Das etwas andere "Frachtschiff"

Von Kai Diedrichs / Juli 2003

Zuerst mal ein "Hallo" an alle Leser von carp.de. Mein Name ist Kai Diedrichs und ich möchte euch heute mal meine Version von meinem Futterboot vorstellen. "Oooh nööö!" werden jetzt einige von euch wahrscheinlich denken, "nicht schon wieder so`n Bericht über so´n Futterkahn!". Doch abwarten, meine "Futterjolle" weicht stark von den üblichen Schiffen ab (wie man unschwer auf den Fotos erkennen kann). Ich hatte auch erst starke Bedenken, ob ich überhaupt einen Bericht über dieses ausgefallene Gerät verfassen sollte, denn die Rumpfkonstruktion sieht wirklich abenteuerlich aus! Außerdem musste ich mir schon während der Bauphase allerhand Spott anhören, frei nach dem Motto: "Das Ding schwimmt eh nicht, kannste gleich wegkloppen...".

Futuristisch, aber Zweckerfüllend! Das Futterboot von Kai Diedrichs

Die Idee zur Konstruktion eines Futterbootes hatten mein Angelkollege Hans-Werner S. (den ich hier gleich mal eben mit grüßen möchte) und ich schon etwa vor zwei, drei Jahren gefasst, da man bei den meisten Gewässer hier im nördlichen Harzvorland keine Schlauchboote, etc. benutzen darf (jedenfalls nicht in den Gewässern die wir in der Regel befischen) und ein fertiges Futterboot zu kaufen kam auch nicht in Frage (bei den Preisen!).

Selbst ist der Mann!
Die Konsequenz: Wir basteln uns so ein Ding selber! Gesagt, getan, die ganze Elektronik war auch nicht das Problem, da wir beide in der Elektrobranche tätig sind. Doch der Rumpf des Schiffes stellte dann doch ein Problem dar. "Wieso dieses?" werden jetzt einige sagen, "ab in den nächsten Modellbauladen und ein Fertigrumpf gekauft!", doch dann muss man wieder einen aufwendigen Abwurfmechanismus für die Futterschale bauen, genau das wollten wir vermeiden. Alles sollte möglichst einfach gehalten werden, und ein fertiger Rumpf ist ja auch nicht gerade günstig.

Einfach aber genial! Oder doch genial einfach?!
Eines Tages war es dann soweit, dass Hans-Werner plötzlich mit der Idee ankam "Lass uns doch einfach HT-Rohre nehmen". Die Idee war einen Versuch wert, denn HT-Rohre gibt es in allen Baumärkten, in jeder Länge, mit Bögen, Endkappen, und, und, und....
Und als er dann einige Wochen später mit seinem Prototyp vor mir stand, dachte ich nur "Jau, das ist es!".
Also ab in den nächsten Baumarkt, HT-Rohre, Schellen (zum Verbinden der Rohre, dazu aber später), Bögen und Endkappen besorgt. Danach in den Modellbauladen um Motoren, Fernsteuerung (ist das teuerste, denn ihr braucht eine 4-Kanal-Sendeanlage), Fahrtenregler, usw. zu kaufen. Nun noch das ganze ab nach Hause und zusammengeschraubt und... So einfach ist es dann doch nicht!

Fangen wir mal ganz vorne an:
Als erstes braucht man sechs HT-Schellen für ein HT-Rohr mit 10 cm Durchmesser. Diese Schellen müssen unbedingt eine Befestigungsstange (normalerweise für eine Wandmontage) haben. Nun werden die Enden der Befestigungsstangen wie auf Zeichnung 1 verschweißt.
Als nächstes wird der Rumpf aus den Rohren zusammengesteckt. Dazu benötigt man pro Rumpf:
Ein Rohr 10 cm Durchmesser (besser 15 cm, dazu auch später) / 50 cm Länge (wer möchte auch länger), zwei Endkappen) (gleicher Durchmesser), einen Bogen (gleicher Durchmesser) mit 45 Grad (ich hatte zuerst einen 90 Grad Bogen, hat aber das Boot zu stark gebremst), eine Überschubmuffe (gleicher Durchmesser / die gibt es, glaube ich, nur in einer Länge). Das ganze wie auf Zeichnung 2 zusammengesteckt und dann in die Außenschellen 1 und 3, bzw. 2 und 4 eingeschraubt (siehe Zeichnung 3). Dadurch entsteht eine Art Katamaran.

Der nächste Schritt ist der Bau des Futterrohres (Zeichnung 4), welches in die Schellen 5 und 6 geschraubt wird (Zeichnung 3).
Dafür benötigt man: Ein Rohr 10 cm Durchmesser / 50 cm Länge, eine Endkappe (gleicher Durchmesser), einen Bogen (gleicher Durchmesser) mit 30 Grad, (Option zum rausschleppen der Montagen; aber ohne Gewähr auf Funktion, da ich mich noch nicht getraut habe ohne Sicherheitsleine mit dem Boot zu fahren, auch wenn ich noch keinen größeren Defekt hatte!), eine kleine Scheibe Plexiglas (Bastlerglas 50*30 cm, gibt es auch im Baumarkt).

Eine Kammer oder doch besser gleich zwei?
Zunächst muss man sich entscheiden, ob man eine oder zwei Kammern zum Transport des Futters haben möchte. Ich habe mich für zwei Kammern entschieden, da man dadurch das Futter besser verteilen kann und nicht alles auf einem Quadratmeter abkippt (bei gut 2 Kilo Kapazität des Rohres!). Man schneidet also nun erst mal zwei rechteckige Aussparungen, von je ca. 7*10 cm, in die Längsseite des Futterrohres. Die ausgeschnittenen Stücke unbedingt aufheben, da daraus die Abwurfklappen gebaut werden.
Danach wird gegenüber der Klappenöffnung ebenfalls ein Ausschnitt (ca. 9*15 cm) gemacht, der später zum einfüllen des Futters dient. Nun schneidet man sich aus dem Plexiglas die Trennwand und die Schrägen für die Kammern aus und klebt diese in das Rohr ein (Zeichnung 4). Durch die Schrägen rutscht das Futter besser raus und man gewinnt noch einen Platz für den Empfängerakku. Anschließend werden die Ausschnitte der Klappen in der Längsrichtung halbiert und sogleich am Futterrohr montiert (wo sie zuvor ausgeschnitten wurden). Ich habe dazu am Klappenrand und am Futterrohr drei Löcher gebohrt und mit Monofiler angebunden. Zuerst hatte ich die Klappen mit ein paar Sprengringen montiert, was aber ein Fehler war (die Klappen haben sich immer verklemmt).
Somit ist eigentlich die Grobkonstruktion des Futterrohres schon passiert. Man muß nun nur noch die Servos zum betätigen der Klappen oben auf das Rohr montieren. Wie man auf Bild 1 erkennen kann (oder auch nicht) habe ich das mit ein paar Holzklötzen gelöst. Nun noch etwas Federstahldraht gebogen, um die Servos mit den Klappen zu verbinden (Bild 2) und dann möchte ich auch mit dem Futterrohr abschließen. Die Feinheiten müsst ihr euch halt selber ein wenig improvisieren.

Die Innereien des Bootes
Als nächstes möchte ich noch auf die Anordnung (Zeichnung 5) und Auswahl der "Innereien" (Motoren, Fahrtenregler, ...) eingehen. Zunächst zum Motor, macht nicht den gleichen Fehler wie ich und nehmt zu kleine Motoren! Ich hatte zuerst zwei Außenborder der 400`er Klasse mit hoher Drehzahl und kleiner Rennschraube, die brachten gar nichts! (viel zu langsam im Wasser). Nehmt drehmomentstarke Motoren (700`er Klasse) mit großer Schraube und baut sie ins Boot (ist zwar aufwendiger, aber besser). Genauso ist es mit den Fahrtenreglern, lieber eine Nummer größer. Ich habe mir zwei Gyrospeed 55 von Graupner eingebaut. Ebenso sind auch meine anderen Teile von Graupner, nicht weil ich von Graupner gesponsort werde, sondern weil es da ist wie beim Karpfentackle, billiges Material zahlt sich nicht unbedingt aus! Also lieber etwas hochwertigeres, was dann natürlich etwas teurer ist, aber dafür auch einwandfrei funktioniert.

Auf den Einbau der Motoren, Servos, etc. möchte ich hier gar nicht großartig eingehen, da das den Rahmen sprengen würde. Die Motor- und Servohalterungen habe ich aus Aluwinkeln gebaut und den Motor mit Holzkeilen (Bild 4) im Rohr verklebt (5 min.Epoxydharz, gibt´s bei Conrad). Überhaupt solltet ihr beim Bau ausschließlich Epoxydharz verwenden, da die üblichen Sachen wie Silikon und Heißkleber nicht auf Dauer halten.

Ohne Strom ist nichts los!
So, nun mal zu den Akkus. Ich habe mir vier NiCd-Akkus mit je sechs Zellen besorgt (Conrad), die je 2300 mAh haben. Damit kann man schon recht lange fahren (ca. 30 Min.).
Um die entsprechende Spannung für die Motoren zu erhalten, habe ich je zwei der Akkus in reihe und zwei parallel geschaltet. Da man die Akkus zum laden nicht ständig ein- und ausbauen kann, habe ich mir eine Ladebuchse in die Endkappe des Futterrohres gebaut. Über diverse Kippschalter (Bild 3) kann ich somit jeden Akku einzeln laden. Beim einsetzen der Akkus in die Rohre solltet ihr darauf achten, dass die Akkus möglichst weit hinten platziert werden, da die ganze Konstruktion stark kopflastig ist.
Um die Kabelverbindungen zwischen den beiden Tragrohren herzustellen, habe ich ein Stück Kabelkanal benutzt (Bild 3; Kanal gibt's in jedem Baumarkt, doch auch hier gilt lieber eine Nummer größer).

Die Jungfernfahrt
Nachdem dann alles eingebaut und verdrahtet ist, könnt ihr das Gerät auch schon in Betrieb nehmen. Wenn dann alles einwandfrei funktioniert, würde ich alle größeren Löcher, Kabeleinführungen, etc. mit Silikon abdichten. Alle Bohrungen die unter der Wasseroberfläche sind (z.B. Wellentunnel), sollten sowieso mit Epoxydharz zugeklebt werden.
Wer möchte, kann nun noch sein Boot mit Beleuchtungseinrichtungen ausstatten, um auch bei Dunkelheit fahren zu können. Auch hier gilt, je heller die Beleuchtung, je besser. Ich bin ein mal bei Dunkelheit gefahren, es war die Hölle. Nachdem ich da meine Partikel also so in ca. 30-40 Metern abgeschüttet hatte, begann dann die nervenaufreibende Rückfahrt des Bootes, die bestimmt an die 15 Minuten dauerte!

Ebenfalls solltet ihr über die Anschaffung einer Notschaltung für den Empfängerakku nachdenken. Dabei wird bei zu geringer Akkuspannung auf den zweiten Akku umgeschaltet. Es wäre sonst fatal, wenn der Kahn auf dem Wasser ist und Ihr dann weder steuern, noch Futter abladen könntet. Für die Fahrtakkus habe ich eine solche Schaltung nicht vorgesehen, da muss man halt auf sein Gefühl vertrauen, bzw. seine Erfahrungen machen, wie lange man mit seinen Akkus fahren kann (kommt ja auch auf die Akkus und die Motoren an).
So, jetzt will ich mal so langsam zum Ende kommen. Auf meine Fotos könnt ihr euch noch mal ein paar Details zum Einbau der Teile betrachten. Ich hoffe euch einen Denkanstoß zum Bau eines Futterkahns gegeben zu haben und wünsche euch viel Spaß beim basteln.

Bei Rückfragen könnt ihr ja meine Adresse bei der Redaktion erfragen. Für Verbesserungsvorschläge habe ich natürlich auch ein offenes Ohr.

"Immer eine Hand breit Wasser unterm Kiel" wünscht euch euer

Kai Diedrichs

 

Fotostrecke - 5 Bilder

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Fotostrecke - 10 Bilder

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