Wird schon gehen… - Gedanken zum Karpfenangeln
„Es geht wieder los. Geil.“ Eins meiner Lieblingszitate von Meik Pyka, denn es beschreibt genau das Gefühl das ich derzeit habe. Ich fahre wieder los. Angeln. Nicht lange, nur eine Woche. Aber genau da liegt schon das erste Problem. Wenn die Reise nur so kurz wird, muss alles stimmen und bisher stimmt mal gar nix. Und wenn ich sage gar nix, dann meine ich auch gar nix!
Geht’s auf Tour, dann werde ich akribisch. Alles muss in perfektem Zustand sein, was bedeutet, 100% in Ordnung. Aber irgendwie hat mein gesamtes Gerät derzeit einen Virus. Alles zerlegt sich. Das Echolot fällt letzte Woche einfach aus, beim Packen des Schlafsackes reißt unvermittelt die Verschlusslasche am Packsack ab und am Banana-Boot fällt beim Probeaufbau einfach ein Distanzstück aus der Ruderaufnahme. Etwas entnervt will ich schon mal den Kocher aus dem Schrank holen und reiße mir prompt ein Loch in die schöne Fjällrävenhose. Was ist denn hier los?
Ich brauche all diese Dinge und so beginnt die typische Reaparatur- und Besorgungsphase vor jeder Tour. Als ich das Echolot untersuche, wird recht schnell klar, dass es nicht ein Wackler im Stecker ist, wie zuerst vermutet, sondern der Akku ist defekt. Na super. Ich benutze nicht diese kleinen 7ah Akkus. Die gehen einfach zu schnell und häufig kaputt. Nun ist aber mein größerer Akku auch defekt, was gleich wieder richtig teuer ist. Und welches Fabrikat kann man da nehmen? Viele Hersteller, viele Versprechen. Mir reicht es ja, wenn er zuverlässig mein Echolot mit Strom versorgt und einige Jahre hält. So wie der letzte. 8 Jahre sind doch OK? Aber mit den Vorteilen, mit denen die Akkus beworben werden, kenne ich mich eh nicht aus. Irgendwann reißt mir der Geduldsfaden und ich bestelle bei amazon einfach den Erstbesten mit passenden Werten. Gelakku ist doch Gelakku, oder nicht? Wird schon gehen…
Anschließend fahre ich mit meiner Freundin zum örtlichen Motorradladen. Packsäcke kaufen. Erst einmal kaufe und bezahle ich zwei Packsäcke für einen Jugendlichen aus meiner Angelgruppe. Dann möchte ich die passenden für mich haben. Tja. Leider aus. Wie jetzt? Aber kein Witz. Ich habe mir selber die letzten passenden Säcke vor der Nase weggekauft. Was ich da mache, weiß ich auch noch nicht. Denn das nette Mädel hinter der Theke kann mir nur sagen, dass der Händler in Hamburg noch einige Packsäcke auf Lager hat. Hamburg? Dann lieber die silber glänzenden von der Konkurrenzfirma. Aber auch die sind aus, sowie alle anderen in den mir bekannten Läden. Warum mache ich so etwas auch auf die letzte Minute? Irgendwie weiß ich gerade nicht, wie ich jetzt an Packsäcke komme, die auch bezahlbar sind, aber irgendwie wird es schon gehen.
Richtig schwierig wird’s aber beim Defekt meines Banana-Bootes. Der Anruf bei SiBroTec hilft mir da nämlich auch nicht weiter. „Tja, das ist eine von den alten Ruderaufnahmen, da gibt’s leider keine Ersatzteile mehr.“ Hätte ja auch einfach sein können. So beginnt mein Marathon durch Eisenwarenläden, diverse Baumärkte, verschiedenste Internetshops und –Seiten, aber das Problem bleibt und neue Ruderaufnahmen zu kaufen, passt nicht ins Budget. Bleibt nur mein Freund Lasse. Lasse kann nämlich Metall biegen und drehen und zusammenschweißen und was man damit sonst so alles zaubern kann. Metallarbeiten sind böhmische Dörfer für mich, weshalb ich dafür Freunde brauche, die so was können. Und Lasse will sehen, ob er es zeitlich schafft, denn zurzeit macht er seinen Meister. „Aber wird schon gehen!“ sagt er.
Damit sind aller längst nicht die Probleme aus der Welt, denn eigentlich wollte ich gestern noch Boilies drehen. Mit Christoph. Erst meinen, dann seinen Mix. Aber Chris ist unerreichbar und meldet sich nicht. Bei seiner Arbeit sagt man mir, sein Handy wäre defekt. Scheiß neue Welt, hat doch auch früher ohne geklappt. Aber auch zu Hause und übers Internet meldet er sich nicht. Bleibt mir also nur, in den folgenden Tagen noch mal eben 60kg Mix abzudrehen. Alleine. Grauenhaft! Sofort steht bei mir wieder der Entschluss- ich brauche eine Boiliemaschine. Aber das ist Zukunftsmusik, denn derzeit ist das Geldsäckel ganz schön leer und so sehe ich mich schon schwitzend in der Garage stehen. Hinter mir ein Berg von Mix und vor mir viel zu wenig Zeit. Keine Ahnung wie ich das schaffe, aber es wird schon gehen…
Es ist mal wieder knapp. Keine Ahnung, ob der Akku rechtzeitig da ist, Ich weiß auch nicht, ob Lasse die Aufnahmen hinbekommt und die Packsäcke- wer weiß wo sich eine Quelle auftut. Die Boilies allein zu produzieren wird der Horror und ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, ob ich es schaffe genügend Kilos zu rollen. Aber so ist das doch immer bevor es losgeht. Eigentlich ist alles gut, dann stellen sich urplötzlich diverse Probleme und irgendwie lösen sie sich auch wieder. Alles hinzubiegen ist nie einfach, aber immer machbar. Ich plane mein Reisedatum nie lange im Voraus, bedingt durch die Arbeit geht es eher immer spontan los. Und dann ist einfach nicht alles im perfekten Zustand. Und so hoffe ich wieder und wieder, dass es irgendwie gehen wird. Und es geht immer. Irgendwie.
Jan-Simon






