Mein erstes Mal am Cassien!
Wir schreiben das Jahr 2008 in dem ich Maik das erste mal in das gelobte Land fahre um unser so geliebtes Hobby auszuüben. Natürlich nicht irgendwo hin, es musste Standesgemäß zum Lac De Saint Cassien gehen. Wenn schon Frankreich dann gleich richtig. Da wir, das sind Mario und ich keine Lust mehr auf unsern sonst so gern befischten Kanal hatten beschlossen wir kurzer Hand zum Cassien zu fahren.
Gesagt getan, ganze 3 Tage später ging es an einem Mittwoch Abend los, die für mich bis dahin unvorstellbare Autofahrt von 1.350 km zu bewerkstelligen.Was für eine Fahrt! Wir waren noch nicht mal in der Nähe des Sees und es graute es mir schon jetzt vor der Rückfahrt. Ich muss ganz ehrlich gestehen, so ganz auf blauen dunst haben wir uns natürlich nicht so spontan für diesen Magischen See entschieden sondern wir hatten sehr gute Infos von einem guten Bekannten der gerade seit 5 Tagen am See war und schon einige gute Fische für sich verbuchen konnte. Sei gegrüßt Björn.
Also nach guten 13 Stunden Fahrt überquerten wir an einem Donnerstag Vormittag die wohl legendärste Brücke unter uns Karpfenanglern. Wow!Was für ein Gewässer, wieso wohnt man nur soweit weg davon? Dieser See wäre für mich der wohl wahrscheinlichste Grund für einige Zeit ein Franzose zu werden. Für ein bis zwei Jahre, länger geht wohl nicht sonst verlernt man noch so manche gute Deutsche Tugend wie das Arbeiten, oder so!
Schnell noch die Scheine besorgt und die ganzen bekannten Anglern mit den riesigen Cassien Fischen begutachte die überall in den ganzen Lokalen hängen wo man die Scheine bekommt. Von dort aus sind wir mit guter Zuversicht aufgrund der ganzen geilen Fotos ins Kreuz gefahren dort wurde alles in Windeseile aus dem Auto geräumt um die sieben Sachen schnellst möglich wieder in den Booten zu verstauen. Wir träumt schon mal davon vielleicht einen der ganz großen Fische zu fangen, zumindest einen 20kg Karpfen die hier ja wohl zu genüge rumschwimmen aber einen leider nicht einfach so in den Kescher springen wie sich noch rausstellen sollte. Da Mario bereits einmal zuvor hier war steuerten wir zielstrebig in den Nordarm, er wird’s schon wissen dachte ich. Unterwegs kamen wir dann an den ganzem namhaften Plätzen vorbei und steuerten direkt auf den Table zu.
Ich war froh als wir da angekommen sind da es ein ganz schönes Stück zu fahren ist mit dem Boot wenn man am Kreuz einsetzt und zwar genau solange das man Sonnenbrand auf den Knie bekommt, wie unpraktisch. Eigentlich wollte wir wohl lieber denn Platz gegenüber haben, aber der war leider besetzt. Wie sich einige Zeit später zurück in Deutschland herausstellte heißt der Platz „Ruine“ was von uns beiden nur leider keiner in dem Moment wusste, was ja auch nicht weiter schlimm war. Die Engländer die wir dort kennen gelernt haben die wohl auf dem Rotkehlchen Platz saßen, John und Frank, wussten es übrigens auch nicht und so haben die beiden den Platz einfach für die Zeit am See in German Point umgetauft.
Wir bauten dann unser Lager am Table auf (Jetzt weiß man auch warum dieser Platz so heißt. Da war auf jeden Fall ein Künstler mit seinem Messer an diesem Tisch zugange. Respekt!). Da es mittlerweile schon weit nach 19 Uhr war als wir alle Sachen wieder aus dem Boot an Land gewuchtet hatten wurden rasch die Pods aufgebaut und die Ruten mit den Murmeln der Edelfutterschmiede Naturebaits am Haar bestückt. Nachdem wir soweit waren ist Mario dann auf den See gefahren um die lukrativen Plätze für die erste Nacht Cassien fischen zu suchen.
In der zwischen Zeit baute ich schon mal die Zelte auf und machte unseren Platz für unsere bevorstehende Sitzung Salonfähig. Geschätzte 10 Minuten später (in Wirklichkeit wohl ehr 2 Stunden) war alles fertig und auch Mario kam vom Loten zurück. Perfekte Arbeitsteilung nennt man das wohl. In der ersten Nacht versuchten wir mit relativ wenig Futter zum Erfolg zu kommen. Es kamen lediglich ein paar gute Hände voll P-Mix Boilies und Tigernüssen pro Rute dazu nachdem wir die Montagen in die ungewissen Tiefen herab gelassen hatten. Wie viele Karpfenangler aus der ganzen Welt wohl schon hier ihre Hütten stehen hatten und auf den selben Plätzen wie wir ihre Montagen ablegten und wie viele Fische hier schon gedrillt wurden? Fragen über Fragen die diesen See überhaupt erst so einzig artig machen. Ich habe das Gefühl meine große Liebe gefunden zu haben, zumindest aus Karpfenangler Perspektive. Oh, irgendwie schweife ich gerade ab, aber ich denke viele von euch können mich wohl verstehen?
Zurück zum eigentlichem geschehen. Es war mittlerweile schon spät geworden und wir beide waren schon weit mehr als 35 Stunden auf den Beinen, da wir beide ja Mittwoch morgens noch Arbeiten mussten. Wir wollten einfach nur noch schlafen. Kurz vorm ins Bett gehen konnten wir noch beobachten das der Platz gegenüber (Ruine) frei wurde und wir beschlossen das wir am nächsten morgen dorthin moven wollten. Wir stellten die Wecker auf Sieben Uhr, weil wir doch wohl Angst hatten das der Platz am nächsten Morgen schon wieder weg sein könnte. Wir schliefen wie Murmeltiere doch bis Sieben Uhr kam es erst gar nicht. Eine gute Stunde vorher piept meine mittlere Rute 2 mal verdächtig ich stürzte irgendwie total neben mir stehend aus dem Zelt und setzte den Anschlag. Eine gewisse Zeit verging wohl bis ich verstanden habe wo ich bin und was ich hier überhaupt mache.
Es kam sofort ein wenig Gegenwehr, aber wirklich nur wenig. Was war das am anderen Ende meiner Schnur? Für einen Karpfen gab es eigentlich zu wenig Gegenwehr. Nach endlosen fünf Minuten kam ein Fisch an die Oberfläche, es war ein Karpfen, kaum zu glauben hörte man doch soviel von den Kampfstarken Fischen aus dem Cassien. Wir dachte zuerst das es ein nicht so großer Fisch ist, doch er war dann etwas schwerer als wir vermuteten: ganze 18 kg. Ein schöner alter Spiegler der sein Höchstgewicht wohl schon lange hinter sich gelassen hatte und so langsam wieder leichter wurde. Ich war total überwältigt von dem Geschehenen und meinem aller ersten Cassienkarpfen und das schon direkt am ersten Morgen. GEIL! Noch ein paar schöne Fotos im Wasser gemacht bevor der erste Fische dieses Trips in sein azurblaues und lauwarmes Element zurück entlassen wurde.
Trotz des Fisches packten wir alles ins Boot und fuhren zum angestrebten Platz. Es ist mittlerweile Freitagnachmittag all wir wieder alles stehen hatten und nach einer ausgiebigen Tour mit dem Boot und dem Echolot wurden die Plätze in dem doch wirklich sehr hilfreichen GPS Gerät eingespeichert. Die Ruten lagen dann erst mal auf unterschiedlichen Tiefen zwischen 11 Metern und 18,5 Metern mit je ca. 500 Gramm Futter pro Rute. Den Rest des Tages verbrachten wir mit relaxen bei herrlichen Sonnenschein, Temperaturen bis 35 Grad und Wassertemperaturen um 26 Grad. Baden war angesagt. Urlaubsstimmung pur...
Der zweite Tag und die Nacht verging wie im Fluge und wir hatten noch zwei weitere Abläufer bekommen von dem wir leider nur einen verwerten konnten: einen Spiegler von 10 kg. Die Bisse kamen fast alle auf der selben Tiefe, so dass wir uns auf diese Bereiche konzentrierten und dort mehr fütterten. Um das mal in Zahlen zu nennen: Vvon ungefähr 500 Gramm pro Rute wurden auf einmal etwas mehr wie ein Kilo pro Rute. Damit erhofften wir uns mehr Runs pro Tag. So zumindest die Theorie da wir ja leider nur für sechs Tage und fünf Nächte da waren und davon waren schon drei verstrichen.
Unsere Taktik sollte wohl tatsächlich aufgehen und so konnten wir in den nächsten 24 Stunden vier weitere Runs verbuchen, von denn aber zwei Welse waren. Die erhöhte Futtermenge schien Früchte zu tragen, und so beschlossen wir noch einmal pro Rute das Futtern von einem Kilo auf zwei Kilo Boilies und Tigernüsse zu erhöhen. Es funktionierte! Der 5 Tag war der erfolgreichste dieser Session. Ein echt unglaublicher Tag: Wir hatten 8 Runs und konnten davon 6 weitere Fische fangen. Da es so gut lief veränderten wir nichts und machten alles so wie am Tag zuvor. Also zwei Kilo Futter pro Rute und gucken was da so kommen wird. Leider war es dann schon der letzte Tag den wir an diesem unglaublichem See verbringen konnten, an dem wir noch die letzten 4 Fische des Trips zum Landgang überreden konnten.
Bekanntlich soll man ja dann aufhören wenn es am schönsten ist und so beschlossen wir am Dienstag nach Hause zu fahren, da das Arbeitsleben ab Donnerstag wieder auf uns wartete. Es waren wirklich tolle Tage am Lac de Saint Cassien mit wirklich einzigartigen Drills. Ich habe noch nie so stark kämpfende Karpfen gefangen die einem von eine auf die andere Sekunde die Rute bis ins Handteil biegen und nicht wirklich schnell aufgeben. Eine Wahnsinns Kulisse mit den Bergen und den Sonnenaufgängen. Jetzt kann ich echt verstehen warum von diesem See eine solche Magie ausgeht, es ist einfach atemberaubend und wunderschön dort. Wir hatten ein Menge Spaß und gutes Wetter, die Fische haben gebissen was will man mehr?
Viele Leute werden jetzt sagen das es sich doch nicht lohnt so einen Aufwand für nur 5 Nächte zu betreiben. Doch ich muss sagen das es sich total gelohnt hat, da wir vom ersten Tag an Fische fangen konnten. Nur leider keinen der ganz Großen und auch leider keinen 20 kg Fisch. Dieses Ziel haben wir leider zwei mal knapp verpasst und zwar mit einem 19,4 kg und einem 19,6 kg Karpfen, aber was nicht ist kann ja irgendwann noch kommen.
Jetzt noch ein paar Worte zu unseren Fängen. Wir fingen in 6 Tagen 14 Karpfen und 2 Welse, davon waren 6 über 15 kg 2 zwischen 10 und 15 kg und 6 weitere Fische um die 10 kg. Ich finde das es eine ganz gutes Ergebnis war das wir da erzielt haben, wenn man überlegt das die ganze Vorbereitungszeit für diesen Trip nicht mehr wie 3 Tage betrug, da es ja ein total spontan angesetzter Trip war, weil es bei uns Zuhause einfach nicht mehr so wollte wie wir uns das vorstellten.
Wir werden wiederkommen ganz bestimmt.
Ein ganz besonderer Dank geht noch eben an Mario raus ohne ihn wäre vieles nicht möglich.
Und wie die Jungs von Carp Killers es so passend formuliert haben: "Wann fahren Sie an?"
Maik Distelkämper
Team Emscarpworld






