LK-Baits

Im Gespräch: Dirk Salomon

Von Markus Dittgen / Februar 2010

Dirk Salomon ist vielen Lesern durch seine gefühlvollen und geistreichen Artikel wohlbekannt. Der eine oder andere kennt auch noch die Diashow aus Bonn, welche das Karpfenangeln mal aus einem ganz anderen Blickwinkel zeigte. Bastian Reetz kennt Dirk schon viele Jahre und musste so einige Stunden mit ihm am Wasser verbringen. Er sagt, dass Dirks Angelstil sicherlich auch den eigenen stark beeinflusst hat. Deshalb hier einige Fragen, die spontan beim Sortieren von Dirks Tacklebox und zwei Gläsern Rotwein entstanden. Exklusiv erklärt Dirk auch das All-Inclusive-Rig!

Ein Herbstkarpfen für DirkDirk, bei unserer ersten Begegnung vor rund zehn Jahren liefst du Ende Februar in kurzen Hosen an meiner Angelstelle am Kanal vorbei. Eine dumme Frage von meinem Kanalufer fand sofort eine dumme Antwort von deiner Seite – direkt symphatisch! Nur wenige Stunden später machten mich Jubelschreie auf deine Erfolge aufmerksam, während ich nur einen besonders hässlichen und auch noch kleineren Karpfen landen konnte! Sag den Lesern doch mal, was du jetzt beruflich machst, wie und wann du zum Angeln gekommen bist und warum du auch bei den Karpfen hängen geblieben bist? Warum hast du kein cooles Hobby, sondern bist Freizeitangler?

In der Einleitung gerät doch einiges durcheinander. Dass deine Wahrnehmung dir so manchen Streich spielt, wusste ich ja, aber in diesem Maße? Ernsthaft, an diesem besagten Morgen, er liegt übrigens sieben Jahre zurück, habe ich alles, nur keine Erfolge gefeiert. Ich war mit einem Freund angeln, effektiv wie wir sind (Achtung Ironie!), jeder auf einem Kanalufer. Morgens sollte ich für ihn ein paar Fische fotografieren. Hierzu musste ich die ca. 1,5 km Fußmarsch von meiner Angelstelle zum Auto auf mich nehmen, um dann ca. 2,5 km mit dem Auto zu fahren und dann wieder ca. 500 Meter laufen.

Eigentlich haben wir nur gut 40 Meter auseinander gesessen, dies allerdings, wie eingangs beschrieben, auf verschiedenen Ufern dieses landschaftlich äußerst reizvollen Kanals. Ich selber hatte in dieser Nacht auch nur einen Fisch gefangen, aber die ganze Nacht die nicht still stehenden Bissanzeiger vom anderen Ufer gehört. Als ich mich dann den Weg am Kanal entlang quälte, musste ich mich auch noch dumm anquatschen lassen, da kann die Antwort schon mal ein wenig patzig ausfallen.

Kurzum, die Jubelschreie kamen also ganz bestimmt nicht aus meiner Kehle. Ich habe allerdings auf der Stelle, die du in dieser Nacht befischt hast, schon Jahre vorher, während einer Stippmeisterschaft, grandiose Erfolge feiern können. Mit dem Angeln habe ich schon vor geraumer Zeit begonnen. Da mein Großvater und auch mein Vater Angler sind, ist mir die Fischerei quasi in die Wiege gelegt worden.

Ging es früher vornehmlich zum Spinnfischen und von Zeit zu Zeit mit der Stipprute ans Wasser, wurde auch ich irgendwann vom Karpfenvirus infiziert. Genau genommen lag die Ursache wohl in einem Stippen am Dortmund-Ems-Kanal. Ich konnte an einem Morgen neben einigen Rotaugen und Brassen auch zwei Karpfen mit der Matchrute fangen. Die Kraft dieser Fische, die langen Fluchten und die Größe dieser beiden Karpfen ebneten den Einstieg in eine Angelei, deren Faszination bis heute anhält. Verstärkt durch die ersten Berichte in den Angelmedien (Veröffentlichungen im Blinker und in der Angelwoche (Kanalangeln usw.) wurden Pläne geschmiedet und Angelnächte geplant. Die Touren, mit den voll bepackten Fahrradanhängern am Kanal entlang, sind dabei noch in guter Erinnerung geblieben. Ich denke, dies wird so Anfang der 90er gewesen sein.

Während dieser Jahre habe ich viel gelernt, vor allem von einigen Leuten, die einige Jahrgangsstufen über mir, zur selben Schule gingen. Im Wesentlichen bleibt aus dieser Zeit die Erkenntnis, dass man mit 80 Gramm Flossenbleien, steifen Tubes, komischen Haken, Vorfächern und allerlei weiterem eigenartigem Zeug eigentlich ganz gut Fische fangen konnte, wenn man nur regelmäßig anfütterte. Die genau abgewogenen 400 Gramm Boilies mögen aus heutiger Sicht eine vielleicht lächerliche Menge gewesen sein, aber sie flogen an jedem Abend in den kleinen Kanal. Die Vorfreude auf ein bis zwei Angelnächte war riesengroß. Am Wochenende ging es dann zum Wasser; es klappte eigentlich nichts routiniert, irgendetwas war immer kaputt und man war am Sonntagmittag dreckig wie ein Erdferkel.

Dann und wann aber bekam man einen der doch eigentlich unfangbaren, Karpfen ans Band. Eigentlich eine unbekümmerte und nette Zeit. Beruflich und privat bin ich mittlerweile im Bergischen Land angekommen und nach einigen Jahren des Studiums in Rheinland-Pfalz bzw. Hessen stelle ich fest, dass es in NRW doch am schönsten ist. Die teilweise wochenlangen Abschnitte ohne Regen und Wolken in Rheinland-Pfalz haben mir doch sehr aufs Gemüt geschlagen. Allerdings habe ich meiner Frau vor unserem Umzug verheimlicht, dass es nur in den Hochalpen und in einigen Regionen des Schwarzwaldes mehr regnet, als im Bergischen Land… Willkommen zu Hause! Abschließend: Ich habe eine Vielzahl von ultracoolen Hobbys!

 

Ein richtig schöner Schuppi!Sehr oft habe ich dich mit eindeutig nicht karpfengerechtem Gerät am Wasser gesehen und auch dafür getadelt. Deine Rollen waren viel zu klein, die 11 Fuß, 1,5 lb Ruten zu schwach, der Trinkwasserkanister nicht getarnt und dein Gefährt einem Badeboot sehr ähnlich. Was hat Angeln bei dir mit Genuss um einem persönlichen Angelstil zu tun. Warum nutzt du zum Beispiel so gerne diese weichen Ruten?

Schön, dass ich mit diesem „Stippkram“ aber oft mehr gefangen habe als du. Einem Freund ist auch mal die Frage gestellt worden, ob er mit diesen Rütchen nicht besser auf Barsche angeln sollte. Die Größen der gefangenen Fische von Frager und Befragtem standen hierbei allerdings im deutlichen Ungleichgewicht zu Gunsten des Befragten. Ich fische diese weichen Ruten oft, weil es in vielen Bereichen ganz einfach sinnvoll ist. Das Kanalangeln und das Angeln vom Boot aus mögen hier vielleicht als Beispiele dienen. Ich muss in den seltensten Fällen werfen und der Drill spielt sich weitestgehend in kurzer Entfernung unterhalb der Rutenspitze ab.

An kurzer Schnur kann die weiche Rute die Fluchten des Fisches deutlich besser abfangen als ein harter Besenstil. Die Folge sind weniger ausgeschlitzte Fische und ein deutlich verringertes Risiko von Verletzungen durch einen stark arbeitenden Haken. Ferner macht der Drill der zumindest bei mir von Zeit zu Zeit beißenden kleineren Karpfen deutlich mehr Freude. Ich bin bestimmt kein Verfechter des generellen Einsatzes von Ruten unterhalb der 2 lb Klasse. Harte Ruten haben ihre Berechtigung, zum Beispiel beim Einholen der Montagen auf weite Entfernungen, für präzises werfen auf mittlere bis weite Entfernungen und beim Einsatz der Methode „die Methode“. Den in der Frage angesprochenen Genuss empfind ich aber eher beim Angeln mit kurzen weichen Ruten und kleinen Rollen.

In einer alten Carp Fisher Zeitschrift gab es einen Bericht über den Fang eines großen Cassienkarpfens von John Buckley. Aus diesem Bericht („Margin Monster“) kommt ein Zitat, welches ich manches Mal mit einer gekrümmten Rute in der Hand vor mich hinmurmel: „The rod wasn´t made for this job.“ Bei dem anderen Krempel, mit dem ich so am Wasser sitze, sind es in den meisten Fällen einfach Dinge, die ich über die Zeit lieb gewonnen habe und die ich nicht missen möchte. Wirklich entscheidend sind diese Ausrüstungsgegenstände nicht und als stilbildend würde ich diese auch nicht bezeichnen. Es steht aber fest, dass man mich nie mit auf die Kleidung gedrucktem Laub oder mit einem Zelt, in dem ein Kleinwagen parkt, am Wasser sehen wird.

 

Seit einiger Zeit wiegst du deine Fänge nicht mehr. Eine Entscheidung, zu der ich mich noch nicht durchringen konnte, die ich aber voll verstehen kann. Erzähl uns mal, wie es dazu kam.

Das Wiegen der Fische finde ich unnötig. Ich fange gerne große Fische und in den meisten Fällen lässt es sich auch erkennen, wenn es sich um einen solchen handelt. Das absolute Gewicht interessiert mich an dieser Stelle nicht. Lange Jahre habe ich ziemlich präzise an einem Schuppenkarpfen mit einem bestimmten Gewicht vorbeigeangelt. Als er dann auf der Matte lag und ich ihn gewogen hatte, gab es eigentlich keinen Grund mehr für das Mitführen der Waage. Mit einem beherzten Tritt auf das Ziffernblatt war auch dieses Kapitel beendet. Wenn jemand seine Fische wiegen möchte, soll er das tun. Es kann ja auch aus verschieden Gründen interessant sein, wie sich das Gewicht einzelner Fische oder aller Fische eines Gewässers verändert. Mir selber ist es egal.

Im Groben gab es bei den Fischgewichten in den letzten Jahren eigentlich nur eine Richtung und zwar steil nach oben; dies erkenne ich auch ohne Waage. Die Genauigkeit der in Carphunterkreisen eingesetzten Waagen ist ein weiterer Aspekt. Die mitgeführten Waagen befinden sich bei Staub, Feuchtigkeit und unterschiedlichen Temperaturen im Einsatz. Vor diesem Hintergrund darf man doch die eine oder andere bis auf 25 Gramm genaue Gewichtsangabe zumindest anzweifeln. Im Übrigen tritt dieses Problem bei den in Mode gekommen Digitalwaagen genauso auf. Außerdem muss ich, wenn ich auf das Wiegen verzichte, schon wieder ein Teil weniger zum Wasser tragen. Diese Lücke im Rucksack ist allerdings blitzschnell mit irgendetwas anderem extrem sinnvollem und bestimmt nützlichem aufgefüllt.

 

Genieße den Tag!Aus den topaktuellen Karpfenmagazinen wissen wir ja beide, dass man seine Rigs absolut tarnen muss. Jeder Anfänger lernt das schon bei den Jugendangeln. Montagen ohne Leadcore funktionieren nicht mehr und auch der Safetyclip in der Tacklebox sollte in mindestens drei Farben vorrätig gehalten werden. Wie tarnst du also einen Fluo-Popup, setzt Strippa (Abcoater), Pulla, Rigbars und Cone(head?) ein? Was ist ein All-Inclusive-Rig und welche Rigs benutzt du?

Ich bin ganz bestimmt kein Experte auf diesem Gebiet und pauschale Urteile zum Thema Montagen werden der Sache nicht gerecht. Vielleicht gibt es Situationen, in denen der Einsatz von modernen Montagen (mindestens zwei Wirbel) sinnvoll ist. In meiner Anglerlaufbahn sind mir diese Situationen noch nicht begegnet. Im Regelfall halte ich meine Montagen sehr einfach. Meiner Meinung nach wird das mit Abstand beste Montagentuning durch Futterneid erreicht. Denn wenn auf einem großen Futterplatz Fische hektisch nach Futter suchen (damit der dicke hässliche Schuppi bitte nicht mehr abbekommt als man selber), wird die Montage verdammt schnell zur Nebensache! Dabei bleibt unbestritten, dass all die anderen bunten Montagen aus den Magazinen Fische fangen können und werden.

Ob sie dies zuverlässiger tun als eine „einfache“ Montage, sei zumindest bei der Angelei im Kanal oder in einem Fluss dahingestellt. Ich habe einfach sehr viel Vertrauen in ein Vorfach, bei dem ich sicher sein kann, dass es auch nach der halben Nacht in starker Strömung oder nach dem nächtlichen Ablassen in zehn Meter Tiefe noch sinnvoll am Boden liegt. Beim Angeln auf größeren Futterplätzen verwende ich meist Mono oder ummantelte Vorfächer von ca. 30 cm Länge, in kleinen Krautlücken darf es dann gerne ein wenig kürzer sein. In den meisten Fällen nutze ich Haken der Größe 6 (scharfe), ein bisschen Schrumpfschlauch ergibt hierbei einen Line Aligner, der den Haken besser drehen lässt. Für wichtig halte ich dann noch ein nicht zu kurzes Haar. Alles Weitere kann man machen, nur ob man damit mehr Fische fängt, darf aus meiner Sicht ernsthaft bezweifelt werden. Ein weiterer interessanter Punkt ist das unüberlegte und stumpfe Kopieren von Trendmontagen und Taktiken. Oftmals wird eine Herangehensweise kopiert, ohne dass der Leser und nachfolgende Anwender verstanden hat, wieso der jeweilige Autor genau dies in genau jener Situation getan hat.

In der Situation, in der sich der Autor befand, mag es ja noch richtig gewesen sein (er hat als Beweis oftmals auch den Spiegler X oder den Schuppi Y fotodokumentarisch beigefügt). Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass viele Leser den Hintergrund nicht in Gänze durchblicken. Wer dazu in der Lage ist, sollte selber nachdenken, anstatt Dinge zu kopieren und nicht zu hinterfragen. Von Stanislow Jercy Lec ist dies in eine kurze prägnante Form gebracht worden: „Ich hätte vieles begriffen, hätte man es mir nicht erklärt“. Wenn es allerdings wirklich hart auf hart geht und ich einen scheuen Großkarpfen (Moosrücken) überlisten will, kommt bei mir das All Inclusive Rig zum Einsatz. Das Geheimnis dieses Rigs liegt eigentlich in seiner unsagbaren Individualität. Selbst die Karpfen, die in einem wirklich regen Kontakt zu ihrer angelnden Umwelt stehen, kennen dieses Rig noch nicht. Zum Einsatz kommt alles, was man in einer ordentlichen Tackle Box findet.

Da die Box eines jeden Karpfenanglers sehr unterschiedlich bestückt ist, hat der versierte Großkarpfen das angebotene Vorfach bestimmt noch nie zu Gesicht bekommen. Bei dieser Montage sollten mindestens drei verschiedene Vorfachmaterialien verwendet werden, des weiteren geht es nicht unter zwei Wirbeln (natürlich mit Ring), als Haken kommt ein 6er Bleikopfhaken vom Twistern zum Einsatz (Counterweight und Fluo sind inklusive). Wichtig ist neben einem Frightener und einem Gummiband (egal wie eingebunden) auch der Einsatz von PVA in mindestens drei verschiedenen Auflösungsstufen. Zum Zusammenbauen dieses Kunstwerkes sind, neben einer guten Wasserpumpenzange und eines Engländers (das Werkzeug, nicht Frank Warwick) mindestens vier weitere Werkzeuge mit verwirrenden Bezeichnungen zu verwenden. „Bitte knacken Sie mir die Synapsen…“

Ein gutes Buch sollte immer dabei seinPerfekte Momente durfte ich auch schon mit dir am Wasser erleben. Ich erinnere mich da noch gern an zwei Bullen, ein nettes Grillen und einen Ginsterstrauch… Wie sieht für dich der ideale Angeltag aus?

Der ideale Angeltag kann ganz verschieden aussehen. Ohne dies weiter ausführen zu müssen, würde ich es wie folgt zusammenfassen wollen: „Mit Freunden, im Grünen, bei warmen Wetter und ein paar netten Fischen“. Diese Antwort kann alles und nichts bedeuten, aber genau so ist es auch gemeint. Manchmal bedeutet der ideale Angeltag auch: Alleine zu sein oder bei Regenwetter auf der Liege zu sitzen oder die Beleuchtung eines Industriehafens zu beobachten oder große Brassen beim Stippen zu fangen oder bei nebeligem Waschküchenwetter den Pike Bob nervös tanzen zu sehen oder oder... Für wichtig halte ich auch, dass man den gedanklichen Fokus nicht nur auf das Angeln legt, denn dann geht die Sicht auf die Einzigartigkeit einzelner Momente verloren.

 

Beide lesen wir sehr gerne am Wasser, heimlich am Arbeitsplatz und auf dem Klo. Doch oft beneide ich dich um deine riesige Karpfenbibliothek! Was ist dein Lieblingsbuch und welche Autoren schätzt du besonders?

Ich lese nie auf der Toilette, ich kenne diese Eigenschaft von einigen Bekannten, kann sie aber nicht im Ansatz nachempfinden. Also auf dem Klo wird nicht gelesen! Ansonsten stimmt es, ich lese sehr gerne und ein paar Bücher über das Angeln finden sich bestimmt in meiner Sammlung. Lange Jahre war „Cypry the Carp“ mein alleiniges Lieblingsbuch. Eine Geschichte über den Cartench Lake, einen Karpfen und einen Jungen, der zum Mann wird. Hört sich pathetisch an, ist aber trotzdem oder gerade deswegen ein absolutes Highlight aus anglerisch beeinflusster Feder. Relativ kritisch stehe ich einigen englischen wie auch deutschen Büchern der jüngeren Generation gegenüber. Zumeist handelt es sich bei diesen Büchern um reine Anleitungen zum Angeln.

Der Versuch auf diese Art und Weise Wissen unter die Leute zu bringen, kann nur scheitern und ist zusätzlich, zumindest für mich, äußerst uninteressant zu lesen. Im Besonderen denke ich hierbei an die Bücher von Simon Crow oder an das Karpfennachschlagewerk von Andreas Janitizki. Wer etwas über das Karpfenangeln lernen will, der sollte einmal „De dunne Lijn“ von Luc De Baets lesen. Auf gut 300 Seiten findet sich hier wirklich geballtes Wissen, welches zum Großteil in nette Geschichten verpackt wurde. Als kurzweilig sind auch die Bücher von Rod Hutchinson zu bezeichnen. Neben dem englischen Humor, den lustigen Frisuren und der fragwürdigen Mode ist insbesondere auch das Cover von „The Carp strikes back“ gut gelungen. Wieso der Autor sich nach einem Orgasmus für das Cover eines Karpfenbuchs fotografieren lässt, bleibt aber wohl sein Geheimnis. Das letzte Buch, welches mich wirklich beeindruckt hat, ist „Still Searching“ von Terry Hearn.

Durch die netten Geschichten und guten Bilder kann ich sogar über die Tribaltarnjacken hinweg sehen. Um nicht vollständig dem Stumpfsinn des Karpfenfischens zu erliegen, gibt es auch noch ein paar weitere Bücher, die ich gerne gelesen habe und von Zeit zu Zeit auch nochmals hervorhole. Insbesondere die Bücher von Messner, Hedin, Haas, Krakauer. Dann „Moby Dick“ und „Der alte Mann und das Meer“.

 

So macht Angeln Spaß!Erfahrene Großkarpfen fressen heutzutage ja nur noch Dumbells und Fluo-Pop Ups in PVA-Tütchen! Glaubst du, dass es noch möglich ist, mit einfachen Ködern und Methoden zählbare Großfische zu fangen?

Ich lasse nach der Bombe mit dem All-Inclusive-Rig gleich den nächsten Hammer los. Äpfel! Auf dem Baitsektor ist ja in den letzten Jahren viel passiert, aber fernab der ganzen Diskussionen um hochwertige Baits, deren Farben, Inhaltsstoffe und Formen, ist ein Köder, der uns allen vor der Nase herumhängt, nicht ins Auge gefallen. Der gute alte Boskop-Apfel. Ein allein durch seine Größe äußerst selektiver und vielseitig einsetzbarer Köder. Gerade als verführerischer Pop Up über einem Bett aus Kompott, wird er so machen Fisch hinter den 15 cm² großen PVA Stick Häufchen hervorlocken… In Stichpunkten (in der Hoffnung, dass es dann besser einhämmert):
- Ein wenig nachdenken und schauen.
- Ein gewisses Maß an Intuition, schon ist die richtige Stelle gefunden.
- Regelmäßig Futter auf die Stelle, gerne auch viel Partikel, Pellets und Boilies. Letztere müssen gut sein, aber keine Geheimnisse bergen.
- Angeln und fangen.

Es ist schon klar, dass dies zugegebenermaßen etwas vereinfachte System nicht immer funktionieren wird. Meiner Meinung nach ist es aber in den meisten Fällen nicht wesentlich mehr. Wir müssen uns vor Augen führen, was wir mit dem Anfüttern erreichen wollen. Wir wollen Karpfen fangen. Dazu benötigen wir ihre Aufmerksamkeit. Wer mit Partikeln füttert hat mit ziemlicher Sicherheit Aktionen auf dem Futterplatz und das bekommen die Karpfen mit großer Wahrscheinlichkeit mit. Wenn sie erst einmal auf den Futterplatz aufmerksam geworden sind fressen sie, bewegen sich mal wieder weg, kommen wieder. Während dieser Zeit ist auch schon ein anderer Karpfen auf dem Futterplatz aktiv. Mit ein wenig Geduld und weiterem Futter sind dann nach einer gewissen Zeit einige Fische am Platz, die um das Futter konkurrieren.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann man auch den Line Aligner falsch binden oder das Blei nicht pulver-coaten. Die Fische werden den Hakenköder so aufnehmen, dass sich ein Fisch hakt. Und wenn es beim ersten nicht hakt, dann kommt der nächste! Bei dem wird es klappen. Es ist einleuchtend, dass es viele Situationen gibt, bei denen man wegen der Entfernung zum Gewässer, dem vorhandenen Angeldruck oder ähnlichem nicht wie oben angeführt fischen kann. Zu diesen Zeiten wird allerdings vieles Zufall bleiben…

 

Kanal-Spiegler während einer FotosessionTauchende Angler sind für viele moralisch nicht vertretbar, auch über Futterboote wird viel diskutiert. Was ist deine Meinung dazu, da wir ja auch gerne mit der Taucherbrille unterwegs sind? Sparst du auf ein Futterboot?

Du kannst schwimmen? Das war mir noch gar nicht bekannt. Aber es stimmt schon, ich tauche auch gerne. Allerdings nur, wenn es die äußeren Bedingungen zulassen. Ich gehöre nicht zu denen, die sich bei winterlichen Temperaturen in den sichtlich zu engen Neoprenanzug quälen, um die Montage effektiv abzulegen. Ferner verfüge ich auch nicht über einen ausgeprägten Eigenechthaarschwimmanzug, durch den ein Freund (Apnoe-Ralf) in der Lage ist, bei 16 Grad kaltem Wasser noch in zehn Meter Tiefe nach Futter und Futterstellen zu gucken.

An dieser Stelle kann man auch getrost auf die vorherige Frage verweisen: Große Futterplätze mit viel Futter machen solch einen Klimbim unnötig. Dabei bleibt aber unbestritten, dass die Unterwasserwelt, durch die Taucherbrille betrachtet, eine Faszination ausstrahlt, der man sich kaum entziehen kann. Ferner ist es äußerst lehrreich, Fische unter Wasser fressen zu sehen, ihr Verhalten zu studieren und daraus Rückschlüsse auf seine eigene Angelei ziehen zu können. Wer das Verhalten von Karpfen unter Wasser beobachten durfte, wird mir sicher Recht geben, dass man aus diesen Beobachtungen erheblich praxistauglichere Erkenntnisse ziehen kann, als durch die stark in Mode gekommenen Unterwasser-DVDs.

Außerdem macht es Spaß, ein Blei in das weiche Sediment zu drücken, ein bisschen loses Futter zu verstreuen und das Tetrapack mit Kondensmilch über dem Futterplatz auszudrücken. Wenn diese Falle zuschnappt und man mit der gekrümmten Rute im Wasser steht, kommt Freude auf. Eine Diskussion über Moral im Zusammenhang mit dem Karpfenangeln halte ich zudem für wenig zielführend.

 

Abschließend ein letztes Wort von dir zum Abschneiden deutscher Teams bei den diversen Karpfenmeisterschaften. Wie könnten sie besser abschneiden, damit sich der Erfolg von Becker/Ulshöfer wiederholen ließe? Was gibst du unseren Jungs für künftige Wettkämpfe mit auf den Weg?

Ich denke nicht, dass der Erfolg von Becker/Ulshöfer noch zu wiederholen ist. Dieses Ergebnis sehe ich eigentlich in einer Riege mit dem Erfolg der deutschen Fußballnationalmanschaft 1954 (Wir sind wieder wer! Wer sind wir denn?), dem ersten Wimbledonsieg von Becker oder den grandiosen Auftritten eines Jan Ulrich bei der Tour 1996. Allerdings kann ich manches Mal nicht verstehen, wer die Auswahl zur Teilnahme an diesen Meisterschaften trifft. Seit Jahren plädiere ich schon für die Einführung einer Karpfenangelbundesliga mit Vertragspoker, Wechselgerüchten, Merchandise und dem üblichen Kampf um TV-Rechte. Auf der Grundlage dieser Ligaergebnisse könnte uns dann die objektiv beste Mannschaft auch international vertreten.Vielleicht kann man sich das phantastische Gesamte dieses Hobbys erhalten. In diesem Sinne schließe ich mit einem Zitat von Markus M. Ronner: „Genuss ist eine Frage der Phantasie“.