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Die Sache mit dem Haken - Gedanken zum Karpfenangeln

Von Jan-Simon Saamen / August 2011

Wie die Hölle rennt meine Rute ab. Ich nehme sie auf, mache Druck und tatsächlich, der kräftige Flussfisch hält an. Jetzt schlägt er mit dem Kopf, steht mittig in der Strömung und- weg! Kann passieren, aber was ich sehe, als ich meine Montage in der Hand halte, macht mich rasend. Der Haken ist aufgebogen. Ich hasse es. Da lebt man im Zeitalter von denkendem Angelzeug und intelligenten Ködern, aber die Haken haben kein Rückgrad mehr…

Bei solchen Flusskämpfern müssen Haken schon was könnenHaken sind für wohl jeden Angler das wichtigste an der ganzen Montage. Aber bei genau diesen Dingern hakt es im Moment bei mir. Nur eben nicht so wie ich das möchte. An einem Gewässer ohne Hindernisse habe ich selten Probleme. Alles frei und so kommt kein Druck auf die Verbindung von Fisch und Falle. Sobald aber Holz, Kraut, Strömung etc. ins Spiel kommen, wird es ungemütlich. Da biegen sie auf… Kann doch echt nicht sein, war doch früher nicht so. Auch wenn ich gestrig klinge, ich fand die Sache mit den Haken noch vor gar nicht all zu langer Zeit wesentlich unkomplizierter.

Nicht nur in Punkto aufbiegen, eher in Punkto Gesamtbild. Alles fing damit an, dass ich meinen Vorrat aufstocken wollte und wie immer eine Ladung PrologicC2 bestellte. Als mein Lieblingshaken dann bei mir eintraf, wurde mein Gesicht lang. Die hatten die Form verändert und „meinen“ Haken beschichtet. Getestet und ich wusste, dass auch der Stahl ein anderer war. Kurzum, man hatte einen völlig anderen Haken mit dem Namen eines Altbewährten versehen. Nur haben die beiden wenig gemeinsam. Da trauern nicht hilft, begann ich andere Haken zu testen und steckte unversehens im Schlamassel.

Fox Haken standen immer für Qualität und ich besorgte mir verschiedenste Modelle, die mir zusagten. Gut sahen sie ja aus, aber dennoch stellte sich schnell heraus, dass sie einfach nicht hielten, was sie versprachen zu können. Den ersten Haken aus einer Packung genommen und auf den Fingernagel gesetzt. Hmm. Ein guter Freund schaute mir über die Schulter und kommentierte „[…]Fox Haken sind anders scharf[…]“! Anders? Ich hätte diesen Haken mit „stumpf“ tituliert. Und das blieb so. Bis auf zwei, entsprach kein Modell, keine Größe meinen Vorstellungen. Und richtig scharf war und ist tatsächlich keiner.

Er hat gehakt und gehalten. Mehr will ich doch gar nicht!So probierte ich Modelle von Korda und auch hier kann ich nicht sagen, dass ich meinen neuen Standard Haken fand und weiter ging es mit Greifern aller möglichen Marken. Von der Form her könnten mir so einige gefallen, egal von welchem Hersteller, aber die Form alleine macht es ja nicht. Ich erwarte von einem Haken, dass er kompromisslos scharf ist und dass er auch während eines heftigen Drills die Form wahrt. Aber schon beim ersten Punkt hapert es gewaltig. Wenn ich das alte Modell des C2 auf den Fingernagel gesetzt habe, blieb er sofort stecken. Das ist, was ich in Bezug auf Schärfe erwarte. Nicht mehr und nicht weniger. Dieses Kriterium erfüllt aber kaum ein Haken.

Mal der ein oder andere aus der Packung, aber die meisten eben nicht. Eigentlich kein Problem. Ich nehme einfach meinen Schleifstein und schleife nach. Nur ist das gerade bei den heutigen gebogenen Spitzen oftmals der Tod des ganzen Hakens. Ich bevorzuge lange schlanke Hakenspitzen, auch bei gebogenen Spitzen. Schärfen Sie die mal nach, ohne dass die schöne, lange Spitze zu einer kurzen, gedrungenen wird.

Ein weiterer Nachteil, wenn ich den Wetzstein anlege: Die Haken rosten im Wasser. Tatsächlich! Nix rostfreier Stahl. Nach einer Nacht sind die geschliffenen Spitzen gerostet und wieder weniger scharf. Mein Mittel- Vaseline. Einmal eingetaucht und abgewischt- gut! Aber ist das der Stand der Technik 2011? Zumal ein Haken ca. 50- 65 €-Cent kostet…

Stabil sind sie, aber scharf ist andersIch glaube, dass dies an der Teflon-Beschichtung liegt. Also Preis und mangelnde Schärfe. Ob der Fisch den Haken weniger gut erkennt, wenn er beschichtet ist, sei mal dahingestellt, aber die Antihaftbeschichtung sollte ja ursprünglich auch den Reibungswiderstand beim Eindringen minimieren. Blöd wenn der Haken aufgrund mangelnder Schärfe dies erst gar nicht schafft. Macht er es dann doch, wartet schon das nächste Problem. Er muss halten. Nicht nur im Fischmaul, sondern auch seine Form.

Machen die Haken aber nicht mehr unbedingt. Kann doch nicht sein. Liegt auch das an der Beschichtung, denn meist waren es die beschichteten Haken, die so weichen Stahl aufwiesen? Auch Öhre die nicht geschlossen sind, oder andere Defizite aufweisen hatte ich als Vorkommnisse der Vergangenheit gedanklich ad acta gelegt. Falsch gedacht. Eine Packung Haken, die ein Freund mit zum Angeln brachte, konnten wir zu 80% entsorgen. Der Grund waren extrem scharfe Grate am Öhr. Bei einem Packungspreis von 6.50 € macht das 3.25 € pro funktionierendem Haken. Einer der beiden war noch stumpf…

Ich kann mich ehrlich nicht erinnern derartige Probleme früher gehabt zu haben. Ganz am Anfang ja, aber seit mindestens 12 Jahren waren Haken bei mir kein Thema mehr. An aufgebogene Modelle kann ich mich nicht erinnern. Grate am Öhr empfinde ich als vorsintflutlich. Es gab Modelle, da waren Schwächen wie Aufbiegen bekannt, aber generell waren die Dinger eher zu stark und unflexibel und brachen eher, als dass sie aufbogen. Scharf waren sie eigentlich alle.

Wenigstens hat noch keiner am European Boilie Hook rumgefummelt.Ich habe lange Zeit Sumo Haken von DAM benutzt. Nicht ideal in der Form, aber sonst prima. Dazu ein Preis von 4 € für 25 Stück. Natürlich gibt es die Dinger nicht mehr. Dafür gibt es jetzt Haken für 5-6 € pro Päckchen, die aber nichts können, außer Ärger zu machen. Gaukeln wir uns da vielleicht selbst etwas vor, oder warum werden die so massig verkauft? Wirkt da die Werbung, oder habe ich einen zu hohen Anspruch? Entwickeln wir uns in diesem Punkt, mit falschem Ziel vor Augen, zurück? Scharf, stabil und günstig in perfekter Form ging doch mal. Ich hab sie ja gekauft.


Was bleibt, ist die Frage nach der Prämisse. Von mir aus sollen die Haken glänzen, solange sie haken und halten. Anmalen kann ich selber, oder wie seht ihr das? So fische ich wieder Kompromisse und fühle mich 2011 wie zu Anfang meiner Karpfenanglerzeit… Wenigstens hat, bis auf den Namen, noch keiner an meinem European Boilie Hook rumgefummelt.

Jan-Simon Saamen