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Erinnerungen - Gedanken zum Karpfenangeln

Von Jan-Simon Saamen / Dezember 2012

Weihnachten naht. So langsam kehrt ein wenig Ruhe ein und ich registriere, das Jahr neigt sich dem Ende. Morgen noch die Hausmesse beim Kultladen Adventure Fishing und dann endet 2012 schon fast. Zeit für mich, ein wenig zurückzublicken...

Mein Gedächtnis 2012!Gemütlich so ein Kamin. Eingekuschelt sitze ich auf Haukes Couch. Leise knacken die Hölzer im Kamin, während sie verbrennen und wohlige Wärme spenden. Eigentlich müsste ich schlafen, so wie die anderen im Haus. Ich bin aber noch einmal aufgestanden, um zur Ruhe zu kommen. Und während ich, den Blick aus dem Fenster in den verschneiten Garten gerichtet, ein bisschen abschalte, versuche ich mir das Jahr in Erinnerung zu rufen.

Leichter gesagt als getan, denn beim besten Willen, fallen mir nur wenige Erlebnisse ein. Das meiste ist völlig weg. Das kann nicht sein. Ich rechne diesen Umstand der Müdigkeit zu, hole leise meinen Kalender und schlage nach. Die Seiten fassen sich verbraucht an, der Einband ist aus der Form gegangen, so häufig habe ich darin geblättert und geschrieben. Die Termine haben sich gehäuft und zudem anscheinend auch die Erinnerungen an die größeren Dinge verdrängt.

Mein erster aus Schweden in traumhafter NaturAufgeschlagen fällt mir sofort ein Termin in der Übersicht ins Auge. Einer, der nichts mit Angeln zu tun hat, aber dennoch sehr bedeutsam war. MATHE, steht dort. Stimmt, ich habe in diesem Jahr neben Bio auch mein Matheexamen geschrieben. Wochenlang habe ich danach gezittert, denn gelungen fand ich die Prüfung nicht. Als dann der erlösende Brief vom Prüfungsamt da war und meine Freundin morgens um halb sechs mit Pipi in den Augen vor Freude durch unser Schlafzimmer hüpfte, konnte ich nach Wochen wieder lachen. Die wochenlange Vorbereitung und Arbeit hatte sich ausgezahlt. Arbeit- Sie bestimmte insgesamt den Jahresverlauf. Neben der Arbeit für die Uni nahm Scale dabei den größten Teil meiner Zeit ein. Angedacht waren ein paar lustige T-Shirts und nun...

Jeden Tag habe ich dadurch inzwischen mit Menschen zu tun, von denen ich die meisten vor knapp einem Jahr nicht einmal kannte. Eine völlig neue Erfahrung. Beim Angeln an neuen Gewässern lernt man hier und da mal jemanden kennen. Jetzt lerne ich nicht nur teilweise täglich neue Leute kennen, sondern auch mit ihnen zu arbeiten. Kennt wohl jeder aus seinem Job, aber wer kann schon sagen, dass die meisten davon mit dem eigenen Hobby verbunden sind? Eine völlig neue Erfahrung für mich und so entstehen wie nebenbei auch privat neue Verbindungen.

Mehrtagesfahrt mit meiner JugendgruppeBezeichnend ist da ein Termin im Frühsommer mit Björn und Thomas von Carpheart.tv. Zu dem geplanten Interview kam noch ein weiteres hinzu und dann hieß es schon wieder- weiterfahren. Naja nicht ganz. Da ich seit einiger Zeit auf der Suche nach guten Wurfruten bin, wollte mir Björn seine Shimanos vorführen. Daraus wurde dann ein ganzer Wurfkontest zwischen uns Vieren. Die Chemie stimmte und so hielten wir fest, uns auch mal privat zum Angeln zu treffen. Leere Worte? Keine Spur, denn im letzten Monat rief mich Björn an, um einen Termin für gemeinsames Kanalangeln zu machen. Er plante eine knappe Woche an einer der Wasserstraßen in meiner Heimat und ich wollte für eine Nacht mitangeln. Eine recht lustige Begebenheit in meinem Jahr, denn es kam anders als geplant.

Da die Stelle nur mit dem Boot zu erreichen war, wollte mich Björn nachts nach meinem Feierabend mit dem Boot abholen. Meine Angelsachen standen seit dem Morgen schon neben seinen und ich dann nachts an verabredeter Stelle- allein. Björn kam nicht. Auch nicht, nachdem ich mehrfach seine Nummer gewählt und sein Handy hatte klingeln lassen. Mein Gesicht wurde länger und länger. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Vor Langeweile malte ich gedankenverloren mit dem Finger Figuren in den Frost der Spundwand und fuhr dann nach einer Stunde vergeblicher Versuche zu ihm zu gelangen, nach Hause. So gegen drei klingelte dann doch noch mein Handy. Björn hatte nichts von meinen Anrufen und seinem Wecker mitbekommen und war nun schlechten Gewissens aufgewacht. Beeindruckend sein Schlaf! Ans Wasser zog es mich zu dieser Stunde jedoch nicht mehr und ich versprach zum Frühstück zu kommen...

Mit Lia am WasserNette Begegnungen. Davon gab es insgesamt viele. Mal davon abgesehen, dass ich die Jungs aus unserem Team wirklich schätzen lernte, kamen viele neue Menschen hinzu. Norbert von Herrieden, Manuel von Carpleads, Jan von Naturebaits, die Carpheartjungs und so viele mehr, dass ich sie nicht alle aufzählen kann. Mir hat das in diesem Jahr eines deutlich gemacht: Die Szene ist völlig bescheuert, aber irgendwie gehört man trotz allem zusammen, ist durch etwas so Banales wie die Jagd nach Karpfen miteinander verbunden. Der Abend bei Hassan in Braunfels hat mir diesen Eindruck bestätigt. Youngster und alte Hasen, zusammen im gleichen Schuppen und mit demselben Thema- Angeln. Geht's genialer?

Apropos Angeln. Das kam bei mir definitiv zu kurz. Der Fokus hat sich ganz klar in Richtung Zukunftsgestaltung verschoben, aber war ich wirklich so wenig los? Staunend wühle ich innerlich und kann mir zwar den einen oder anderen Karpfen ins Gedächtnis rufen, aber mehr auch nicht. Mein Kalender erinnert mich auch hier. Da steht am 25.05 um 22:00 Uhr eingetragen: „Abfahrt Schweden" Das erste Mal in meinem Leben verbrachte ich über eine Woche mit Raubfischangeln. Mit Christopher und Lukas jagte ich sie am Lake Runn. Jetzt noch faszinieren mich die Fotos. Eine traumhafte Naturkulisse, schwierige Bedingungen und große Hechte. All das hatte ich schon fast vergessen.

Nette Begegnungen die mir zeigen: Wir sind eine Szene!2012 war voll. Voll von so vielen Begebenheiten, dass ich sie mir im Nachhinein nur durch meinen Kalender und mein Fotoarchiv in Erinnerung rufen kann. Momente mit Lia und meiner Freundin, Momente mit den Kids aus meiner Jugendgruppe, Momente der Stille am Wasser. So vieles ist passiert, das mein Gedächtnis all das nicht fassen kann.

Ich werde wohl in den nächsten Tagen intensiv stöbern und die vergangenen Monate noch einmal heraufbeschwören. Jetzt liegt der Kalender und der Laptop aber zugeschlagen auf meinen Knien und ich genieße die letzten Momente in Stille vor dem Kamin im Hause meines Freundes Hauke, bevor ich ins Bett gehe. Während sich mein Blick an der kleinen Laterne draußen im Schnee aufhängt, schicke ich innerlich ein „Danke" heraus in die Dunkelheit. Was wäre ein Leben allein und ohne all das...

Euch allen frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr. Ich freu mich drauf!

Jan-Simon