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Im Gespräch: Rod Hutchinson - Teil II

Von Wulf Plickat / Januar 2007

Er ist ein Mann der ersten Stunden, seine Fänge sind legendär und kaum einer hat das Karpfenangeln in seiner Frühzeit so stark beeinflusst wie er: Rod Hutchinson. Bereits zum Ende der 50er Jahre hat er gezielt auf Karpfen geangelt, fischte den Redmire-Pool und auch an französischen Seen konnte er dicke Fische fangen. Ein Grund mehr ihn in einem Interview nach Details zu fragen. Wulf Plickat stellte sich dieser Herausforderung.

Eine Legende des Karpfenangelns: Rod HutchinsonMit Dir muss man einfach über Köder reden, Rod. Vor gut 25 Jahren hast Du uns in „The Carp strikes Back“ die besten Teigrezepte verraten: Birdfood und hier besonders Robin Red, dann gerösteste Partikelmehle wie Erdnuß und Hanf sowie natürlich Leberextrakt, Fischmehle und Forellenpellets. Das Kapitel liest sich ja fast, als wäre es gestern verfasst worden: Ist alles erforscht, drehen sich die Ködermoden im Kreis?
Natürlich müssen wir die Köder weiter entwickeln und natürlich wissen wir heute weit mehr, aber warum sollten die bewährten Klassiker wie süße 50/50-Mixe bei „jungfräulichen“ Karpfen versagen? Im Gegenteil! Ob Attraktorbait mit hohem Flavourlevel oder natürliche Aromen, alles hat seinen Platz. Selbst simple Partikel haben im Laufe der Jahrzehnte nichts von ihrer Fängigkeit verloren, gerade im Sommer.

Der Trick liegt darin zu wissen, wann man was einzusetzen hat. Sicherlich sind manche Dinge auch selektiver für große Karpfen als andere. Wäre ich nur auf Monster aus, würde ich wahrscheinlich weniger mit Partikeln fischen – aber ich liebe es einfach, regelmäßig Fische zu fangen und den Pieper zu hören.

Gerade Pellets erleben ja gerade eine große Renaissance...
Ja, Heilbuttpellets sind ganz exzellente Köder.

Ich denke, dass dies auch mit dem Ölgehalt zu tun hat. Obwohl ja einige Wissenschaftler behaupten, dass Karpfen Fischöle gar nicht wahrnehmen könnten...
Ja, Wissenschaftler... Wir wissen es besser! [Gelächter]
Wir haben mit großen Erfolg Ölkapseln mit Dorschlebertran aus der Apotheke eingesetzt. Gerade im zeitigen Frühjahr setze ich gern auf Pellets und ‘The Methodfeeder’ und knete die Kapseln in den Mix ein. Ich erinnere mich an eine unvergessliche Session Anfang April in Frankreich, als es noch richtig kalt war – trotz Bodenfrost bekamen wir in der letzten Nacht Biss auf Biss.

Völlig übernächtigt mussten wir all das Zeugs einpacken und quer durch Frankreich rasen, um die Fähre noch zu erwischen! Furchtbar.
Ich vermute, dass die Fische nach dem langen Winter ihre Fettreserven aufstocken wollen.

Soviel zur Bedeutung der Löslichkeit von Öl im kalten Wasser! Ein anderer Aspekt: Wie du vorhin in der Podiumsdiskussion nochmals betont hast, angelst Du gern mit künstlichem Mais – ehrlich gesagt hatte ich die Plastikdinger bislang für einen Fake gehalten...
Absolut nicht, Wulf! Zuerst haben wir sie zusammen mit echten Mais gefischt, etwa als Auftriebskörper. Doch irgendwann stellte sich heraus, dass die Plastikkörner auch allein fingen, und zwar ausschließlich Karpfen. Oft genug habe ich versucht, damit auch gezielt auf Schleien oder Weißfisch zu angeln, aber es funktioniert nicht. Es beißen wirklich nur Karpfen!

Man kann also durch Plastikmais die Brassen aussortieren?
Absolut!

Erfolgreich wie eh und je!Klingt vielversprechend, denn die besten Erfolge hatte ich immer mit ein oder zwei einzelnen Körnchen - sofern die Brassen nicht schneller waren...
Ja, das ist ein wesentlicher Punkt. Die meisten Angler fischen Hartmais als Stapel, quasi als Paket von 4-5 Körnern. Dies ist eine sehr unnatürliche, auffällige Präsentation. Hier macht es einen großen Unterschied, nur ein oder zwei Körner am längeren Haar zu fischen.

Du stellst zufällig keinen Plastikmais selbst her?
Oh nein... [lacht]

Wie präparierst du deine Partikel? Lässt Du sie gären?
Heute bereite ich fast alle Partikel direkt am Ufer zu. Am einfachsten gelingt die Zubereitung in einer Thermobox: Partikel einweichen, das Wasser fortgießen und mit kochenden Wasser auffüllen. Deckel schließen, ziehen lassen, fertig. Durch das Gären werden Maples und Mais um Klassen besser, beides ausgezeichnete Köder.

Leider werden hierzulande oft hoffnungslos überlagerte Maples angeboten. Woran erkenne ich frische Erbsen?
An der hellen, gelben Farbe, sie sind fast weiß. Verschrumpelte und dunkle Erbsen taugen zu gar nichts - schmeiß` sie weg!

Für wie wichtig hälst Du generell frische Zutaten, gerade bei Fetten und Ölen?
Frische Zutaten sind entscheidend: Ranzige Öle, wie etwa in verdorbenen Erdnüssen oder überlagerten Pellets ergeben nicht nur lausige Köder, sondern sind auch gefährlich für die Fische.

Trotzdem scheinen Fischboilies ihre echte Fängigkeit erst nach ein paar Tagen zu entfalten?
Die Haltbarkeit von Ködern ist von den Zutaten abhängig. Abgerollte Boilies aus 50/50 Mixen können ewig in der Tiefkühltruhe oder auch in Salz eingelegt gelagert werden, bei sehr öligen Fischboilies erstreckt sich die Haltbarkeit dagegen nur auf ein paar Monate. Wobei viele Köder nach ein paar Tagen am Wasser besser werden, das ist richtig.

Ein Problem für viele Frankreichfahrer sind noch immer steinharte und länger haltbare Boilies. Ein Tipp?
In Salz oder Zucker einlegen. Süße Mixe lege ich in Zucker ein, Fisch- oder Leberboilies dagegen in Salz. Ich glaube, dass Karpfen Salz mögen. Jedenfalls werden die Boilies steinhart. Am Orient haben wir unsere Köder oft bis zu vier Tagen am Spot liegen gelassen, was uns auch an anderen Gewässern gute Fische beschert hat.

Vier Tage? Das nenne ich Vertrauen. Wegen schlechten Wetters oder wegen Angeldruck?
Beides. Manchmal inspezieren die Fische einen Köder über Tage hinweg. Oder man verscheucht sie durch das Füttern und Auslegen der Montagen und muss warten, bis sie wieder zurückkommen.

Alles fängt und nichts fängt, wie es so schön heißt. Aber manches fängt besser. Nun bin ich zwar absolut kein Flavour-Freak, Rod, aber dein Name ist synonym mit Scopex und dem Zeugs verdanke ich neben Chocolate Malt recht viel. Was sind deine persönliche Flavour-Favoriten? Die Besten aller Zeiten?
Das originale Scopex war der erste spezielle, speziell für Karpfen entwickelte Flavour und ist bis heute sehr erfolgreich. Vorhin erwähnte ich Tutti Frutti von Richworth, ebenfalls ein echter Killer. Und natürlich Monster Crab!

Wie entscheidend ist hier die Buttersäure?
Well, es ist immer die Kombination von verschiedenen Bestandteilen.

Etwa von synthetischen Aroma und natürlichen Extrakt?
Ja, etwa wie bei Shellfish Sense Appeal.

 Shellfish SA?! Das überrascht mich. Nach meiner Erfahrung ein gnadenlos überschätzter Fehlgriff, der außer Brassen so gut wie nichts fängt. Ich möchte niemanden raten, diesen Flavour zu fischen... - außer mir!
[Kurze Pause, Gelächter]

Was wird uns die Zukunft bringen?
Vor allem größere Fische, wesentlich größere Fische. Ich denke, dass Hundertpfünder [45 kg] möglich sind; vermutlich erleben wir in zwei, drei Jahren den ersten Neunzigpfünder [40,5 kg]!

Glückliches England: Eure Fische sind immer zehn Prozent schwerer... Was glaubst Du, werden die Fische eher aus freien Gewässern stammen oder aus Pay Lakes?
Ich hoffe aus einem öffentlichem Gewässer...

Rod, bei vielen Neueinsteigern verflaut die anfängliche Begeisterung leider recht schnell, nicht selten wegen ausbleibender Fänge. Was würdest du heute einem Anfänger raten?
Erstmal auf Weißfische zu stippen und sich ganz allmählich zu steigern.

Ups! Und wenn man bereits hoffnungslos dem Karpfenvirus erlegen ist...?
Wer seine Erwartungen zu hoch ansetzt, muß zweifellos enttäuscht werden, Wulf. Bevor man nach den magischen Dreißigern oder Vierzigern Ausschau hält, sollte man sich besser ein nettes Hausgewässer in der Nähe suchen und dies regelmäßig befischen. Die Größe der Fische ist zunächst ziemlich egal, nur sollte das Gewässer nicht völlig übersetzt sein. Dort lernt man genug, vor allem über Geduld...

Ein Ködertipp für Einsteiger?
Dosenmais! Wer damit regelmäßig fängt, egal was, sollte dann etwas dickere Schnur nehmen und Hartmais fischen. Ich würde niemanden raten wollen, das Angeln mit Boilies und mit einem Festblei zu beginnen.

Rod, ganz herzlichen Dank für das Gespräch! Ein letztes Wort?
„Tight Lines for all your readers! And enjoy your fishing, not matter how big they are!“