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Lac du Der - Update

Von Sascha Flüchter und Marcus Diehr / März 2010

„Früher war alles besser...“ Auch beim Karpfenangeln kommt es zuweilen vor, dass man anfängt zu reden wie der eigene Großvater. So jedenfalls ging es uns, als wir uns – mal wieder – über den Lac du Der Chanteqoc unterhalten haben. Wenn wir gemeinsam beim Angeln sind, dann kommt das Gespräch immer wieder auf diesen riesigen französischen See in der Champagne mit seinen 4.800 Hektar Wasserfläche. Unsere Besuche dort liegen nun schon über zehn Jahre zurück, die Erinnerungen aber sind noch deutlich präsent: Schlammige Ufer, zahllose Baumwurzeln, Nächte mit 15 Bissen, Fische im Durchschnitt knapp unter 15 Kilogramm, reglementiertes Nachtangeln auf wenigen überfüllten Plätzen, Diskussionen mit der Garde-Pêche (Fischereiaufsicht) bei Nichteinhaltung der Vorgaben... Genügend Stoff für lange Abende am Wasser. Und dann kam der Satz: „Das waren noch Zeiten. Früher war das alles besser!“

Der Nachbesatz lässt mit kleinen Schuppis grüßenFragen über Fragen
Doch wie ist es heute eigentlich am Lac Du Der Chantecoq? Wir mussten feststellen, dass wir das nicht wirklich wussten. Gerüchte hatten wir gehört, von Leuten, die jemanden kennen, der wiederum jemanden kennt, der dort gewesen ist. Wenig Sicheres jedenfalls und deutlich mehr Fragen als Antworten. Was ist dran, an der Vermarktung der Plätze? Fisherman Holidays hatten den See im Katalog, aber das auch nicht sehr lange. Wer bietet die Stellen heute an? Was kostet das Karpfenangeln am Lac Du Der wirklich und was bekommt man für sein Geld?

Was ist dran an den Gerüchten über ein großes Fischsterben am See, dem tausende große Karpfen zum Opfer gefallen sein sollen? Wie ist der Fischbestand heute? Lohnt sich eine Schlammschlacht im Herbst? Was lässt sich fangen?

Schnell wurde uns klar, dass wir die Antworten auf diese Fragen nur finden würden, wenn wir uns selber dorthin aufmachten, um uns ein eigenes Bild der gegenwärtigen Situation am See zu machen. So planten wir für das Jahr 2007 zwei Trips an den Lac Du Der: Vier Tage Mitte Juli und fünf Tage Ende September. Dabei wollten wir die Reservierung, die Location und den Service des Anbieters der Nachtangelplätze testen, mit einheimischen Anglern sprechen, um etwas über das Fischsterben und seine Folgen zu erfahren und vor allem einmal wieder an diesem beeindruckenden Gewässer angeln und uns selber ein Bild von den Fangaussichten machen. Was wir erfahren und erlebt haben, das geben wir mit diesem Artikel an alle weiter, die sich auch immer mal wieder fragen, was eigentlich aus dem Lac Du Der geworden ist.


Die Nachtangelplätze
Zunächst zu den Nachtangelplätzen. Am See gibt es zurzeit 30 Nachtangelplätze, die ausschließlich für Karpfenangler reserviert sind und gegen eine Gebühr befischt werden können. Außerhalb dieser Plätze ist das Nachtangeln am See nicht erlaubt. Die Reservierung läuft über das Maison des Pêcheurs im Yachthafen von Giffaumont. Die vollständige Adresse lautet:

La Maison des Pêscheurs
Station Nautique
F-51290 Giffaumont-Champaubert
Telefon und Fax: 0033 (0)3 26 72 63 43
Internet: www.pecheauder.com

Die berühmte Kirche von ChampaubertDas Ganze ist gut organisiert und wird äußerst professionell betrieben. Es gibt eine ausführliche zweisprachige Broschüre (französisch/englisch), die alle 30 Plätze eingehend beschreibt. Dabei wird auf die Fangmöglichkeiten ebenso eingegangen, wie auf die zu erwartenden Schwierigkeiten beim Angeln durch Baumwurzeln, unerwünschten Beifang und andere Hindernisse. Außerdem finden sich dort Hinweise auf Duschmöglichkeiten in der Nähe und Tipps zum Abstellen des Autos.

Zum Angeln am Lac Du Der gibt es auch eine offizielle Internetseite, auf der man sich mit allen Informationen versorgen kann. Leider ist sie komplett auf französisch. Dort findet sich auch die Karte des Sees mit den eingezeichneten Nachtangelstellen. Klickt man eine dieser Stellen an, so erscheinen in einem neuen Fenster die entsprechenden Informationen aus der Broschüre. Für eine erste Information ist es hilfreich, selbst wenn man kein Französisch versteht.

Insgesamt 21 der 30 Nachtangelstellen können direkt mit dem Auto angesteuert werden. Die übrigen neun Stellen sind ausschließlich mit dem Boot zu erreichen. Wo notwendig, kann das Auto auf einem sicheren Parkplatz abgestellt werden. Hat man sich für einen Platz entschieden, erfolgt die Reservierung telefonisch oder per E-Mail. Wir hatten die Möglichkeit die Formalitäten auf französisch zu erledigen, von den Mitarbeitern des Maison des Pêcheurs spricht aber auch jemand Englisch.

Bei unserem Test verlief die Reservierung vollkommen problemlos und unkompliziert. Es ist allerdings notwendig, die Gebühr für den Nachtangelplatz im Voraus zu überweisen, weil die Reservierung erst damit gültig wird. Ein Nachtangelplatz kostet für eine Woche (von Samstag bis Samstag) 220,- Euro für maximal zwei Angler. Dazu kommt der Preis für die Jahresfischereierlaubnis von 140,- Euro, worin die die Erlaubnis zum Fischen mit dem Boot enthalten ist. Wer mehrfach im Jahr an den See fährt kommt beim zweiten Mal somit günstiger weg und bezahlt nur für die Nachtangelstelle.

Wir hatten uns aufgrund der Broschüre und der Erinnerung an frühere Trips zunächst für Platz drei (Nuisement) entschieden. Dort angekommen kamen uns allerdings Zweifel an dieser Wahl, nicht zuletzt deshalb, weil es dort keinen natürlichen Schatten gibt und die Sonne erbarmungslos vom Himmel brannte. Ein Telefonanruf beim Maison des Pêcheurs reichte aber aus, um die nicht reservierten Stellen zu erfragen und unsere Reservierung auf Platz 13 (Nemours) zu ändern. Bei freien Plätzen ist ein Platzwechsel nach telefonischer Absprache also jederzeit unkompliziert möglich. Ein großes Plus also!

Die Insel vor Platz 13 -  Ein schöner HotSpotDie Nachtangelstellen sind durch ein Schild mit einer Nummer markiert, das allerdings leider nicht immer ganz leicht zu finden ist. An einigen Stellen sind hölzerne Picknicktische und Bänke für die Angler aufgestellt worden, an denen das Schild angebracht ist. Die Stellen befinden sich in einem sehr gepflegten Zustand.

Auch die Müllcontainer werden von den Mitarbeitern des Maison des Pêcheurs regelmäßig geleert. Bei der Benutzung von Zelten und Gaskochern gibt es keine Einschränkungen wie an vielen anderen Seen. Was das Ufer angeht, kann man mit den gegenwärtigen Gegebenheiten am Lac Du Der nur sehr zufrieden sein. Doch wie steht es mit den Karpfen? Wie sieht der Bestand heutzutage aus und lohnt sich eine Tour dafür überhaupt?

Der Karpfenbestand
Was wir innerhalb der insgesamt neuen Nächte auf drei verschiedenen Plätzen am See gefangen haben, deckt sich auffallend mit den Informationen, die wir im Gespräch mit einheimischen Anglern gesammelt haben. Lasst uns davon der Reihe nach berichten. Vorweg aber noch zwei Sätze zum Reglement: Das Angeln auf Karpfen ist mit vier Ruten erlaubt. Die Benutzung von Echolot und Markierungsbojen ist unproblematisch, allerdings beträgt die maximale Angeldistanz 100 Meter, was bei uns jedoch nicht kontrolliert worden ist.

Nun aber zu unseren Erfahrungen am Lac Du Der 2007. Wie bereits erwähnt, haben wir unser Fischen im Juli an Platz 13 begonnen, einem traumhaften Platz am Port de Nemours, einem Yachthafen im Corneé du Der. Rund um die vorgelagerte Insel gibt es massenhaft karpfenverdächtige Spots zu befischen. Wir verteilten unsere acht Ruten auf Schilfgürtel, Krautfelder, Plateaus und Kanten zwischen einem und sechs Meter Wassertiefe. Hier roch es förmlich nach Karpfen und die in den Picknicktisch eingeritzten Fanggewichte machten uns doppelt zuversichtlich. Doch statt der Karpfen kamen die Welse...

In der ersten Nacht wurden wir von einem Fallbiss geweckt, der sich nach kurzer Zeit als Wels von knapp 10 Kilogramm entpuppte. Am Abend des zweiten Tages waren wir nach dem Ablegen der Ruten mit dem Boot gerade wieder am Ufer, als einer der Bissanzeiger einen Dauerton von sich gab. Mit dem Boot über dem Fisch begann ein knapp dreißigminütiger Kampf, den der Fisch durch Vorfachbruch schließlich für sich entscheiden konnte. Die Art der Fluchten und das gigantische Gewicht des Fisches deuteten wieder zu 100 % auf einen großen Wels hin.

Was schon in der Broschüre der Nachtangelstellen angedeutet wurde (Présence de silures = Welsbestand), war an Platz 13 überdeutlich zu spüren. Die massive Präsenz der Welse, die sich im Lac Du Der sprunghaft vermehrt haben, kann das Karpfenangeln durchaus beeinträchtigen. Denn der Futterneid hat dazu geführt, dass die Welse sich gezielt auf Futterstellen mit Boilies eingestellt haben, wobei es keine Rolle spielt, ob mit Frucht - oder Fischködern geangelt wird. Von einheimischen Karpfenanglern haben wir erfahren, dass es passieren kann, dass auf einen Karpfenbiss zehn und mehr Welsbisse kommen.

Unser bester Fisch: Ein 16kg Spiegelkarpfen von Platz 7In wie weit das stimmt, können wir nicht sagen, nach zwei Nächten mit jeweils einem Wels- aber keinem Karpfenbiss haben wir Platz 13 verlassen und sind ins Südbassin gewechselt. Für Platz 25 (Bassin sud par Braucourt) wurden in der Broschüre keine Welse vorausgesagt und wir haben auch keine gefangen. Diese Nachtangelstelle ist gerade für den Sommer traumhaft.

Es gibt reichlich natürlichen Schatten und zahlreiche Möglichkeiten, die acht Ruten zu verteilen. Besonders lohnt es sich, die Landzunge aus Kies mit dem Klopflot weiter in den See hinein zu verfolgen. In den zwei verbleibenden Nächten konnten wir dort immerhin noch einen Schuppenkarpfen von 13 kg fangen. Wir wunderten uns über den Schuppenkarpfen, der –nach unseren Erfahrungen von vor 10 Jahren– im Lac Du Der fast schon Seltenheitswert hat. Erst der nächste Trip im Herbst sollte uns diesbezüglich eines besseren belehren…

Der zweite Trip
Für diesen Trip Ende September haben wir Platz sieben (La Brèche) reserviert. Hier kam auch gleich das alte Lac Du Der-Feeling wieder auf: Schlamm und Baumwurzeln, so weit das Auge reicht. Dazu Wind und Wellen wie an der Nordsee. Da das Wasser schon recht weit zurückgegangen war, galt es mit dem Echolot möglichst tiefe Stellen zu finden, die angesichts der 100 Meter Begrenzung für das Fischen noch halbwegs vertretbar zu beangeln sind. Wir verteilten unsere Ruten auf Wassertiefen zwischen vier und sechs Metern und suchten uns eine Kiesbank am Ufer, auf der unsere Zelte nicht gleich vollständig im Schlamm versanken.

Mit dem Wind kamen die Fische...Die ersten beiden Nächte brachten nur jeweils einen Biss. Dann wurde das Wetter mit Sturm und Regen ungemütlicher und die Bisse nahmen zu. Insgesamt haben wir in den fünf Nächten 24 Bisse gehabt, von denen wir 15 Fische landen konnten. Der Rest ist –trotz Auftriebskörpern auf der Schnur– den zahllosen Wurzeln zum Opfer gefallen. Interessanter Weise waren 14 der 15 gefangenen Fische Schuppenkarpfen, was vor zehn Jahren am Lac Du Der eine Sensation gewesen wäre.

Damals war der See bekannt für seine Spiegelkarpfen, die mit ihrer charakteristischen Rückenform auf jedem Foto eindeutig zu erkennen waren. Schuppenkarpfen waren damals äußerst selten. Was hatte das zu bedeuten? Zudem waren die Fische, die wir gefangen haben, sehr klein. Acht Fische waren nur ca. vier Kilo schwer, sechs weitere zwischen acht und elf Kilogramm. Der größte Fisch wog 16 kg und war der einzige Spiegelkarpfen bei diesem Ansitz. Die Franzosen, die rechts von uns auf Platz 23 geangelt haben, hatten ähnliche Gewichte. Was ist davon zu halten?

Das große Sterben
Schon bei unserem ersten Fischen im Juli haben wir erfahren, dass der Lac Du Der in den Jahren 2004 und 2005 von einem großen Fischsterben heimgesucht wurde, bei dem zahlreiche große Karpfen umgekommen sind. Wie groß die Zahl der verendeten Karpfen tatsächlich war, konnten wir nicht sicher in Erfahrung bringen. Die Mitarbeiter des Maison des Pêcheurs spielten die Bedeutung des Fischsterbens herunter, während uns einheimische Angler wahre Horrorgeschichten erzählten. Aus den unterschiedlichen Berichten sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass man davon ausgehen muss, dass gut 5.000 Karpfen dem großen Sterben zum Opfer gefallen sind. Nach Augenzeugenberichten waren davon ausschließlich Spiegelkarpfen betroffen.

Fakt ist also, dass die Zahl der großen Spiegelkarpfen im Lac Du Der stark zurückgegangen ist. Gleichzeitig merkt man beim Angeln deutlich, welche Maßnahmen die Verantwortlichen unternommen haben. In den letzten Jahren wurden immense Mengen von kleinen Schuppenkarpfen besetzt, die jetzt mit Heißhunger über die angebotenen Boilies herfallen. Nach Auskunft einheimischer Angler sollen 15.000 Schuppenkarpfen den Weg in den See gefunden haben.

Die Karte dieses großartigen und riesigen SeesDoch Fischsterben und Nachbesatz bedeuten nicht automatisch, dass am Lac Du Der keine richtig große Karpfen mehr gefangen werden. Wie die vom Maison des Pêcheurs akribisch geführten Fangstatistiken zeigen, passiert das immer noch regelmäßig. Jedes Jahr werden Fische zwischen 25 und 32 kg gefangen.

Mit den Massenfängen von Spiegelkarpfen über 15 kg ist es aber scheinbar vorbei. Ortsansässige Karpfenangler haben uns erzählt, dass die Fänge von Spiegelkarpfen nach dem Fischsterben um mindestens zwei Drittel zurückgegangen sind. Hinzu kommt, dass man sich durch den Nachbesatz an Schuppenkarpfen und zuweilen auch durch den starken Welsbestand hindurch angeln muss.

Schlussgedanken
Was also ist das Fazit unserer Rückkehr an den Lac Du Der Chantecoq? Wir meinen, dass die äußeren Angelbedingungen durch die klaren Regelungen, was das Nachtangeln auf Karpfen betrifft, die guten Nachtangelstellen und die unkomplizierte Reservierung sehr gut sind. Alles war früher also nicht besser! Was den Preis angeht, muss man allerdings auch die Fangbedingungen in den Blick nehmen. Da wird es sicher manchen Pay-Lake geben, an dem man für das gleiche Geld besser fangen kann.

Andererseits ist und bleibt der Lac Du Der einfach ein faszinierendes Gewässer, das für diejenigen, die sich dorthin aufmachen, auch jetzt noch so manches Abenteuer bereithält...

Sascha Flüchter und Marcus Diehr