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Kunstfell - Gedanken zum Karpfenangeln

Von Jan-Simon Saamen / Dezember 2011

Laut pfeift der Wind um das Schirmgestänge und haut mir seinen kalten Atem um die Ohren. Wie bewundere ich in diesem Moment die Enten vor mir. Sie tauchen bei dieser Eiseskälte und schütteln das bisschen Wasser, das nicht an ihnen abperlt, einfach aus dem Gefieder. Ich kann das nicht. Mein cooler Baumwollhoody ist daher von der Fotosession pitschenass und so liege ich in meinem Schlafsack, zittere mir einen zurecht und komme zu dem Schluss, dass der Stylefaktor dieses Kleidungsstückes nicht ausreicht, um mich warmzuhalten.

Welches wäre deine Wahl?Das ist Jahre her, aber damals wünschte ich manchmal wirklich ein Wasservogel zu sein. In ihrem maßgeschneiderten Bioanzug sind die Kollegen an die Bedingungen am Wasser wesentlich besser angepasst als wir. Jämmerlich, wie glatt und nackt wir sind. Das hilft uns draußen nicht weiter. Wir frieren im Wind und verbrennen in der Sonne. Wir hatten mal Fell, aber das ist ja (bei den meisten) nicht mehr vorhanden. Da hilft einfach nur ein Kunstfell- Kleidung.

Aber das richtige muss es sein. Früher habe ich mir darum keine Gedanken gemacht. Was die richtige Farbe hatte und alt genug war, wurde angezogen. Scheiße, was habe ich gefroren. Immer war die Kleidung klamm und kalt. Selbst im Sommer, wenn abends die Sonne verschwand waren meine Skatepullis und ollen Jeans nicht richtig warm. Sahen aber gut aus.

Ein auch heute wichtiges Kriterium, wenn ich das richtig sehe. So viele Leute die auf Fotos immer stylisch daherkommen. Kapuzenpulli, leger Höschen, schnieke Sneakers. Sehr geil. Könnte man nach meinen Angelsessions allerdings alles mülltechnisch entsorgen. Der schöne englische Parkteich mit Steganlage und Rindenmulchwegen ist nämlich weit entfernt von meiner Angelrealität. Bei mir sind irgendwie immer Schlamm, Regen und ähnliche dreckige Dinge im Spiel. Selbst, wenn es mal Rasen gibt, sind doch bei den beliebten Vans –Verschnitten schnell die Socken nass.

Nicht stylisch, aber warm.Vielleicht bin ich da Weichei, aber das tue ich mir nicht mehr an. Zumal nasse Socken, am besten noch aus Baumwolle, im Zelt ein wirklich leckeres Klima mit tollem Dufterlebnis schaffen. Einer dieser ausgehfein gekleideten Jungs stand neulich vor meinem Zelt. Der See hatte wochenlang Wasser verloren und eine Schlammwüste hinterlassen. Ich selbst trug Stiefel, da man in Wassernähe auch mal gern bis kurz unter die Knie im Morast versank. Damit gab sich Kollege Schmalfuß nicht ab. Er stand in Nikes vor mir. Weißes Leder und Klettverschluss. Schien aber nicht so gut die Idee, denn als ich nachfragte, wieso denn bei dem schicken Schuhwerk die Hose in den ehemals weißen Tennissocken stecke, bekam ich eine eher säuerlich lautende Antwort: „So kommt der Schlamm wenigstens nicht zwischen die Zehen." Ach...?

Da sehe ich auf den Fotos doch lieber etwas verwegen aus, bin aber warm und trocken. Macht doch auch sonst keinen Spaß. Und mein Angeln vom Wetter abhängig machen will ich nicht. Zumal Schietwetter ja oft Fangwetter ist. Deshalb ist meine Angelbekleidung immer eher funktional als chic. Also im Sinne- Nikes, aber wasserdicht und bis zum Bauch. Aus meinem Schrank ist daher dieser ganze Freizeitkleidung- Baumwollkram rausgeflogen. Funktionsunterwäsche aus Kunstfaser, oder Merinowolle ersetzt meine T-Shirts und die Hoodies dürfen nur noch im Sommer mit.

Das macht den Unterschied bei Kleidung.Dafür gibt's jetzt gute Fleecejacken aus dem Outdoorgeschäft. Im Angelbereich gibt es auch diverse Sachen, die mir in Punkto Preis-Leistung aber bisher einfach nicht zusagen. Zu schlechtes Material, oftmals Baumwollanteile und hohe Preise. Nein. Dann gehe ich lieber bei den Kletter- und Wanderjungs einkaufen. Denn mit der Kleidung steht und fällt bei mir alles. Wenn sie funktioniert darf sie auch was kosten, denn Wetter ist ja immer und ich meist mittendrin. So wie letzte Woche. Ihr erinnert euch? Sturm, Hagel, Schneeregen und zwar massenhaft. Da saß ich im Boot. Erst beim Vertikalangeln in Holland und im Anschluss auf dem See Rüsslerfallen stellen. Der Regen war so massiv, dass ich entgegen meiner Gewohnheit sogar im Boot eine Wathose trug.

Bekanntlich kommt Wetter ja von oben und so spielt die Jacke für mich die noch wichtigere Rolle. Ich habe inzwischen eine wirklich gute gefunden, weshalb ich an dieser Stelle eine Lanze für ein Produkt breche, das doch aus der Angelindustrie stammt. Ein Teil mit dem massiven Namen „Nash ZT Sub 20 Three Way Coat" und mein Begleiter seit einigen Wochen. Super. Komplett wasserdicht. Selbst als ich beim Fotografieren meinen Ellbogen unter Wasser hatte blieb der Arm trocken. Und warm. Was ich noch wichtiger finde. Das Ding ist mit Daune gefüttert, also echt leicht und hat eine richtig gute Kapuze mit Fleece Inlet. Und damit auch ich Hering nicht friere gibt's eine Windstopper –Fleece Innenjacke zum einzippen inklusive. Während Martin bei Eisregen und Sturm in seiner Jacke aufgrund von Erfrierungserscheinungen wirklich keine Lust mehr auf Rutenlegen hatte, war mir dagegen mollig warm. Das ZT im Namen steht wie ich las für Zero Tolerance. Und der Name ist Programm bei der Jacke. So muss Angelkleidung sein.

Eine geniale Jacke: Nash ZT Sub 20 Three Way CoatAber Kleidung hat nicht nur Schutz- sondern wie man sieht auch Kommunikationsfunktion. Z.B. Bei den Mädels in den Karpfenproduktwerbungen. Die haben zwar fast nix an, aber das signalisiert ja auch was! Bei den Jungs in ihren Street- und Urbanklamotten wird deutlich- Hey ich bin Angler, aber nicht traditionell. Das finde ich wiederum gut an den Sachen, denn damit ist die Zeit von Loden, Wachsjacken und ausrangierter Flecktarn weitestgehend Geschichte. Zum Glück, denn dieses Zeug empfinden nicht umsonst so viele Leute als altmodisch oder asozial. Der neue Stil wirkt unserem althergebrachten Image in der Gesellschaft entgegen. Ist doch prima. Und wenn die Jungs mal nicht mehr frieren wollen, empfehle ich Outdoorbekleidung von Mammut etc. Sieht ja auch recht alltäglich aus. Ist aber wirklich angepasst an die Gegebenheiten draußen und qualitativer als der Stylerkram.

Was mein Signal damit ist? Vielleicht: Wetter? Ich kann trotzdem raus.

Und die Ente guckt doof, wenn ich jetzt spielen komme...

Jan-Simon