LK-Baits

Im Gespräch: Michael Kames

Von Markus Dittgen / September 2008

Er ist einer der erfolgreichsten Firmengründer in der deutschen, ja sogar internationalen Karpfenszene und hat durch viele Innovationen den Respekt und Neid anderer auf sich gezogen. Doch nur wenige wissen etwas über den Mann, der dahinter steht: Michael Kames von Mika Products. Wir sind froh darüber, die ersten zu sein, denen er ein ausführliches Interview gewährt hat und haben dabei mehr als nur ein paar wissenswerte Sachen herausgefunden.

Wer weis denn zum Beispiel, dass Michael eine ganze Zeit lang ein echter Hardcore-Angler war, der große Mengen von gigantischen Fischen auf die Schuppen gelegt hat? Oder wie die Gründung von Mika Products verlief? Oder was Michael als echter Kenner an Montagen empfiehlt? All das und noch viel mehr findet ihr nun in diesem Interview.

Michael Kames aka MIKAWie bist du zum Angeln und Karpfenangeln gekommen?
Wenn ich über diese Frage nachdenke, entsteht bei mir ein Schmunzeln auf den Lippen. Im Alter von sieben Jahren näherten sich meine Familie und ich umzugsbedingt einem 700 Meter entfernten, wunderschönen Angelgewässer. Ständig auf der Flucht vor dem Renovierungsstress, insbesondere dabei helfen zu müssen (Tapete abreißen und so weiter...), verbrachte ich die meiste Zeit am Baggersee und ging meinem neuen Hobby - „Angler gucken“ nach.

Etwas schüchtern stand ich stundenlang neben einem der älteren Angler aus der „Rentner-Gang“, wie sie später von uns Junganglern genannt wurden. Manchmal hatten die schon komische Ansichten für einen Siebenjährigen, aber auf sie war stets Verlass. Fast nach Stundenplan war Tag für Tag einer von ihnen am Wasser. Wie die älteren Herren mir später einmal erzählten, hielten sie mich anfangs für taubstumm.

Dies war wohl auch der Grund, warum sie meine stille, aber ständig nervende Anwesenheit geduldet haben. Nach einigen Wochen waren meine Eltern mit dem Renovieren fertig. Irgendwann in dieser Zeit muss es passiert sein, dass aus der Flucht vor der Arbeit Angelfieber wurde. In der Schule fieberte ich schon ab der ersten Pause darauf hin, wieder an das Wasser zu kommen. Von da ab begann es mich zu ärgern, wenn meine doch in die Jahren kommende Angelkollegen Biss um Biss verpennten. Dies war Anlass, mein Schweigen zu brechen. Ich schrie auf: „Biss, sie haben Biss!“ Der ältere Herr zuckte zusammen.

Entweder vor Verwunderung, dass der Taubstumme sprechen konnte, oder weil er sein Hörgerät wieder zu laut gestellt hatte. Jedenfalls war dies der Beginn einer super Freundschaft und meine Funktion als menschlicher Bissanzeiger war für mich der Einstieg in die Angelei. Tag für Tag stritten wir nun, weil ich als Co-Angler mit seiner Biss-Ausbeute nicht zufrieden war. Eines Tages motzte er mal wieder in seinen Bart: „So geht das nicht weiter mit uns“ und ging zum Kofferraum seines alten, klapprigen Mercedes. Ich erschrak und hatte die Tränen in den Augen stehen. Doch er kam grinsend mit einer vier Meter langen, beringten Stipprute zurück und sagte: „Dann zeig mal, dass du es besser kannst“ Konnte ich natürlich nicht, aber dies war nur eine Frage der Zeit und ich gewann ein internes Wettangeln nach dem anderen.

Nicht nur Kleinteile sind Michaels Spezialgebiet...Wie kam die Idee zu MIKA Products?
Wie es begann? Schon 1987, im Alter von 13 Jahren, begann ich mit der Produktion von Karpfenbleien, mit finanziellen Hintergedanken. An einem meiner Hausgewässer in Tüschenbroich, wurde ich von englischen Karpfenanglern, die dort in einem Nachbarort bei der Royal Air Force stationiert waren, vom Karpfenfieber infiziert. Aber da waren sie wieder – meine drei Probleme: 13 Jahre alt – Karpfenfieber, keinen Sponsor – Mama, Papa und keinen Pfennig in der Tasche, um dieses doch so schöne Hobby zu finanzieren. Also die Frage, wie komme ich an Geld? Da die kriminelle Laufbahn für mich nicht in Frage kam, blieb nur arbeiten oder Geschäfte machen. Jeder, der einmal 13 war, weis wohl, dass man in diesem Alter keinen Job bekommt. Also musste ich etwas verkaufen. Da ich aber nicht viel zu verkaufen hatte, blieben eigentlich nur die Birnenbleie, die ich für eigene Zwecke gegossen hatte. Also ca. 1.000 Birnenbleie in meine Fahrradkarre und...

So hier erst einmal Schluss, die ausführliche Version könnt ihr 2007 in meinem Buch „Klein Mika goes to Europe“ nachlesen. Bereits 1989 entstand der Name MIKA Products (aus den Anfangsbuchstaben meines Vor- und Zunamens). Von da an fing ich an meine Produkte „Made in Germany“ mit MIKA zu kennzeichnen. So kam es auch, dass rein zufällig Bleie, die von englischen Firmen oder in Deutschland von der Firma Balzer vertrieben wurden, ein MIKA-Logo hatten.

1990 hatte ich mit 13 verschiedenen Karpfenblei-Modellen eines der größten Bleiprogramme für die Karpfen- und Specimen-Angelei in Europa. Schon hier setzten wir Maßstäbe mit unseren innovativen Entwicklungen, z. B. unser Helikopter Blei, Spezial Tellerblei für die Selbsthak-Methode, oder unser Mika Leads, wohl eines der ersten Bleie, das für gute Flugeigenschaften und optimale Bodenhaftung und mit geringster Angriffsfläche für die Strömung entwickelt wurde. Zu dieser Zeit hatte man sich bei unseren englischen Mitbewerbern noch am einfachen Birnenblei erfreut. Neben unseren Bleien hatten wir schon ein umfangreiches Kleinteile-Programm, z.B. Rig Foam, Cork Balls, Spezial-Wirbel, Vorfächer, die verschiedensten Tubes und Beads...

Welche Firmenphilosophie verbirgt sich hinter deiner Firma und den Produkten? Hast du schon einmal einem Kunden von einem Produkt abgeraten?
An erster Stelle steht für mich immer die Qualität. Meine kleine Firma ist mein Leben, ich sage auch schon mal, sie ist wie mein Baby. Ich habe, wie schon erwähnt, ganz klein angefangen. Hinter allen meiner über 400 verschiedenen Artikel kann ich stehen. Sollte ich einmal bei einem neuen Produkt Zweifel an der Qualität haben, würde ich dieses nicht in mein Programm aufnehmen - koste es, was es wolle. Auch wenn es komisch klingt, aber ich mache diesen Job in meiner Firma nicht für’s Geld. Ich denke, dies ist der Grund, warum ich meinen Perfektionismus finanzieren und ausleben kann. Für mich hat die Bestätigung und die Zufriedenheit meiner Kunden einen höheren Stellenwert als Geld. Diese Einstellung, gepaart mit meinem Stolz und Ehrlichkeit, hat den Namen MIKA Products in Europa so stark gemacht.

Ein zufriedener AnglerIn Sachen Ehrlichkeit und Kunden von einem Produkt abraten, gebe ich einige Beispiele. Sollte ein Kunde irgendwelche Rigmontagen (wie z.B. einen Wirbel am Ende der Leadcoreschlaufe) bauen wollen, die nicht safety sind, würde ich dem Kunden immer davon abraten. Viele Kunden wollten von uns eine sandfarbene Kleinteile-Range haben. Auch wenn dies in unseren Augen Nonsens ist, haben wir es in der gewohnten MIKA Products-Qualität ins Programm aufgenommen. Von diesen Artikeln würde ich einem Kunden abraten, aber da dies keinem weh tut und es den Angler glücklich macht, soll das wohl so sein. Aber die Erwähnung, dass es der größte Quatsch ist, möchte und werde ich mir niemals verkneifen.

Du bist auf vielen Messen unterwegs, wie unterscheiden diese sich in den europäischen Ländern?
Bei den Shows und den Ausstellern gibt es kaum Unterschiede. Oft macht es den Eindruck wie eine große Reisegemeinschaft, die sich Woche um Woche in einem anderen Land wieder trifft. Bei den Besuchern gibt es da schon eher Unterschiede. Im Gegensatz zu Deutschland, ist das Alter von Neueinsteigern viel höher als bei uns. Oft können wir Kunden von 70 Jahren und älter an unserem Stand begrüßen. Auch das eine oder andere Sprachproblem und der damit verbundene Einsatz von Händen und Füßen, schreckt unsere sehr herzlichen, wissenshungrigen Kunden nicht von einem Beratungsgespräch ab. Abschließend möchte ich noch die für uns angenehmste Messe erwähnen. Dies war die Carp Expo in Wien, organisiert von Kurt Grabmayer und seinem Messe-Team. Einfach super Kurt! Wenn das so weitergeht, solltest du einmal über eine größere Halle nachdenken.

Dein Angebot wächst stetig, welche Produkte gehst du als nächstes an?
In diesem Jahr ist unsere Produktpalette gewachsen wie nie zuvor. Neben unserer Kleinteile-Serie „Background Systems“, produzieren wir nun auch unsere neue Köder-Serie „MIKA Baits intensiv“ in unserem Betrieb in Deutschland. Neben den vorher genannten Produkt-Gruppen, haben wir unsere Luggage-Serie mit ca. 20 Artikeln gestartet. Zelt, Bedchair, Schlafsack, Rucksack, Taschen usw. Nachdem wir uns in den letzten zwei Jahren mit der Textilproduktion in Deutschland beschäftigt haben, ohne ein ansprechendes Ergebnis zu erreichen, überlassen wir diesen Bereich nun den Profis. Es ist uns gelungen, einen der besten Produzenten der Welt in Fern-Ost für dieses Projekt zu gewinnen. Deshalb können wir nun auch im Luggage-Bereich unseren Kunden die beste Qualität zu fairen Preisen anbieten.

Du planst aber noch etwas anderes, oder?
Wie bereits viele mitbekommen haben, arbeitet das MIKA-Team zusammen mit einem lokalen Fernsehsender an einem Video, das viele Behauptungen englischer Hersteller nachweislich widerlegen wird. Diese Aufnahmen über- und unter Wasser wurden an natürlichen Gewässern gemacht, nicht an Club Pools oder im Gartenteich. Des Weiteren werden wir Sinn und Zweck von Tarnmontagen, das Fressverhalten, Bissanzeiger und Dinge, wovor der Karpfen wirklich Angst hat, ehrlich unter die Lupe nehmen. Weitere Infos werden wir ab der nächsten Ausgabe bei unserem freundlichen Co-Sponsor „carp connect“ veröffentlichen. Auch Buchtechnisch bin ich unterwegs.

Ende 2007 kommt mein Buch „Klein MIKA goes to Europe“ heraus. Darin werde ich die letzten 18 Jahre Revue passieren lassen, jugendlicher Jungunternehmer, Angler, Kläger gegen die Bundesrepublik Deutschland, usw. Alle die mir in den letzten Jahren auf die Füße gestiegen sind, können wieder aufatmen. Sie werden, auf Anraten meines Anwaltes und meiner Freunde, gar nicht erwähnt. Schade eigentlich...

Ein Koi und Michael in jungen JahrenWarum zeigst du erst jetzt mit diesem Interview Medienpräsenz?
Auf den Messen kamen immer mehr Kunden auf mich zu, die Interesse an meiner objektiven Meinung hatten und den Wunsch äußerten, mehr Informationen in den Medien zu finden. Da ich keinen Wert auf die Präsenz gekaufter Leute für Werbezwecke lege, möchte ich mir selber die Zeit nehmen. Das ist erst jetzt, wo mir mehr Angestellte die Arbeit erleichtern, möglich. Außerdem möchte ich einige Behauptungen anderer Firmen nicht länger hinnehmen.

Wie beeinflusst dich dein stetiger Umgang mit dem Karpfenangeln in deinen Ansichten zur eigenen Angelei? Hat dein Job dich vielleicht sogar gravierend verändert?
Zwar hat bei mir vor einigen Jahren ein Umdenken begonnen, aber der Job war dafür nicht in erster Linie verantwortlich. In den ersten Jahren gab es immer wieder Phasen des intensiven, oder -treffender gesagt- krankhaften Karpfenfischens. Es war ein regelrechter Zwang, jede freie Minute zu investieren für nur ein Ziel: Größer, schwerer, schöner. In meinem Wahn ging mir jeglicher Blick für die schönen Momente verloren. Mittlerweile (vielleicht bringt es das Alter mit sich) entscheidet nicht mehr der große Fang, ob ein Angeltrip erfolgreich war. Viel wertvoller ist es, die Zeit zu genießen, ein paar Tage mit guten Freunden in der Sonne entspannen und viel zu lachen. Wobei ich zugeben muss, dass ich mich im letzten Jahr hin und wieder dabei erwischt habe, dass mich das Fieber packt. Aber das ist auch nicht schlimm, solang man den Blick für das Wesentliche nicht verliert.

Welche Ansprüche und Ziele setzt du in deine Angelei?
Hauptziel für mich ist die Erholung, viel Spaß und gutes Essen zusammen mit Freunden.
Nebenziel: Ja, auch ich möchte einmal einen 25-Kilo-Fisch fangen. Und 2006 gebe ich Petrus auch mal die Chance, mir diesen Wunsch zu erfüllen. Denn dieses Jahr fische ich auch einmal an einem Wasser, wo auch 50er drin sind.
Ich meine solche 50er, die da auch drin sind - keine Importe von Berufsfischern...

Ich habe oft von deinen Frankreich- und Italien-Reisen gehört. Was zieht dich ins Ausland und welches Land könntest du bedenkenlos jedem weiterempfehlen?
Der Hauptgrund für meine Angelei im Ausland liegt darin, dass ich weit genug weg bin von meiner Firma und der Arbeit. Denn wenn ich über 1.000 km von zu Hause weg bin, überlege ich mir dreimal, ob ich heimreise. Heimatnah mussten leider schon viele Freunde von MIKA Abschied nehmen, wenn der Workaholic mal kurz zur Firma gefahren ist, um nach dem Rechten zu schauen. Ohne ins Detail zu gehen, kann ich Ungarn als Reiseziel empfehlen, die Gastfreundschaft und Herzlichkeit ist wunderbar. Aber auch hier gilt wie überall auf der Welt: „Wie man in den Wald rein ruft...“

 Interessieren dich noch andere Fischarten und welchen Stellenwert besitzen sie bei dir?
Neben der winterlichen Schwingspitzangelei habe ich in den letzten zwei Jahren das Wallerangeln für mich entdeckt. Leider lässt hier der große Fang noch auf sich warten. Aber wenigstens durfte ich bei einigen großen Fängen meiner Freunde dabei sein, was mich umso mehr angespornt hat, auch einmal einen Zweimeterfisch zu landen.

Wie siehst du die europäische Entwicklung des Karpfenangelns in Spanien, Frankreich, Italien und dem Ostblock?
In einigen Ländern, in denen das Karpfen-Angeln eigentlich noch in den Kinderschuhen steckt, ist es dennoch schon jetzt populärer als in Deutschland. In Frankreich und Italien beispielsweise hat das Karpfenangeln und die dazu gehörende Ausrüstung einen derart hohen Stellenwert wie in Deutschland das Auto. In Spanien wird neben dem Wallerangeln nun auch das Karpfenfischen immer beliebter. Durch das bekannt werden von immer mehr großen Fängen werden sich in der kommenden Zeit zunehmend mehr Angler für dieses Reiseziel entscheiden. Was die Ostblock-Staaten angeht, darf man mit großer Freude feststellen, dass sich die Kochtopf-Angelei immer mehr zum Catch and Release-Fischen wandelt.

Thema DKAC und Gesetze in BRD – was muss die Industrie machen, was können nur die Angler?
Die Industrie kann nur in Sachen Produktverbote (z.B. Bleiverbot) reagieren und Alternativ-Produkte auf den Markt bringen. Gegen die Gesetze wird die Angelindustrie in Zukunft wenig ausrichten können, da der Einfluss und die Politik zu gering ist. Druckmittel wie z. B. Arbeitsplätze werden nicht wesentlich ins Gewicht fallen. Ich würde nur eine Chance darin sehen, wenn man auf EU-Ebene, in Kooperation von Wirtschaft und Angel-Clubs, an einem Strang zieht.

Dein neuestes Projekt ist ja eine DVD über das Karpfenangeln: Erzähl uns mehr darüber!
Wir sind noch mitten im Schnitt und den Dreharbeiten. Einen wirklich guten Angelfilm mit Pfiff, Charme, Naturstimmungen und auch ein wenig Komik zu produzieren ist wahrlich eine Herausforderung, die mich und das Team mit Sicherheit noch längere Zeit beschäftigen wird. Wir, das heisst der Kameramann, der Cutter, der Coproduzent und ich, haben in den letzten Monaten ein paar Dinge ausprobiert und anderes verworfen. Angesichts dieser Ansprüche wird verständlich, dass ich mich nicht auf ein bestimmtes Veröffentlichungsdatum des Films festlegen werde – die Qualität soll entscheiden.

Wirklich erfolgreiches Angeln stellt eben immer eine reine Anpassung an die Situation dar. Das Erfolgsrezept von Gewässer A entpuppt sich halt häufig als Flop an Gewässer B. Und gerade dieses Reagieren an den Gewässertyp, das Wetter, die Beisslust, Angeldruck usw. usf. ist nur schwer in Worten zu erklären, aber verständlicher in Bildern zu zeigen.
Wobei selbstverständlich die reine Technik nicht zu sehr in den Vordergrund rücken darf, denn zu den größten Aufgaben zählt neben dem Fang selbst (und Karpfen sind ver**** kamerascheu!) vor allem die Aufrechterhaltung der Spannung: Sobald Fische, egal wie groß, den Part der weiblichen Hauptrolle über einen längeren Zeitraum ersetzen müssen, führt dies leicht zu dramaturgischen Problemen...

MIKA mit einem Fully-ScaledDas Thema Jugendarbeit: MIKA war immer Mitsponsor des carp.de / carp connect Jugend-Fish In‘s. Wie bewertest du inzwischen solche Events?
Ich halte Jugendarbeit, in Form von Schulungen, beim Angeln für sehr wichtig, da mir bei den letzten Veranstaltungen aufgefallen ist, wie viele Wissenslücken vorhanden sind. Mir hat es immer sehr viel Freude bereitet, dem Großteil der Teilnehmer einige Tipps mit auf den Weg zu geben. Aber nicht alles ist bei mir in guter Erinnerung geblieben. Zum Beispiel war der Neid und die Gier von einigen Teilnehmern und von Mitgliedern der Angelvereine, an denen diese Events abgehalten wurden, ins fast Unerträgliche gestiegen. Dennoch hoffe ich, dass ihr Jungs von carp connect und MIKA das JUFI bald wieder aufleben lassen, vielleicht einmal in Form von einer Jugendfreizeit im Ausland.

Als jemand, der alle Rigs dieser Welt kennt, musst du doch dennoch ein Lieblings-Rig haben. elches ist das und warum?
Das Line-Aligner-Rig, da dieses meinem damals verwendeten Bent-Hook am nächsten kommt. Ja, ich oute mich, auch ich war einer von den Bent-Hook-Anglern. Jedoch gab es nie Probleme im Fischmaul... Vielleicht lag das an meinen weichen 1¾ lbs. Ruten. Sollte ich mal keine fertigen Rigs in der Tasche haben, nehme ich aus Bequemlichkeit D-Hooks. Aber egal welches Rig ich verwende, stets ohne den Schnickschnack, den uns einige Rig-Tüftler vorbinden. Denn mein Motto lautet, je einfacher, desto besser.

Welche Ausrüstung würdest du auf eine einsame Karpfeninsel mitnehmen?
Schlafsack, Radio, Rute, Rolle und eine Bleigussform... Man kann ja nie wissen, vielleicht kommt irgendwann mal „Freitag“ vorbei und der braucht dann ja auch einen ordentlichen Job.

Was war die lustigste Sache, die dir bisher beim Angeln passiert ist?
Mein Freund Ralf und ich waren im 9. Schuljahr. Es war Donnerstag, das Wetter war super. Eigentlich optimal um mal wieder blau zu machen und ein paar Tage Fischen zu gehen. Schnell beim Hausarzt vorbei und wegen vorgetäuschter Kopf- und Bauchschmerzen ein Attest für die nächsten Tage ausstellen lassen, schon waren wir von der Schule befreit. Dann noch einen Chauffeur finden, der uns zum 20 km entfernten See bringt. Am See angekommen, das Rod Pod auf dem Steg aufgebaut und das Zelt hinterm Fahrradweg bei einem Anwohner im Garten postiert.

Immer für einen Spaß zu haben...Und schon: „Wochenende, du bist unseres“! Klingt alles super! Erste Nacht, kein Fisch und am nächsten Morgen von so einem ganz merkwürdigen Kläffer geweckt werden. Der war aber gar nicht das Problem, mehr der Besitzer am anderen Ende der Leine - Erdkundelehrer Furth sein Name. Ui, jetzt hatten wir ein Problem. Der hat uns so eingeschüchtert, dass wir sofort mit dem Einpacken angefangen haben. Brot, Käse, Wurst und die anderen angebrochenen Lebensmittel nebenbei in die hinterm Zelt stehende Mülltonne entsorgt. Nach dem Wurf einer Münze war Ralf der erste, der ca. drei Kilometer bis zum Tennisclub laufen musste, um eine Fahrgelegenheit zu organisieren, denn unser Chauffeur stand erst Sonntag-Mittag wieder zu Diensten.

Eine Stunde später kam Ralf ohne Erfolg zurück. Ich war bereits fertig mit dem Einpacken und machte mich nun selber auf den Weg, „Fluchthelfer“ vor unserem Lehrer zu finden. Aber leider auch ohne Erfolg. Als ich zurück zum Angelplatz kam, war der Lehrer weg. Wir hatten nun Freitag, 13.00 Uhr, Schulschluss, also Wochenende für jeden. Deshalb packten wir mit neuem Mut wieder aus. Nachdem wir alles aufgebaut hatten, losten wir aus, wer von uns in die Mülltonne klettern musste. Wie immer fiel das Los auf mich. Als ich gerade kopfüber in der Tonne steckte, kam ein älteres Ehepaar vorbei, die einige Meter weiter den Grill im Garten angeworfen hatten.

Sie waren empört und hielten uns für Landstreicher, die Essen im Müll suchen. Wir versuchten sie zu überzeugen, dass dem nicht so wäre, als aber die Tochter mit Würstchen und Kartoffelsalat ans Zelt kam, gingen uns schnell die Argumente aus. Fazit: Vollpension, zwei schöne Spiegler...und eine Lehrerkonferenz.

Was war dein größter anglerischer Erfolg und was machte ihn so besonders?
Der Fang meiner ersten 40-Pfünder in meinem verrücktesten und intensivsten Angeljahr der letzten 18 Jahre. Dies geschah in meinem ersten Ausbildungsjahr, in dem ich 247 Nächte am Wasser verbrachte, die sechs Wochen Jahresurlaub an ausländischen Gewässern mitgezählt. Bis der Knoten endlich platzte, fing ich 134 verschiedene Fische über 30 Pfund, davon fünf Fische von 39 Pfund, 300 gr. und vier Fische von 39 Pfund, 400 gr. Nach neun Jahren, als ich die Hoffnung bereits aufgegeben hatte, durfte ich innerhalb von 22 Tagen an drei verschiedenen Gewässern den Zeiger meiner Waage an der 20 kg-Marke vorbeischnellen sehen.

Das Besondere an diesem Jahr und diesen Fischen ist wohl die gewonnene Erkenntnis, dass jeder viele und große Fische fangen kann, wenn er nur verrückt genug ist, sein Privatleben gegen das Fischen einzutauschen. Aber ist es das wirklich wert? Also immer versuchen, mit dem Fischen und seiner Umwelt im Einklang zu sein.

 

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Dieses Interview fand im Februar 2006 statt