Rollen-TÜV

Von Axel Doberenz / November 2003

Die Saison steht kurz vor dem Ende und das Tackle wird von vielen in den Winterschlaf geschickt. Um auf Dauer die langfristige Einsatzfähigkeit unseres Tackles gewährleisten zu können, sollte man sich jedoch während einer Angelpause doch hin und wieder der Pflege seiner Ausrüstung widmen. Mit diesem Bericht möchte ich ein wenig Licht ins Dunkel eurer so heiß geliebten Daiwa Rollen bringen. Sicher finden sich Parallelen zu anderen Modellen anderer Firmen, wodurch sich die beschriebenen Pflegetipps auch auf sie anwenden lassen.

Gut gefettet ist die halbe Miete.Ob kalte Winternächte, die Hitze Südfrankreichs oder harte Fluchten starker Flusskarpfen, unsere Rollen müssen schon einiges aushalten und niemals zuvor haben uns diese Wunderwerke im Stich gelassen. Damit das auch so bleibt, sollte wir uns ein bisschen Zeit nehmen und uns die Mühe machen, ihnen die nötige Pflege zukommen zu lassen.

Als Werkzeuge für das Öffnen und Reinigen benötigt man nicht mehr als einen sogenannten Madenschraubenzieher, einen mittleren Schlitzschraubenzieher und einen gekröpften 15er Ringschlüssel. Die Palette wird natürlich durch Pflegemittel wie Rollenfett, Silikonspray und Alupolierpaste vervollständigt.

Bei den SS 3000 und den baugleichen Rollen, wie Tournament, sind die Bremsscheiben im pulenkopf angeordnet. Diverse Filz- und Metallscheiben sind dort eingebaut und sorgen für den leichten Lauf eurer Bremse. Wir entfernen die dünne Metallklammer und können dann vorsichtig die jeweiligen Bremsscheiben herausnehmen. Diese legen wir nun in der richtigen Reihenfolge auf ein Stück Haushaltspapier, denn so verwechseln wir sie beim späteren Einbau nicht. Die Metall- und Filzscheiben werden nun gereinigt und danach dünn mit neuem Fett bestrichen. Nachdem wir sie wieder in die Spule richtig eingelegt haben, kommt noch ein wenig Fett auf die Klammer und unter den Bremsknopf. Um alte Schnur möglichst schnell von der Spule herunter zu bekommen, empfehle ich ganz einfach, diese mit einem Teppichmesser oder ähnlichem weg zu schneiden. Für den Glanz kann man dann mit etwas Politur den Spulenrand nachpolieren und damit beim Werfen eventuell noch einen Meter herauskitzeln. Das war schon die Pflege der Spule. Die des Gehäuses hingegen gestaltet sich ein wenig aufwendiger. Doch im Folgenden werde ich euch nach und nach die einzelnen Schritte erläutern.

Die Spule haben wir ja bereits abgenommen, jetzt müssen wir nur noch deren Führung von der Achse abziehen. Dies kann man per Hand machen, doch falls sie ein wenig fester sitzen sollte, kann dies auch mit en wenig Gefühl durch ein Zange erfolgen. Auch bei diesen Schritten sollte man die einzelnen Teile auf Haushaltstücher legen. Erstens gehen dadurch die Teile nicht verloren und zweitens wurde bei den Rollen nicht an Schmierstoff gespart, der nicht unbedingt den Stubentisch verzieren sollte. Gegenüber der Kurbelachse sitzt eine Plastikabdeckung die herausgedreht werden muss, um danach die darin befindliche Schlitzschraube zu entfernen. Die Kurbel kann dann einfach herausgezogen werden. Die Linkshänder unter euch werden dies aber schon kennen.

Als nächstes werden die beiden Kreuzschlitzschrauben am Heck der Rolle entfernt, um dann die Abdeckung inklusive Gummidichtung abzunehmen. Am Rotor befindet sich noch eine Schraube, die ein Sicherungsblech fixiert, die wir mit dem Madenschraubenzieher entfernen müssen. Beide Teile werden nun entnommen. Mit dem Ringschlüssel kann man jetzt die Mutter auf der Spulenachse lösen. Auch hier wieder mit ein wenig Gefühl und auf gar keinen Fall mit einer Spitzzange, da man sie sonst von außen beschädigen könnte. Nun kann der Rotor ein ganzes Stück die Spulenachse hinauf gezogen werden, wobei zwei Schrauben zum Vorschein kommen. Diese beiden sind der Grund dafür, dass viele daran verzweifeln, bei einer Reinigung überhaupt die Getriebeabdeckung auf zu bekommen. Sie müssen natürlich ebenfalls gelöst werden. Entfernt danach die anderen Schrauben des Gehäusedeckels und legt sie, sowie den Deckel beiseite. Achtet hierbei ebenfalls auf die Positionen der Schrauben. Ihre Größen sind nicht alle gleich und sie sollten beim Zusammenbau wieder am richtigen Platz sitzen. Wichtig, merken!!!

Der Deckel ist nun abgebaut und das Innere unserer Rolle kommt zum Vorschein. Wir sehen jetzt ein großes Getrieberad, an dem außen ein Lager aufgesteckt ist. Fasst das Rad am äußeren Ende und zieht es mitsamt des aufgesteckten Lagers aus dem Gehäuse. Die freie Sicht auf das Getriebe ermöglicht es und jetzt mit der Pflegekur zu beginnen. Dabei sollten wir uns merken: Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig! Ich benutze zum Fetten meistens ein Graphitfett, sehr gutes Rollenfett soll es aber auch bei Flyfishing Brinkhoff geben. Das alte Fett kann man am besten mit Ohrenstäbchen entfernen, nur sollte man beachten, dass man dabei nicht rohe Gewalt anwendet, um zu vermeiden, dass eventuell irgendwelche Bauteile gelöst oder beschädigt werden. Gleiches gilt dann ebenso für das neue Fett, dass man mit einem Stäbchen selbst in die kleinsten Ecken einbringen kann.

Jetzt, wo alles neu eingefettet wurde, können wir mit dem Zusammenbau beginnen. Dieser erfolgt natürlich in umgekehrter Reihenfolge, dennoch müssen ein paar Kleinigkeiten beachtet werden, die den Einbau erleichtern und eure Nerven sichtlich schonen werden. Das Getrieberad mit dem Lager nach außen zeigend wird als erstes wieder eingesetzt. Dabei kann es vorkommen, dass das Getrieberad in einer anderen Position auf den innen liegenden Schneckantrieb als zuvor beim Ausbau aufgesetzt wird. Das tut dem seidenweichen Lauf zwar keinen Abbruch, doch hört man dann nach dem kompletten Zusammenbau und der ersten Kurbelumdrehung ein Klickern, was die Rolle vorher nicht gemacht hat. Deswegen empfehle ich, nach dem Einbau des Getrieberads den Rotor lose in seine Aufnahme zu und die Kurbel in die Führung zu stecken (ohne montierten Seitendeckel). Ein paar Kurbelumdrehungen werden dann zeigen, ob das Klickern auftritt. Wenn ja, dann kann man jetzt einfach die Kurbel wieder entfernen, das Getrieberad um ein paar Zähne verdrehen. Dies kann man dann solange ausprobieren und wiederholen bis die Rolle wieder so schnurrt wie am Tag ihrer Entstehung.

Nachdem nun das Getrieberad gefettet und in richtiger Position aufgesetzt wurde, sowie der Getriebedeckel angeschraubt ist, muss noch der Rotor wieder auf der Spulenachse montiert werden. Dieser wird hierfür auf seine Fassung am Rollekörper gesteckt und die Mutter mit der Hand ein wenig zur Fixierung angezogen. Danach kommt wieder der Ringschlüssel zum Einsatz, mit dem die Mutter aber nicht allzu fest nachgezogen werden sollte. Dabei sollte man beachten das eine Ecke der Mutter in Flucht mit dem Loch des Sicherungsblechs liegt, da man sonst Probleme beim Einsetzen des Blechs und der Schraube bekommt. Dreht die Mutter hierfür lieber ein wenig loser, wenn es mit der Flucht nicht klappt. Ein wenig Spiel zwischen Rotor und Achse ist in Ordnung. Damit wäre das Rolleninnere auch schon fertig gereinigt, doch vergesst nicht, noch ein wenig Fett in die Spule, unter die Bremsscheiben und auf die Achse aufzutragen.

Von außen kann man die Rolle jetzt noch mit WD 40 oder ähnlichem besprühen, ein paar Minuten einziehen lassen und dann mit einem weichen Tuch abwischen. Die Gummis, die auf dem Spulenrand laufen, können mit ein wenig Silikonspray ebenfalls zur Langlebigkeit erzogen werden. Die schabenden Geräusche, wie man sie bei älteren Rollen hört, fallen dann weg. Das war auch schon der Rollen TÜV, den man seinen Rollen eigentlich jedes Jahr einmal zukommen lassen sollte. Die ganze Prozedur nimmt für eine Rolle etwa 30 Minuten in Anspruch, die im Sinne der Langlebigkeit bestimmt richtig investiert sind. Ich hoffe, dass ich euch mit diesem Bericht ein paar Probleme mit Pflege eurer Daiwa Rollen hab lösen können. So sind sie garantiert wieder fit für den Einsatz in der neuen Saison und versagen euch auch nicht bei den schweren Drills am Wasser.
Ich wünsche euch deshalb weiterhin viel Spaß mit diesen Klassikern und verbleibe mit freundlichem Gruß.

Axel Doberenz