HV - Corporate Concepts AG
Mann ist das kalt! Dem frierenden Winterangler bleibt meist nichts anderes übrig, als das Zwiebelschalenprinzip anzuwenden und mehrere Bekleidungsschichten übereinander anzuziehen, um die Körperwärme möglichst effizient zu speichern. Aber irgendwann hilft auch das nicht mehr, eine aktive Wärmequelle muss her. Viele von uns greifen dann auf Taschenöfen oder Wärmflaschen zurück, die in die Klamotten gestopft werden. Ein wenig umständlich ist das Ganze aber dennoch: Die Benzintaschenöfen stinken immer so sehr, und meine Wärmflasche hat mir einmal den gesamten Overall durchnässt, weil ich mit klammen Fingern den Verschluss nicht richtig aufgesetzt und zugedreht hatte...
Eine unkomplizierte, aktive Wärmequelle, das wärs doch! Inzwischen rühmen sich mehrere Hersteller, genau so etwas anbieten zu können: Jacken, Pullover, Socken, Einlegesohlen oder Westen, die per Knopfdruck mittels kleiner Akkus elektrisch beheizt werden. Wir wollten wissen, ob so etwas auch zum Angeln taugt und haben deshalb die HV Weste der Firma Active Heat unter die Lupe genommen.
Verarbeitung:
Die HV Heizweste gibt es in schwarz oder braun, in Damen- und Herrenausführung und in Größen von XS bis XXXL, und zwar wahlweise mit drei verschieden großen Akkus. Ich teste die Weste in schwarz, Größe XXL und mit dem größten Akku, Typ Maxi. Dieser Lithium-Polymer-Akku, eine Weiterentwicklung des Lithium-Ionen-Akkus, wiegt knapp 250 Gramm und ist in etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel. Seine Leistung beträgt stattliche 5200 mAh. Laut Herstellerangabe soll dieser Akku je nach gewählter Heizstufe 5,5 bis 15 Stunden Wärme spenden und besonders für lange Aufenthalte in der Kälte geeignet sein.
Die beiden kleineren Akkutypen sollen bei etwas weniger Gewicht und nur geringfügig geringerem Preis eine Heizdauer von 3,5 bis 10 Stunden bzw. 2,5 bis 7 Stunden aufweisen. Alle Akkus sollen laut Bedienungsanleitung eine Höchsttemperatur von 40°C bis 70°C erzeugen können, dazu später mehr. Alle Akkus werden übrigens mit einer kleinen Fernbedienung geliefert, die die Bedienung der Weste, wenn man aufgrund von mehreren Kleidungsschichten nicht mehr so ohne weiteres an den Akku herankommt, sehr einfach machen soll (siehe Foto). Gut mitgedacht!
Warum am Akku auch noch eine kleine LED-Taschenlampe angebracht ist, verstehe ich jedoch nicht so ganz. Nettes Gimmick, aber sonst? Die Weste selbst besteht aus einer Außenhaut aus wasserabweisendem Polyester-Jersey und einem Futter aus Microfleece. Zwischen diesen beiden Schichten sitzen drei flache Heizpads, ein großes Pad im Nierenbereich und zwei kleinere im oberen Rücken links und rechts der Wirbelsäule. Die Pads sind über Reißverschlüsse zugänglich und können zum Waschen komplett entnommen werden, so dass die Weste im Sommer auch solo getragen werden kann.
Beim Anbringen der beiden kleineren Pads kann man sogar wählen: Wer lieber ein wenig Wärme „von vorne" hätte, kann diese auch vor der Brust positionieren. So, genug gefummelt. Ich lade den Akku komplett auf, was ungefähr fünf Stunden dauert, und nehme die Weste zur nächsten Session mit ans Wasser. Auf zum Praxistest!
Praxis:
Die erste negative Überraschung: Die Fernbedienung funktioniert nicht. Ich lese noch ein paar Mal in der Bedienungsanleitung nach, aber es bleibt dabei: Obwohl die Fernbedienung an ist und beim Wählen einer Temperaturstufe ihre Lampen leuchten, kommt am Akku kein Signal an, er bleibt auf der manuell eingestellten Stufe stehen. Auch Ein- oder Ausschalten über die Fernbedienung funktionieren nicht. Dabei scheint die Batterie der Fernbedienung in Ordnung zu sein, denn ihre Kontroll-LEDs leuchten beim Drücken der Knöpfe auf.
Na ja, wenigstens die manuelle Einstellung am Akku funktioniert, also kann ich zumindest weiter testen. Ich prüfe zunächst, ob die vom Hersteller gemachten Angaben zur Heizleistung stimmen. Ich lege die Weste bei einer mit elektronischem Thermometer gemessenen Umgebungstemperatur von 18 °C auf meinen Schlafsack, so dass sie von unten isoliert ist. Ich lege sodann den Messfühler des Thermometers in die Weste und schließe den Reißverschluss, so dass der Messfühler mittig zu liegen kommt. Da die Weste über vier Heizstufen verfügt, lasse ich sie einmal bei Stufe eins und bei Stufe 4 jeweils 30 Minuten heizen und lese dann die jeweilig erreichte Temperatur ab.
Zweite Überraschung: An die versprochenen 40-70°C Heizleistung kommt die Weste auch bei knackevollem Akku nicht im Entferntesten heran. Nach einer halben Stunde auf Stufe 1 erreicht die Weste maximal 26,2°C. Auf Stufe 4 reicht es sogar nur für 21,9°C. Vielleicht wären diese Werte ein wenig höher, wenn man die Weste zusätzlich noch in einer isolierenden, dicken Jacke betreibt, aber ein wenig enttäuscht bin ich von diesen Messergebnissen schon.
Dritte Überraschung: Wieso ist die Weste eigentlich auf der vierten Stufe weniger warm als auf der ersten??? Ich teste weiter und stelle schnell fest: Wenn man die Heizstufen von eins bis vier durch Drücken des Plus-Knopfes „hochschaltet", wird die Weste in der Tat immer kälter. Verwirrt lese ich in der Gebrauchsanweisung nach. Tatsächlich: Stufe 1 ist wirklich die stärkste Heizstufe, durch Drücken auf „Plus" verringert man die Heizleistung, bis man bei Stufe 4 auf der geringsten Heizleistung angekommen ist. Völlig entgegen jeder Logik! Wer denkt sich so etwas aus? Schon mal was von „intuitiver Benutzerfreundlichkeit" gehört?
Egal, jetzt ziehe ich die Weste unter meiner Fleecejacke an und probiere sie aus. Und ich muss sagen, dass die Wärmeleistung trotz der enttäuschenden Messergebnisse mehr als ordentlich ist! Schnell muss ich auf Stufe 3, also die zweitschwächste Stufe, herunterschalten, damit mir nicht der Schweiß ausbricht. Nicht schlecht, so ein Teil! Bei den versprochenen 70°C würde ich mir wohl Brandblasen holen, also ist es sogar ganz gut, dass die Weste unter Realbedingungen nur auf 26,2°C kommt. Als ich mich bettfertig mache, ziehe ich die Weste über meine Thermowäsche und verkrümle mich in meinen Schlafsack.
Der Akku stört zwar ein wenig, wenn ich mich auf die rechte Seite drehe, aber ich will die Weste für den zweiten Teil der Nacht, in dem mir regelmäßig kalt wird, parat haben. Und es kommt wie geplant: Wie so oft wache ich mitten in der Nacht auf, weil mein Kreislauf runter gefahren ist und ich anfange zu frieren. Jetzt schlägt die wahre Stunden der Heizweste: Statt mich wie sonst aus dem Schlafsack zu quälen und zitternd Wasser für die Wärmflasche warm zu machen, stelle ich die Heizleistung auf Stufe 2 und lasse mich von wohliger Wärme durchfluten, ohne Aufstehen zu müssen. So schön kann Angeln sein! Herrlich, schnell fallen mir wieder die Augen zu.
Am nächsten Morgen dann ist es leider vorbei mit dem Luxus: Obwohl ich die höheren Heizstufen gemieden habe um Strom zu sparen, geht dem Akku nun der Saft aus. Da ich keinen Ersatzakku dabeihabe bleibt mir für die restlichen drei Tage und Nächte nichts anderes übrig, als wieder auf meine Wärmflasche zurückzugreifen. Schade! Zwar ist als Zubehör wohl auch ein KFZ-Ladekabel erhältlich, aber da die Autos am gegenüberliegenden Ufer abgestellt werden müssen, wäre selbst dies im vorliegenden Fall keine sinnvolle Alternative.
Als ich noch einmal in der Bedienungsanleitung schmökere, bin ich sogar ganz froh, die Weste inzwischen leer gemacht zu haben: Ich lese, dass die Akkus unter keinen Umständen nass werden dürfen! Die Lithiumakkus reagieren wohl sehr heftig mit Wasser und fangen sofort an zu brennen oder explodieren sogar! Da es mittlerweile wie aus Eimern gießt und ich die Ruten mit dem Boot ablegen und auch jeden Fisch vom Boot aus drillen muss, wäre mir das Tragen der Weste unter diesen Umständen nun doch eine Nummer zu heiß geworden! Was wäre, wenn der Regen den Akku erreicht oder ich über Bord gehen würde?
Fazit:
Die HV-Heizweste hinterlässt bei mir einen gemischten Eindruck. Natürlich ist das Tragen einer solchen Wärmequelle erst einmal sehr schön. Neben der mehr als verkorksten Bedienung, der nicht funktionierenden Fernbedienung und der enormen Brandgefahr bei Wasserkontakt stellt sich uns Langzeitanglern aber bei allen Arten von elektrischem Spielzeug immer wieder eine zentrale Frage: Woher kriegen wir neuen Strom?
So angenehm die Weste auch sein mag: Eine Akkuladung hält im besten Fall ungefähr einen Tag. Ein KFZ- Ladekabel ist zwar erhältlich, aber auch das nützt nur, wenn man direkt „aus dem Kofferraum" angeln kann. Wenn die Anschaffung von teuren Ersatzakkus also nicht zur Debatte steht und man nicht sowieso schon ein Solarmodul mit sich zum Wasser schleppt, ist diese an sich sehr schöne Weste leider eher etwas für die allseits unbeliebte „One-Night-Session" oder die frierende Freundin auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit.
- Produktinfos
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Hersteller: HV Corporate Concepts AG Typ: HV Active Heat Heizweste Farbe: schwarz (auch in braun erhältlich) Maße: XS bis XXXL Besonderheiten: Drei verschiedene Akkugrößen erhältlich, inkl. Fernbedienung Gewicht: Je nach Akku Sonsitges: Heizelemente teilw. frei platzierbar, können auch komplett entnommen werden - Herstellerinfos
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Internet: http://www.active-heat.de - Weitere Produkfotos






