LK-Baits

Im Gespräch: Dieter Martens

Von Mike Zöllner / April 2005

Im Bundesland Hamburg gibt es viele begnadete Karpfenangler - der bekannteste unter ihnen dürfte jedoch Dieter Martens sein. In der Vergangenheit machte er immer wieder durch Artikel und seine Arbeit als Testangler auf sich aufmerksam. Jemand, der schon so lange im Geschäft ist, hat viel zu sagen und deswegen luden wir ihn zu unserem Interview ein. Viel Spaß beim Lesen!

Ein französischer SchuppiHallo Dieter! Schön das wir dich für unser Interview gewinnen konnten. Am Anfang zunächst die Standardfrage. Wir und die Leser würden gerne wissen, wie sich deine Angellaufbahn entwickelt hat.
Mit dem Angeln begann ich als ich 10 Jahre alt war - mit einem Bambusstock, den ich in einem Zoogeschäft gekauft hatte. Ausgelöst wurde das Angeln durch meinen älteren Bruder. Ich habe zwei Brüder, aber nur einer von beiden angelt, sowie eine ältere Schwester, die früher mit meinem Bruder in der Elbe den Aalen nachstellte. Meine Eltern hatten damals auf der Insel Lühe Sand, das oberhalb von Hamburg liegt, mitten in der Elbe einen Campingplatz. Dort verbrachten wir als Kinder viel Zeit. Ich war damals zwar noch zu klein, aber irgendwie scheint da schon etwas hängen geblieben zu sein. Als ich endlich schwimmen konnte, nahm mich mein Bruderauch endlich einmal zum Forellenangeln mit. Ab diesem Zeitpunkt durfte ich dann auch mit Freunden zum naheliegenden Alsterkanal (mit dem Fahrrad), wo wir dann auf alles stippten, was biss.

Des weiteren gab es noch einen Nachbarn, der mich mit seinem Kanu oft zum Angeln auf Hecht und Aal auf die Alster und ihre Kanäle mitnahm. Wir schleppten am Tag überwiegend große Effzett Blinker hinter dem Kanu her und fingen den einen oder anderen Hecht. Meistens bissen aber nur die Barsche. Nachts blieben wir dann, wenn es das Wetter zuließ, auch mal auf dem Wasser und angelten auf Aal mit der Knicklichtpose. Das gefiel mir persönlich immer am besten.

Mein Angelgerät war von meinem Bruder zusammengestellt und alles, was er nicht mehr brauchte oder was ich mir einmal geliehen hatte, ging mit der Zeit in mein Eigentum über. Das hält er mir manchmal heute noch aus Spaß vor. Irgendwann kam jedoch der Zeitpunkt, dass mein Taschengeld für mein Hobby nicht mehr ausreichte. Der Anspruch an besseres Angelgerät war nicht mehr aufzuhalten und auch der erste Gedanke an eine Mitgliedschaft in einem Angelverein reifte. Es musste also eine Lösung her!

Ich hörte mich bei den umliegenden Angelgeschäften, die ich mit meinem Fahrrad erreichen konnte, um, ob vielleicht Interesse an Köderfischen besteht. Diese angelte ich dann natürlich selbst oder fing sie mit der Senke und verkaufte sie dann an die Läden. Der erste Schritt war gemacht und nach einer Weile waren meine Köderfische richtig gefragt. So konnte ich mir dadurch ein paar Luxusartikel kaufen, wie z.B. meinen ersten Angelschirm.

Einer der zahlreichen französischen SpiegelkarpfenDurch meinen Bruder wusste ich außerdem noch, dass man in der Nacht Tauwürmer mit einer Taschenlampe sammeln konnte. Ich sammelte also in der Zeit darauf fleißig für meinen Freund und mich. Der nächste Schritt war, dass ich auch die Tauwürmer an die Angelgeschäfte verkaufte. Ein Tauwurm brachte 10 Pfennig. Neben meiner Schule hatte ich jetzt schon fast einen richtigen Job, denn nach ein paar Wochen musste ich regelmäßig per Auftrag für drei Angelgeschäfte einige hundert Würmer sammeln. Nur meine Angst hatte mir so manchmal einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn mit 12 Jahren hat man ja so seine Ängste im Dunkeln. Oft nervte ich meine Mutter, die mich abends mit einem gewissen Abstand auf unserem Hinterhof und den umliegenden Parks mit ihrer Anwesendheit unterstützte. Dadurch konnte ich nun endlich in dem Angelverein Alster e.V. eintreten.

Als ich 14 Jahre alt war lernte ich in einem Angelgeschäft Klaus Brix kennen, der damals immer freitags literweise Maden und X 21 kaufte - das im Winter! Ich fragte mich damals schon, was der mit so viel Futter machte. Es dauerte nicht lange und er unterhielt sich freundlich mit mir. Ich hörte ihm gespannt zu und er erzählte mir, er ginge im Winter zum Stippen immer an einen Warmwasserauslauf an der Elbe und finge dort auch bei eisiger Kälte Brassen und natürlich regelmäßig Karpfen. Ich platzte vor Neugierde, denn der Karpfen war schon zu dieser Zeit für mich ein Lieblingsfisch. Zu dieser Jahreszeit stand ich mir im Angelgeschäft die Beine in den Bauch und brachte den Besitzer mit meinen Fragen und meiner Zeit um den Verstand.

Ich nahm schließlich allen Mut zusammen und fragte Klaus in voller Hoffnung, ob er mich vielleicht einmal mitnehmen könne. Er antwortete mit einem „Ja“. Zuerst dachte ich, ich hätte mich verhört und fragte noch einmal. Klaus hatte wirklich mit jA geantwortet; genauer gesagt: “Nächsten Samstag, wenn du kannst!“. Die Woche war so lang wie noch nie. Freitag trafen wir uns noch einmal im Angelgeschäft und ich kaufte Maden, Pinkys und natürlich blaues X21. Wir wohnten auch nur ein paar Straßen auseinander. Ich ging also am Samstag Morgen mit meinem Gerät zu Fuß zu ihm. Dann ging es endlich los Richtung Krümmel an die Elbe. Von da an waren wir ein Team und er nahm mich überall mit hin. Wir entdeckten zusammen für uns die Karpfenangelei mit Teig und Boilies.

Eine Person war allerdings ganz besonders für das Karpfenfieber in uns verantwortlich. Dieser Mann saß auch immer im Winter am Kernkraftwerk Krümmel und heißt Harrald Jarchow. Durch diese Person entwickelte sich in den Jahren von 1985 bis 1987 alles blitzartig. Doch diese Bekanntschaft und unsere gemeinsame Entwicklung beim Karpfenangeln schriftlich niederzulegen, würde den Rahmen meines Interviews leider sprengen.

Ich möchte nur noch eins hinzufügen: Klaus und ich fuhren 1987 das erste Mal Richtung Frankreich zum Lac de Castillion. Diesen Tipp bekamen wir damals von Rod Hutchinson. Wir schauten uns damals einige Seen auf dem Weg dorthin an, u. a. auch den Sant Croix. Wir sind dann nach 33stündiger Fahrt am Lac de Salagou gelandet. Dadurch lässt sich vielleicht etwas an unserem damaligen Karpfenfieber erahnen. Dieser erste Frankreich Trip ins Ungewisse wäre auch schon ein Artikel für sich alleine wert.

Zeilenkarpfen - Schöner geht kaum...Dein Name und der von Sascha stehen in der Szene auch für euer Geschäft Adventure Fishing. Wie kommt man dazu, ein Geschäft wie dieses zu betreiben? Verfolgt ihr eine bestimmte Firmenphilosophie?
Der Gedanke, ein eigenes Angelgeschäft zu betreiben, schlummerte schon länger in unseren Köpfen. Irgendwann ergab es sich aus einer Situation: Ich arbeitete früher in einem Angelgeschäft in Hamburg. Als die Arbeitssituation es zuließ, stellte mein damaliger Chef auf meinen Rat hin Sascha ein. Das sprach sich in und um Hamburg herum. Es baute sich eine richtige Stammkundschaft auf, die hauptsächlich aus Karpfenanglern bestand. Irgendwie fehlte aber immer irgendetwas, denn der Platz in dem Geschäft war sehr begrenzt. Wir führten dort nur das Nötigste für die Karpfenangelei und das übliche Allroundgerät. Nach zweieinhalb Jahren wurde ich aufgrund der Geschäftslage entlassen. Nun musste ich mir etwas einfallen lassen, denn in meinem erlernten Beruf wollte ich auf keinen Fall mehr arbeiten. Dafür hatte mich das Angeln zu sehr gefesselt.

Durch meine entstandenen Kontakte, die sich im Laufe der Zeit durch die Arbeit ergaben und natürlich auch durch einige Firmen, für die ich als Teamangler tätig war, wie z.B. Daiwa, Nash oder Shimano, wollte ich unter allen Umständen in der Branche bleiben. Ich sprach mit Sascha über ein eigenes Angelgeschäft, was unserer Vorstellung nach in Hamburg fehlte - ein Geschäft, das sich auf spezialisierte Angler konzentriert!

Sascha und ich waren uns einig und daraufhin kündigte er in seinen alten Job. Wir erstellten zusammen ein Konzept und eröffneten 1998 Adventure Fishing. Mittlerweile existieren wir schon über fünf Jahre. Unser Schwerpunkt ist unverkennbar das Karpfenangeln, unsere Firmenpolitik ganz einfach: Guter Service, gutes Gerät und schnelles Liefern, sofern es die betreffenden Firmen ihrerseits schnell an uns liefern können. Das Tackle wird durch unsere eigene Praxiserfahrung oft nicht für gut genug befunden und bekommt dann natürlich keinen Platz in unserem Geschäft. Manchmal jedoch täuschen wir uns auch einmal. Aber nach vielen Rücksprachen mit Firmen und unserer zum Teil extrem angelnden Kundschaft, sind schlechte Baits oder z.B. neue unstabile Haken bei uns eher selten über längere Zeit zu finden.

Essen fassen! Klaus Brix, Sascha Pingl und Dieter Martens – das waren früher und sind auch heute noch bekannte Namen der Hamburger Karpfenszene. Heute hört man allerdings weniger von dieser Connection. Was ist daraus geworden? Beschreibe uns doch deine Sicht über Angelfreundschaften und Teamgefühl.
Diese Connection entstand 1990. Klaus war damals als erster unter Vertrag bei Daiwa. Später holte er mich dazu. Mit Sascha war ich allerdings im Oktober 1990 das erste Mal am Cassien. Klaus hielt den See damals für zu stark beangelt und ich fuhr mit Sascha alleine.
Später lernten wir Walter Rechenberg kennen und zwar im Jahr 1993. Wir befischten hauptsächlich die Seen in Meck Pom und ein bis zweimal im Jahr in Frankreich. Irgendwann wechselte ich von Daiwa zu Nash. Sascha war damals bei Browning und später holte ich ihn und auch Walter in das Nash Team.

Klaus befischte andere Gewässer, die uns drei nicht so interessierten. Im Osten sowie auch im Ausland hatten wir unterschiedliche Vorstellungen und Ziele von einem Team. Wir sind immer seltener auf einen Nenner gekommen und somit fischten wir drei die nächsten Jahre für uns. Walter stieg plötzlich 1999 aus der Karpfenangelei aus, was ich sehr bedauere, denn er war viele Jahre ein sehr guter Freund und ein 100%iger Angelpartner für mich. Wir hatten viele schöne Stunden am Wasser und viele schöne Bilder wären ohne ihn nicht entstanden.

Angelfreundschaften sind genau so schwierig wie eine Beziehung zu einer Frau, vielleicht sogar schwieriger... Einen guten Angelpartner für längere Zeit zu haben ist sehr schwer. Es spielen viele Faktoren eine Rolle - speziell beim extremen Karpfenangeln. Ich habe mittlerweile für mich erkannt, dass der Karpfenangler eine ganz verrückte Spezies ist. Mir ist ebenfalls aufgefallen, dass es nur ganz wenige gute Karpfenangler in der Szene über viele Jahre hinweg zusammen aushalten. Ich bin schon oft mit neuen Partnern losgefahren und nach ein oder zwei Jahren wieder an einem Punkt angekommen, der das Ende dieser Gemeinschaft brachte. Leider lernt man einen Partner auch nur richtig unter bestimmten Umständen kennen, die aber auch erst einmal eintreffen müssen. Das kann jedoch dauern und danach weiß man mehr über ihn bzw. über einander.

Fischneid streiten alle ab. Aber wer hat schon eine Extremtour erlebt, bei der der Partner einen Dicken nach dem anderen rausdreht und bei einem selbst alles schief geht? Dann stellt sich oft erst heraus, wie viel Fischneid und Teamgeist vorhanden ist! Ähnlich ist es mit dem Fremdgehen. Viele Männer behaupten, dass sie ihre Partnerin nie betrügen würden, aber wie viele hätten auch die Gelegenheit dazu?
Ich habe vor kurzem erst einen Frankreich Trip von drei Wochen hinter mich gebracht und das ganz für mich alleine. Das war Karpfenangeln pur und ein neues erreichtes Ziel von mir.

Ein deutscher SchuppiVielleicht eine ganz große Herausforderung für jeden Karpfenangler. Ich kann es nur jedem Empfehlen, es auszuprobieren. Die vielen Stunden alleine am Wasser sind intensiver und man angelt konzentrierter. Ein großer Fisch ist dann doppelt so viel wert. Natürlich angele ich auch gerne einmal zu zweit, aber das wird immer weniger. Es gibt nicht viele Menschen, die so viele Jahre auf Karpfen angeln, denn oft spielt Zeit, Geld oder eine neue Beziehung eine wichtigere Rolle. Mit Sascha angele ich jetzt schon viele Jahre zusammen. Sicher gab es auch mit uns kleine Streitereien, aber nie um mehr oder größere gefangene Fische des anderen. Um die Plätze losten wir in den ersten Jahren, aber wir sind dann dazu übergegangen, lieber getrennt zu angeln, denn das ist produktiver. Ein gutes Team ist ein weiteres Ziel für meine Zukunft, aber nur vielleicht zu realisieren.

Viele Berichte von dir handeln über Gewässer in Frankreich. Wo liegt dort der Reiz der Fischerei für dich, bzw. hast du schon andere Länder für dich entdecken können?
Frankreich hat wunderschöne Gewässer und sehr außergewöhnlich aussehende große Karpfen. Ich habe eine besondere Vorliebe für Karpfen mit großem unregelmäßigen Schuppenkleid und davon gibt es so einige in Frankreich. In unseren Gewässern sind solche Karpfen leider eher sehr selten. Außerdem sind die Menschen dort sehr freundlich und ich habe dort nie schlechte Erfahrungen mit anderen Anglern gemacht. Besonders reizen mich große Gewässer, in denen die Karpfen in ihrer Größe und Anzahl nicht einzuschätzen sind. Auf Karpfen habe ich außer in Frankreich auch schon in Holland, Polen, Ungarn und Dänemark gefischt.

Mitte der Achtziger waren wir auf jeder Messe in Holland und trafen da natürlich viele damals schon bekannte Karpfenangler aus England, die einige Diashows über Frankreich vorführten. So wurden wir natürlich verstärkt darauf aufmerksam. Außerdem angelte ich jedes Jahr im Winter in Holland, am Twente Kanal, wo ich viel über das Angeln auf Monsterkarpfen in Frankreich aufschnappte. Meistens drehte sich alles um den legendären Cassien.

Damals war ein Karpfen mit 15 Kg schon außergewöhnlich für uns. Aus Frankreich hörte und sah ich Bilder von absoluten Traumfischen. Mit Leidenschaft sammelte ich alles aus den Fachzeitungen über das Karpfenangeln. Ein Bild ist mir bis heute nicht aus dem Kopf gegangen: Das war ein Titelbild vom Blinker, auf dem Gerd Haberler mit einem Monsterspiegler aus dem Cassien im Wasser stand. Das hat mich sehr stark beeindruckt und so hat sich meine Beziehung zu den französischen Gewässern über Jahre hinweg aufgebaut.

Hart erkämpft...Auch die Bundesländer im Osten der Republik sind dir kein unbekanntes Terrain. Was würdest du Leuten raten, die dort einmal angeln gehen wollen?
Ich würde die Gewässer im Osten nicht zu früh im Jahr antesten. Dort kann es im Mai noch sehr kalt sein. Wenn ich von mir ausgehe, suche ich mir immer jungfräuliche Gewässer aus, an denen ich für mich bin. Es gibt dort so viele unberührte Gewässer, dass ich nur jedem raten kann, seinen eigenen Weg zu gehen. Darin liegt für mich der größte Reiz: ein Gewässer als erster beangeln – ohne vorherige Informationen. Wenn dann der erste Biss kommt oder man hört nachts den ersten Karpfen springen, ist das für mich das Beste und das Aufregendste beim Angeln.

Viele Karpfenangler suchen sich Gewässer aus, über die sie möglichtst viel gehört haben. Das hat für mich kaum Reiz, spart aber eine Menge Arbeit und natürlich Zeit. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ein Boot ist, wenn man Ärger aus dem Weg gehen will, an fast allen Gewässern unumgänglich. Die Uferstellen, die mit dem Auto erreichbar sind, werden auch immer als Badestellen oder zum Angeln genutzt. Mein Rat: Immer so unauffällig wie möglich. Kleine Zelte, besser noch nur einen Schirm, kein Feuer und keine Futterbojen benutzen. Damit fahr ich immer am besten. Wenn ich ein neues Gewässer ausgesucht habe, fahre ich ein bis zwei Mal vorher zum Füttern und fahre den See gründlich mit dem Echolot ab. Außerdem können sich die Angler bei uns im Geschäft auch über gute oder schlechte Gewässer informieren. Das erleichtert einiges!

Die ersten Leser dieses Interviews dürften sich gerade auf den Messen in Bonn oder Braunfels befinden. Warum besuchst du diese Messen, bzw. Messen allgemein und was vermisst du dort?
Messen besuche ich immer gerne, wenn es meine Zeit zulässt, um vor allem alte Bekannte zu treffen, die ich im Laufe der Jahre so kennen gelernt habe. Meine Lieblingsmesse ist Braunfels. Ich vermisse Informationen über neues Gerät. Die meisten neuen Geräte oder Zelte sehen wir durch unsere Connection über unser Angelgeschäft bevor sie auf den Messen ausgestellt werden und so ergeben sich für uns keine Neuheiten auf den einzelnen Messen. Außerdem bieten die Messen meiner Meinung nach viel zu wenig Neues. Leider werben die Veranstalter auch oft noch mit großen Namen oder Firmen, die dann auf der Messe selbst überhaupt gar keinen eigenen Stand haben. Teilweise sind die angekündigten Personen nicht einmal persönlich anzutreffen. – schade.

Haben zusammen viel erlebtHast du noch bestimmte anglerische Ziele, die deine Motivation auch noch in den nächsten Jahren aufrechterhalten werden?
Ziele habe ich beim Karpfenangeln noch ohne Ende. Momentan beschäftige ich mich sehr intensiv mit der Elbe. Mein persönlicher Rekord aus der Elbe ist ein 37 Pfund Spiegler und mein Ziel ist es, einen 20 kg Fisch im Tiede - Bereich der Elbe zu fangen. Meiner Meinung nach müssen dort ebenfalls sehr große Graskarpfen über 30 Kg schwimmen, die mich auch noch reizen würden. Die Elbe ist für mich das schwierigste Gewässer, welches ich bis jetzt beangelt habe.

Außerdem ist sie fast unentdeckt. Jeder Biss kann dort eine Überraschung sein und das hat für mich den größten Reiz. Außerdem würde ich gerne mal einen großen Koi-Karpfen fangen. In Frankreich ist es für mich schon schwieriger, denn dort weiß ich vor lauter Wasser gar nicht, wo ich zuerst angeln soll. Die Flüsse dort sind sehr interessant, denn das wirkliche Potenzial ist dort auch noch nicht bekannt. Ich versuche mich möglichst immer für längere Zeit auf ein Gewässer zu konzentrieren, denn mit dieser Taktik bin ich bisher immer ganz gut gefahren. Im Winter angele ich außerdem auch mal auf Hecht, Zander oder Meerforelle, denn Abwechslung muss sein.

Die berühmte einsame Karpfeninsel – nenne uns 5 Teile deiner Ausrüstung, die du auf gar keinen Fall dort missen möchtest. Was ist schon wirklich wichtig? Köder, Haken oder die Rute, um beides richtig einzusetzen?
Aber wenn ich von meiner Ausrüstung ausgehe - was mich noch nie enttäuscht hat, oder was für mich einfach nützlich ist:
Meine Ultra 2 von Fox, die mich mittlerweile seit acht Jahren begleitet. Dann wären da noch meine Daiwa SS 3000, die mir ans Herz gewachsen sind oder fast schon an die Hand. Eine Tikka von Petzel, die man wunderbar auch im Schlaf um den Hals tragen kann, ohne das sie schnürt. Mein Multi Pod von Cygnet würde ich auch nicht tauschen oder missen wollen. Ach ja, da wäre noch mein Titan, was mich schon vor so manchen Stürmen und Regengüssen trocken gehalten hat.

An großen Seen benötigt man oft ein Boot...Die Literatur zum Thema Karpfenangeln ist mittlerweile sehr umfangreich geworden. Welche Bücher hast du am liebsten gelesen und kannst weiterempfehlen?
Die Frage ist schnell beantwortet. So groß ist die Auswahl an deutschsprachigen Büchern leider nicht - außer ein paar alten Schinken, die nur noch wenig mit der heutigen Karpfenangelei zutun haben. Das Buch von Kay Synwoldt ist lesenswert. Darüber hinaus gibt es natürlich eine Menge englischer Bücher, die ich auch zum Teil besitze. Leider kann ich nicht alles 100%ig für mich übersetzen, denn der Slang ist oft schwierig zu verstehen. Außerdem sind die Angelbedingungen auf der Insel ganz anders als bei uns und aus diesem Grund auch nicht so interessant für mich.

Die Magazine aus England sammele ich schon über Jahre, so besitze ich von der „Carpworld“ sogar die ersten Ausgaben und sogar die ersten Erscheinungen des Magazins „The Carp Catcher“. Die Magazine sind voll von Neuheiten aus aller Welt und das ist auch für mich als Händler wichtig, um auf dem neusten Stand zu sein.

Thema Extremangeln: Wir alle kennen deine Fotos aus den Schlammwüsten Frankreichs und den dichten Wäldern Meck Pom´s. Wo fängt bei dir die extreme Art der Fischerei an und wo liegt für dich der Reiz dieser Angelei?
Für mich sind die großen Seen oder Flüsse, die auch noch schwierige Bedingungen aufweisen immer reizvoll. Die Gewässer sind irgendwie geheimnisvoller. Das ist der Kick! Durch die Größe und die Schwierigkeit solcher Gewässer sind auch nur wenige Karpfenangler bereit, dort viel Zeit zu investieren und Lehrgeld zu bezahlen. Ein Karpfen aus so einem Gewässer ist mir persönlich mehr wert als ein vielleicht schwereres Exemplar in meiner Umgebung, das jedes Jahr mehrmals gefangen wird.

Die Seen im Osten sind zum Teil immer noch recht jungfräulich. In vielen Gewässern ist noch kein Boilie hineingeflogen und der erste Biss in solch einem See ist Aufregung pur. Die Wälder im Osten sind so dicht, dass es nachts so Stockfinster erscheint und man die Hand vor den Augen nicht erkennen kann. Ich angel sehr oft alleine. Das ist schon teilweise unheimlich, aber für mich das Erlebnis pur.

Der Fortschritt hält auch in unserer Gilde Einzug. Der Karpfenangler, der eigentlich der Natur verbunden sein sollte, lässt sich immer öfter mit GPS, Echolot und E-Motoren am Gewässer blicken. Was ist sinnvoll und wie weit entfernt man sich dadurch vom Angeln?
Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Ich sehe aber auch keinen Grund mich gegen irgend-etwas zu sträuben. Ich versuche meine Zeit beim Angeln so produktiv wie möglich zu gestalten, daher sind mir Bissanzeiger oder Echolot ,G .P.S. sowie andere Hilfsmittel recht.
Ich differenziere nicht, ob es nötig wäre oder nicht, denn schließlich benutzen auch alle Karpfenangler elektrische Bissanzeiger. Brauchen wir die denn wirklich?

Es bleibt jedem selbst überlassen, was er nutzt, um an sein Ziel zugelangen. Meine neuste Anschaffung sind elektronische Futterbojen, die sich erst bei Dunkelheit automatisch einschalten und leuchten und dementsprechend sich morgens wieder ausschalten. Ein tolles Spielzeug und sehr nützlich für meine Angelei in Frankreich.

Der Biss kann kommen...Es gab noch nie so viel Informationsaustausch über das Angeln wie heutzutage. Dabei werden über Sachen wie Tackle und Köder in einem solchen Maße diskutiert, dass man meinen könnte, griechische Philosophen wären am Werk. Worauf kommt es beim Angeln aber eigentlich wirklich an?
Köder sind für mich, nach dem richtigen Platz, das wichtigste beim Angeln. Aus diesem Grund stelle ich auch 80% meiner Boilies selber her. Außerdem spielt das gute Gefühl, wenn ich mit eigenen Boilies fische, eine große Rolle, denn der Glaube versetzt bekanntlich Berge und da ist etwas dran!

Mein eigenes Vertrauen brachte mir schon viele Karpfen in den Kescher. Der beste Köder allerdings ist die Zeit, die man am Wasser verbringt und angelt. Das ist vielen bewusst, aber nur wenige führen es aus. In jedem Hobby gibt es Praktiker und Theoretiker. Jeder sollte für sich entscheiden, wie viel Zeit er einsetzt, um seinen Karpfen zu fangen. Einige sind auch nicht in der Lage so viel Zeit in das Karpfenangeln zu stecken, weil sie z.B. einen zeitaufwendigen Beruf ausführen oder eine Frau haben, die das Hobby nicht so toleriert. Jeder findet aber doch seinen eigenen Weg zum Karpfen und das ist gut so.

Abschließend an dieser Stelle möchte ich mich für das Interview bedanken und hoffe einen informativen Beitrag für die Carp Connect geleistet zu haben. Es hat mich sehr gefreut und weiterhin gutes Gelingen für eure Zeitung.