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A Ready made Approach

Von Andy Chambers / Dezember 2012

In schöner Regelmäßigkeit wird in Karpfenanglerkreisen diskutiert, ob sich alte, erfahrene Karpfen an stark beangelten Gewässern überhaupt noch auf Fertigboilies fangen lassen. Da ich bislang regelmäßig gute Fische landen konnte (hoffentlich bleibt das auch so!) und bei meiner Angelei fast ausschließlich auf Readymades zurückgreife, wollte ich mich mal daran machen, in einem Bericht detailliert darzustellen, wie und mit welchen Hintergedanken ich diese Art von Boilies bei meinen Trips ins Ausland verwende.

Eine reiche Auswahl an Dips und Glugs für meine HakenköderNebenbei bemerkt schreibe ich diese Zeilen gerade am Ufer des mächtigen Orients! Soeben beginnt ein freundlicher, warmer Oktobertag, und es herrscht absolute Windstille. Und diese Aussicht! Der Blick in die spektakuläre Landschaft ist durch die klare Luft schlicht und einfach atemberaubend! Mehr Inspiration, um meine Erfahrungen mit Fertigboilies niederzuschreiben, kann ich wohl nicht verlangen. Dazu kommt noch, dass links von mir passenderweise ein deutscher Angler sitzt, der keine Fertigboilies mag und sich daher seit vier Wochen panisch bemüht, seine selbstgedrehten und luftgetrockneten Boilies am Verderben zu hindern.

Zu meiner rechten hingegen angeln drei Franzosen, die bei ihrer Ankunft erst mit einer ganzen Bootsladung der von mir favorisierten Nashbait- Readymades anfütterten, um sich anschließend ihre Chancen auf einen guten Fang durch das zusätzliche Ausbringen eines kompletten Maisfeldes scheinbar ganz ruinieren zu wollen!

Dies sollte als Einführung genügen. Auf den folgenden Seiten werde ich versuchen zu erklären, wie ich eine Session beginne und meine Fertigboilies aufbewahre. Zusätzlich werde ich abhandeln, wie und warum ich die Köder vor dem Angeln aufpeppe, in welcher Weise ich meine Futterplätze präpariere und Readymades als Hakenköder verwende. Sollten mir zwischendrin noch ein paar Kleinigkeiten einfallen, werde ich diese Kniffe ebenfalls einbringen.

 

Aufbewahrung

Einer der Gründe warum ich seit vielen Jahren Fertigboilies verwende ist, dass ich seit geraumer Zeit vornehmlich im Ausland fische. Egal ob sieben Tage oder sieben Wochen, ich möchte immer 100%ig zuversichtlich sein können, dass meine mitgeführten Köder bis zum Moment des Abbaus absolut topp sind. Wenn ich in England nur einen Wochenend- oder anderen Ansitz von wenigen Tagen planen würde, würde ich wahrscheinlich auf die Option „Freezer-Baits" zurückgreifen, weil ich mir sicher wäre, meine Köder über einen solch kurzen Zeitraum ohne Probleme am Verderben hindern zu können.

Mühsamer Versuch luftgetrocknete Köder trocken zu haltenFür die Art des Karpfenangelns, die ich im Moment praktiziere, sind Freezerbaits jedoch völlig ungeeignet. Einzig die Verwendung luftgetrockneter Köder wäre für mich noch eine hypothetische Alternative zum Kauf von Readymades. Leider gefällt sie mir persönlich nicht besonders, weil ich nicht 100%ig für die Qualität meiner Köder, beispielsweise bei einem siebenwöchigen Trip, garantieren kann. Natürlich könnte ich mir größte Mühe mit meinen Luftgetrockneten geben und akribisch versuchen, die Boilies trocken zu halten, aber...

Um meinen gegenwärtigen Trip als Negativbeispiel zu missbrauchen: Das Wetter hier in Frankreich war die letzten zehn Tage und Nächte überwiegend kalt, feucht und regnerisch. Diese Witterung hätte auch bei größter Sorgfalt unzweifelhaft einen sehr negativen Einfluss auf luftgetrocknete Boilies gehabt. Die restliche Ausrüstung in meinem Bivvy ist komplett feucht! Dazu kommt, dass der Wasserstand am Orient und vielen anderen französischen Seen jetzt im Herbst kontinuierlich fällt und mein Camp deshalb an einer Stelle steht, die noch vor zwei Tagen – Ihr habt's erraten – Gewässerboden war.

Der Untergrund ist dementsprechend wirklich sehr, sehr nass. Alles andere als gute Vorraussetzungen also, um einen luftgetrockneten Köder verderbsfrei zu halten. Wie aufs Stichwort ist der deutsche Angler neben mir übrigens gerade vor sein Zelt getreten und versucht seine Boilies verzweifelt in der Morgensonne zu trocknen. Selbst wenn es ihm gelingt: Ich frage mich, welchen Einfluss ein ständiges Feuchtwerden und anschließendes Trocknen auf die Qualität seiner Köder hat...

Außerdem spricht gegen luftgetrocknete Köder, dass ich gerne sehr große Mengen an Ködern mitführe. Diese Mengen allein würden mich schon vor ein Problem stellen: Ich habe einfach keine Ahnung, wie ich hier draußen 100 kg luftgetrocknete Köder, die ich für den Zeitraum von einem Monat ungefähr benötigen würde, jeden Tag zum Trocknen an die frische Luft hängen sollte. Dies sind einige der Gründe für meine Wahl, mit Fertigboilies zu fischen.

Frolic: Eine billige und trotzdem sehr attraktive Zugabe für das FutterDie Nashbait Readymades, die ich am häufigsten verwende und zu denen ich absolutes Vertrauen habe, habe ich direkt bei Gary Bayes abgeholt. Aber auch andere Firmen produzieren hervorragende „Shelf Life Boilies". Für mehrere Jahre habe ich am Raduta mit Mainline Boilies geangelt, welche ich mir vor der Session mit der Post direkt zum See schickte und die mich sehr beeindruckt haben. Dasselbe lässt sich ohne Einschränkungen über Köder von Firmen wie Nutrabaits, Solar etc. ebenfalls sagen. Wirklich entscheidend ist immer das Vertrauen, welches man seinen Ködern entgegenbringt. Wenn man daheim erst einmal Vertrauen zu seinen Köder aufgebaut hat, kann man bei einer Session im Ausland sein Augenmerk auf die anderen Aspekte des Angelns legen und konzentrierter daran arbeiten, einen Fisch aus diesen oftmals schwierigen Gewässern zu überlisten.

Wenn ich mit meinen Readymades am Wasser ankomme, ist die Lagerung meiner Köder ein Kinderspiel. Ich achte lediglich darauf, die in Plastikbeuteln eingeschweißten Köder nicht direkt in der Sonne zu lagern, da die Baits sonst anfangen zu „schwitzen" und dies keinen positiven Einfluss auf die Ködergüte hätte. Ich öffne bei Bedarf immer nur ein Paket Boilies, so dass eventuell ungeöffnete Säcke am Ende einer sehr trägen Session problemlos wieder mit nach Hause gehen. Aber auch das Gegenteil ist denkbar, und aus dem Angeltrip könnte schnell die Session unseres Lebens werden.

Aufgrund der vielen Bisse gehen uns die Lieblingsköder dann schon nach kurzer Zeit aus. Was nun? Nun, durch das rasante weltweite Wachstum unseres Hobbys stehen die Chancen nicht schlecht, auch im Ausland ein paar Säcke mit den Lieblings- Fertigboilies aufzustöbern. Gerade gestern habe ich mal auf eine Stippvisite im „Mondial Peche Shop" in Troyes vorbeigeschaut, und siehe da: Neben anderen Ködermarken war auch eine riesige Auswahl an Nashbaits im Laden zu bestaunen. Ein kurzer Spaziergang hinüber zum „Dacathlon Store" erweiterte das Angebot, aus dem ich hätte wählen können, um jede Menge Richworth- und Nutrabaits- Boilies. Das nenne ich mal Bequemlichkeit! Mit selbst gemachten Ködern wäre es mir hingegen fast unmöglich, schnell an identische Ersatzköder zu kommen...

Tim Paisley mit seinem ganz eigenen Futtermix. Alles ist möglich!Ein letzter Punkt den ich noch ansprechen sollte, bevor ich mich dem nächsten Thema zuwende, ist dieser: Warum halten sich „Shelf-Life-Boilies" überhaupt so lange? Die Antwort ist natürlich simpel: Sie enthalten Konservierungsmittel, die der Zersetzung durch Mikroorganismen entgegenwirken. Dies scheint viele Angler vom Kauf dieser Köder jedoch stark abzuschrecken. Warum nur? Wenn ich mir die modernen Nahrungsmittel näher anschaue, die die meisten von uns gewohnheitsmäßig zu sich nehmen, so enthält die überwiegende Mehrheit dieser Fertigprodukte ebenfalls Konservierungsmittel. Rein geschmacklich stört uns Menschen das offenbar überhaupt nicht! Warum sollte sich also der Karpfen davon beeinflussen lassen? Und wenn ich mir die Anzahl an Fischen anschaue, die ich im Lauf der Jahre auf Readymades gefangen habe, so scheinen Konservierer den Fischen wirklich schnurz zu sein!

Mit der Abhandlung der bisherigen Punkte wollte ich vor allem eins bezwecken: Euer Vertrauen in Fertigköder zu steigern. Ich persönlich habe inzwischen 100%iges Vertrauen in die von mir benutzen Boilies. Der einzig wahre Beweis für ihre Fängigkeit ist natürlich der Praxistest: Nur Bisse und Fische auf der Matte sprechen für sich! Deshalb, um meine Behauptung zu untermauern: Während der letzten vier Wochen haben ca. 15 Angler auf der Landzunge geangelt, auf der mein Partner und ich sitzen. Von diesen Anglern wurde so ziemlich jeder Boilietyp benutzt, der denkbar ist. Das Ergebnis: Nur mein Kumpel und ich fingen. Und wir fingen gut!

 

Vorbereitung der Köder

Man könnte natürlich einfach nur eine Tüte mit Readymades aufreißen und sofort drauflos angeln. Um jedoch das Maximum herauszuholen, sollten wir uns schon ein bisschen mehr Mühe mit unseren Ködern geben! Um es mit einer alten Weisheit des großartigen Richard Walker auszudrücken: „10 Prozent der Angler fangen 90 Prozent der Fische." Ich bin der Meinung, dass diese Floskel auch aufs moderne Karpfenangeln unvermindert zutrifft. Wir alle wollen Fische fangen. Möglichst Große natürlich und das noch mit schöner Regelmäßigkeit, versteht sich von selbst. Das heißt aber auch, dass wir mit ebensolcher Regelmäßigkeit Anstrengungen und Hirnschmalz in unsere Angelei investieren sollten, egal ob wir mit Freezerbaits, Readymades oder luftgetrockneten Ködern angeln!

Futterbeutel aus PVA liegen oft neben meinen HakenködernMit ein wenig Phantasie und Mühe gibt es viele Möglichkeiten, unser Futter ein klein wenig attraktiver zu machen. Ich gehe meistens so vor: Ich beginne mit einem 10 Liter-Eimer, den ich zur Hälfte mit einer Mischung aus 15er und 20er Boilies fülle. Danach fülle ich den Eimer mit der gleichen Menge Fischpellets auf. Dazu nehme ich je nach Verfügbarkeit Heilbutt-, Forellen- oder andere Pellets, und auch hier können die Pelletgrößen bunt gemischt werden, beispielsweise 17 und 20mm. Dies ist mein standardmäßiges Vorgehen während der wärmeren Monate, nur im Winter muss die Menge an Beifutter mitunter deutlich reduziert werden. Außerdem sollte man sich in der kalten Jahreszeit noch ein wenig Gedanken zum Ölgehalt und der Auflösezeit der verschiedenen Pelletarten machen!

Da haben wir sie also: Eine gute Mischung aus Boilies und Pellets in verschiedenen Größen. Das Verhältnis von Boilies zu Pellets kann je nach den angetroffenen Umständen natürlich beliebig verändert werden. Mir ist selbstverständlich auch klar, dass sich nicht jeder Angler große Mengen teuerer Boilies leisten mag; in diesem Fall kann die Menge der etwas billigeren Pellets natürlich ebenfalls erhöht werden. Eine weitere günstige Möglichkeit, um das Futter etwas zu strecken, ist die Zugabe von Katzen- oder Hundefutter. Ich habe hierbei ausgiebig mit Frolic Hundetrockenfutter experimentiert und kann nur sagen: Die Karpfen lieben die Dinger! Der Hypermarket hier in der Nähe bietet momentan den 4 kg-Sack für schlanke 6 € an, was wirklich nicht besonders teuer ist.

Obwohl ich Mais und Tigernüsse sehr selten als Hakenköder verwende, füge ich gerne noch eine Handvoll „Tigers" und vielleicht eine kleine Dose Mais zu meinem Eimer hinzu. Alles kräftig vermischt und schon haben wir eine echt lecker aussehende Mischung Karpfenfutter: Viele unterschiedliche Geschmacksnoten, Formen, Farben und Größen. Und besonders viel Mühe hat es auch nicht gemacht, oder? Der vorgestellte Mix ist mein ganz persönlicher Favorit; jeder Angler kann sich aber aus dem riesigen Angebot, welches uns Karpfenbegeisterten zur Verfügung steht, natürlich seine ganz eigene Mischung kreieren. Zu meinem Ködermix gebe ich als Abschluss noch ein wenig Flüssiglockstoff dazu, ein zum Boilie passender Dip ist hier genauso gut wie eines der vielen erhältlichen Öle. Das Ganze füttere ich dann beispielsweise als einen hundert Meter breiten Teppich in fünf Meter Wassertiefe an, der sich über die nächsten 500 Meter parallel zum Ufer dahin zieht. Dies hat dann zur Folge, dass Fische in einem Wasservolumen von ca. einer halben Million Kubikmeter in Kontakt zu meinem Angebot kommen! Dieses Beispiel macht natürlich eher an großen Seen oder Flüssen Sinn, aber ich hoffe es wird klar auf was ich hinaus will?

Mein Partner Jim gibt noch etwas Mais zu seinem Ködermix dazuVielleicht ein kurzes Beispiel: Als ich während des Jahres 2004 links neben dem Fence Swim in der Bivvy City am Orient fischte, fing der Angler im Fence Swim jede Nacht Fisch auf Fisch, während ich nicht mal ein Schnurkontakt zustande brachte. Der Wind wehte von links nach rechts, kam also vom Fence Swim zu mir herüber, und die Fische wollten einfach nicht die letzten 50 Meter zu meiner liebevoll mit Boilies und Pellets vorbereiteten Angelstelle zurücklegen. Mein Nachbar fütterte täglich nur wenige Kilo, zumeist Partikel, an. Trotzdem kam es mir mitunter so vor, als würde eine Wand unsere Swims voneinander trennen! Dann endlich bekam ich meine Chance, der Wind drehte auf Nord und blies nun glücklicherweise von rechts nach links! Ich ließ mich auf ein kleines Glücksspiel ein und fütterte gleich zwei 10kg-Eimer mit Ködern, die ich mit allen mir zur Verfügung stehenden Dips förmlich getränkt hatte, über eine große Fläche an.

Meine Absicht war klar: Ich wollte eine riesige Lockwolke produzieren, die durch den nun günstig stehenden Wind am Angler im Fence Swim vorbei bis zu den Rückzugsgebieten getragen werden sollte, in denen sich die Karpfen tagsüber aufhielten. Und wirklich, meine Rechnung ging auf: Ein Fisch in der nächsten Nacht. Und dann Aktion auf Aktion in allen folgenden Nächten! Selbst als der Wind längst wieder aus der anderen Richtung blies, blieben die Fische über die nächsten Wochen Nacht für Nacht meiner Futterstelle treu. Ich hatte nur eine Möglichkeit finden müssen, sie erst einmal auf mein Angebot aufmerksam zu machen. Ich bin mir sicher: Hätte ich nicht eine so massive Geruchswolke ausgebracht, wäre mit rechter Erfolg weiterhin versagt geblieben.

Der auf die oben geschrieben Art zurecht gemachte Ködermix wird von mir für eine ganz bestimmte Anfüttertaktik benutzt, nämlich dem Aufbau eines großen Futterplatzes. Beim Ablegen meiner Ruten in solch einem Futterfeld werfe ich gerne immer ein paar Handvoll Freebies um meine Hakenköder herum ein (s.u.). Zusätzlich wird die Montage noch mit einem PVA-Beutel mit der gleichen Futtermischung garniert, bevor ich sie ablasse oder auswerfe.

Ein paar Tigernüsse können niemals verkehrt seinPuh, jetzt habe ich anderthalb Stunden am Stück getippt (ja ich weiß, ich bin nicht besonders schnell) und brauche eine kurze Pause. Ich setz mal kurz den Teekessel auf, bin gleich wieder zurück!

So, jetzt geht es mir besser. Also, wo war ich? Richtig, bei der Anfüttertaktik. Mein zweiter Futtermix, den ich zum gezielten Befüttern der unmittelbaren Umgebung meiner Hakenköder nutze, sieht dem ersten recht ähnlich, nur dass die Pelletgrößen etwas kleiner gehalten werden und ich die Fertigboilies gerne ein oder zweimal zerbreche. In diesem Fall nutze ich auch gerne 10mm-Boilies und –Pellets, wenn ich sie dabei habe. Ob der Aufwand des mühsamen Zerteilens der Boilies wirklich lohnt, muss jeder Angler selbst wissen. Man sollte aber immer dran denken: Je mehr Anstrengungen und Gedanken man in seine Angelei investiert...

 

Hakenköder

Auch zum Thema Hakenköder sollte man sich immer ein paar zusätzliche Gedanken machen, denn letztendlich dreht sich der ganze Rest der Planung, Vorbereitung und Durchführung einer Session nur um diesen einen kleinen Köder! Er ist es, den der Fisch aufnehmen muss, um gehakt und gekeschert werden zu können. Natürlich können wir auch hier einen Boilie direkt aus der Tüte nehmen, aufs Haar fummeln und rausfeuern. Nicht wäre einfacher! Das einzige Problem dabei: Wenn etwas derart einfach ist, dann können und werden es auch viele andere Angler so machen. Ich versuche lieber, etwas Eigenständiges in meine Hakenköder einfließen zu lassen, um mich von der Konkurrenz abzuheben und hoffentlich besser zu fangen als die anderen Angler am See.

Jahrelang habe ich meine Hakenköder gedippt oder vor dem Angeln in einen „Glug" eingelegt. In den letzten Jahren fische ich zudem bevorzugt im Schneemann-Stil, also mit einem sinkenden Boilie aus der Tüte und einem identischen PopUp auf dem Haar. Um meine Hakenköder weiter zu variieren, habe ich meine Sinker einmal versuchsweise mit einem zu den Readymades passenden Dip behandelt, während ich die PopUps in „Fish Pro Squid" von Hinders einlegte. Wenn Ihr mich jetzt fragt, warum ich genau diese Kombination gewählt habe, so kann ich leider keine wirklich zufrieden stellende Antwort liefern. Ich habe eines schönen Tages einfach angefangen herumzuexperimentieren und zufällig auf diese Kombi gut gefangen. Seitdem habe ich sie einfach beibehalten und nicht weiter verändert. Dies werde ich wohl auch nicht tun, solange sie weiterhin Fische für mich ans Band bringt!

Der Tag geht zu Ende. Man muss nicht unbedingt neu beködernEin weiterer Trick den ich anwende, um den einen oder anderen Extrafisch zu fangen, besteht darin, die Ruten weit länger nicht zu kontrollieren, als gemeinhin gebräuchlich ist. Ich bin immer wieder erstaunt zu sehen, mit welcher Zuverlässigkeit allabendlich plötzlich größte Geschäftigkeit am See ausbricht, weil alle Angler vor dem Dunkelwerden beinah gleichzeitig ihre Rigs einkurbeln, neu beködern und anschließend mit dem erneuten Ausbringen der Montagen beginnen. Natürlich wird auch noch neues Beifutter eingeworfen, selbst wenn man keine Bisse hatte... Sehr merkwürdig das Ganze!

Wenn ich keine Aktionen kriege, so füttere ich lieber nicht nach und lasse meine Montagen sehr gerne zwei oder sogar drei Tage und Nächte hintereinander im Wasser. Dies geht natürlich nur unter der Vorraussetzung, dass meine Köder über den gesamten Zeitraum mit großer Wahrscheinlichkeit noch am Haar hängen, ich denke hier an Stichwörter wie Krebse oder Kleinfische! In solchen Fällen funktioniert diese Taktik natürlich nicht. Wenn es jedoch möglich ist, die Köder über extreme Zeiträume im Wasser zu lassen, dann ist diese Vorgehensweise immer einen Versuch wert. Erst einmal herrscht an unserer Stelle einfach mehr Ruhe als am restlichen See. Dazu kommt, dass unser Hakenköder sich unter Wasser fortwährend verändert, er wird weicher, gibt Flavour frei und wer weiß, vielleicht entfaltet er seine maximale Lockwirkung erst nach zwei bis drei Tagen?! Wenn man seinen Köder immer nach zwölf oder 24 Stunden einkurbelt und durch einen Neuen ersetzt, versagt man sich die Chance, solche Vermutungen selbst zu überprüfen.

Es gibt hier so viele Variable, dass ich nur über das Thema „Rebaiting" einen eigenständigen Bericht schreiben könnte! Es ist klar, dass man „alte" Boilies schon vor dem eigentlichen Angeln durch das Einlegen einiger Köder in ein Wasserglas produzieren kann. Ich bin mir jedoch nicht wirklich sicher, ob allein der weiche und weniger intensiv gefärbte und duftende Köder das Verhalten des Karpfens entscheidend beeinflusst. Mir ist am Orient zum Beispiel aufgefallen, dass sich auf der Hauptschnur nach drei Tagen ohne Köderwechsel eine ordentliche Menge Sediment abgesetzt hat und diese dadurch weit weniger auffällig wirkt.

Andy Chambers war mit Readymades erfolgreichAußerdem hängt sie nun sehr viel tiefer im Wasser, so dass Fische nicht so schnell durch Schnurberührungen vergrämt werden. Auch Hakenköder und Beifutter sind nach drei Tagen mit einer leichten Schicht Sediment bedeckt, was dem ganzen Futterplatz einen Vertrauen erweckenden, verlassenen Eindruck verleiht, der schon so manch scheuen Großkarpfen zum Anbiss verführt haben dürfte. Sicherlich ein kleiner Denkanstoß, scheint mir.

So, dass wäre erst einmal so ziemlich alles zum Thema Lagerung und Vorbereitung von Readymades. Die nächsten Schritte werde ich im zweiten Teil dieses Berichts behandeln. Vielleicht noch so viel: Heutzutage angeln wir alle mit recht ähnlichem oder sogar identischem Tackle, und auch die Köder ähneln sich stark. Was aber viel mehr ausmacht als die Ausrüstung ist die Art und Weise, in der man seine Köder auf dem Angelplatz ausbringt, um Fische auf den Platz zu locken und in letzter Konsequenz zum Fressen zu animieren...

Andy Chambers