Ein Karpfen frisst selten allein
Als ich wieder mal an meinem Hausgewässer unterwegs war machte ich mir so ein paar Gedanken über das Fressverhalten der Karpfen. Es müsste doch gezielt möglich sein in nur einer Nacht mehrere Fische auf die Matte legen zu können. Viele von euch denken jetzt mit Sicherheit: „Na klar! Wenn die Fische fressen fängt man sie...“. Das sehe ich aber ein wenig anders. Es kommt auf die Baits, den Spot und das zu befischende Gewässer an. Und daran sollte sich unsere Fischerei anpassen und wer dies bestmöglich macht, der hat meist den größten Erfolg.
Beim Futter bin ich wie folgt vorgegangen: Gefischt habe ich mit einem 18mm Neon Fluo-PopUp. Dazu hab ich einen Partikelmix aus Mais, Hanf, Tigernüssen und Weizen dazu gefüttert und zuguterletzt kamen noch 3-4 Hände 14mm „Bloddy Mary“ Boilies dazu. Schätzungsweise war ich pro Spot mit 2-3kg Futter recht gut dabei. Da ich die Fische auf dem Platz halten und länger zum Fressen zu animieren wollte, fütterte ich sehr großflächig. Ich fischte deshalb mit einem auffälligen PopUp um die Neugierde der Karpfen auszunutzen. Wie sich später herausstellte sollte schien diese Rechnung aufzugehen.
Dank eines Futterbootes konnte ich immer exakt den selben Spot befischen und in regelmäßigen Abständen den Platz unter Futter halten. Selbst bei Nacht war es möglich den Spot recht genau anzufahren und das Futter und die Montagen dort abzulegen, was mir beim Werfen in der Dunkelheit nicht immer gelang. Es wurde mittlerweile langsam aber sich Dunkel und ich bereitete mich auf die Nacht vor. Ich schaffte noch etwas Ordnung am Platz, rückte die Abhakmatte, den Kescher und alles andere in Rosition, kontrollierte die Funkbox und dann begab ich mich in den Schlafsack.
Kaum lag ich gut verpackt im Schlafsack, ging es auch schon wieder raus und ich durfte den ersten Fisch drillen! Nach relativ kurzem Drill konnte ich einen Schuppi von 10,5kg landen. Ich machte kurz darauf das Futterboot wieder fit und fuhr die Montage inkl. 1-2kg Futter wieder auf den Spot, der sich auf der anderen Seeseite in 2,80m tiefe befand.
Keine 3 Stunden später lief die selbe Rute wieder ab und diesmal schien es ein größerer Fisch zu sein. Doch leider sollte ich den Fisch nicht zu Gesicht bekommen, denn nach ca. fünf Minuten riss die Schnur, die sich scheinbar beim ersten Fisch beschädigt haben musste.
Nun musste ich mitten in der Nacht komplett neu montieren. Neue Schlagschnur aufspule und ein neues Rig binden. Diesmal versuchte ich es mit einer Snowman-Montage, wobei der PopUp wieder ein neongelber war, allerdings in 14mm. Erneut ging es mit dem Futterboot Richtung andere Seeseite, was wieder einmal problemlos klappte.
Endlich konnte ich mich wieder in den Schlafsack verkrümeln, um wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Doch kaum war ich wieder eingeschlafen, ging schon wieder die Post ab. Fullrun! Und es war schon wieder die Rute mit dem PopUp!. Den Bestand des Sees kannte ich recht gut, da ich schon seit 15 Jahren an diesem See fische und in meinen Anfängen der Fischerei schon Graskarpfen von über 50 Pfund gefangen wurden. Und der Gedanke beschlich mich, dass solch einer meine Köderpräsentation nicht widerstehen konnte.
Der Fisch am anderen Ende entpuppte sich aber nach 10-15 minutigen Drill als kampfstarker Schuppenkarpfen mit einem Gewicht von 16,7kg. Nach dem dritten Run und zwei gefangen Fischen legte ich die Rute ein wenig entfernt ab von eigentlichen Futterplatz ab und fütterte erneut ca. 2kg nach. Doch mein Experiment wurde nicht mit einem Fisch belohnt und ich fuhr mit der gesammelten Erfahrung nach Hause, um es zwei Tage später erneut zu probieren.
Gesagt getan! Zwei Tage später sitze ich am wieder Gewässer am gleichen Platz und dem selben Futter. Ich änderte allerdings den Spot: Ich suchte mir einen ähnlichen Spot mit ca. 3m Wassertiefe aber auf der ganz anderen Seite des Sees. Ich wollte probieren, ob es auch hier möglich ist gezielt mehrere Fische in nur einer Nacht zu fangen. Ich ging wie schon beschrieben vor und fütterte am Spot ca. 2-3kg Futter an, ein Gemischt aus einem Partikelmix und 14mm „Bloody Mary“ Boilies. Die Ruten lagen auf den Spot und ich wartete auf das große Fressen. Mittlerweile war es schon kurz nach 23Uhr und es blieb ruhig.
Meine Vorgehensweise schien wohl doch nicht so clever zu sein?! Die Nacht verlief ziemlich ruhig und bis auf vereinzelte Piepser passierte nichts. Ich dachte zuerst an Brassen, doch es hakte sich kein Fisch. Nachdem ich das gepiepe fast drei Stunden im halbschlaf ertragen hatte, lies es mir sprichwörtlich keine Ruhe mehr und so holte ich die Rute schließlich ein.
Ich beköderte die Rute neu und versuchte anschließend die Montage wieder möglichst genau an den selben Spot in nur zwei Meter Wassertiefe anzubieten. Ich fütterte abermals 2kg Futter nach und war gespannt was die Nacht noch bringen würde.
Es war mittlerweile fast 3 Uhr, ich war hundemüde und freute mich richtig darauf wieder in den Schlafsack zu kriechen. Im Land der tausend Träume angekommen wünschte ich mir nichts mehr als lange zu schlafen, lecker zu Frühstücken und dann einen gigantischen Fisch zu drillen! Schöner kann man einen Tag nicht beginnen…
Piep Piep Piiiiiiiiieeeepppppp! Fullrun! Bis ich richtig die Augen auf hatte stand ich schon mit der bis ins Handteil krummen Rute am Ufer. Es wurde schon langsam hell. Ich hatte noch nicht mal den ersten Fisch über die Maschen meines Kescher gezogen und ich dachte schon an die Chance einen 2 Fisch zu fangen da es noch recht früh am Tag war.
Nach relativ kurzem Drill konnte ich einen Schuppi landen, abhaken und wiegen. 12Kg brachte der Fisch auf die Waage und. Ohne viel Zeit zu verlieren machte ich das Futterboot wieder startklar und es ging wieder raus zum Spot. Bei exakt 2m Tiefe öffnete ich die Futterluke und das Futter inkl. Montage sank in Richtung Gewässergrund.
Ich war echt gerädert und versuchte noch ein bisschen Schlaf zu bekommen, was mir aber auch nicht wirklich gelang, da die Wildgänse mittlerweile auf dem See herumtobten. Mir blieb nichts anderes übrig als ihrem Treiben im Halbschlaf zuzusehen. Als ich in Richtung Rute sah, bemerkte ich das die Rutenspitze ein bisschen wippte, einige Sekunden später viel der Swinger komplett nach unten, um anschließend Anlauf für einen Fullrun zu nehmen. Der Fisch konnte maximal 2-3m Schnur von der Rolle nehmen da ich direkt nach dem herunterfallen des Swingers an der Rute stand.
„Yes der hängt!“ war mein erster Gedanke und ich drillte den Fisch nicht zu hart weiter. Nachdem der Schlagschnurknoten durch den Spitzenring lief dachte ich für einen kurzen Moment ich hätte ihn verloren, doch wenige Augenblicke später war er wieder zu spüren. Mhhhh, scheint doch nicht so groß wie erhofft! Egal, Fisch ist Fisch und es kommt mir nicht immer auf die Größe an! Der Fisch stellte sich letzendlich als 13,7kg schweren Spiegler heraus. Nach einem kurzen Fotoshooting durfte er wieder zu seinen Freunden zurück. Der Tag kam in großen Schritten näher und ich überlegte ob es überhaupt noch Sinn machen würde die Ruten nochmals rauszufahren.
Da ich den restlichen Mais eh noch füttern wollte, legte ich kurzerhand die Montage mit dem selben Boilie einfach nochmal dazu und fuhr sie wieder auf den Spot. Langsam aber sicher machte ich mich bereit zum abbauen. Als ich fast alles zusammen gepackt habe und gerade dabei war den Kofferraum zu beladen, meldete sich erneut mein Carpsounder zu Wort. Ich nahm die Rute auf und freute mich auf den nächsten Fisch, der sozusagen in allerletzter Minute gebissen hat. Doch ich hatte mich zu früh gefreut, denn nach kurzem Drill stieg der Fisch aus.
Ich ärgerte mich nur kurz, denn auch in dieser Session hatte ich mein eigentliches Ziel erneut erreicht: Mehrere Fische in wenigen Stunden bzw. in einer Nacht zu fangen.
Es gibt kein Patentrezept um mehrere Karpfen zu fangen doch wenn man die einzelnen Komponenten wie Futter, Spot, Gewässer und Jahreszeit zusammenzählt kann man das Maximale aus einer Session herausholen und somit noch erfolgreicher seinem Hobby nachgehen. Vielleicht regt der Bericht den ein oder anderen von euch nochmal zum Nachdenken seiner Vorgehensweise beim Fischen an, und achtet auch auf die kleinen Details.
In diesem Sinne wünsche ich euch noch eine Erfolgreiche Saison und den ein oder anderen Karpfen mehr in eurer Session.
Tight Lines,
Steffen Gehder






