Paylakes - Aus einer anderen Sicht!
Da mittlerweile allein der Begriff „Paylake“ die meisten der Leser abschreckt und zum weiterblättern verleitet, weil es zum einen schon endlos viele Berichte darüber gibt, die sich wohl alle in vielen Punkten ähneln, zum anderen viele denken, dass es sich mal wieder um ein Abwägen von Pro und Contra handelt, möchte ich dieses von vornherein aus dem Weg schaffen. Natürlich gibt es viele Berichte über die sogenannten Paylakes , die sich wohl auch im Großen und Ganzen recht ähneln und ich möchte nicht von mir behaupten, dass ich das Thema neu entdecken möchte, oder neu erfunden habe, jedoch möchte ich versuchen mal andere Aspekte in diesem Zusammenhang zu beleuchten.
Erstmal aber für diejenigen unter uns, die bis jetzt noch nichts mit dem Begriff „Paylake“ anfangen können, oder nicht wirklich wissen, was hinter dem Ausdruck steckt: Unter so genannten „Paylakes“ werden in der heutigen Zeit kommerziell betriebene Seen zusammengefasst, an denen man für einen Platz bezahlen muss und in denen sich in den meisten Fällen ausschließlich die Zielfische wiederfinden…in unserem Fall folglich Karpfen. Somit ist auch der negative Touch des Ganzen entstanden, da viele Kollegen unter uns das Ganze als vermeintlichen „Karpfenpuff“ abstempeln, da davon ausgegangen wird, (was nun vielleicht auch gar nicht so falsch sein mag) dass in diesen Seen gezielt Karpfen groß gezogen und „gemästet“ werden, um Urlaubsanglern den Erfolg ihres Lebens mit dem „Traum-40ger“ oder anderen Großkalibern zu bescheren.
Da ich aber zu Beginn versprochen hatte, dass ich in diesem Artikel keine Vor- und Nachteile abwägen möchte und auch nicht irgendwelche Aussagen kritisieren oder widerlegen möchte, komme ich nun zu meinem eigentlichen Thema:
Ich habe zu Beginn des Jahres, als das Wetter noch recht abschreckend wirkte, mit Schneeregen und eisigen Temperaturen, mal wieder, angetrieben von meinem Karpfenvirus, ein wenig im Internet rumgesucht, um mir Informationen für den kommenden Sommer bzgl. Angeln im Ausland einzuholen. Das ganze Vorhaben war an sich nicht so einfach, da ich etwas suchte, was mir einen Ausgleich zu meinem stressigen Studium geben sollte, zu dem die Möglichkeit offen halten sollte, dass ich meine Freundin mitnehmen kann. Des Weiteren auch noch eine Erfolgschance inne haben sollte und zuallerletzt auch bezahlbar sein musste.
Damit waren vier Aspekte gegeben, die zwar teilweise miteinander harmonieren, aber im Ganzen gesehen wohl recht schwer umzusetzen schienen. Um auf den Punkt des „Ausgleichs“ zurückzukommen, so bin ich jemand der die Sonne und warme Temperaturen liebt, womit das Ziel schon mal auf Frankreich, Italien oder Spanien eingeschränkt wurde, da ich mir bei den drei Ländern die größten Chancen, auf wirklich tolles Wetter ausrechnete. Als nächstes kommt „der Aspekt“ Freundin: Die meisten von Euch werden nun denken…okay…das kann schon mal gar kein ordentlicher Angelurlaub werden, aber auch hier muss ich gleich einlenken, da ich glücklicherweise eine Frau gefunden habe, die recht angetan von meinem Hobby ist und sogar SELBST vorgeschlagen hat, einen Angelurlaub zu machen!
Da wir zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht all zu lange zusammen waren, wollte ich einen „Hardcore-Trip“ ins Po-Delta, nur mit Zelt, ohne Duschen oder sonstige sanitäre Anlagen nicht gleich als Erstes in Angriff nehmen. Die Erfolgschance habe ich deswegen erwähnt, weil ich nicht an einen 1ha großen See in Mitten irgendeiner Ferienanlage fahren wollte, nur um meine Freundin zufrieden zu stellen, in dem eventuell sogar ein Karpfen rum schwimmt. Als letztes bleibt nun also noch der Punkt des Geldes, der bei den Meisten von uns wohl immer eine Rolle spielen wird und somit auch bei einem ersehnten Angeltrip nicht ganz aus den Augen zu verlieren ist.
All diese Kriterien führten dann, nach langem Überlegen, darauf hinaus, doch einmal einen 17 Hektar großen „Paylake“ in der Normandie, Frankreich, aufzusuchen, der sanitäre Anlagen bot, vom Preis akzeptabel war, angeblich einen guten Bestand an Karpfen und Welsen aufwies und dann noch mit gutem Wetter verbunden schien. Die Vorfreude war groß, als nach kurzer Rücksprache mit meiner Freundin endlich gebucht werden konnte und der Termin Ende Juni feststand. Die 5 bevorstehenden Monate bis zum ersehnten Ereignis sollten dann auch manchmal mehr, manchmal weniger schnell vorbeigehen, so dass die Woche kam, in der alle Ruten und Rollen noch mal fit gemacht wurden, Boilies, Partikel und Pellets zusammengetragen, die Akkus aufgeladen und die letzten Kleinteile organisiert worden.
So wurde am Vorabend des 28.Juni der Kombi bis unter das Dach vollgeladen und die folgenden 4Stunden Schlaf konnten im Nachhinein wohl kaum als Schlaf bezeichnet werden, da ich ständig am überlegen war, ob irgendwas vergessen wurde, die Ruten auch wirklich sicher verstaut waren, oder mir sonstige „Probleme“ , die eigentlich keine waren, durch meinen Kopf zischten. Am 28. Juni schellte dann um 3 Uhr morgens der Wecker, da ich geplante hatte, in der Nacht zu fahren um möglichst wenig Verkehr und die damit verbunden Staus vor mir zu haben. Außerdem warteten circa 640 km und etwa 7,5 Stunden Autofahrt auf uns. Da ich aber keinen Tag, der bevorstehenden sieben, verschenken wollte, war geplant am Mittag am See anzukommen, ein paar Gespräche zu führen, die formellen Sachen abzuklären und dann schnellst möglich an den Platz zu kommen, um dann die „Fallen“ im See auslegen zu können.
Wie erhofft, geschah es dann auch…zumindest zum Teil, da die Autofahrt zwar schnell und glatt über die Bühne ging, wir mittags am See ankamen, es aber wie aus Eimern schüttete und das obwohl ich doch zwei Wochen lang jeden Tag im Internet Sonnenschein gelesen hatte. Aber nach kurzem Gespräch mit einigen Anglern vor Ort und dem Besitzer des Sees, wurde auch dieser kleine negative Beigeschmack schnell verräumt, da mir erklärt wurde, dass das lediglich ein kurzzeitiges Wärmegewitter sei, das gegen Abend wieder vorbei sein sollte.
Als positiven und aufheiternden Aspekt wurde mir dann noch gesagt, dass sich momentan wohl auch einer der größeren Störe, die in diesem See ihr Zuhause hatten, in den letzten Tagen an meinem gebuchten Platz gesehen wurde. Somit wurde das Kribbeln in den Fingern und die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Gewitters immer größer, um endlich das Zelt und Rod-Pod aufstellen zu können, ins Unermessliche gesteigert.
Nach einem kühlen Bier und einiger Fachsimpelei mit einem netten Holländer, war das Gewitter schon bald vorbei und es ging dann endlich an meinen Platz, an dem nach kurzer Besichtigung dann, zusammen mit meiner Freundin, das Zelt und alle anderen Dinge aufgebaut wurden. Obwohl wir zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich geplättet waren vom langen Tag, fuhren wir nach unserem ersten gemeinsamen Abendessen, was aus traditionellen Dosenraviolies bestand, die Ruten noch in Ruhe mit dem Futterboot raus.
Da ich das genaue ausloten erst für den nächsten Tag aufheben wollte, ging ich rein nach Gefühl und legte die, mit Boilies versehenen Montagen, samt ein wenig Futter fast willkürlich in dem mir unbekannten See ab. Ich erhoffte mir nicht viel in der ersten Nacht und war eigentlich recht froh darüber, nach der anstrengend Anreise gegen halb10 in meinen Schlafsack zu kriechen und mit meiner Freundin im Arm einschlafen zu können. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…
Ich war gerade im Land der dicken Karpfen in meinen Träumen angekommen, als mich die viel zu laut eingestellte Sounderbox in meinem Zelt mit einen schrillen Ton aufweckte und mich wie fern gesteuert, raus aus dem Zelt und ran an die Rute rennen ließ. Noch halb Schlaftrunken, setzte ich den Anhieb und der darauffolgende Gegenstoß verriet schnell, dass am anderen Ende ein Schuppiger Freund wartete, der alles andere als müde und geplättet war vom Tag. Da man die Sounderbox gar nicht überhören konnte, kam auch meine Freundin kurze Zeit später aus dem Zelt gekrabbelt und war, wies mir schien, noch aufgeregter als ich, da sie gespannt war, was ich nun an Land ziehen würde.
Doch dieser Teil des Drills sollte noch lange auf sich warten lassen, da meine 2,5 Lbs Rute bis zur Mitte gekrümmt war und seit 10 Minuten fast ohne Unterbrechung Schnur von der Spule gezogen wurde. Ich konnte nicht glauben, dass gleich in der ersten Nacht ein Koloss an Karpfen, auf meinen Erdbeer-Joghurt-Boilie, versehen mit einem Maiskorn reingefallen war…
Ich stand nun mittlerweile seit 20 Minuten mit gekrümmter Rute am See und der Kollege am anderen Ende der Schnur hatte immer noch keine Anzeichen von Schwäche erkennen lassen. Zwar konnte ich immer wieder Schnur einkurbeln, jedoch wurde diese nach kurzer Zeit auch wieder von der Spule gezogen und so zog der eifrige Unbekannte weiter seine Kreise! Ein Problem war, dass an diesem See Boote verboten waren und ausschließlich der Einsatz von Futterbooten gestattet war. Somit blieb mir nichts anderes übrig, als meinen Kontrahenten vom Ufer aus immer näher zu „pumpen“. Dies geschah dann auch nach und nach, und mittlerweile erschlich mich das Gefühl, dass es sich bei dem Unbekannten am Ende der Schnur wohl kaum um einen Karpfen, sondern wohl eher um einen Waller oder gar einen Stör handeln würde.
Um meine Freundin allerdings nicht zu verschrecken, behielt ich diese Gedanken für mich und wartet, zerstochen von den Mücken, auf das was kommen sollte. Es vergingen weitere 15 Minuten und dann geschah das, was ich vermutet hatte…irgendwas lag da, fast vor meinen Füßen, am Grund des Bodens und stieß kugelförmige Blasen an die Oberfläche. Der an meine Freundin gerichtete Scherz, dass es sich hierbei um das nach Frankreich gezogene Monster von Loch Ness handelte, brachte bei ihr eher Angst hervor, als wirklichen Spaß, da sie diejenige war, die mit dem Keschern beauftragt wurde.
Als ich dann nach langsamen „hochpumpen“, an der Oberfläche erblickte, um was für ein Kaliber es sich wirklich handelte, fand auch ich den vorangegangen Witz nicht mehr wirklich lustig und so kam es eher zu einem Empfinden der Verzweiflung. Das Licht meiner Kopflampe leuchtete in der sonst stockdusteren Nacht auf einen ziemlich breiten Kopf, lange Barteln, kleine Augen und einem anschließenden ziemlich langen Körper…somit war schnell klar, dass meine Freundin, die mittlerweile der Angst wirklich nahe war, den Kescher wieder bei Seite legen konnte. Da ich im Hinblick auf Welse selbst recht unerfahren war, war ich heilfroh, als der Holländer namens Lukas, mit dem ich noch am Mittag redete und der den Platz neben mir hatte, zu uns rüber kam und mir bei der Landung des Welses behilflich war.
Nun lag er da…meine neuer „Personal Best“ mit einer Länge von 1.61m! Und das am ersten Abend!! Völlig überwältigt und glücklich ließ ich die Beiden noch einige Fotos von dem „Loch Ness aus Frankreich“ und mir schießen, bevor ich ihn wieder in sein nasses Element zurück setzte. Ich bedankte mich noch bei Lukas und versprach ihm ein kühles Blondes für den kommenden Tag.
Somit nahm um halb12 nachts der Tag endlich sein Ende und ich träumte von meinem Wels, der auf einen Erdbeer-Sahne Boilie, versehen mit einem Maiskorn reinfiel! Der nächste Tag begann, wie alle folgenden auch, mit herrlichem Sonnenschein, der im Laufe des Tages für Temperaturen um die 33 Grad sorgte. Neben dem Revue passieren lassen des Fanges am Vortag, ging es ans Ausloten des Gewässers und unter anderem zu Lukas, um das Versprechen vom Vorabend einzulösen!
Wir waren gerade am Fachsimpeln und Diskutieren über die üblichen Themen wie Montagen, Futtertechniken und Anderes, als Denny zu uns stieß, ein freundlicher Engländer der sich gerne unserer Runde anschloss! Von ihm lernte ich im Laufe des Urlaubs am meisten und er bewies, dass die „Bewohner der Insel“ echt einiges drauf haben, was Techniken und Tipps im Bereich des Karpfenangelns angeht.
Und hiermit kommen wir auch zum wirklich relevanten Aspekt dieses Beitrags:
Ich fing dank der Tipps von Denny nicht nur einen schönen Graßer von 27 Pfund, sondern es entwickelte sich eine richtige Freundschaft zu einem Englänger, seiner Frau und einem Holländer, die nicht nur im Urlaub anhielt, sondern noch jetzt durch regelmäßigen Email-Verkehr gepflegt wird. Der Urlaub war durch das gemeinsame Fachsimplen, WM-Spiele schauen an der „Seebar“ im Haupthaus und die schönen gemeinsamen Stunden, die bis weit in die Nacht reichten und geprägt von englischen Ratschlägen, holländischem Witz und französischem Wein/ Bier geprägt waren, so schön, dass das Fangen eines vermeintlichen „Personal-Best“, oder eines anderen schönen Schuppis dann schon FAST in den Hintergrund geriet.
Und das sind die Erfahrungen, die man zwar auch machen kann, wenn man an normale Seen oder Flüsse reist und dort vereinzelt Leute kennenlernt, jedoch meines Erachtens erleichtert werden, wenn man sich, wie in diesem Fall, fast jeden Abend im Haupthaus zum gemeinsamen Fußballschauen trifft oder vor das Zelt des jeweils Anderen setzen kann, da der eigene Platz beim ertönen der Sounderbox schnell genug zu erreichen ist. Ich denke, dass die meisten von uns kaum großartig mit anderen Anglern ins Gespräch kommen, wenn sie mit Kollegen an den Po reisen um, dort fischen zu gehen, was auch vollkommen in Ordnung ist.
Doch in diesem Fall hat sich für mich eine Möglichkeit ergeben, über den eigenen Tellerrand zu blicken, meine bisherigen Techniken auf Grund neuer Erkenntnisse zu überdenken und mich nächstes Jahr wieder mit einem netten Holländer und Engländer zum Angeln zu treffen. Und das, weil ich es gewagt habe, an einen auch für mich zu Beginn eher negativ behafteten „Paylake“ zu reisen, der durch seine super gepflegten Duschen und Waschbecken es ermöglichte, auch nach 4 Tagen zelten noch nebeneinander zu sitzen, ohne eine Wäscheklammer auf die Nase setzen zu müssen. Und auch wenn ich gerne selbst wieder auf den, durch die Sonne aufgewärmten Wasserbeutel als Dusche zurückgreife, muss ich sagen, dass das ein Komfort war, an den man sich gerne gewöhnen kann.
Zudem sollte vielleicht auch nicht außer Acht gelassen werden, dass man sich nachts ohne Bedenken in seinen Schlafsack legen und einschlafen kann, ohne Angst haben zu müssen, dass die Ausrüstung am nächsten Tag nicht mehr vor dem Zelt steht, weil sich miese Langfinger daran vergriffen haben. Grund dafür sind der Zaun und der Nachtwächter, die den See absichern ohne dabei einenget zu wirken. Und mal ganz ehrlich…was gibt es denn schöneres, als neben dem Angeln, tollen Leuten, dem ein oder anderen Bierchen auch noch seine Liebste mit dabei zu haben.
Denkt also vielleicht in Zukunft mal darüber nach, es auch mal zu wagen, an einen vermeintlichen „Karpfenpuff“ zu fahren, mit dem Hintergedanken, neue Angelkollegen kennenzulernen, die es auf Grund ihrer persönlichen Erfahrungen im eigenen Land, Euch ermöglichen, einen anderen Blick auf das Alteingesessene zu bekommen und mit denen man dann vielleicht auch eine tolle Freundschaft hegen kann, die über den Urlaub hinaus reicht. Dann könnt auch Ihr irgendwann sagen: Wow, diese 7 Tage werde ich wohl so schnell nicht vergessen und das nicht nur wegen den schönen Fängen.
In diesem Sinne: Petri Heil und eine erfolgreiche nächste Saison!
Placido Klitzke






