LK-Baits

Lichtreflexionen - Gedanken zum Karpfenangeln

Von Jan-Simon Saamen / Februar 2011

Sind die Ruten ausgeworfen, die Bissanzeiger angeschaltet und die Liege wetterfest aufgestellt, beginne ich mit der Suche. Ich suche nach etwas Bestimmtem. Ich suche nach Eindrücken und versuche diese einzufangen. Jede Session ist anders und wandelt sich in sich minütlich. Es gibt ständig etwas Neues zu hören und zu sehen. Dies zu bemerken ist die eine Sache, die Besonderheiten für sich zu speichern eine andere. Tatsächlich speichere ich Laute und Geräuschkulissen recht gut wenn ich sie höre und so kommt es vor, dass ich mich einfach ins Gras setze, die Augen schließe und innerlich den Aufnahmeknopf drücke. Bei den Bildern ist das anders. Ich muss sie sehen, und das nicht nur vor meinem inneren Auge, um sie mit Erinnerungen an Gerüche und Gefühle zu verbinden. Mein Gedächtnis für Geräusche ist besser- einmal gespeichert, kann ich sie mir ins Gedächtnis rufen und verbinde damit eine bestimmte Erinnerung und Stimmung.

Ich betreibe das Angeln für mich, will mich einfach in die Natur einfügen und dem Alltag entfliehen. Zu Hause liebe ich es, in den Erinnerungen zu schwelgen und so begann ich schon früh Bilder zu machen. Zuerst nur mit der Kompakten meiner Mom, darin ein Kodak Film aus dem Supermarkt. Lustig wurde draufgedrückt und abgewartet, was die Kamera so aus der Situation machte. Aber ich wurde stets enttäuscht.

Ich konnte den Apparat eh nur selten an mich bringen, denn zu groß war die Angst meiner Ma um ihr gutes Stück. Hatte ich sie dann doch mal dazu gebracht mir die Kleinbildcam zu leihen, war ich anschließend wieder traurig. Das Ding produzierte nur Mist. Die Bilder die ich draußen gesehen hatte, hatten einen Charakter. Die Abbilder dessen, die ich aus dem Drogeriemarkt abholte, waren stumpf. Die Farben anders, der Fokus verschoben.

Irgendwann erzählte ich abends meinem Dad davon und seufzend legte er zur Seite, was er gerade las. Er hatte erkannt, dass sich in mir das Interesse an der Fotografie regte. Lange hatte er selbst fotografiert, war aber davon abgekommen, als er bemerkte, das er das Leben nur noch durch den Sucher sah...

Nichtsdestotrotz bekam ich Antworten auf meine Fragen und das waren viele, außerdem genau die, mit denen sich jeder Fotograf lange und fortwährend beschäftigt. Licht, Bokeh, Schärfe, Blenden, Verschlusszeiten, Fokus, Schatten usw. Ich benannte all das mit anderen Worten, aber darum drehte es sich. Ich wusste anschließend nicht viel mehr, aber eins wusste ich- es geht. Man kann Situationen originalgetreu einfangen!

Danach begann ich an meinem Ziel zu arbeiten. Bilder die in meinem Kopf so flüchtig schienen, wollte ich einfangen und das ging nur über die Fotografie. Ich stapfte also zum örtlichen Fotoladen und löcherte den netten Herren mit diversen Fragen, vor allem, was ich für eine Kamera benötige, denn das beschäftigte mich am meisten. Mit meinen sechzehn Lenzen wirkte ich wohl nicht gerade als kaufkräftiger Kunde, aber dennoch empfahl er mir eine Spiegelreflexkamera zu kaufen. 500 Mark sollte ein gutes Set kosten... Oh Mann! So viel hatte ich nicht und würde ich nie haben. Das konnte ich mir aus dem Kopf schlagen. Also Kommando zurück und abwarten.

Mit neunzehn kaufte ich dann für 180Kröten die vollanaloge Ricoh TLS 401 meines Onkels. Ebay hatte ich nicht auf dem Schirm und gab mehr Geld für weniger aus, als hätte sein müssen. Dazu noch für eine Uraltkamera aus den 80ern.

Aber diese Kamera war perfekt. Denn sie lehrte mich zu fotografieren. Hier ging nichts von allein. Autofokus, AutoISO oder irgend ein anderes Automatikding war nicht möglich. Und so lernte ich von Bedeutung der Blende, lernte manuell zu fokussieren(auch schnelle Objekte so einzufangen), erarbeitete mir die Bedeutung von ISO/ASA, was das mit der Verschlusszeit zu tun hat, wie man mit dem Belichtungsmesser arbeitet und warum man verwackelt. Man musste mir erklären, was Lichtstärke eines Objektives bedeutet und was Bokeh und Schärfentiefe ist. Kurzum, ich kämpfte mich durch die Grundlagen der Fotografie und lernte sie zu verknüpfen.

Meine Kamera konnte nichts selber. Sie machte nur exakt das, was ich an ihr einstellte. Ich liebte es. Freunde von mir hantierten mit den ersten Digicams und Papas vollautomatischer Canon, die x Bilder die Sekunde machen konnte. Ich aber machte die guten Fotos- die, die ich wollte. Nicht die Kamera drückte den Bildern ihren Stempel auf, sondern ich. Und das mit einem solchen Spaß, das der Fotohändler an mir doch noch seine Freude hatte, denn Filme kosteten Geld. Irgendwann löste sich meine geliebte Ricoh in ihre Bestandteile auf, wurde durch eine Canon ersetzt und Diafilme hielten Einzug...

Inzwischen ist auch das Geschichte denn die digitale Welt wurde unumgänglich. Ich gestehe, nie verstanden zu haben, warum all das so viel besser sein soll. Dias hatten eine so geile Schärfe und Farbe. Meine Filme kaufte ich häufig im Fotoladen aus der Grabbelkiste mit den abgelaufenen Verfallsdaten. Die verfallenen Filme waren wie gereift und hatten eine noch schönere Farbwiedergabe als die neuen. Ich konnte die verschiedenen Marken durchtesten, schoß Film für Film voll und blieb schließlich bei Fuji Fujichrome Sensia 100 und einigen empfindlicheren Produkten hängen. Die Farben waren ein Traum, die Schärfe perfekt. Und für mich das Beste- man schoss die Fotos, gab sie ins Fotolabor des Vertrauens(es gab ja gute und bessere), rahmte zu Hause die entwickelten Streifen und genoß die Bilder auf Leinwand...Ohne Nachbearbeitung!

Ja auch ich schaue heute Bilder auf dem Laptop, oder irgendwelchen Flatscreens, auch weiß ich um Bearbeitungsmöglickeiten und arbeite damit.Geht im RAW ja auch nicht anders. Aber ich mag es nicht. Der furchtbarste Auswuchs digitaler Technik äußert sich, wenn mir leute ihr Handy unter die Nase halten“ Hier Alter, hab ich letzte Saison gefangen“ Uah.

Lasst mich ruhig spinnen, aber ich sehe in Fotos Arbeit und oftmals auch Kunst. Ich arbeite nie! im Automatikmodus. Ich will nicht wieder zurück zum Feeling der Rumknipserei mit Muttis Kompaktmonster. Durch dieses ganze Digitalgedönse kommt aber genau das wieder zurück. Jeder Hat irgendeine Silberknipse und feuert drauflos. Kann man ja am Rechner schon irgendwie zurechtarbeiten, wenns daneben geht. Man kann sogar Dinge ins Foto einfügen, oder herausnehmen. Artikel dazu gibt’s auch in Angelmagazinen und ich hasse es. Maximal an der Belichtung, oder der Schärfe kann man spielen, aber am Bildmotiv wird nix geflickt. Vielleicht noch freistellen. Punkt! Hat für mich was mit Fotografischer Ethik zu tun- bin ich zu blöd auf Bildkomposition und auf Bildinhalte zu achten- Pech. Auch der schiefe Hintergrund regt allerhöchstens dazu an, einen Blick für den Bildaufbau zu entwickeln. UND- auchverunglückte Fotos können Charakter haben.

Für mich ganz schlimm- in meiner Spiegelreflex steckt jetzt ein Chip, der die Farben interpretiert, die die Linse einlässt und man muss eigentlich von neuem anfangen. Bis vor ein paar Jahren konnte ich die Farben meiner Bilder beeinflussen, indem ich einen anderen Film einlegte. Der eine unterstützte die Farbspektren im roten Bereich, der andere eher die im blauen.Einige waren kontrastreicher, andere eher nicht. Eine gute Kamera mit guten Objektiven bot dadurch viele Möglichkeiten.

Heute hängt es am Kamerasystem mit seinen integrierten Chips und Sensoren und daran, wie gut man mit Bearbeitungsprogrammen umgehen kann. Mag man die Eigenschaften seiner Bilder nicht, muss man schauen welches System was unterstützt und wechseln. Ich musste mich erst letztlich damit herumschlagen. Meine gute alte 10D, gebraucht gekauft, war inzwischen langsamer als ich wollte und so verkaufte ich kurzerhand alles, inklusive der optisch guten, aber qualitativ mittelmäßigen Objektive.

Aber was nun? Sony, oder Olympus aufgrund der genialen Farben? Oder Canon wegen der hohen gebrauchten Verfügbarkeit und der Erfahrung in dem System? Vielleicht Nikon wegen der Robustheit und der hohen Qualität?

Ich las mir die Birne heiß, sprach mit mir bekannten Fotografen und löste Glaubenskriege aus. Letztendlich habe ich mich wieder für das Canonsystem entschieden. Auch wenn die Jungs nicht so innovativ wie z.B.derzeit Sony sind, kann ich damit hervorragend arbeiten, das System ist schnell und ich kann vieles auch gebraucht erstehen. Denn auch in den Endzügen meiner Studentenzeit wächst das Geld nicht auf den Bäumen und ich brauche keine Technikmonster, sondern nur eine Kamera die macht, was ich will. Die beste Kamera nutzt einem einfach nichts, wenn sie ihren eigenen Kopf hat, oder Minisensoren in großem Gehäude(bridges). Also kombiniere ich mein Wissen wieder mit der Technik eines grundsoliden Magnesiumgehäuses, diesmal neueren Baudatums.

So gerüstet freue ich mich auf die neue Zeit zwischen Seen und Wäldern mit einem Instrument das für mich nahezu perfekt einfängt, wozu ich kopfmäßig nicht in der Lage bin- Sonnenstrahlen für den Winter!

Jan-Simon