Schläfer - Gedanken zum Karpfenangeln
Schlafen ist mit unserem Hobby in direkte Verbindung zu bringen. Wir fangen einen Großteil unserer Fische gewissermaßen im Schlaf. Nun gut, das ist wohl ein wenig provokant formuliert. Tatsache ist jedoch, dass an vielen Gewässern die Fische eher in den Nachtstunden aktiv sind und somit den Köder aufnehmen, während wir mehr, oder minder friedlich schlummern.
Ist der Köder einmal im Maul verschwunden, wird eine Reihe von Prozessen ausgelöst. Der Fisch erschrickt, bewegt sich und der Haken setzt sich. Schießt nun der in die Falle getappte Fisch davon, ertönt im Regelfall der Buzzer.
Und jetzt kommt der Schlaf ins Spiel. Es gibt nämlich meiner Erfahrung nach verschiedene Schlaftypen, bzw. Aufwachtypen. Jede dieser Typengruppen hat so ihre Eigenheiten, die bei unserer Art zu angeln mehr, oder minder erstaunliche Verhaltensweisen, beim nächtlichen Biss, bedingen und völlig verschieden reagieren. Mal mehr, mal weniger lustig...
Ich persönlich bin ein Tiefschläfer von Natur aus. Bedingt durch diese Veranlagung, muss ich meine komplette Bissanzeige darauf ausrichten, um auch wirklich wach zu werden. Meine Carp-Sounder Funkbox ist ja schon ab Werk recht laut. Bei mir jedoch musste ein spezieller Piezo verbaut werden, um mich wach zu bekommen. Nicht zwingend die Lautstärke ist entscheidend, sonder die Höhe der Tonfrequenz. Wo machbar, schalte ich inzwischen noch die Nachtlichtfunktion ein und lege mir die Box mit auf die Liege. So wird es ad hoc hell und ich registriere den Biss mit einem weiteren meiner Sinne – dem Sehsinn. Wenn diese Funktion zu auffällig ist, gibt es zudem ja immer noch den Vibraalarm...
Übertrieben? Für manche vielleicht, denn sie wachen schon bei viel geringeren Weckimpulsen auf und registrieren einen Biss. Mein Freund Christian ist so ein Mensch. Er hat seine Funkbox grundsätzlich auf einen tiefen Ton eingestellt und das Volumenrädchen meist kaum aufgedreht. Egal was um ihn herum geschieht, er bekommt es mit. Nicht so bei mir, oder einem anderen Freund – Jan. Wir schlafen wie die Murmeltiere. Egal ob früher auf einer Isomatte, einer durchgelegenen Gartenliege, oder eben heute auf einer superbequemen Dreibeinliege. Unser Dasein im Traumland kann nichts erschüttern. Chris und ich sind in unserem Schlafverhalten völlig unterschiedlich und das kommt auch manchmal zu emotionalen Verstimmungen.
Erst neulich gab meine Sounderbox zwei einzelne Töne von sich und danach war Ruhe. Der Fisch war auf uns zugeschwommen, der Swinger ein Stück gefallen und das war es. Ich wurde erst dadurch geweckt, dass Christian, der natürlich alles mitbekommen hatte, während er den Fisch drillte, einen Grashalm über das Laufrädchen zog. Schlaftrunken krabbelte ich aus meinem mobilen Bett und übernahm die Aufgabe des Kescherboys. Christian war echt verärgert und schimpfte, was ich denn für ein Angler sei. Nicht mal die Bisse bekäme ich mit.
Aber was sollte ich schon machen, Absicht steckte beileibe keine dahinter! In solchen Situationen ist es jedoch schon ärgerlich, ja peinlich, einer derjenigen Schlaftypen zu verkörpern, die auch während einer Raveparty friedlich pennen können.
Doch im Wesentlichen ist es ja gar nicht so entscheidend, welchen Schlaftyp man verkörpert. Wichtiger ist, welchem „Aufwachtypen“ man entspricht. Ich bin ganz klar der Typ der tendenziell gar nicht aufwacht. Zwei so kleine Piepser bekommen mich einfach nicht wach. Um mich aus dem Tran zu reißen, bedarf es eines, wie beschrieben, mächtigeren Impulses. Sobald dieser zu meinem Bewusstsein vorgedrungen ist, muss ich eine Menge Selbstdisziplin und Willen aufwenden, um aktiv zu werden. Ich könnte mich nämlich auch einfach umdrehen und weiterratzen, denn wirklich störend finde ich den Buzzerton nicht.
Oder sagen wir es so. Er kann mich nicht vom Schlafen abhalten. Ich muss mir sofort ins Bewusstsein rufen, dass dieses Signal von einem Wasserschweinchen verursacht wird, das an meiner Schnur rupft. Schaffte ich diese Verbindung nicht- ich würde weiterpennen und wahrscheinlich morgens mit einem Hörschaden aufwachen. Bin ich aber einmal wach, bin ich orientiert und koordiniert. Das ist nicht selbstverständlich, wie ich noch zeigen werde.
Welche Aufwachtypen gibt es noch? Da sind zunächst Typen wie Christian. Er schnarcht, dass der Wald hinter uns eine angst-bedingte Gänsehaut bekommt und registriert diesen Lärm nicht mal ansatzweise, ist aber SOFORT wach, wenn einen Kilometer weiter ein Wildschwein rülpst. Rappelt die Rute los steht er sofort senkrecht im Zelt. Ganz ehrlich. Er bräuchte auch eigentlich keinen Bissanzeiger. Das Knarren der Rolle ist laut genug für seine Inspektor- Gadget-Ohren. Diese Gabe finde ich persönlich phänomenal.
Was ich persönlich jedoch genial finde, sind diejenigen Angler, die recht schnell wach sind, der Kopf aber noch völlig im Ruhemodus bleibt. Denke ich an ein Erlebnis während einer Tour an den Cassien, muss ich noch heute lachen.
Ich teilte mir das Zelt mit einem meiner besten Freunde. Es war Winter und die Bisse rar. Als mitten in der Nacht dann einer der seltenen Runs erfolgte, wachte ich wie immer einen Moment später als mein Mitangler auf, aber noch früh genug, um ihn beim Aufstehen zu beobachten. Wie von der Tarantel gestochen sprang er von der Liege, zog im Laufen völlig unkoordiniert meinen rechten Stiefel an seinen linken Fuß, den anderen ließ er aus. Als nächstes nahm er die Rute auf, schob das Bananaboot ins Wasser, warf den Kescher heraus und stieß sich ab. Ich beobachtete all dies zunächst mit stummem Staunen, zumindest bis der Kescher im Uferwasser landete.
Als ich das sah, konnte ich nicht mehr. Laut lachend folgte ich in seinen Stiefeln(vier Nummern zu klein), um ihm zur Hilfe zu kommen. In dem Moment war ich mir einfach nicht sicher was besser ist- später aufzuwachen, oder schlafend loszurennen. Als ich kurze Zeit später bei -8°c im Boot saß und meine desorientierten Kumpane zum Fisch ruderte, wurde es mir aber klar. Mein Aufwachverhalten war und ist definitiv besser. Hatte ich nämlich meine Dicke Jacke im Laufen gegriffen, drillte mein Bootspartner in Unterwäsche und hielt sich nur durch Zittern warm...
Es gibt da noch einen anderen Schlaftypen, aber der ist mit lustigen Mittelchen, wie Sportzigaretten, Alkohol, oder ähnlichem hausgemacht. Wer schon mal mit jemandem angeln war, der sich schlichtweg nur totlachen konnte als der Swinger in Richtung Blank wanderte, einfach weil sein Hirn völlig in grünen Dunst gehüllt war, weiß, dass dieser Typ nicht weiter erwähnenswert ist.
Welches Schlafverhalten und, oder Aufwachverhalten nun das Beste ist? Ehrlich gesagt- ich habe keinen Schimmer. Ist ja eh irrelevant, man kann es auch trotz jeder Erkenntnis nicht ändern... Lustig und interessant diese Typen zu beobachten, ist es dennoch.
Was mir jedoch aufgefallen ist: Das Schlafverhalten wandelt sich. Mal schläft man tendenziell tiefer, mal eher flach und mit Unterbrechungen, wohlgemerkt ohne dass ein Biss dafür verantwortlich wäre. Entscheidend dafür ist der Angelplatz. „Kluges Köpfchen“ wird sich so mancher denken, „wäre ich ja nie drauf gekommen“. Ich spreche jedoch nicht von Extrembeispielen.
Es versteht sich ja von selbst, dass der Angelplatz unter einer Autobahnbrücke, oder an einem Jugendtreffpunkt generell unruhigeres Schlafen bedingt, als das Nächtigen an einem einsamen Natursee. Aber so mancher Platz ruft einfach Unwohlsein hervor, andere lassen einen schlafen wie ein Baby. Es gibt z.B. einen See, an dem ich mich einfach beklemmt fühle. Über diesem Ort liegt nachts ein seltsam schwerer Schleier. Undurchdringbar, einengend und unheimlich Es gibt kaum Geräusche dort, ich habe immer das Gefühl einen Beobachter in meinem Rücken zu spüren. Selbst ich mit meinem Bärenschlaf pofe dort nicht gut und meide derartige Plätze nach einschlägiger Erfahrung. Was der wirkliche Grund für dieses Unwohlsein ist- ich weiß es einfach nicht. Vielleicht Wasseradern, Elektromagnetfelder, oder schlichtweg Einbildung...
Schlaft gut, oder besser nicht...
Jan-Simon






