Kleine Köder - große Karpfen
Iain Macmillan zeigt, wie er seine Taktiken den Gegebenheiten eines neuen Gewässers anpasste und dabei von übergroßen Boilies auf Miniködern umstieg, um die scheuen Moosrücken in Frimley zu überlisten…
Um im Karpfenangeln kontinuierlich Erfolg zu erzielen, braucht man ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und eine tiefe Trickkiste. Das unfehlbare Super-Rig, den magischen Köder, oder die Methode, die immer fängt, gibt es schließlich nicht – sonst würden wir ja alle schon heute damit fischen! Über die Jahre habe ich gelernt, wie sehr man sein Herangehen dem jeweiligen Gewässer anpassen muss, um dauerhaft Resultate zu erzielen. Karpfen sind Gewohnheitstiere und haben Vorlieben hinsichtlich der Größe und Menge des verwendeten Futters. Dies kann von verschiedenen Eigenschaften abhängen, wie der Größe ihres Mauls, der Art und des Angebots an natürlichem Futter oder der Beschaffenheit des Gewässerbodens.
Einige Karpfen haben harte, gummiartige Lippen, da sie oft auf Kies fressen, wohingegen andere viel weichere Lippen haben, da sie vorwiegend im Schlamm nach Zuckmückenlarven gründeln. Daher gehe ich diese Karpfen auch unterschiedlich an. Auf Fotos ist schnell ersichtlich, dass kein Karpfen genau dem anderen gleicht. Wer Karpfen schon einmal beim Fressen zugeschaut hat, der hat vielleicht schon einmal gesehen, wie sich ein Karpfen an allen angebotenen Boilies ungeniert genüsslich tut, während sich sein größer, vorsichtigerer Kollege nur den einen oder anderen Happen am Rande des Futterteppichs genehmigt.
In den beliebten Korda Underwater Videos werden große, träge Karpfen auch „Lumpy“ genannt. Sie gleiten schwerfällig und faul über den Futterplatz und nehmen nur hier und dort mal einen Köder auf, während gefräßigere Schuppenkarpfen gierig ein paar Boilies fressen, nur um dann wieder davon zu flitzen. Was ich sagen möchte ist, dass jeder Karpfen anders frisst! Im Laufe des letzten Jahres hatte ich mir den häufig produktiven Wellington Country Park See bei Reading vorgenommen. Ich nenne den See „häufig produktiv“, da er diejenigen belohnt, die ihn richtig befischen. Wenn man es hingegen falsch angeht, dann kann man sich auf eine harte Zeit gefasst machen.
Nach einigen Nachforschungen stellte sich heraus, dass der See stark mit Boilies befüttert wurde, insbesondere mit übergroßen Boilies mit einem Durchmesser von 24 mm oder noch mehr. Angler kamen karrenweise damit und so wundert es kaum, dass die Karpfen im Gewicht dort derart zulegten. Ich passte meine Herangehensweise an und begann meine Kampagne mit Mainline Active-8 Boilies mit 20 mm Durchmesser. Ich nahm es mit der Ködergröße nicht allzu genau, da ich der festen Überzeugung war, dass die Fische Boilies als natürliche Futterquelle akzeptiert hatten. Mit einem Wurfrohr fütterte ich in breiter Teppichform um meine Marker herum an.
Die Ergebnisse waren hervorragend und ich hatte eine meiner besten Saisons, die zahlreiche Fische bis über 40 lbs brachte, gefangen auf normale Bodenköder oder auf Snowman-Rigs. Die große Futterkampagne war sicherlich hauptverantwortlich für den durchschlagenden Erfolg. Nachdem ich viele der bekannten Fische im See gefangen hatte und da die Erlaubnisscheine teurer wurden, entschloss ich mich weiterzuziehen. Das Gewässer meiner Wahl war der großartige Frimley Pit 3. Ein See, der zahllose große Schuppenkarpfen sowie einige ultrascheue Spiegelkarpfen beherbergte – ganz nach meinem Geschmack!
Dieser See war ganz anders als Wellington und daher wählte ich auch eine ganz andere Herangehensweise, nämlich kleine Boilies und Partikelköder. Am Linch Hill Seekomplex hatte ich vor einiger Zeit schon einmal erfolgreich mit Mini-Boilies gefischt und daher wusste ich, dass ich damit auch in Frimley Erfolg haben könnte. Schließlich profitieren die Frimley-Karpfen von einem hohen Angebot an natürlichem Futter, dem die Mini-Boilies wesentlich näher kommen. Zusammen mit einem Freund startete ich eine Futterkampagne an einigen Swims, die bei anderen Anglern nicht besonders beliebt waren. So wusste ich, dass ich in neun von zehn Fällen beim nächsten Ansitz dort fischen konnte.
In diesen Swims fanden wir ein paar sehr attraktive Stellen – kleine Lichtungen aus feinem Kies, umgeben von leichten Grünalgen. So konnte mein Vorfach präzise und flach auf dem Seeboden liegen, ohne dass es sich im Kraut verwickelte oder der Köder in den Algen versank. Wie gesagt, ich hatte meine Taktiken in Frimley komplett verändert. Im Gegensatz zu meinen Boilies in Wellington, an denen ein Esel hätte ersticken können, wählte ich nun einen wesentlich feineren Ansatz. Ich entschied mich für ein Anti-Ejection-Rig, bei dem der Köder durch ein Stück Silikonschlauch am Bogen eines Longshank X Hakens (die in Wellington nicht erlaubt waren) fixiert wurde. Ich habe größtes Vertrauen in diesen Haken. Karpfen habe alle Mühe damit, diesen extralangen Haken wieder auszuspucken und ich bin sicher, so mehr Pick-Ups in wirkliche Vollruns zu verwandeln.
Ich verwendete dieses Rig in drei Varianten: mit zwei 10 mm Mini-Boilies, mit einem Boilie in Kombination mit Mais oder mit einem fassförmigem Boilie, auch wieder mit Mais. Um mein Risiko zu minimieren, probierte ich alle drei verschiedenen Rigs gleichzeitig an meinen drei Ruten aus, um zu sehen, welche Kombination gewann, wobei ich dem Mini-Köder Ansatz jedoch jederzeit treu blieb. Nach ein paar Erkundungstrips mit der Marker-Rute begannen mein Freund und ich mit dem Anfüttern. Wir mussten nicht lange warten: Unsere Stellen wurden zunehmend von Algen befreit, ein Zeichen, dass die Karpfen dort nach unseren Boilies suchten. Wenn Karpfen regelmäßig an einer Stelle fressen, beseitigen sie so Steine und Algen und der Platz fängt regelrecht an zu scheinen. Bei jeder Session hatte ich 20 kg Boilies dabei, so dass ich ständig nachfüttern konnte.
Ich fischte jeweils 48 Stunden am Stück – so war es mit der Arbeit und meiner Frau vereinbart. Dies ist auch eine angenehme Zeitspanne für einen Ansitz, denn so ist man gedanklich zwei Tage voll beim Fischen, anstelle wie einige der Marathonangler am See zu versauern. Ich fange die Fische lieber auf meine Art als sie nur durch Zeit auszutricksen – aber jeder nach seinem Geschmack! Eine andere Taktik, die ich anpassen musste, war die Art des Fütterns. Wie ich sagte, verteilte ich die Köder in Wellington großzügig mit dem Throwing Stick, was hier in Frimley einfach nicht möglich war. Erstens kommt man mit kleinen Ködern im Wurfrohr nun mal nicht wirklich weit. Und zweitens wollte ich übergenau sein und die Köder jedes Mal auf die tischförmigen Kiesstellen bringen. Schlussendlich entschloss ich mich daher für die Spod-Methode. Anfangs benutzte ich hauptsächlich Boilies. Nach einigen Ansitzen begann ich darüber hinaus, einen Spod-Mix aus Hanf, Thunfisch und Mais zu füttern, um die Fische länger am Platz zu halten und sie härter für ihr Futter arbeiten zu lassen.
Am ersten Ansitz fischte ich mit drei Hakenködern an drei verschiedenen Plätzen. Einer war an einer Kieskante am Rande eines Seerosenfelds platziert. Dort hatte ich regelmäßig Karpfen patrouillieren und auch fressen gesehen. Es war dort 1,2 Meter tief – ein perfekter Sommerplatz, auf den ich mich konzentrieren wollte. Die anderen zwei Plätze lagen in circa 2,4 Metern Wassertiefe. Ich wollte alle Möglichkeiten abdecken, flaches und tiefes Wasser! Ich hatte drei Bisse beim ersten Trip – einen auf jeder Rute – und war Happy wie Oskar. Ich fing einen der begehrten Zielfische namens „Quasie“ mit 34 lbs, 14 oz und noch einen kleineren Fisch. Je länger ich meine Futterkampagne durchzog, desto größer waren die Erfolge und einmal fing ich neun Fische bei einem Ansitz.
Der Höhepunkt war einer meiner besten Fänge überhaupt – ein großartiger Fully Scaled mit 35 lbs, gefolgt von einem 30 lbs Schuppenkarpfen und einigen weiteren Fischen über 25 lbs. Die Karpfen hatten die Köder voll angenommen und daran hat sich bis heute nichts geändert. Hoffentlich sind meine anderen Zielfische, Mr. Charlie und Charlie’s Mate, nicht mehr zu weit weg. Am Ende funktionierten alle drei Haken-/Ködervarianten gleich gut. Es war die konsequente Futterstrategie, die den Ausschlag zum Erfolg gegeben hatte, so wie ein effektives Rig und genaue Location. Die drei Hauptfaktoren, um große Karpfen zu fangen!
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Bild 1: Zwei Rigs für Kleinköder, die den Erfolg in Frimley brachten Bild 2: Die Bisse kamen Schlag auf Schlag, daher hatte ich immer einige Rigs griffbereit Bild 3: Grünalgen sind oft voll natürlicher Nahrung – ein Magnet für Karpfen Bild 4: Und ab damit! Bild 5: Spod und Marker sind in Frimley unerlässlich Bild 6: Geschafft! Ein toller Spiegler mit 30lbs 3oz Bild 7: Der Longshank X – sehr schwierig für Karpfen, diesen Haken auszublasen Bild 8: Dieser Spiegler mit mehr als 35 lbs konnte einem Mini-Boilie nicht widerstehen Bild 9: Ein Plastikkorn peppt den Hakenköder farblich auf Bild 10: Je mehr Futter ich einbrachte, desto besser lief es Bild 11: Ein großartiger Frimley-Spiegler mit 28 lbs Bild 12: Der Safety Clip stellt sicher, dass sich das Blei bei einem Abriss lösen kann |
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Bild 1: Thunfisch verleiht dem Mix ein angenehmes, öliges Aroma Bild 2: Für zusätzlichen Fischgeruch füge ich Voodoo Groundbait hinzu Bild3: Zum Schluss kommt eine gute Menge Pulse Boilies dazu. Karpfen lieben sie! |
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Bild 1: Das erforderliche Material. Der Longshank-Haken ist unerlässlich Bild 2: 30 cm Vorfachmaterial abschneiden (ich benutze Hybrid Soft) Bild 3: 7-8 cm des Mantelmaterials zurückschieben und ein Haar knoten Bild 4: Ein kurzes Stück Silikonschlauch auffädeln Bild 5: Die Hakenspitze durch den Tube schieben, ohne den Schlauch zu beschädigen Bild 6: Ein No-Knot Rig knüpfen Bild 7: Ein kurzes Stück Schrumpfschlauch über die Öse des Longshank platzieren Bild 8: Den Schrumpfschlauch erwärmen, bis er fest am Haken sitzt Bild 9: Den Schlauch zu einem Bogen formen, damit er schwerer auszustoßen ist Bild 10: Zwei 10 mm Mini-Boilies auf das Haar aufziehen Bild 11: So sieht das Resultat aus. Fertig für den kapitalen Fang! |









