Danny und Co. - Gedanken zum Karpfenangeln
Ich drücke die kleine blaue Taste auf meiner Fernbedienung und mit einem leisen Klicken schaltet der Fernseher auf Standby. Meine Freundin ist unterwegs, draußen ist es kalt. Ich habe mir die Zeit mit einem Karpfenporno vertrieben. Danny Fairbrass und Consorten haben also gerade in meinem Wohnzimmer vorgeführt, wie man Lotet, Bleie in Rekordweite durch die Gegend wirft und mit einem Wurfrohr Boilies auf 100m bringt.
Vieles was die Jungs zeigen kennt man schon. Klar, ansonsten hätte man bisher wohl kaum Fische gefangen. Wie man Haken bindet, wusste ich definitiv und das das Metallding nicht stumpf sein darf ist auch klar. Aber die Jungs machen ja alles ein wenig spezieller. Hier noch ein Schläuchlein, dort noch ein Ringswivel, und da noch den Safetyzone-Leader. Aber bitte den Wirbel abkneifen und durch nen Quick Link ersetzen. Sonst wird’s nix mit der Semi-Fixed Montage. Alles wird erklärt, alles ist durchdacht. Den Verkaufsaspekt lasse ich mal aus. Auch, wenn ich schon als Dötz mit Montagen geangelt habe, die erst 50cm nach dem Wirbel abgestoppt wurden- meine hatten nicht den Style wie die von Danny.
Und einen „Style“ haben die Jungs ins Leben gerufen. Spätestens seit den Unterwasservideos sehe ich so viele geflochtene Schnüre auf Rollen, hängen wieder Bobbins anstatt Swingern unter den Ruten und die Karpfen sind mit Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Zumindest die alten und großen.
„Old English Style“ wurde durch „New English Style“ ersetzt. Haben wir früher ersteres kopiert, kopieren wir nun zweiteres. Ich stehe nur manchen Dingen ein wenig skeptisch gegenüber.
Also, die Sache mit dem Haken. Bitte nicht hauen, aber meine Montagen sind irgendwie noch veraltet und daher klebt an meinen Haken auch kein Teflon. Ich finde das Zeug ungesund und somit sind auch meine Pfannen komplett aus Edelstahl. Ein weiterer Aspekt- ich finde Haken ohne Beschichtung schärfer. „Wat ein Idiot“, denkt sich jetzt so mancher New- Styler, „so sieht der Fisch doch den Haken“!
Hmm. Genau das ist mein Dilemma. Sie sehen ihn, aber sie saugen ihn trotzdem ein. UND- bleiben hängen! Wie doof. Da gibt es jetzt so richtig gute Argumente für diese Tarnhaken und dann interessieren sich meine Fische einfach einen Dreck darum. Ist ja fast wie früher, als wir alle Old English Style, oder Denglish Style gefischt haben. Da haben die Haken auch geglitzert. Aber diese schlauen Fische können mit Glitzi-Fitzi am Gewäserboden vielleicht gar nix anfangen. Oder sind meine Boilies so gut?
Ich benutze zudem nicht mal das KD-Rig. Nein ehrlich. Ganz simpler No- Knot. 25Pfund Braid mit 6er Haken. Find ich super. Auch die Hakengröße. Danny fischt 10-12!
Ernsthaft. Wenn ich auf der Matte son Lulli liegen habe und dann meinen Haken entferne, habe ich das Gefühl, dass ich so schon unterdimensioniert angle. Son 6er Häkchen in nem Maul zu finden, indem eine Koladose Platz hat, ist schon was. Ich mag die richtig deutsche Methode mit 2/0er Ankern nicht, das englische Extrem finde ich aber noch blöder. Bei den Unterwasseraufnahmen als „Lumpi“ immer den Köder ausgespuckt hat, dachte ich bei mir: „Nimm doch mal nen ordentlich großen Haken und n größeren Köder. Legt sich besser im Maul hin, ist schwerer, größer, schwieriger auszuspucken- greift besser.“
Was macht der Mann? Nimmt nen Brassenhaken. Versteh einer die Welt. Aber wenn Lumpi sich dann doch aufgehangen hat, Angst haben, dass der Haken nicht hält, oder schlitzt.
Aber das ist English- Style new way. Und der ist in!
In der Zeit als Unterwasservideos von Korda gerade so richtig die Köpfe der angelnden Menschheit beherrschten, habe ich die megaverückten Engländer getroffen. (Irgendwelche, nicht die von Korda!) Am Cassien. Richtig nette Kerle. Und die zogen ihr englisches Ding durch. Das bedeutete in erster Instanz- kein Boot. Ehrlich. Sie hatten eins zum Moven und für den Extremfall im Drill. Location wurde aber mit der Markerrute betrieben und das Futter mit der Zwille, oder dem Easy-Stick ausgebracht. Schlagschnur hatten die Jungs nicht. Einfach ein 60g Inlineblei, hier ein Schläuchsken, da ein Schläuchsken, nen 8er Longshank am 15lbs Merlin- fertig.
Der Marker stand ja noch vom Loten, schnell ne 15er! Murmel aufgezogen und hinein damit. Ich dachte erst, die verkackeiern mich. Aber nein, das war deren Ernst. Während wir über deren und meine Methode am Cassien so diskutierten, pfiff dann auch noch die Rute ab. Wahnsinn. Seelenruhig schaltete der nette Engländer noch den Steve Neville Stahlpiepser ab und drillte dann seelenruhig vom Ufer aus. Ich war wie elektrisiert. Die Rute war ein Halbkreis und da war ein richtiges Monster zugange, aber der Inselbewohner blieb wo er war. Nix mit Boot!
Bis dann die Rute zurückschnellte und er neu auswerfen durfte, ohne dass der Kescher nass war. Fand der aber nicht so schlimm.
Gefangen haben die Jungs dann noch gut, auch richtig dicke, während wir kleine fingen. Wir haben noch viel mit ihnen diskutiert und gelacht, fingen später auch Bullen, aber beeindruckt war ich schon. Denn Bisse hatten sie weitaus mehr als wir.
Ja was denn nun? Fairbrassisch, oder althergebracht? Ich glaube, es ist egal. Beides fängt. Mal besser, mal schlechter. Ist man beidem nicht verschlossen, kann situativ reagiert werden. Ist ja klar.
Beispielsweise würde ich aktuell nicht mit 20er Murmeln und 6er Haken angeln. Bei 4°c Wassertemperatur ist ein 10er Boilie am 8er Häkchen bestimmt besser geeignet. Also mal bei Danny reinschielen wie der solche Winzigköder einsetzt. Die Videos hat man ja eh im Schrank, kann man also auch mal was lernen. Oder man geht auf die Internetseite, denn alles in Allem muss man ihnen eines lassen. Sie sind omnipräsent. Und das richtig qualitativ. Die Filme sind aufwendig gemacht, die Internetseite übersichtlich und ansprechend. Langweilig wird es ja eh nicht bei einem Quasseltalent wie Herrn Fairbrass. Wenns sein muss, erklärt der einem auch völlig überzeugend, wozu man immer nen Laubfrosch in der Tasche haben muss.
Das er so gut erzählen und erklären kann, hat aber auch für mich einen riesigen Vorteil. Die Angler achten seither mehr auf das, was sie tun. Sie nutzen z.B. ein Safety- Clip seiner Funktion entsprechend. Carp Care ist ein wichtiger Aspekt in den Videos und findet auch Anklang bei den Zuschauern.
Auch wenn ich Klin- ik misstraue, so hat doch heute jeder eine Abhakmatte und Fischpanade ist out. New English Style gibt klare Wege vor. Ob sie immer notwendig sind, sei mal dahin gestellt, aber sie schaden nicht. Jeder Anfänger kann hier gute Infos bekommen, sei es über Montagen, Futter, Carp- Care, denn Geheimnisse scheint es nicht zu geben. Zudem ist alles Pro Fisch und was will man mehr.
Ich fange also meine Fische weiterhin mit unbeschichteten Bleien und lege die Montagen vom Boot ab, verschließe mich aber auch nicht der Welle, die uns schon lange mitgenommen hat. Denn einige Erkenntnisse sind unseren weit voraus.
Oder?
Jan-Simon






