LK-Baits

Fangen oder nicht fangen!

Von Christoph Bruns / Juni 2007

Fangen oder nicht fangen, das ist hier die Frage! Was ist das für eine dumme Frage? Was will der Autor mit dieser Frage bezwecken? Diese oder ähnliche Fragen lieber Leser, werden jetzt bestimmt in ihrem Kopf herumgeistern. Wenn sie mir jetzt aber ca. eine halbe Stunde ihrer kostbaren Zeit schenken, werde ich ihnen die oben gestellte Frage etwas genauer erklären. Die jetzt folgenden Zeilen sind das Gedankengut, das während einer etwas frustrierenden Dreitage-Session entstand.

 Gehören sie auch zu der Gruppe Carphunter, die genau Buch über alle ihre Sitzungen führt? Wenn nicht, notieren sie sich mal alle wichtigen Daten wie z.B. Wind, Windrichtung, Windstärke Wassertemperatur, Wasserstand, Mondstand, etc. Wenn sie das machen haben sie schon einen großen Vorteil auf ihrer Seite. Wie führen sie überhaupt ihr Fangbuch? Nutzen sie noch den klassischen Schreibblock, oder verwenden sie schon eine der neuartigen Software Versionen? Wenn sie jetzt mal ihre Aufzeichnungen der zurückliegenden Sitzungen hervorkramen und diese genau beurgrunzen, kristallisiert sich vielleicht die eine oder andere Regelmäßigkeit bei gemachten Fängen heraus. Warum stutzen sie? Wegen dem seltsamen Wort? Sie meinen, das sei eine...? Aber nein mit Schweinerein hat das nichts zu tun. Es ist eines jener Worte, die einem Schreiber in den Schoß fallen wenn man(n) sich so durch die unterschiedlichste Lektüre wühlt und ich war der Meinung das es ich es ihnen auf gar keinen Fall vorbehalten darf.

Hinter der Bedeutung des doch zugegebener weise etwas gewöhnungsbedürftigen Wort „beurgrunzen“ versteckt sich nichts anderes als „näher untersuchen“. Zunächst hatte dieses Wort mit „nach dem Urgrund forschen“ zu tun und das Verb hieß „beurgrundsen“. Daraus machte dann der Volksmund das lautgleiche beurgrunzen, um Untersuchende auf die Schippe zu nehmen. Nun aber wieder zurück zum Thema! War vielleicht der Wind, der Wasserstand oder doch der Vollmond das verantwortliche Teilchen für den Blank? Oder waren wir ein erfolgreicher Hunter? Konnten wir den einen oder anderen Carp zum Foto auf unsere Matte einladen? Welches Teilchen des Carphunting-Puzzles war der für den Erfolg verantwortliche Faktor? Vielleicht das neue Hyper-Rig aus England oder doch eher der Super Special Boilie, dass natürlich nach dem neuesten Stand der Wissenschaft entwickelt wurde?

Sie werden bestimmt bemerkt haben, das den letzten Bemerkungen etwas der Hang zur Realität fehlt. Der Erfolg einer Sitzung hängt bestimmt von mehr Faktoren ab, als nur der Köder oder das Rig. Welche könnten dies aber sein? Ich habe in der Vergangenheit immer wieder die gleichen Erfahrungen bei der Auswertung von Aufzeichnungen gemacht. Bei der Vielzahl an Variablen, die es beim Karpfenfischen gibt, konnte ich feststellen dass es immer die gleichen Punkte sind, die mehr oder weniger gewichtend für den Fang eines Karpfens verantwortlich waren.

Ich möchte mit dem Wasserstand beginnen. Ich halte es für sehr wichtig, dass der Wasserstand eine gewisse Gleichmäßigkeit aufweist. Ein stark steigender oder sinkender Wasserstand bedeutet immer, dass sich das Wasser braun färbt und das ist alles andere als gut für unsere Fischerei. Als nächstes wäre da die Wassertemperatur. Schwankende Wassertemperaturen sind ebenfalls alles andere als gut für das Fischen, dabei ist egal ob die Wassertemperaturen steigen oder sinken. Wobei ich allerdings auch der Meinung bin, dass niedrige Wassertemperaturen oftmals überbewertet werden. Das heißt, dass man auch bei niedrigen Wassertemperaturen mit einer etwas angepassten Angeltaktik immer noch recht akzeptable Erfolge haben kann. Zur Wassertemperatur muss noch gesagt werden, dass sobald sie irgendwelche extremen Werte erreicht hat (Hochsommer oder tiefster Winter) ist sie fast allein ausschlaggebend für den Erfolg einer Sitzung.

 Kommen wir nun zum Wetter. Auch beim Wetter hat sich herausgestellt, dass eine konstante Wetterlage gut für das Fischen ist. Wenn dann noch zusätzlich etwas frischer Wind mit leicht bedecktem Wetter vorherrscht, steht das Wetter ganz auf unserer Seite. Dies sind alles Punkte, die man als Umweltbedingungen bezeichnen kann und ob es uns passt oder nicht, wir können keinen Einfluss auf sie nehmen. Jetzt wären da noch die Faktoren, die wir beeinflussen können. Der wichtigste Punkt ist hier bestimmt die Location. Auch wenn die äußeren Bedingungen noch so gut sind, wenn wir nicht dort fischen, wo sich Karpfen aufhalten, können wir auch keinen fangen. Wer die Location nicht beherrscht, der hat es auf Dauer sehr schwer als Carphunter. Das ist allerdings kein Grund zur Unruhe, den Location kann man lernen. Es gibt sogar Karpfenangler, die beherrschen die Location bereits ab dem ersten Tag. Es ist, als ob sie Karpfen irgendwie spüren könnten.

In England nennt man diese Fähigkeit schlicht „Watercraft“. Jeder Angler der diese Fähigkeit besitzt hat einen echten Pluspunkt auf seiner Seite. Leider habe ich diese Watercraft nicht und muss immer auf Erfahrungswerte bei der Location zurückgreifen. Wer die Möglichkeit hat und das befischte Gewässer liegt in unmittelbarer Nähe zu seinem Wohnort, der sollte eine oder mehrere Futterstellen am Gewässer anlegen. Einen Futterstelle ist bestimmt kein Garant für Erfolg, wirkt sich bestimmt aber nicht negativ auf unsere Fischerei aus. Blöderweise ist es jedoch meist so, dass die wirklich interessanten Gewässer einfach zu weit entfernt liegen, als dass man eine Futterstelle anlegen könnte.

Wir haben uns jetzt darüber unterhalten wann und wo wir fischen sollten, stellt sich nun die Frage wie und mit was wir fischen sollten. Kommen wir als erstes zum „wie“. Welches Rig sollten wir verwenden? Nachdem ich viel mit irgendwelchen „tollen“ Rigs rumexperimentiert habe, bin ich zu dem Schluss gekommen: „Keep it simple“! Ein einfaches No-knot-Rig oder ein Line-Allinger-Rig sind altbewährt und haben schon Unmengen an Fischen gefangen.

Über das Thema „Köder fürs Karpfenfischen“ könnte man Bücher füllen, die der Bibel in Sachen Umfang in nichts nachstehen würde. Da gibt es süße, fruchtige, würzige oder aber birdfood oder doch lieber fischige Boilies – aber müssen es überhaupt Boilies sein? Es gibt ebenfalls eine riesige Palette an Partikeln, die für das Karpfenfischen sehr gut zu gebrauchen sind. Für welchen Köder man sich auch entscheidet, auf jedem Fall sollte man 100 % Vertrauen in seinem Hakenköder haben. Dieses Vertrauen ist sehr wichtig, den wenn man mal eine längere Durststrecke am Wasser erlebt, kann man seine Köder als Ursache für diese ausschließen. Ich selbst habe zu dem Thema Blank oder Catch kürzlich in dem von Vincent Kluwe-York verfassten Buch „Karpfen“ (absoluter Kultschmöker) ein Zitat von Altmeister Jim Gibbinson gelesen, das meiner Meinung nach den sprichwörtlichen Nagel genau auf den Kopf trifft:

Es gibt fünf zentrale Punkte, die stimmen müssen wenn wir darauf hoffen wollen einen Karpfen zu fangen:

  • Wir müssen an der richtigen Stelle sein!
  • Wir müssen zur richtigen Zeit da sein!
  • Wir müssen den richtigen Köder dabei haben!
  • Wir müssen für eine effektive Präsentation sorgen!
  • Wir dürfen die Fische nicht verscheuchen!

 Wenn wir einen dieser Punkte falsch machen, besonders den ersten, ist der Erfolg nicht sehr wahrscheinlich. Mehrere Punkte falsch und es ist hoffnungslos. Erfolgreiche Karpfenangler sind diejenigen, die es einigermaßen zuverlässig und regelmäßig schaffen, alle fünf Punkte zu erfüllen. Es gibt kein „großes Geheimnis“, keine unwiderstehlichen „Überköder“ und kein bis dato unenthülltes Wunder-Rig. Und das, meine Freunde, wage ich zu behaupten, ist die größte aller Wahrheiten!

So viel von Gibbo zu diesem Thema. Wenn sie nun die Punkte eins bis fünf für ihre Notizen anwenden, werden sich alle erfolgversprechenden Eckpunkte herauskristallisieren. Eine gute Location ist die Grundvoraussetzung um überhaupt erfolgreich zu sein. Wir müssen natürlich auch fischen wenn die Fische gerade auf unserer Stelle fressen um sie fangen zu können. Die nächsten beiden Punkte beziehen sich auf die Köder und die Präsentation der Köder. Ein hochwertiger Köder wird langfristig gesehen immer bessere Resultate erzielen, als irgendwelche billige Kugeln. Das gute Präsentation nicht immer auch unbedingt kompliziert bedeuten muss, sollte mittlerweile auch jedem Carphunter klar geworden sein. Der fünfte Punkt bezieht sich hauptsächlich auf das Geschick des Anglers, ob er wirklich in der Lage ist auch in schwierigen Situationen mehr Ausdauer und Ergeiz zu entwickeln als andere.

Ich hoffe ich habe ihre Zeit nicht unnütz in Anspruch genommen und sie denken mal einen Moment über das gerade gelesene nach.
Die oben erwähnte Sitzung blieb leider erfolglos und dass obwohl die äußeren Bedingungen förmlich nach Monsterkarpfen stanken. Was lehrt uns das? Gibbo ist und bleibt einer unserer Besten und zum Glück wird das Karpfenangeln wohl nie berechenbar!

In diesem Sinn – “Food for thought”!

Christoph Bruns