Carping in the UK
Ich habe niemals in Deutschland gefischt und außerdem auch nur ein einziges Mal in Frankreich, dass war 1996. Ich denke, dass wird viele von Euch nun etwas verwundern. Bevor ich jedoch weiterschreibe, hoffe ich Eure Aufmerksamkeit an meiner Person und meiner anglerischen Vergangenheit mit einer kleinen Einleitung gewinnen zu können. Ich fische seit 1985 auf Karpfen in Großbritannien und seit 2001 arbeite ich ausschließlich in der Angelindustrie.
Hier pflege ich eine Zusammenarbeit mit renommierten Firmen wie Richworth Baits, Wychwood und Korda Developments. Meinen ersten Artikel in einem Angelmagazin habe ich im Jahr 1998 veröffentlicht und seit dieser Zeit schreibe ich regelmäßig für Magazine wie beispielsweise Carpwold, Carp Talk und Craft Carper. Ebenfalls habe ich schon bei einigen Filmprojekten auf Sky-TV und an einigen DVD Produktionen über das Karpfenfischen mitgewirkt. In meinem ersten Artikel in der carp connect möchte ich Euch einen Eindruck über die Karpfenangelei hier in England geben.
Gewässer
Wir haben in Großbritannien eine Vielzahl an unterschiedlichen Gewässern über das ganze Land verteilt. Aus dieser Fülle an verschiedenen Gewässern hat sich der Angler jetzt zu entscheiden, was er möchte. Ist er auf der Suche nach einem Gewässer, wo mit vielen Bissen an einem Tag zu rechen ist, oder sitzt er es lieber aus an einem Gewässer mit einer sehr geringen Bestandsdichte an großen Fischen.
Eines ist jedoch sicher, zurzeit gibt es sehr viele Karpfenangler in England und die bekannten guten Gewässer stehen unter immens hohem Angeldruck. Außerdem ist das Fischen an diesen Gewässern auch noch sehr teuer. Wobei es hier einen ganz klar bevorzugten Bereich gibt. Dieser Bereich liegt etwas westlich von London. Diese Gegend ist bekannt unter dem Namen „Colne Valley“.
Hier findet man eine große Anzahl an Kiesgruben und Baggerlöchern, die alle in den späten 60er und 70er Jahren entstanden. Der in diesen Kiesgruben und Baggerlöchern abgebaute Kies bzw. Sand fand Verwendung zum Bau einer der wichtigsten Londoner Autobahn, der M 25. Im Colne Valley befinden sich einige der bekanntesten Gewässer Englands, wie etwa der Legendäre „Savay Lake“ oder aber „Wraysbury No. 1“. Wobei ich mir jedoch sicher bin, dass es hier noch einige kleine und unscheinbare Gewässer gibt, in der noch so manch eine gewichtige Überraschung herumschwimmt.
Die meiste Zeit meiner eigenen Angelei verbringe ich in der Gegend um „Berkshire“ und „Oxfordshire“, wobei sich auch diese Gegend einer hohen Beliebtheit bei den meisten Karpfenanglern erfreut. Bei der Angelei selbst ist gewiss einer der größten Unterschiede, dass hier in England ausschließlich vom Ufer aus gefischt werden darf. Dieses Verbot erschwert die Fischerei schon sehr und diesen Nachteil bekommt man gerade an den größeren, dünn besetzten Kiesgruben zu spüren. Hier ist es sehr schwer, einen guten Spot zu finden und anschließend diesen Spot zu füttern.
Speziell bei der Long Range Fischerei ist man durch dieses Gesetz beeinträchtigt. Ohne Zuhilfenahme eines Bootes bedarf es schon einiges an Aufwand, um einen wirklich guten Platz zu finden. In solchen Situationen benutzen die Angler hier in den UK die so genannten „Bait Rockets“, oder aber auch „Spods“ genannt, um kleine Köder auf Distanz zu befördern.
Die Angler, welche diese Art der Fischerei einst entwickelten, haben in den Anfängen alle diese Hilfsmittel in Eigenregie entwickelt und gebaut. Diese Eigenentwicklungen dienen der Angelindustrie als Grundlage der heutigen Bait Rockets, so wie wir sie kennen und schätzen gelernt haben. Selbst die besten Angler in dieser Art zu fischen sind jedoch auf Distanzen von maximal 150 Metern begrenzt. An vielen der größeren Gewässer auf dem Kontinent ist diese Distanz jedoch als ufernah zu bezeichnen. Zum Glück sind die meisten Gewässer in England selten größer als 35 Hektar.
Eines der beliebtesten Gewässer hier, welches exakt dem Klischee eines englischen Sees entspricht, ist der „Horseshoe Lake“ der Carp Society. Mit seinen 25 Hektar entspricht der See dem englischen Standard und mit seinen großen Schwärmen an umherziehenden Karpfen ist er wunderbar zum „spodding“ mit Partikeln und Pellets geeignet. Da die Fische im Horseshoe echte Herdentiere sind, kommt es häufiger zu mehreren Bissen innerhalb von nur 30 Minuten. An diesem wunderbaren Fleckchen Erde ist in den meisten Fällen eine Entfernung von 60 bis 75 Metern völlig ausreichend, um seine Karpfen zu fangen. Dies ist eine angenehme Distanz, um einen wohl durchdachten Futterplatz aufzubauen und so den einen oder anderen hungrigen Horseshoe-Karpfen landen zu können.
Das Problem ist nur, dass über die Jahre die Fische gelernt haben, diese Distanz zu meiden. Somit haben die meisten der Angler ihre Fischerei um minestens zwanzig Meter weiter nach Draußen verlagert. Ich kenne keinen Angler in England, der nicht in der Lage ist, einen einfaches Rig mit Hakenköder neunzig Meter weit zu werfen. Jedoch sind viele Angler nicht in der Lage, einen Futterplatz mit kleinen Partikeln und Pellets auf den gleichen neunzig Metern anzulegen.
Taktik
Es hat sich hier als sehr gut herauskristallisiert, nur einen Futterplatz konzentriert zu füttern. Diese Taktik hat sich in England als wesentlich erfolgreicher erwiesen als wenn man zwei oder drei verschiedene Spots anlegt. Anschließend wird der Platz mit allen Ruten befischt. Solange ich mich erinnern kann, ist dieser Style des Fischens die am meist verbreitete Taktik, einen Futterplatz anzulegen. Mir sind Angler bekannt, die diese Taktik der Punktfütterung äußerst erfolgreich einsetzen. Diese Jungs fangen mit der Punktfütterung an nahezu allen Gewässern.
Diese Art zu fischen mag den einen oder anderen etwas untypisch erscheinen, jedoch gerade an Gewässern mit besonders hohem Angeldruck konnten so schon sehr gute Ergebnisse erzielt werden. Die Methode des Fischens bringt einige klare Vorteile mit sich: Mit mehr als einem Hakenköder auf dem Futterplatz braucht man seine Rute nach erfolgreicher Landung eines Fisches nicht gleich wieder auszuwerfen. Es befindet sich ja noch ein Köder auf dem Spot. Somit konnte ich schon mehrere Fische kurz hintereinander landen.
Ob ich diese Fische auch gefangen hätte wenn ich nicht einen weiteren Köder auf dem Platz liegen hätte? Vermutlich eher nicht. Wenn die Fische erst auf deinem Spot fressen, hast du immer bessere Chancen auf Erfolg, wenn du mehr als einen Köder dort platziert hast. Also, wenn du auf Fische angelst, die unter hohem Druck stehen und somit auch sehr rigscheu sind, platziere nicht nur eine Montage auf deiner Futterstelle.
Ich glaube, dass Karpfen in der Lage sind einen Hakenköder, den sie aufgenommen haben und für nicht gut empfunden haben, so zu markieren, dass andere Karpfen erkennen können, dass mit diesem Köder etwas nicht stimmt. Wenn das mit einem unsere Köder geschehen ist, hat man immer noch eine zweite Falle auf dem Spot liegen.
Ich verwende diese Taktik auch häufig beim Oberflächenfischen auf Sicht. Der große Vorteil bei dieser Fischerei ist nämlich, dass man sehen kann, wie der Fisch sich den Köder nähert und wie sich der Fisch verhält. Wenn ich erkennen kann, dass der Fisch alle treibenden Köder im Umfeld von meinem Hakenköder aufnimmt, nur der Hakenköder selbst nicht, platziere ich einfach einen zweiten Köder im Umfeld des ersten Hakenköders. Das verwirrt den Karpfen und schon häufig konnte ich den Karpfen mit dem zweiten Köder dann überlisten.
Ein weiterer Vorteil, zwei oder mehr Ruten auf der gleichen Stelle zu fischen, liegt in Tatsache, dass wir somit die Schnüre zwischen Rute und Köder auf diese Weise konzentrieren können. Ich versuche, meinen Swim immer so zu wählen bzw. die Ruten so zu positionieren, dass die Gefahr minimiert wird, dass ein umherziehender Karpfen mit meinen Schnüren in Kontakt kommt. Wenn ich mit meinen Schnüren einen großen Bereich abspanne, ist die Gefahr um ein vielfaches höher, dass ein Karpfen mit den Schnüren in Berührung kommt. Manchmal habe ich fast den Eindruck, die Schnüre wirken wie eine Art Absperrung für umherziehende Fische.
Tackle
Für viele Angler in Großbritannien, mich hier eingenommen, sind unsere Marker- und Spod-Ruten genau so wichtig, wie der Rest unseres gesamten Tackles. Ohne Zuhilfenahme der Ruten wäre das Fischen an vielen Gewässern hier wesentlich schwieriger. Dadurch hat mittlerweile jeder Tackleshop in England eine Vielzahl an Modellen in den Regalen stehen.
Der Anstieg der Beliebtheit dieser Art zu fischen brachte eine Unmenge an unterschiedlichen Modellen von Ruten und Bait Rockets für nahezu jede erdenkliche Situation hervor. Die meisten der Ruten haben eine Testkurve von 4,5 bis 5 lbs. Gefischt werden die Ruten mit den sogenannten „Big Pit-Rollen“. Gefüllt sind die Rollen mit schwerer monofiler Schnur, oder aber mit einer dünnen geflochten Hauptschnur in Verbindung mit einem Shockleader.
Ich persönlich verwende zurzeit die Wychwood Maximisier-Schnur in Stärken ab 8 lbs. in Verbindung mit einem Shockleader aus Arma-Cord Braid in Stärke von 30 oder 50 lbs. Leider gehört auch ein Schnurbruch zum Tagesgeschehen, gerade wenn man versucht, seinen Rockets einen Extra-Meter zu gönnen. Die größeren Bait Rockets können schnell über 200 Gramm wiegen, wenn sie mit kompakten und feuchten Partikeln, wie gequollen Hanf befüllt werden.
Der Druck, der beim Werfen auf die Rute und Schnur wirkt, ist sehr hoch. Eine größere Fütteraktion umfasst schnell mehr als fünfzig Würfe und es bedarf nur eines Fehlers bei einem der Würfe und schon verabschiedet sich entweder die Rakete mit einem lauten Knall in Richtung Seemitte, oder aber man spürt sein Versäumnis schmerzhaft an seinem Wurffinger.
Bait
Ich verwende am liebsten gequollenen Hanf in meinem Spod-Mix. Wenn Sie mich fragen, ist Hanf ein hervorragender, wenn nicht sogar der beste Köder zum Spoding. Die kleinen Körner versetzen die Fische immer wieder in einen wahren Fressrausch. Es bedarf nur ein paar Hände voll Hanf oder eben ein paar Rockets von diesen Samen und schon drehen die Karpfen völlig durch.
Wie auch immer, hier können die kleinen Hanfsamen sogar schon fast zu einem Problem werden. Wenn die Karpfen so damit beschäftigt sind den Gewässerboden nach den kleinen Samen zu durchwühlen, ist die Gefahr groß, dass unsere Hakenköder keine Beachtung mehr findet.
Um diesen Fall zu vermeiden, ist es sehr wichtig, dass unser Spod-Mix immer auch größere Köder enthält. Somit verwende ich immer auch Köder wie Kichererbsen, Mais, ein paar Tigernüsse und zu guter letzt natürlich Boilies in unterschiedlichen Größen in meinem Spod-Mix. Mit dieser Zusammensetzung kann ich sicher sein, dass die Karpfen sich nicht auf einen Köder einfressen und meinen Hakenköder ignorieren.
Das war es dann auch schon von meiner Seite. Ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen Eindruck über die Gewässer hier in England vermitteln und die Taktiken, wie wir unsere Gewässer befischen.
Vielen Dank für Ihr Interesse,
Ian Poole






