Kraftvolle Schleicher

Von Michael Komuczki / November 2013

Elektrische Außenbordmotoren sind aus dem heutigen Bootsbetrieb kaum mehr wegzudenken. Sie haben ein sehr vielfältiges Einsatzgebiet und sind leicht zu bedienen. Vom Flautenschieber bei Segelbooten, als Alternativantrieb an Gewässern, an denen die Nutzung von Verbrennungsmotoren aus Wasserschutzgründen verboten ist, beim Rangieren im Bootshafen, oder beim Angeln/Karpfenangeln selbst, ein elektrischer Außenbordmotor ist fast auf jedem Boot zu finden.

 

Die faltbaren Omoto-Motoren werden von Balzer vertrieben 

Historischer Rückblick
Die Idee zur Entwicklung eines elektrischen Außenbordmotors kam aus den USA. Mr. O. G. Schmidt aus North Dakota kam 1934 auf den Gedanken, elektrische Außenbordmotore für das Angeln zu entwickeln. Der Erfolg lies nicht lange auf sich warten. Aufgrund der großen Nachfrage verlegte Mr. Schmidt die Motorenproduktion nach Fargo in den Bundesstaat Minnesota. Mr. O. G. Schmidt benannte seine elektrischen Außenbordmotore seitdem als Minn Kota. Die Firmen- und Produktbenennung ergab sich aus den beiden amerikanischen Bundesstaaten Minnsota-North Dakota. Minn Kota ist heute noch Marktführer, obwohl auch andere Hersteller wie MotorGuide, Omoto, Zebco oder Yamaha hervorragende Produkte anbieten.

Eine Notlösung – oder doch ein wenig mehr
Die heutige Generation der elektrischen Außenbordmotoren ist sicher mehr als nur eine Notlösung. Auch wenn sie nach wie vor mit Masse an Gewässern zum Einsatz kommen, an denen die Verwendung von Verbrennungsmotoren aus wasserrechtlichen Gründen untersagt ist. Gerade im letzten Jahrzehnt gab es einen Quantensprung im Bezug auf Technologie, Leistungsvermögen so wie Reichweite dieser Antriebsalternative. Auch beim Angeln hat der elektrische Außenbordmotor immer mehr an Bedeutung gewonnen. Gerade beim Karpfenangeln haben sich die kraftvollen Schleicher beim Erkunden der Gewässerstruktur, beim Anfüttern, beim Ausbringen der Montagen als auch beim Landen der Fische voll bewährt. Aber auch unter schwierigen Fahrbedingungen im Bootshafen beim Festmachen oder Ablegen, so wie im Flachwasserbereich mit schwieriger Gewässerstruktur (Gehölz/Steine) ist dieser oft unverzichtbar.

Elektro-Motor und Echolot - eine unverzichtbare Kombination!Auch beim Ausfall von Verbrennungsmotoren ist der elektrische Außenbordmotor meist noch eine große Hilfe, das rettende Ufer zu erreichen. Lieber langsam gefahren als gut gerudert! Nicht minder oft wurden diese kleinen Kraftprotze an sehr großen Gewässern (Balaton) bei umschlagendem Wetter zum Lebensretter. So mancher Angler hätte mit Muskelkraft alleine nicht das schützende Ufer erreicht. Deshalb sollte in keinem Angelboot ein elektrischer Außenbordmotor fehlen.

Vorteile
• Umweltfreundliche Antriebsart
• Feinste Geschwindigkeitsdosierung ist möglich
• Aufgrund der Schaftlänge bei fast allen Bootstypen verwendbar
• Keine Zulassung des Bootes bei einer Leistung unter 4,4 KW erforderlich
• Geringes Gewicht des Motors
• Geringe Anschaffungs-, Betriebs- und Wartungskosten

Nachteile
• Stark strömende Gewässer nicht befahrbar
• Geringe Reichweite, in Abhängigkeit der Batterieleistung
• Geringere Schubkraft und Fahrleistung
• Für längeren Betrieb mehrere Batterien notwendig
• Laufendes Laden der Batterien erforderlich

Gebaut für unterschiedliche Einsatzbedingungen
Bei der Beauart von elektrischen Außenbordmotoren wird grundsätzlich für den Einsatz im Süß- und Salzwasser unterschieden. Die für den Salzwasserbetrieb konzipierten Motore bieten durch die verwendeten Herstellungsmaterialien Schutz vor Korrosion und Elektrolyse. Bestimmte Versiegelungen der Bauteile schützen gegen die zerstörerischen Einflüsse des Salzwassers. Diese spezielle Baumethode ist beim Bau von Motoren für den Einsatz Süßwasser nicht erforderlich. Von der Bauart unbescheiden wir auch Motoren für Spiegel- oder Bugmontage.

Der Minn Kota Endura C2 Hero ist eines der Top-ModelleJe nach erforderlicher Schubkraft und Einsatzradius finden Motoren von 12 bis 36 Volt Verwendung. Als Motorleistung steht in der Regel eine Schubkraft von 13,6 bis 45,81 Kp (Kilo-Pound) zur Verfügung. Die Regelung der Schubkraft/Geschwindigkeit erfolgt im Normfalle über die Steuerpinne mittels Stufenschaltung oder stufenloser Regelung. Bei Bugmotoren erfolgt die Steuerung und Geschwindigkeitsregelung über eine Fußpedalsteuerung. Von Minn Kota gibt es ein patentiertes CoPilot-System, welches den Motor mit einer Funkfernbedienung steuert.

Das handliche Bedienelement des CoPilot-Systems kann wie eine Armbanduhr getragen werden, es bietet dem Angler die erforderliche Bewegungs- und Manövrierfähigkeit an Bord, welche gerade beim Angeln besonders entscheidend ist. Eine revolutionierende Form der Bootssteuerung ist das Minn Kota Powerdrive-Autopilot-System, welches auch mit integriertem Echolotgeber erhältlich ist. Der Powerdrive-Autopilot hält sie mittels eines elektronischen Kompasses auf Kurs!
Bei Pinnensteuerungen sorgen kipp- und teleskopisierbare Pinnen für den erforderlichen Bedienungskomfort. Eine integrierte Batterieanzeige im Motorkopf des Motors sorgt für die erforderliche Information bezüglich des Ladezustandes der Batterie.

Ein wichtiger Aspekt für den Dauerbetrieb ist auch die Kühlung des Elektromotors. Bei Motoren mit hoher Betriebstemperatur kann sich mitunter die Schubkraft um bis zu einem Drittel vermindern. Damit beim Wirkungsgrad der Motoren kein Verlust eintritt, wurden von den Herstellern spezielle Kühlsysteme entwickelt. Zur Steigerung der Reichweite ist von Herstellern aber auch eine Optimierung der Stromabnahme entwickelt worden.
Die Motorhalterung sollte höhenverstellbar sein und über einen mehrstufigen Kippmechanismus und eine Flachwasserfahrstellung verfügen. Bei den Propellern finden zumeist zwei- oder dreiflüglige Machetenpropeller Verwendung. Diese haben auch die Eigenschaft, dass sie krautabweisend sind.

 

Raumwunder
Durch die deutsche Firma Balzer gelangten im Herbst 2010 von der australischen Firma Omoto eine neue Generation von Elektromotoren in den Vertrieb. Neben einem Standard-Model kam mit der QTM-Serie ein Elektromotor auf den Markt, der vermutlich gerade die Karpfenangler unter uns besonders ansprechen wird. Das Gehäuse lässt sich abklappen und der Schaft ist teleskopierbar. Damit dem Schaft die erforderliche Stabilität verliehen wird, ist dieser durchgehend aus Edelstahl gefertigt. Durch die baubedingten Eigenschaften hat der Elektromotor ein optimales Transportmaß und ist nicht sehr sperrig.

 

Mancher Fisch wäre ohne Boot mit Elektromotor nicht zu fangen!
Stromversorgung
Zur Stromversorgung sollten spezielle konzipierte Langzeit-Verbraucherbatterien verwendet werden. Auto-Starterbatterien sind nur für eine kurzfristige Stromabgabe geeignet. Auch wird durch eine Langzeit-Verbraucherbatterie ein weit höherer Ladezyklus erreicht. Mit wartungsfreien Gel-Batterien sind bei zirka 50 % Entladung etwa 600 bis 800 Ladevorgänge möglich. Normalerweise erfolgt der Ladevorgang über ein Ladegerät, oder über eine entsprechend stark dimensionierte Solaranlage. Die Lebensdauer ihrer Batterie verlängern sie durch 100 % Rückführung der entnommenen Energie. Auch über den Winter ist es besonders wichtig, die Batterie im geladenen Zustand zu lagern. Zum Transport der Batterien bieten sich eigene Batteriekästen an, welche diese vor Beschädigung schützen. Eine optimale Lösung ist da auch das Power-Center von Minn Kota. Eine praktische mobile Stromversorgungseinheit für die kraftvollen Schleicher.

 

Quintessenz
Elektroaußenbordmotore haben ein sehr großes Einsatzspektrum. Gerade aber beim Karpfenangeln sind sie zu einem unverzichtbaren Hilfsmittel oder zum Hauptantrieb an Gewässern geworden, an denen Verbrennungsmotore zur Gänze verboten sind. Geringe Betriebs- und Wartungskosten stehen der geringeren Schubkraft und auch der Reichweite der Verbrennungsmotoren gegenüber. Eines steht fest, die kraftvollen Schleier werden den Verbrennungsmotor nicht als Hauptantrieb ersetzen können, doch eine Alternative sind sie in vielen Fällen.

 
Michael Komuczki

 

Mehr Informationen über Elektromotoren findet man hier:
Minn Kota: www.minnkotamotors.com
Zebco: www.zebco.de
Omoto: www.balzer.de
Torqeedo: www.torqeedo.de
MotorGuide: www.motorguide.com

Allgemeine Informationen über Elektromotoren:
www.angel-schlageter.de
www.allroundmarin.de

Wer sich für Verbrennungsmotoren interessiert, der sollte sich die cat connect 6 im April besorgen. Dort referiert Michael Komuczki über die großen Brüder der Elekro-Schleicher.