange.

In diesem Sinne, Philipp Braun

 

30er Schuppi
Die Reste...
Lecker!