LK-Baits

Krebs & Co - Meine Freunde mit den Scherenhänden

Von Thoma Talaga / April 2011

Nichts ist wohl schlimmer, als wenn man bei der Rutenkontrolle am nächsten Morgen feststellen muss, dass sich überhaupt kein Köder mehr am Haar befindet. Das anschließend in einem hochsteigende ungute Gefühl wird man so schnell sicher nicht wieder vergessen. Immer wieder stellen sich die gleichen Fragen: Wie konnte dieses Missgeschick überhaupt passieren? Und vor allem, wie lange hat man wohl schon mit einem blanken Haken gefischt? Ist es um den gerade erst gewechselten Köder auch schon geschehen?

Meine kleinen Freunde mit den Scherenhände bei der ArbeitKlein und gefräßig!
Keine Frage, der Köder könnte natürlich auch erst beim Einholen der Montage verloren gegangen sein. Doch nicht gerade selten sind es ganz andere Gründe, die zum Verlust der Hakenköder geführt haben. Gerade, wenn nicht nur eine unserer Ruten davon betroffen ist, drängt sich ein ganz anderer Verdacht in den Vordergrund. Ja richtig, es müssen Krebse gewesen sein. Diese immer hungrig erscheinenden kleinen Kreaturen können zu einer wahren Plage werden. Hat man es nur mit einer Handvoll von diesen kleinen Gesundheitspolizisten zu tun, so bleibt der Köderklau eher die Ausnahme. Bevölkern sie hingegen die Gewässer in riesigen Populationen, stellen sie für uns Angler ein echtes Problem dar.

Für Boilies brauchten sie höchstens eine Stunde!
Ich kann mich noch sehr gut an ein Urlaubsfischen am Cassien im Jahre 2002 erinnern. Der Bereich, den wir damals befischten, war mit Krebsen regelrecht verseucht. Das Fischen mit herkömmlichen Boilies stellte sich hier sehr schnell als absolut unsinniges Unterfangen heraus. Schon nach etwa einer Stunde hatten sie die Krebse komplett zerlegt und aufgefressen. Auch die Umstellung auf deutlich widerstandsfähigere Tigernüsse war nicht wirklich von Erfolg gekrönt.

Platzwechsel? Auf keinen Fall, denn auch den Karpfen würde dieser Umstand nicht wirklich verborgen geblieben sein. Immense natürliche Nahrungsquellen locken natürlich auch die besonders massigen Vielfraße unter den Fischen an. Nach vielen langen Gesichtern (die Jungs machten schließlich auch mit den großen Tigers kurzen Prozess) kamen wir zum Glück noch auf ein paar hoffnungsvollere Ideen. Mit einigen unserer Ruten, wollten wir es nun deutlich über dem Grund versuchen. Diese beköderten wir mit Pop Ups.

Hierbei stellten wir die Montagen so ein, dass die Köder etwa zwischen 10 und 20 Zentimeter hoch über dem Grund schwebten. Da wir nicht alles auf eine Karte setzen wollten, beköderten wir die restlichen Montagen mit jeweils einem mächtigen Paket aus großen Tigernüssen. Dabei fädelten wir zuerst einige Tigers auf eine resistente Schnur auf, um sie im Anschluss hieran noch einige Male in sich selbst zu verknoten. Obwohl wir sehr viel lieber mit einzelnen Ködern gefischt hätten, schienen diese Großköder das einzig verbleibende Mittel zu sein, um auch direkt am Grund mit normal aufliegenden Ködern fischen zu können.

Und richtig, obwohl auch diese sehr großen Köderpakete von den Krebsen nicht wirklich verschont blieben: Der nach einer durchfischten Nacht verbleibende Rest stellte auf jeden Fall noch einen fangfähigen Köder dar. Die Gewissheit, dass man zweigleisig erheblich sicherer fährt, erhielten wir ebenfalls einige Zeit später. Unsere auftreibenden Alternativköder wurden nämlich von den Fischen fast gänzlich verschmäht. Vielleicht lag es aber auch nur an den fast ausnahmslosen Nachtbeißzeiten der Karpfen, dass wir hierauf in der Folgezeit nur einen einzigen Fisch fangen konnten.

Ohne Störungen durch Plagegeister kann der Erfolg so aussehen...Besser mit kleineren Ködern fischen?
Doch was hätten wir wohl gefangen, wenn wir mit einzelnen kleinen Ködern hätten fischen können? Die Antwort auf diese Frage werden wir wohl niemals bekommen. Trotzdem steht eines für mich zweifelsfrei fest: Mit kleinen Köder hat man die Chance auf deutlich mehr Fische als mit den großen „Wackermännern“. Und obwohl die so genannten Boiliekarpfen sicherlich sehr häufig zu einer stattlichen Größe heranwachsen und auch oftmals ganz gut auf größere Köder ansprechen, so gibt es auch noch eine nicht unerhebliche Anzahl von Karpfen, die viel lieber kleinere Köder bevorzugen. Genau diese ebenfalls begehrenswerten Karpfen möchte ich natürlich nicht durch meine bloße Köderwahl ausschließen. Allein schon der Umstand, dass diese Fische meist nur relativ selten gefangen werden, macht sie zu einem sehr interessanten Ziel der Angelei. Weil wir es mehr und mehr auch mit den gepanzerten Plagegeistern an heimischen Gewässern zu tun bekommen, ist die Großköderfischerei für mich nicht wirklich eine befriedigende Standardlösung dieses Problems.

Die Lösung!
Da die Angelgeräteindustrie auf fast alle Probleme, mit denen wir es beim Fischen zu tun bekommen, auch ziemlich rasch reagiert, ist es nicht weiter verwunderlich, dass es mittlerweile für die zuvor beschriebenen Probleme eine andere Lösung gibt. Mit den „Boilie Guards“ von Starbaits braucht man seine Köder, zumindest größenmäßig gesehen, in keiner Weise an das Krebsproblem anpassen. Selbst mit einem einzigen 14er Boilie bewaffnet, stellen die Krebse keine echte Gefahr mehr für unseren Hakenköder dar. Der Clou an der Geschichte: Unsere Boilies am Haar bekommen einfach einen resistenten Mantel umgeschnallt.

In ein zuvor abgeschnittenes kleines Stück des Boilie Guards stecken wir zuerst einen Boilie hinein, durchbohren dieses Duo mit einer spitzen Ködernadel und schrumpfen dann einfach den Mantel über kochendem Wasser. Letztendlich umschließt diese Hülle dann unseren Köder fest und vor allen Dingen auch sehr sicher. Wenn wir das Ganze dann noch am üblichen Haar angeködert haben, können wir mit einem effektiv geschützten Köder den kleinen Plagegeistern ein herbes Schnippchen schlagen. Die Boilie Guards bestehen aus einem klaren Schlauch, somit sieht unserer Hakenköder auch noch nach seinem Verwandlungsprozess den gefütterten Ködern zum verwechseln ähnlich. Da der Mantel an seinen beiden äußeren Enden geöffnet bleibt, kann auch der Hakenköder seine Lockwirkung entfalten und den fressenden Karpfen seine Attraktivität und somit auch seine Fressbarkeit signalisieren.

Große Pakete aus Tigernüssen sind leider auch nicht immer die LösungEs geht aber auch noch mehr!
Etwas zweckentfremdet eingesetzt, kann man mit diesem sinnvollen Hilfsmittel auch gegen „Mitessern“ ganz anderen Kalibers erfolgreich sein. Wer häufiger an Flüssen zu Werke geht, wird diese anderen Kaliber schon mehr als nur einmal verflucht haben. Zumindest aber ging es mir in der Vergangenheit schon häufiger so. Nachdem ich mir am besagten Gewässertyp, der Lippe in NRW, einen Futterplatz angelegt hatte und die Fische ihn, so wie zuvor von mir erhofft, auch angenommen hatten, kam das böse Erwachen. Entweder ich fing die komplette Nacht hindurch einen Karpfen nach dem anderen, oder aber ich fing überhaupt nichts. Und falls ich doch noch einen Zufallsfisch an den Haken bekam, dann nur in den ersten Minuten der gerade eben erst angebrochenen Nacht. Das Problem hier: Die zahlreich vorhandenen Wollhandkrabben fanden nämlich ebenfalls ziemlich rasch Gefallen an meinen Ködern.

Gegen diese Biester sind auch die großen Tigernusspakete kein probates Mittel mehr. Hier konnten mir die Boilie Guards ebenfalls ihre vorzüglichen Dienste erweisen. Voraussetzung hierfür, man fischt nicht mit dem ansonsten üblichen weichen und dünnen Haaren, denn genau diese würden sich als die großen Schwachstellen erweisen. Sie würden von den unzähligen, gefräßigen Scherenmonstern schlicht und einfach gekappt werden. Daher sollte man besser auf ein sehr starkes monofiles Vorfach zurückgreifen und es für das Haar einfach durchgehend binden. Ansonsten würde auch der resistenteste Köder keine echte Überlebenschance bekommen. Hier noch ein kleiner Tipp am Rande: Mit handelsüblichen Boiliestoppern riskiert man ebenfalls einen raschen Köderverlust. Ich verwende in diesen besonderen Situationen lieber Schlüsselringe in Miniaturausführungen. Selbst eine noch so große und kräftige Krebsschere wird diese Metallringe niemals öffnen können.

Stichwort: Harte Köder!
Wer die zuvor beschriebenen Problemstellungen bisher noch nicht in der Realität erlebt hat, der wird eine ganz andere, äußerst simple Antwort darauf parat haben. „Ganz klar, dann verwende ich eben steinharte Boilies.“ Doch eines ist auf jeden Fall sicher, diese eigentlich sehr logische Antwort wird nicht der Weißheit letzter Schluss bleiben. Egal wie lange man seine Boilies auch trocknet, sie werden trotzdem niemals resistent genug sein, um diesen ungleichen Gegnern wirklich Paroli bieten zu können. Mit der Fängigkeit von weichen und soften Boilies, so wie sie direkt nach dem Kochvorgang beschaffen sind, können sie auch nicht im Geringsten konkurrieren. Ein softer Köder wirkt einfach schneller und fängt auch besser und schneller. Gerade wenn man nicht vorgefüttert hat und „instant“ fischt, muss der Köder sofort wirken können und den Fischen nicht zeitversetzt seine Attraktivität und Fressbarkeit signalisieren.

Der Boilie-Guard verhindert den Angriff auf unsere Köder wirkungsvollDoch auch beim Vorfüttern oder wenn man vorhat, ein paar Tage länger zu fischen, kann der schützende Mantel um die Hakenköder eine stimmige Alternative sein. Denn wenn alle anderen Köder am Grund schon ein paar Tage länger dort herumliegen, haben sie sich mit dem Umgebungswasser total vollgesogen. Während dieser Zeitspanne haben sich natürlich auch schon lange ihre Farb- und Lockstoffe im Wasser verflüchtigt. Fischen wir nun mit einem in schöner Regelmäßigkeit gewechselten frischen Hakenköder, so unterscheidet dieser sich ziemlich deutlich von dem restlichen Beifutter.

Einige Perfektionisten fischen in dieser Lage nur noch mit zuvor eingeweichten Hakenködern. Diese etwas ungewöhnliche Theorie, ausgewaschene „alte“ Köder nicht durch frische Boilies zu ersetzen, ist sicher nicht jedermanns Sache. Doch so ganz unlogisch ist das Ganze sicher nicht, oder? Kein geringerer als Luc Coppens hat mit dieser Methode für eine Menge Furore gesorgt. Für all diejenigen, denen dieser Name kein Begriff ist: Luc Coppens ist wohl der erfolgreichste Angler, der jemals regelmäßig am Cassien gefischt hat. Für manch einheimischen Franzosen ist er ein wahrer Halbgott, was das Fangen von Großfischen am Cassien, bzw. seine erfolgreichen Köder angeht!

Allerdings kann man auch bei dieser Vorgehensweise einen Rückschlag erleben. Die soften Hakenboilies können nämlich auch die schnelle Beute von Kleinfischen werden. Bisher habe ich meine Softies gegen derartige Attacken von Rotaugen und Brassen immer mit einem Nylonstrumpf geschützt. Hierdurch gab es für diese unerwünschten Beifänge ebenfalls nicht die geringste Chance, die Köder unbemerkt zu entwenden. Doch leider sahen diese Hakenköder visuell völlig anders aus. Mit dem ursprünglichen Boilie, bzw. mit den anderen zu gefütterten Freebaits, haben sie, jedenfalls optisch gesehen, nicht mehr viele Gemeinsamkeiten. Sind sie hingegen in den Boilie Guards verpackt, besteht ebenfalls die bestmögliche Sicherheit, dass sie sich am Ende des Tages oder der Nacht immer noch am Haken befinden. Noch dazu sehen sie trotz dieses Schutzes den restlichen Freebaits auch noch täuschend ähnlich.

Ein toller Fisch, dem sicher auch die Krebse selber als Nahrung dientenKleinvieh macht auch Mist
Es gibt aber auch noch eine ganz andere Art von Plagegeistern, vor denen uns das schmucke Schutzjäckchen auch nicht wirklich bewahren kann. Mit dieser netten Titulierung meine ich die oftmals in großen Populationen vorkommenden Katzenwelse! So mancher Frankreichangler wird ein hübsches Lied von diesen kleinen Gesellen singen können. Manchmal bekommt man nur einen einzelnen Pieper, das Ganze noch dazu meist mitten in der Nacht. Bei der Rutenkontrolle am nächsten Morgen hängt dann so ein Miniaturwels von kaum einer Handlänge an der zuvor sorgsam ausgelegten Montage. Egal ob große oder auch steinharte Köder, sie fressen einfach alles. Und was noch verschärfend hinzukommt, sie schlucken fast jeden Köder auch noch äußerst gierig herunter. Ohne Hakenlöser ist dann meist nicht mehr viel zu machen. Zum Glück gibt es mittlerweile auch gegen diese gefräßigen Mitesser ein sehr wirksames Mittel.

Da sich in diesem speziellen Fall eine Schutzhülle nicht als sehr wirkungsvoll herausgestellt hat, haben die Köderspezialisten von Starbaits einfach ein ganz neues Köderkonzept entwickelt. Deren einzigartiges Aroma scheinen allerdings nur die angesprochenen Katzenwelse als sehr abstoßend zu empfinden. Beim Fangen von Karpfen hingegen haben sich diese Boilies als sehr wirkungsvoll erwiesen. Seit 2009 gibt es dieses neuartige Köderkonzept nun auch auf dem deutschen Markt. Unter der treffenden Bezeichnung „Joker“ gibt es eine komplexe Köderpalette, die sowohl Boilies, spezielle Hakenköder als auch Lockstoffe umfasst.

Thomas Talaga