Der Groundcontroller

Von Uwe Rädel/ Juni 2002

Bevor ich zum eigentlichen Thema komme, lasst mich ein wenig über die Entstehung des Gedankens reden. Es war vor etwa drei Jahren, als ich wieder einmal an meinem Hausgewässer "Setzfeld" saß. Wie üblich ging nichts und so kam es, dass ich mir einmal mehr Gedanken darüber machte, wie mein Spot, auf dem die Ruten lagen, eigentlich aussieht. Tauchen kam nicht in Frage, da man ab zwei Meter Tiefe nichts mehr sah. Die Sache mit der Lotrute ist zwar nicht schlecht, aber für mich nicht befriedigend. Dann hatte ich die Idee, eine Kamera mit Glasfaserkabel und Monitor zu benutzen, aber dies schien mir doch etwas zu weit her geholt.....

Solche Fische sind durch die richtige Wahl des Angelplatzes möglich. Der Groundcontroller kann hier nützliche Dienste leisten!Mal abgesehen von den Kosten für das Kabel, wo der laufende Meter bei circa 1000 DM liegt, hat so etwas dann doch wohl nichts mehr mit Angeln zu tun. Dieser Gedanke war aber letztendlich der eigentliche Zünder für meine Idee. Wenn ich schon nicht auf den Grund des Sees sehen konnte, dann musste eben ein Stück vom Boden an die Oberfläche geholt werden! Nun begann es wieder... Dieses Gefühl in meinem Kopf, das ich immer dann bekomme, wenn eine Sache ausbaufähig erscheint. Ich überlegte also, wie man kleinere Proben vom Boden hochholen könnte. Einige meiner Überlegungen möchte ich euch an dieser Stelle nicht vorenthalten, auch auf die Gefahr hin, dass man mich für total bescheuert hält.

Die erste Idee war eine Art Greifer, der an einem Ausleger, welcher auf dem Boot befestigt sein sollte, die Proben hochbringen sollte. Nach einigen Skizzen und Berechnungen, musste ich jedoch feststellen, dass ich für dieses Projekt eindeutig das falsche Boot hatte. Ein Bananaboot ist nun mal kein Lastkahn und somit wurde der Plan verworfen. Hätte wahrscheinlich eh nur Ärger mit der Kiesfirma gebracht, da die mit Sicherheit gedacht hätten, dass ich ihnen ihr Revier streitig machen wollte.

Der nächste Einfall war auch nicht von schlechten Eltern. Über ein Rohr, das zum Seegrund hinabgelassen werden sollte, müsste eine Vakuumpumpe am anderen Ende des Rohres in der Lage sein, Material vom Grund hochzupumpen. Da die Ausbeuter des Sees aber mit ziemlicher Sicherheit auch bei dieser Idee einen Anfall bekommen hätten, wurde dieser Gedanke ebenfalls schnell wieder abgelegt. Aber dann! Jetzt hatte ich "Die Idee". An einem langen Strick befestigt und in etwa in der Form eines Eimers, müsste es möglich sein, Proben zu entnehmen. Die ersten Versuche waren alles andere als zufriedenstellend. Erstens war der Eimer zu leicht, was zur Folge hatte, dass man bei einer Wassertiefe von fünf Metern schon eine kleine Ewigkeit warten musste bis er den Boden erreicht hatte, zum anderen, waren die mit hochgebrachten Proben doch ziemlich spärlich. Dies lag mitunter an der Tatsache, dass der Eimer mehr über den Boden rollte, anstatt sich in ihn hineinzugraben. Nach unzähligen Fehlversuchen, brach ich die ganze Sache zunächst ab.

Der Groundcontroller wird an einem Seil auf den Gewässergrund abgelassen.Die besten Einfälle kommen auf der Arbeit...
Einige Zeit später, ich war gerade auf der Arbeit, fiel es mir dann wie Schuppen von den Augen. Ich sah in einem Schrottcontainer einen alten Elektromotor liegen. An der Seite, wo der Flügel für die Kühlung saß, war ein Schutz angebracht. Genau diesen Schutz brauchte ich. Er war die Lösung. Also schnell Werkzeug geholt und das Teil abmontiert. Das war Nummer eins. Damit sich der Behälter in den Boden graben würde, durfte ich nicht den Fehler machen, wie einst bei dem Eimer, den Strick am Bügel zu befestigen. Eine andere Möglichkeit musste her. Nach einigem Überlegen, kam mir der Gedanke, die Befstigung mittig zum Behälter anzubringen. Dazu wurde Messing (Durchmesser 30mm, 300mm lang) benutzt. In das Messing wurde auf den Stirnseiten ein Gewinde eingeschnitten.

Das Ergebnis: Ein erstklassiger Eindruck über die Bodenverhältnisse des Angelplatzes.Das eine diente zum Befestigen des Behälters, das andere zum Einschrauben einer Öse. In der Öse musste jetzt nur noch das Seil befestigt werden. Ich verwendete aus Gründen des besseren Handlings ein Baumwollseil mit einem Durchmesser von 6mm und einer Länge von circa 20 Meter. An der Seite, an der der Behälter befestigt war, musste noch eine Art große Beilagscheibe mit angeschraubt werden, da ansonsten das ganze Material mit dem Wasser ausgespült worden wäre. Nachdem die ganzen Komponenten zusammengebaut waren, konnte ich dieses Ding zum ersten Mal bewundern. Optisch sah es einem Pilz sehr ähnlich und lag bei einem Gewicht von ungefähr 4,5kg. Jetzt musste die Sache nur noch funktionieren.

Der erste Einsatz des Groundcontrollers naht...
Die nächste Session rückte immer näher und mein Groundcontroller wartete schon auf seinen ersten Einsatz. Endlich am See, sollte nun die Entscheidung fallen: Hop oder Top? Zu dieser Zeit durften wir in Setzfeld noch Boote verwenden, und so fuhr ich mit meinem Banana auf den See hinaus. An den Plätzen an denen ich üblicherweise meine Ruten abgelegt hatte, versuchte ich nun mein Glück mit dem Groundcontroller. Was soll ich sagen? Schon nach den ersten Würfen war klar, warum ich auf einigen Plätzen gut und auf anderen weniger gut gefangen habe. Die von mir untersuchten Plätze ähnelten sich zwar auf dem Echolot, bei den Untersuchungen des Bodens, stellte ich aber doch ziemlich große Unterschiede fest. Es gab z.B. zwei Plätze, die in fünf Meter eine Kante aufwiesen, die dann schnell auf über sieben Meter abfiel. Auf dem Echolot zeigten sich so gut wie keine Unterschiede, aber mit dem Controller musste ich feststellen, dass an der einen Kante, Muscheln, teilweise Zuckmücken und anderes Viechzeugs zu finden war.

Die andere hatte von ein paar Würmern abgesehen keine besonderen Merkmale vorzuweisen. Im Nachhinein lässt es sich vielleicht damit erklären, dass die eine Kante sehr alt war, die andere hingegen erst wenige Jahre existierte. Da man dies aber in den meisten Fällen nicht weiß, ist nur mit einer Untersuchung der jeweiligen Stelle eine genauere Aussage möglich. Der Controller funktionierte so gut, dass ich im Prinzip alle möglichen Fressstellen der Karpfen ermitteln konnte. In der Regel beschränkte es sich aber auf die üblichen Plätze mit Muscheln, Schnecken und Zuckmücken. Natürlich konnte ich auch Krebse mit dieser Methode fangen, dies hat meiner Ansicht nach aber nicht so viel Aussagekraft. Besonders an Ufern waren sehr häufig Krebse zu finden. Dies war für mich allerdings keine neue Erkenntnis, da der Uferbereich seit jeher einer meiner bevorzugten Spots darstellt. Für diejenigen unter euch, die jetzt glauben, dass dies das Ei des Kolumbus ist, muss ich leider folgendes sagen. Die angewandte Methode kann nur helfen bessere Plätze von schlechteren zu trennen, wobei besser und schlechter wie immer relativ gesehen werden muss. Es ist mir beispielsweise schon passiert, dass ich auf einem vermeintlich "besseren" Platz geblankt habe, und ein Kollege auf dem "schlechteren" eine wahre Orgie erleben durfte. Dies ist meiner Meinung nach aber eher die Ausnahme, und man wird mit der Methode häufiger richtig als falsch liegen.

Nicht immer hungrig...
Eines hätten wir aber immer noch nicht geklärt, und das ist die Bereitschaft der Karpfen einfach nur zu fressen. Wer glaubt, Karpfen müssten jeden Tag fressen, dem kann ich sagen, dass er damit sehr daneben liegen kann. Es gehört schon mehr dazu, als dass Futter in ausreichendem Maße bei richtiger Temperatur vorhanden ist. Weiteres möchte ich dazu aber nicht sagen, da sich einige dadurch verunsichern lassen würden und das möchte ich nicht. Ohne Zweifel wird es irgendwo eine vernünftige Erklärung für ihr Verhalten geben. Selbst wenn unsere Freunde fressen, steht noch lange nicht fest, dass sie auch unseren Hakenköder nehmen. Was glaubt ihr, wie oft es wohl passiert, dass nur noch euer Hakenköder auf dem Platz liegt? Sehr wahrscheinlich öfter, als manche vermuten würden. Dies sind keine Märchen, sondern wahre Begebenheiten, doch möchte ich es hiermit belassen. Nun wieder zurück zum Thema.

Wer mit dem Groundcontroller arbeitet, wird zwangsläufig damit konfrontiert werden, viel Zeit investieren zu müssen. Die Kombination Echolot, Marker und Groundcontroller eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Jetzt können wir gezielt und mit höchster Genauigkeit die natürlichen Futterplätze der Karpfen finden. Präzises Arbeiten ist hier oberstes Gebot. Um euch einen gewissen Überblick über meine Vorgehensweise zu verschaffen, lasst mich folgendes kurz erläutern.

Das durchsieben mit einem Madensieb entfernt die Sedimente und legt potentielle Nahrungsbestandteile des Karpfens frei.Erstens:
Das Echolot. Mit dem Echolot wird eigentlich nur eine grobe Vorauswahl getroffen.

Zweitens:
Die Marker. Mit den Markern wird die vorher ausgelotete Stelle gekennzeichnet. Bewährt haben sich hier Drei- und Viereckformen. Die Kantenlängen sollten sinnvollerweise nicht größer als 10 Meter sein.

Drittens:
Der Controller. Nachdem wir uns noch einmal mit dem Echolot die Stellen angeschaut haben, kommt nun der Groundcontroller zum Einsatz. Vernünftigerweise solltet ihr den Controller nicht über Bord werfen, sonder ihn langsam vom Boot ablassen. Nachdem der Controller den Boden erreicht hat, rudern wir ein wenig weiter. Das Teil wird nun langsam über den Grund gezogen, wodurch wir schon die ersten Eindrücke wahrnehmen können. Nach ein oder zwei Metern am Boden, sollte der Controller nun wieder nach oben geholt werden. Mit Hilfe eines Eimers voll Wasser und einem Sieb, lassen sich sehr schnell Zuckmücken finden.

Bei Muscheln und Schnecken, verhält es sich ein wenig einfacher, da diese ohne größere Probleme erkannt werden können. Wir fahren wie beschrieben fort, bis wir die ganze markierte Fläche untersucht haben. In den meisten Fällen werdet ihr nur sehr wenig finden. Solltet ihr aber auf ein Zuckmückenfeld stoßen, dann seid bitte etwas vorsichtig. Zwei bis drei Proben sollten ausreichen, um in etwa abschätzen zu können, wie die Sache aussieht. Mehr kann so einem Feld womöglich schaden, was sicherlich nicht in unserem Interesse liegt. Bei konsequenter Durchführung dieser Methode, wird man mit der markierten Fläche schon einige Stunden beschäftigt sein. Wer also seinen ganzen See auf die beschriebene Art und Weise untersuchen möchte, wird sich wohl oder übel ein wenig Zeit dafür nehmen müssen. Die gewonnenen Erkenntnisse sind aber durch nichts zu ersetzten. Eine angelegte Karte sorgt dafür, dass ihr die untersuchten Plätze wieder findet. Diese Prozedur sollte alle ein bis zwei Jahre wiederholt werden, da sich Plätze mit der Zeit verändern können und neue hinzukommen.

Einsatz ist gefragt!
Die Methode nichts für bequeme Zeitgenossen. Wer lieber so angeln möchte wie immer, den kann ich verstehen und es ist in meinen Augen auch legitim. Allerdings sollten diese Leute auch den Ehrgeiz solcher Freaks verstehen und ihre Fänge neidlos respektieren. Ich glaube, wer zu faul, zu bequem oder zu verbohrt ist, sich mit neuen arbeitsintensiveren Methoden auseinander zusetzen, hat kein Recht, dem anderen, der stets an der Verbesserung seiner Methoden arbeitet, etwas zu neiden oder vorzuschreiben. Letztlich sind es aber diese erwähnten Gruppen, die solche Sachen wie Boilieverbot usw. durchsetzen. Ich appelliere deshalb an euch und eure Vernunft: Verwendet die vorgestellte Methode in euerem eigenem Interesse nur dort, wo ihr keine Probleme zu fürchten habt.

Ach ja, eines will ich euch gleich noch androhen, ob ihr wollt oder nicht: Ihr werdet in Zukunft noch mehr von mir hören, bzw. lesen!

Euer Uwe Rädel