Futtermittelerkenntnisse
Wenn ich allein einen ausführlichen Bericht über Futtermittelerkenntnisse und Köderherstellung mit Zahlen, Daten und Angaben schreiben würde, wären die meisten Leser jetzt schon etwas gelangweilt, weil der trockene Informationsfluss zu theoretisch und wissenschaftlich ist. Ein Artikel über dieses „ewige“ Thema sollte möglichst interessant, wechselhaft und informativ gehalten werden, um auch langfristig in das Bewusstsein der Leser zu gelangen.
Schlechte oder minderwertige Boilies bzw. Köder werden auch Karpfen fangen, aber nur so lange, wie ein anderes besseres Nahrungsangebot (beispielsweise gute Boilies), dass Interesse der Karpfen auf sich zieht! Viele Karpfenfreunde fangen deshalb gut, weil die Location, das effektive Anfüttern und die Präsentation der Köder einfach stimmen. Zurzeit wird vermehrt in der Karpfenszene auf ein Futterboot zurückgegriffen, was diese Umsetzung ernorm erleichtert. Aber sind die Boilies bzw. Köder auch die Besseren? Entscheidet später ein Duell mit gleichen Waffen, aber unterschiedlicher Munition bzw. Boilies was das bessere Futter ist? Wahrscheinlich! Jedenfalls nach der Nahrungsaufnahme landet der Boilie im Darm des Karpfens, der durch seinen Instinkt und Lernfähigkeit dieses Futter mit dem Nährwert und seiner anschließenden Verdaulichkeit honoriert oder meidet!
Selbstgemachte hochwertige Boilies (eventuell sogar mit Lebensmittelqualität) sind oft den besten und teuersten Fertigboilies überlegen. Deswegen ist es wichtig, sich mit der erwähnten Thematik auch auseinander zu setzen. Bevor wir zu den folgenden Zeilen kommen, möchte ich noch etwas anmerken. Alle Angaben, Beschreibungen und Behauptungen stützen sich auf meine persönlichen Erfahrungen bzw. Meinungen und sind bestimmt nicht vollständig oder das „Non plus Ultra“ in der Karpfenszene! Die Neunmalklugen und Besserwisser mögen mir das verzeihen!
1. Qualitätsscheck und Faustregeln
Woran erkennt man, ob man qualitativ hochwertige Boiliemixe oder Futterzutaten gekauft hat?
Ein frischer guter Boiliemix hat eine lockere Viskosität zwischen den Fingern und einen intensiven frischen Eigengeruch, der durch gute Zutaten noch verstärkt wird! Bei alten Mixen sind alle Zutaten komprimiert, verklebt und der frische Eigengeruch ist schwach oder kaum vorhanden!
Woran erkennt man einen minderwertigen Boiliemix?
Eine Handvoll Boiliemix wird in der Faust gepresst und auf Festigkeit und Klebeeigenschaften getestet! Rieselt der Boiliemix locker pulverisiert durch die Finger, sind lockere und wertvolle Futterzutaten, wie Kasein, Lactalbumin usw. enthalten, die nur wenige Trockenklebeeigenschaften haben. Vogelfutter, Sämereien, Grieß und einige andere Zutaten sind da allerdings ausgenommen, obwohl diese Konsistenz auch sehr wichtig ist. Klebt der Boiliemix gut zusammen, ist wahrscheinlich zuviel Sojamehl-Vollfett (was gut, aber sehr billig ist), eventuell auch Weizengluten (was schwer verdaulich ist, aber gerne genommen wird, um grobe Strukturen einzubinden zu können) oder noch feuchte klebrige Futterzutaten vorhanden. Die muss abhängig vom Boiliemix gewertet werden. Robin Red, Melasse u. a. sind gute Zutaten und kleben im Boiliemix etwas, leider aber alte überlagerte Fischmehle oder Futtermehle auch! Also prüfen und differenziert betrachten!
Wie stelle ich die Frische der Qualität oder das Alter der Futtermittelware fest?
Bei den Verpackungstüten ist das Herstellungs- bzw. Frischedatum nicht immer zu erkennen, aber bei den Kunststoffdosen und Eimerverpackungen dafür umso besser! In der heutigen Verkaufsproduktion ist die Verpackungsindustrie- bzw. Produktion stark mit angegliedert. Auf jedem Eimerboden und Verschlussdeckel ist ein kleiner eingeschweißter Herstellungs-Datumsstempel vorhanden, der das Produktionsjahr und den Monat (Kreis mit Pfeilrichtung 1-12 und Jahreszahl in der Mitte) dieses Verpackungsproduktes anzeigt. Bei allen Wareneimern kann man auf das jüngste Verpackungsdatum zurückrechnen (plus X) und mit größter Wahrscheinlichkeit die Frische dieser Ware ermitteln. Es wäre natürlich möglich, dass die Verpackungseimer und Deckel schon länger auf Vorrat gelagert und später verarbeitet worden sind, was dann aber einheitlich vorkommt. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel! Wenn ich einen Futtermitteleimer mit 1,5 Kilogramm Lachsmehl zugeschickt bekomme, der die Verpackungsdaten von 2003/2004 (Eimerboden und Deckelangaben) beinhaltet, der fettige fleckige flüssige Rückstände im transparenten Eimerbodenabdruck aufweist, der einen aufgescheuerten bzw. mehrfach aufgekratzten Eimerboden hat und wo die Frische des Lachsmehlgeruches gänzlich ausbleibt, dann habe ich definitiv alte ausgeschlagene und überlagerte Fischfuttermittelware erhalten! Dasselbe gilt in den Verpackungstüten!
Wann sind Fischfuttermittel überlagert und woran merkt man dieses?
Überlagerte Futtermittel zersetzen ihre Proteine, Vitamine, Mineralstoffe usw. verlieren an Farbe und Geruch, haben einen schlechten Nährwert, vermindern die Futteraufnahme und verursachen dadurch ebenfalls das schlechte Abwachsen der Fische! Futterzutaten und gerade Fischmehle sollten vor der Boilieherstellung kurzfristig frisch bestellt und anschließend innerhalb von sechs Monaten zügig verarbeitet werden. Vorausgesetzt die „frische“ Futtermittelware ist nicht bei den Zulieferfirmen schon überlagert worden! Tierische Fette bzw. Fischmehle enthalten ungesättigte Fettsäuren, werden schnell ranzig, tranig, bitter und schlagen (wie oben schon beschrieben) feucht aus! Wenn Futtermittelverpackungstüten (egal ob tierische oder pflanzliche Mehle oder Additive) sich aufblähen und stramm werden (Vorsicht! Zur Vertuschung kann mit Nadelstichen abgeholfen werden, um die Tüten flach zu halten!) ist dies ein Zeichen der Oxidation bzw. des Fäulnisprozesses. Die Ware ist dann wahrscheinlich schon alt. Eventuell ist diese Ware noch verwertbar, aber dieses Preisschnäppchen hat viel an Qualität, Frische und Reiz verloren, die wir beim erfolgreichen Fischen aber dringend benötigen. Wir haben eine hochwertige Angelausrüstung von einigen tausend Euro, aber vielleicht auch minderwertige und schlechte Baits. Das ist am falschen Ende gespart.
2. Boilie- und Ködervariationen mit breitem Spektrum
Berichte über die Boilieproduktion gibt mehr als genug, deshalb geht es hier nur um spezielle Boiliesorten, deren Zusammensetzungen und die Erfahrungen dadurch. Ich stelle unterschiedliche Sorten von Boilies her, unter anderem auch Kombinationsboilies, wo zwei oder drei verschiedene Teigsorten von Geschmack und Farbe getrennt oder zusammen kombiniert in einem Boilie vorhanden sind. Ich bilde in einem Boilie verschiedene Symbiosen (Nutzgemeinschaften/Ergänzungen) in Flüssigkeiten und Trockenfuttermehlen, die ein breites Spektrum in Geschmack, Nährwert und Verdauung ermöglichen. Meine ersten Kombiboilies waren:
- Milch/Erdbeer (süß/rot) und Nussboilies (süß/braun). Mit viel Milchprodukten, sowie Erdbeer- und Karamell-Additiven, verschiedenen Nussmehlen und Negersamen.
- Birdfood-Spice-Boilies (süß/gelb) und (würzig/rot). Sie enthalten süße Additive mit Milchprodukten gegenüber Robin Red mit Paprika.
- Fishmehl und Spiceboilies (rot/orange). Mit Fischmehlen und Gewürzen kombiniert.
- Birdfood-Spice-Fisch-Boilies. Drei verschiedene Teigsorten (gelb, orange und braun) wurden hier verarbeitet. Ihnen habe ich auch meine ersten Massenfänge und viele große Karpfen zu verdanken.„Selektive“ Fisch-Fleisch-Knoblauch-Boilie (süß-würzig-scharf, rot/braun). Der Boilie hat sehr penetrant gerochen, war gehaltreich fleischig, mit viel Vogelfutter und Getreide versetzt. Mit diesem Kombi-Boilie habe ich Rekordfische und überdurchschnittlich nur große Karpfen gefangen. Kein anderer Boilie dominierte so am Gewässer, wie dieser Bait!
- Mystery-Big-Fish-Kombiboilie (außen braun/innen gelb). Außen aus Fish-Meat-Seed- (herzhaft, würzig & verdaulich) und innen als Füllung mit Scopex-Cream-Boiliemix (süß & cremig) verarbeitet. Die Bestandteile waren Fischmehl, Fleischmehl, Blutmehl, Gewürze, Sämereien, Vogelfutter, Milchprodukte und einiges mehr. Daraus entstand „The hearty soft touch with unite balance Boiliebait“, was zu Deutsch heißt: „Die herzhafte sanfte Berührung mit einem ausgeglichenen Boilie!“ (bezogen auf die Futtermittel im Boilie). Mit dieser äußerst aufwendigen Boiliessorte habe ich auch einige große Karpfen gefangen.
Dann habe ich völliges Neuland betreten, weil ich nicht laufend auf alte fängige Boiliesorten als Klassiker zurückgreifen wollte. Ich wollte wissen, ob ein überfrachteter Fisch-Squid (würzig-salzig-scharf) & Krabben-Krill-Boilie (süß) mit Ballaststoffen und geschmacklichen Gegensätzen gut ankommt und neue Maßstäbe setzt. Leider war dieser aufwendige Kombiboilie für stehende Gewässer und in etwas wärmeren Jahreszeiten ein regelrechter Misserfolg, was ich trotzdem noch weiter austesten werde! Es gibt nachweislich gute und fängige Boilies, die nicht an jedem Gewässer auch Karpfen fangen! Warum ist das so? Viele Gründe können dafür in Betracht kommen und ich will dieses gar nicht weiter vertiefen. Erfahrungen und Erkenntnisse sind die Bausteine der stetigen Weiterentwicklung eines Anglers!
Weitere Kombi-Boiliesorten bestehen aus Fisch-, Fleisch- und Pflanzenmehlen, Milchprodukten, Vogelfutter, Getreide, Additiven, Konzentraten, Robin Red, Paprika, Gewürzen, Aminosäure-Produkten, Süßstoffen, Flavours, Black Pepper Oil, Liquids, Konservierer usw. Wobei ich jetzt in diesem Bericht auf das breite Spektrum bzw. als Symbiosen als Futtermittel in einem Boilie bzw. Köder zu sprechen komme. Vor einigen Jahren überlegte ich, ob ich einen Alkohohl- oder Öl-Flavour für meinen Boiliemix benutze. Der eine Geruch bleibt unten und der andere steigt nach oben. Beide Flavoursorten miteinander vermischt, ergibt den ultimativen Duftstoff (Diffusion), der nach oben und sich gleichzeitig unten am Gewässerboden beständig verbreitet! Dies habe ich Anfang der 90er Jahre schon mit Fertigboilies (Top Secret Grieß/Vanille) erfolgreich angewendet.
Diese habe ich mit verschiedene Flavoursorten benetzt und eingelegt (Dip)! Wenn dieses Zusammenspiel als breites Spektrum funktioniert (und es hat funktioniert), warum nicht mit anderen Boiliezutaten? Dann habe ich überlegt: Warum ist im Boilie immer nur ein Geschmack oder immer eine direkte Vermischung verschiedener Zutaten vorhanden? Wir Menschen essen auch unser Essen nicht zusammengemischt, sondern dekorativ und aufwändig getrennt. Wir führen diese Einzelzutaten genussvoll im Mund zusammen und es schmeckt. Pralinen haben unter anderen separat weiße- und schwarze Schokolade, Mandelsplitter, Nugat- oder Marzipanfüllung und unser Essen auf dem Tisch bzw. Teller ist auch getrennt voneinander. Jetzt denken einige von Euch bestimmt, was erzählt der für einen Blödsinn! Karpfen sind dumme Wasserschweine und fressen einfach alles!
Das ist wie Perlen vor die Säue schmeißen! Im gewissen Sinn habt Ihr Recht, aber gerade wir Karpfenangler setzten Himmel und Hölle in Bewegung, um unseren Rekordkarpfen zu fangen und würden fast alles dafür tun, oder nicht? Fakt ist: Bei dem Nahrungsangebot (natürliche Nahrung oder unser Fischfutter) und oft an überfischten Angelgewässern wird es immer schwieriger, die Karpfen anzusprechen und zum Fressen zu verleiten! Die schnellen Veränderungen am Wasser lassen nur die Karpfenangler profitieren, die sich den Gegebenheiten anpassen und neue Wege bzw. Erkenntnisse suchen! Gerade die Geschichte der Fischköder ist unendlich. Der kontinuierliche Fangerfolg bestätigt dann die Veränderung und die richtige Fangstrategie!
3. Kombi-Boilies und Köderherstellung im Allgemeinen
Meine Boilies sollten hochwertig, geschmackvoll und gut verdaulich sein. Gleichzeitig aber auch verschiedene Geschmacksunterschiede beinhalten, um besser die Karpfen anzusprechen bzw. Fressstimulationen erzeugen zu können. Es gibt bei den Kombinationen keine Grenzen und man kann durchaus zweigleisig (oder mehr) fahren, um die richtige ansprechende geschmackliche Note des Karpfens anzutreffen. Eine real höhere Fangchance ist dabei das Ziel. In den folgenden Zeilen werde ich das Rad nicht neu erfinden und gehe direkt in die Grundkenntnisse der Boilieproduktion, was Neueinsteiger nicht abschrecken soll.
Ich stelle meine Boiliemixe immer in je ein Kilogramm-Tüten zusammen und arbeite genau mit den flüssigen Zutaten von ca. 75-100 ml (abhängig vom Konservierer) plus 9-10 Eiern. Falls bei dem Boilieteig etwas aus dem Ruder läuft, kann ich gegensteuern und die nächsten 100 Kilogramm genauer verarbeiten, als wenn man den Trockenmix einfach passend der Flüssigkeit zugibt, bis die richtige Konsistenz vorhanden ist! Habe ich zuviel Flüssigkeit im Boiliemix, erhöhe ich mit 1-2 Messlöffel Sojamehl oder Grieß oder ich entnehme 1-2 Eigelb, was den Boilie durch das vermehrte Eiweiß noch härter macht, aber weniger geschmeidiger.
Ist zu wenig Flüssigkeit vorhanden, gebe ich 1-2 Esslöffel Pflanzenöl (geschmeidiger zu verarbeiten), ein Ei (Eiweiß) oder entsprechend mehr flüssigen Geschmacksverstärker hinzu. Die Eiergrößen können sehr unterschiedlich ausfallen. Dadurch kann es Schwankungen geben. Ich gebe die gesamte Flüssigkeit zum Trockenmix, was ich aber an einer Messskala immer überprüfe.
Die ca. 75-100 ml bestehen zum Beispiel aus: 40-60 ml Konservierer, 15 ml Amino-Dope oder Gluco-Color, 15 ml naturreines Leber-Konzentrat oder reines kaltgepresstes Hanföl, 3-4 ml Öl-Flavour, 4-5 ml Alkohol-Flavour, 1 ml Black Pepper Oil und 1-2 ml NHDC. Bei Kombinationen von Spice-Birdfood-Boilie mit Milchmehlen und pflanzlichen Futtermehlen nehme ich gerne Robin Red oder Paprika (edelsüß) jeweils oder zusammengemischt (bis 15 %) im Mix gegenüber Vanille/Scopex/Cream-Additiven (bis 10 %) mit Gewürzgeheimtipp Garam- Masalla-, Honigkuchen- und Brotgewürz (1 bis 2 %). Bei der Verwendung von Vogelfutter verwende ich Kanarienfutter (ohne Rübsamen), Negersamen und gelegentlich Quicko-Aufzuchtsfutter (Eifutter).
Bei Sämereien und Getreide nehme ich Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Speisehirse, gelegentlich Leinsamen, Mohn oder auch Kümmel. Habe ich einen Birdfoodmix nehme ich ca. 30-40 % Vogelfutter (Kanarienfutter), wovon ich 30 % fein und 35 % grob mahle (mit der Kaffeemühle) und den Rest von mindestens 35 % so belasse. Bei allen anderen Boiliemixen nehme ich zu gleichen Teilen ca. 10 % Vogelfutter (Kanarienfutter) und 10 % Getreide (Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Speisehirse), wobei ich beim Vogelfutter die Hälfte und beim Getreide den größten Teil (50 –75 %) grob mahle. Negersamen, Leinsamen, Mohn und Kümmel bleiben unzerkleinert und werden ergänzend den Boiliemixen beigefügt.
Kommen weitere grobe Strukturen wie getrocknete Larven, Conchas, Nymphen, Wasserflöhe, Gammarus, Shrimps o. a. in denselben Boiliemix, wird gegen gerechnet oder bewusst erhöht. Bei herzhaften Fisch- und/oder Fleischboilies werden viele Ballaststoffe mit mindestens 10 bis 15 % durch Vogelfutter und Sämereien (je 50 % ganz belassen und grob gemahlen), sowie Schwarzmehle (Roggen, Weizen u. a.) mit mindestens 5 bis 10 % eingesetzt, um zusätzlich eine bessere Verdauung und Verträglichkeit zu garantieren. Grobe Strukturen im Boilie oder Köder sind ebenfalls gut für die Diffusion und den Auflösungsprozess, was positiv zu bewerten ist.
Auch bei den herzhaften Boilies nehme ich gerne Robin Red und/oder Paprika zu 10 %, sowie Blut-, Milch- und pflanzliche Futtermehle, wobei die Verträglichkeit dieser Futterzutaten untereinander und die lange Haltbarkeit der Boilies besonders beachtet werden muss. Die Basis (Empfehlung von 25 %) eines jeden Boiliemixes ist fast immer Sojamehl-Vollfett, was gut für Aufbau, Wachstum und Verdauung durch die vielen ungesättigten Fettsäuren ist.
4. Kombi-Boilies und Köderherstellung als Nutzgemeinschaft mit breitem Spektrum
Ich vermische verschiedene Futtermittel (flüssig und trocken) zur Boilie- oder Köderherstellung:
- Alkohohl- und Öl-Flavour flüssig mit essentiellen Ölen sind dabei mein individuelles Köder-Signal.
- Flüssigen und pulverisierten Süßstoff (Top Kontakt), was Kontaktsüchtig macht.
- Flüssige und mehlige Additive, um Geschmacks-Stimulationen und Fressreize zu erzeugen.
- Wasser-, alkohohl- und ölhaltige Geschmacksverstärker wie Leber-Liquid oder Hanföl, um ein schnelles, dauerhaftes und verstärkendes Wassersignal (vom PH-Wert abhängig) abzugeben.
- Robin Red mit viel Paprika (edelsüß) und mit etwas Rosen-Parika (scharf) Curry als Extranote.
- Gewürze wie Garam-Masala, Brotgewürz, Honigkuchen, Ceylon Zimt, Anis u. a. bei nicht so stark dominierenden Boiliemixen. Bei reichhaltigen nehme ich mehr China-Gewürz, Pfeffer gemahlen, Knoblauch granuliert, Fajita, Salsa Dip, Chilli, Curry, Paprika, Salz, usw.
- Blutmehle in fein (Top Secret) und grob gemahlen (Van der Eynde) und verschiedene Fisch- (Sardine, Hering, Lachs, Thunfisch, u. a.) und Fleischmehle (Schwein, Rind, Leber, Huhn u.a.).
- Fisch- und Fleischboiliemixe werden mit Ballaststoffe wie Vogelfutter, Sämereien, grob gemahlenen Partikel und groben Strukturen versetzt, damit die Verdauung verbessert und beschleunigt wird und eine schnelle erneute Nahrungsaufnahme wieder erfolgen kann.
- Mückenlarven, Gammarus, u. a. reduzieren das Ködergewicht und sind ebenfalls ein Vorteil.
Ich nehme bewusst viele mehlige Additive bzw. Geschmacksverstärker, weil diese Zutaten ein fester Bestandteil im Köder sind und der Geschmack nicht nur durch Flüssigkeiten bestimmt wird, wie es in der Vergangenheit oft vorkam. Boiliemixe wurden früher oft nur durch Flüssigkeiten geschmacklich gesteuert. Ein alter Spruch sagt: Nur was reinkommt, kann auch wieder rauskommen! Wenig gute Zutaten bedeuten wenig guten Inhalt im Köder. Auf Farbstoffe im Kombi-Boilie lege ich gesteigerten Wert, um die Vermischung der unterschiedlichen Boilieteige auch verfolgen zu können. Lebensmittelfarbstoffe (wenig Pulver) bedeuten, dass dieser Farbstoff auch Lebensmittelgerecht ist. Man muss es allerdings nicht übertreiben und zuviel Farbstoff nehmen und dieses vor allem auch nicht überbewerten.
Es ist von Vorteil, wenig Weizenglutenmehl (wenn überhaupt) zu benutzen, was für den Fisch schwer verdaulich ist. Besser etwas länger Kochen, was man sich bei vielen guten Inhaltsstoffen noch erlauben kann. Die verschiedenen Teigsorten (2 x 1 kg) rolle ich in dem Durchmesser der Boiliespritze, halbiere diese Teigwürste längs und lege die unterschiedlichen Hälften zusammen. Die fertig gekochten und angetrockneten Boilies (in 1 kg-Portionen) können zusätzlich mit Leber-Liquid, Hanföl, Amino-Dope und Flavour benetzt und nach Bedarf mit trockenen Additiven als Beschichtung nachgearbeitet und eingefroren werden.
In jede einzelne Gefriertüte lege ich nach Bedarf unten, in der Mitte und oben ein paar Frolic/Rufus (Hundefutter) hinein. Diese ziehen wie eine Opferanode die Schimmelbildung beim Auftauen und längerer Benutzungsdauer (Beispiel: Angeltrip im Sommer über zwei Wochen bei geschlossenen Gefriertüten) an sich. Wenn man Pelletköder aus demselben Boilieteig herstellen möchte, kann man diese ausgerollten ungekochten Kugeln direkt einfrieren, eben kurz ankochen, in die Mikrowelle garen oder einen gesonderten Boilieteig mit pulverisierten Eiweiß bzw. Kleber nehmen und schnell hart austrocknen lassen. Vorsicht vor Schimmelbildungen.
Jeder Karpfenfreund, der schon öfters Boilies oder Köder selber angefertigt hat, der weiß, was für eine aufwändige Arbeit das ist. Gerade dann, wenn mehrere verschiedene Teigsorten hergestellt, getrennt behandelt, zusammen verbunden und abgearbeitet werden müssen. Warum einfach, wenn man es schwer haben kann? Fakt ist: Inzwischen sind Kombi-Boilies in den verschiedensten Variationen auf dem Markt und entwickeln sich weiter als ein Modetrend. Bald könnte der Einsatz für uns schon Standard sein. Viel Erfolg und Freude am Karpfenangeln wünscht Euch Ingo Schwertmann.
Ingo Schwertmann






