Under Pressure
Das Thema Angeldruck ist eine Frage, die mich sehr interessiert und mit der ich mich schon seit geraumer Zeit befasse. Das Interesse an dem Problem Angeldruck rührt aus meinen Erfahrungen, die ich an einigen Gewässern machen musste, welche ich seit geraumer Zeit befischt habe und teilweise auch heute noch befische. Ich denke gerade in der heutigen Zeit, in der Fische in einer Größe in Deutschland gefangen werden, die man vor einigen Jahren nie für möglich gehalten hätte, ist dies nötig. Hier wird man als Angler an vielen Gewässern mit immer schwierigeren Situationen konfrontiert.
Mittlerweile hat man an dem richtigen Gewässer eine reelle Chance auf einen deutschen 50er oder sogar 60er. Diese Gewässer, in denen in jüngster Vergangenheit solche Fische gefangen wurden, sind entsprechend häufig das Ziel von ganzen Carp-Hunter Horden. Somit bin ich mir sicher, die meisten Karpfenangler konnten schon ihre Erfahrungen mit dem Phänomen Angeldruck sammeln und auch mit den damit verbundenen Veränderungen im Verhalten der Fische. Leider muss ich allen Karpfenanglern und ihren Behauptungen widersprechen, dass der Angeldruck überbewertet wird. Das Ganze ist in meinen Augen ein sehr umfangreiches Thema.
Ein Punkt, der sich ganz klar heraus kristallisiert hat, ist die Tatsache, dass der Angeldruck an einigen Gewässern größeren Einfluss auf die Fische und die damit verbundene Fischerei hat, wie an anderen Gewässern. Die Rede ist hier von Großfischgewässern, die meist mit einem relativ dünnen Bestand an Fischen besetzt sind. In diesen Gewässern herrscht ein wesentlich günstigeres Verhältnis von Fischbestand zur Gewässergröße als beispielsweise im örtlichen Vereinspool, die in den meisten Fällen doch einen recht dichten Fischbestand aufweisen.
Als Ursache für diese Erscheinung sehe ich die Nahrungskonkurrenz unter den Fischen. Es ist sehr leicht nachzuvollziehen, dass ein Karpfen, der in starker Konkurrenz zu seinen Artgenossen steht, wesentlich aggressiver und somit auch unvorsichtiger frisst. Somit ist dieser Karpfen auch erheblich leichter zu fangen. Zuerst einmal muss man aber den Begriff Angeldruck definieren. Angeldruck hat eine Vielzahl der unterschiedlichsten Auswirkungen für die Fischerei.
Veränderung in der Umwelt
Angeldruck bzw. die ständige Präsenz von Karpfenanglern am Wasser zieht mehr oder weniger große Probleme mit dem Umfeld und der Umwelt des entsprechenden Gewässers nach sich. An diesen Gewässern entstehen durch die Karpfenangler oftmals Flurschäden in einer nicht zu unterschätzenden Größenordnung. Da versuchen Karpfenangler nach Möglichkeit mit dem PKW direkt bis zum Angelplatz zu fahren oder die Angelstelle wird so weitläufig frei geschnitten, dass man denken könnte, der entsprechender Karpfenangler will ein 100 m² Bivy-Dome aufstellen. Die Folgen dieser Auswüchse sind zahlreiche Verbote, Stress mit anderen Anglern, so wie entsprechendes Vorgehen des Försters gegen die Angler. Man siehe in den Osten der Republik. Dort müssen an einigen Gewässern Beschimpfungen und ähnliche Unannehmlichkeiten zwischen Anglern und dem Förster an der Tagesordnung sein.
Dabei ist es doch oft so, dass wir Karpfenangler gerade an solchen Gewässern, an dem Verhalten einzelner anwesender Karpfenangler gemessen werden und anhand dessen wird dann ein oftmals vollkommen ungerechtes Urteil über sämtliche Karpfenangler gefällt. Hier sollte sich jeder Karpfenangler über seine Verantwortung in seinem Auftreten gegenüber der Öffentlichkeit bewusst sein. Ich möchte hier ganz bestimmt nicht den Karpfenangler angreifen, der ein oder zwei Biere beim Fischen genießt. Diese Kritik gilt allen denen, die das Gewässer mit der örtlichen Kneipe verwechseln und wahre Trinkgelage am Gewässer feiern. Dieser minimale Prozentsatz an Karpfenanglern gilt leider viel zu häufig als Referenz für uns alle.
Veränderungen im Gewässer
Im Gewässer zeigen sich die Folgen vom Angeldruck meist auf unterschiedlichster Art und Weise. Oftmals ist ein sicheres Indiz des Angeldruckes der Rückgang von rollenden und springenden Fischen. Die nächste Stufe sind dann stark rückläufige Fangerfolge sowie ein komplett schwierigeres Gewässer. Viele der alten und bekannten Plätze wie zum Beispiel Plateaus bringen keine oder nur noch sehr wenige Fische. Die Stellen, die früher beinahe ein Garant für Erfolg waren, sind heute nahezu tot. Wenn sich die Auswirkungen vom Angeldruck schon so deutlich an einem Gewässer zeigen, hilft oft nur eine starke Veränderung der Angeltaktik. Man ist einer solchen Situation gut beraten, wenn man sich mit einem Teil des Gewässers beschäftigt, der bislang vernachlässigt wurde.
Damit meine ich Plätze, die bis dato weniger oder halt noch gar nicht beharkt wurden. Diese Plätze sind oftmals nur mit einem langen Fußmarsch zu erreichen, oder sind mit ähnlichen Unannehmlichkeiten verbunden. Auch wenn diese Stellen noch so unscheinbar sind, einen Versuch sind sie allemal wert. Leider ist die Situation an den entsprechenden Gewässern jedoch nicht ganz so einfach. Es ist halt den meisten Karpfenanglern bekannt, dass ein Stellenwechsel bzw. die Verlagerung der kompletten Fischerei in einen anderen Bereich des Sees wieder mehr Aktionen an den Ruten bringen kann. Oder aber der See ist so stark befischt, dass wir gar nicht die Möglichkeit haben, den Platz zu wechseln, da bereits alle Plätze an den Wochenenden besetzt sind.
Das ist auch schon das Stichwort: Wochenende. Wenn wir an den Wochenenden immer wieder die Situation haben, dass der ganze See von Angler belagert wird, ist es ein entschiedener Vorteil, wenn man die Möglichkeit hat, seine Fischerei in die Woche zu legen. An diesen „Wochenend-Gewässern“ ist es immer wieder die gleiche Situation: Pünktlich ab Freitag 15 Uhr landet haufenweise Futter im See. Überall fliegen Bleie hin und her und kreuz und quer über den See und ein Großteil vom Gewässer ist mit Schnüren durchspannt. Eine solche Situation ist somit das Übelste, was einem passieren kann.
Es ist immer wieder interessant festzustellen, wie einfach diese Wochenend-Gewässer in der Woche zu befischen sind. Die ganzen oben aufgeführten Nachteile sind in der Woche nahezu nicht relevant und man kann effektiv fischen. Eine weitere Möglichkeit, seine Fangaussichten positiv zu beeinflussen, liegt darin seine Angelgewohnheit etwas zu verändern. Mit „verändern der Angelgewohnheiten“ meine ich die Gewohnheiten, wie die bekannten alten Plätze befischt werden. Versuchen sie einmal die bekannten Plateaus in einem gewissen Abstand zu befischen. Nicht wie üblich die Eisen direkt auf dem Plateau bzw. an den Kanten zu platzieren, sondern in einem Abstand von ca. 20 Meter zum Plateau zu fischen. Diese Art des Fischens kombiniert mit einem großflächig angelegten Futterplatz der etwa die Größe eines halben Tennisfeldes hat, ist immer gut für eine Überraschung. In Fachkreisen wird diese Futterstrategie auch das halbe Tennisfeld genannt.
Veränderungen bei den Angelstellen
Eine andere Form vom Angeldruck ist der stellenbezogene Angeldruck. Hier gibt es einmal die Situation, dass man nur einen bestimmten Teil des Sees befischen kann oder darf, sei es aufgrund von einem Naturschutzgebiet oder aber auf Grund einer Nachtangelzone. Gerade die zweite Situation ist an französischen Gewässern sehr häufig anzutreffen. Es ist gewiss kein Geheimnis mehr, dass die Nachtangelzonen, die oftmals schon seit Jahren an dem gleichen Gewässerabschnitt platziert sind, nicht unbedingt die besten Fangaussichten bieten.
Das liegt nicht unbedingt an dem Gewässerabschnitt wo sich die Nachtangelzone befindet, sondern viel mehr an der Tatsache, dass in diesem Bereich seit geraumer Zeit intensiv gefischt wird und die Karpfen über all die Jahre gelernt haben, diese Bereiche zu meiden. Hier bringt oftmals ein kurzer Tagestrip außerhalb der Nachtangelzone mehr Fisch auf die Matte, als stumpfes Aussitzen in den Nachtangelzonen.
Eine andere Möglichkeit von stellenbezogenem Angeldruck bezieht sich auf außergewöhnliche Stellen im Gewässer, die oft nur kurz, dafür jedoch so massiv beharkt werden, dass diese Hot Spots bereits nach relativ kurzer Zeit sprichwörtlich zusammenbrechen. Alle weiteren Bemühungen an diesen temporären Spots sind jedoch vergeudete Zeit.
Hierzu ein Beispiel aus der Vergangenheit: Zwei mir bekannte Karpfenangler fischten über ein verlängertes Wochenende zusammen an einer kleinen Kieskuhle. Einer von ihnen fischte an den bekannten alten Stellen, die immer für einen Fisch gut waren. Der andere fischte an einer kleinen Muschelbank, die er zwei Tage zuvor im flachen Wasser entdeckt hatte. Das Ergebnis war 5 zu 0 zugunsten der Muschelbank. An den darauf folgenden drei Wochenenden wurde diese Muschelbank so massiv befischt, dass dort bis heute kein Fisch mehr gefangen wurde. So viel nur zum Thema stellenbezogenen Angeldruck.
Auswirkungen
Es ist jedoch so, dass Angeldruck auch einige positive Auswirkungen hat. Es ist eine Tatsache, dass viele Karpfenangler entsprechend große Fische zur Folge haben. Auf dieser Art entsteht eine Art Symbiose zwischen dem Gewässer bzw. den Fischen und den Karpfenanglern. Diese bringen entsprechende Mengen an Futter in das Gewässer. Das wiederum hat große Fische zur Folge. Diese großen Fische wiederum ziehen noch mehr Karpfenangler an und so beginnt der Kreislauf von neuem. Die Rundfahrt geht meist solange gut, bis irgendwann die „gesetzliche Bombe“ knallt und die Fischerei mit so vielen Verboten belegt wird, dass ein effektives Fischen an dem Gewässer nicht mehr möglich ist.
Eine weitere, äußerst negative und perverse Folge, die in der jüngsten Vergangenheit immer häufiger an Gewässern anzutreffen ist an den viel gefischt wird, ist das Umsetzen von Fischen. Hier sind fast ausschließlich sehr große und bekannte Fische betroffen. Sei es aus Neid, weil man seinem Nebenmann den Fisch nicht gönnt, oder aus anderen kranken Motiven. Solchen Aktionen sind immer mit immensen Risiken und damit unüberschaubaren Spätfolgen für das Gewässer verbundenen. Das wohl bekannteste Beispiel hierzu ist momentan der Sarulesti-See in Rumänien. Das ist jedoch ein anderes, sehr schwarzes Thema, einer anderen dunklen Geschichte.
In diesem Sinne,
Christoph Bruns






