Auf großer Fahrt - Teil III

Von Marco Reimers / Februar 2007

Nachdem Dimitri euch in den letzten beiden Ausgaben über Schlauchboote informiert hat, werde ich in diesem Bericht versuchen, ein wenig Klarheit in das große Angebot an Elektro-Außenbordern zu bringen. In den letzten Jahren habe ich mich viel mit E-Außenbordern und deren Wirkungsweise beschäftigt, daher sind das hier alles Erfahrungswerte, die ich teilweise auch unter lebensgefährlichen Bedingungen machen musste...

 Viele von euch kennen folgendes Problem: Ein 300-350 cm langes Schlauchboot und der Angler mit seiner Ausrüstung - da ist kein Platz mehr zum Rudern. Da gibt es nur zwei Möglichkeiten zur Lösung, entweder ein zweites Schlauchboot oder ein E-Außenborder.

Es gibt drei große Hersteller von Elektroaußenbordern in Deutschland:

1. Rhino ehemals Motorguide

2. Minn-Kota

3. Yamaha

Sicherlich gibt es noch andere, weniger bekannte E-Außenborder-Hersteller am Markt, aber dann würde der Bericht zu unübersichtlich werden. Die E-Außenborder unterscheiden sich in erster Linie durch die elektrische Leistungsaufnahme (Watt). Die Leistungsangaben in der Typenbezeichnung wird generell in lbs angegeben. Das entspricht der maximalen Schubkraft des Motors im Wasser. 1 lbs (engl. pounds) = 0,45 kp (kilopond). 22 lbs bzw. 10 kp ergeben vergleichsweise so viel Kraft, wie man benötigt, um 10 kg Gewicht festhalten zu können.

Die kleinen Motoren von 28 bis 30 lbs Schubkraft haben zwischen 180 und 400 Watt Leistung. Ein 200 Watt E-Außenborder auf höchster Stufe betrieben, verbraucht dann 16.66 Ampere, bei 12 Volt Batteriespannung. Ableiten kann das jeder aus der Formel:

U (Volt) mal I (Ampere) = P (Watt)

Diese eher kleinen E-Außenborder eignen sich für vollbeladene Schlauch- und Faltboote bis maximal 280 cm Länge. Alles andere gleicht einem Abenteuer und ist bei entsprechendem Wetter eher Glückssache. Man sollte immer von den schlechtesten Bedingungen am Wasser ausgehen, dann hat man keine bösen Überraschungen zu fürchten. Damit meine ich besonders starken Wind und Wellengang. Auf großen Seen kommt man da ganz schnell in eine unangenehme Situation. Lieber etwas zu groß dimensionierte Batterien und einen kräftigeren E-Motor anschaffen, anstatt nachher in Schwierigkeiten zu kommen. Nicht nur wegen der zu transportierenden, oftmals sündhaft teuren Ausrüstung – Nein, denn schließlich geht es ja auch um unsere Sicherheit!

 Die 28-30 lbs E-Außenborder haben meistens nur 3-5 Vorwärts- und eine Rückwärtsdrehzahlstufe. Diese kleinen Motoren werden daher eigentlich immer im maximalen Drehzahlbereich gefahren und sind dann trotz geringer Leistung Batteriefresser. Oft sehe ich an großen Seen diese kleinen E-Außenborder an 3-4 m langen Schlauchbooten. Wenn diese dann noch total überladen sind, können sie nur bei sehr wenig Wind über den See schleichen. Das ist nicht ganz ungefährlich, wie man sich vielleicht vorstellen kann.

Nun zur mittleren E-Außenborderklasse von 34 bis 50 lbs Schubkraft und 220 bis 500 Watt Leistung. Dieser Motorentyp ist für vollgeladene Schlauch- oder Faltboote bis 450 cm Länge geeignet. Ich habe selbst einen 34 lbs E-Außenborder und kann problemlos bei Sturm mein 310 cm Schlauchboot vollbeladen über dass Wasser steuern. Wenn ich bei starkem Wind mein zweites, beladenes, 310 cm langes Schlauchboot mitziehen will, dann muss ich mehr Batteriekapazität (Ah) haben, denn ich kann bei starkem Wind unmöglich den geraden Zielkurs halten und verbrauche folglich auch mehr Batteriekapazität. Bei Sturm geht das alles gar nicht mehr, denn da müsste ich schon 44-50 lbs Schubkraft zur Verfügung haben. Für 300-400 cm lange GFK oder Holzboote eignet sich diese Klasse so gerade noch. Bei stürmischen Winden sind aber dann auch die 50 lbs Motoren zu schwach.

Die 34-50 lbs E-Außenborder haben meistens 5 Vorwärts-/3 Rückwärtsstufen. Nur die Minn - Kota Maxxum Modelle verfügen über einen stufenlosen, elektronischen Regler sowohl im Vorwärts- als auch im Rückwärtsgang. Dadurch kann man sehr energiesparend fahren. Im oberen Drehzahlbereich fressen alle Motoren nur unnötige Batteriekapazität und bringen kaum Geschwindigkeits- oder Schubkraftsteigerungen. Bei 75 % der Maximallast ist der Energieverbrauch am wirtschaftlichsten, dies gilt für alle E-Außenborder.

Die großen E-Außenborder von 50 bis 90 lbs Schubkraft sind für unsere Zwecke eher uninteressant, denn diese Boliden haben eine elektrische Aufnahmeleistung von 500-800 Watt und mehr. Dann wäre das Boot voll mit Batterien und kein Platz mehr für Angler und Ausrüstung vorhanden. Ganz zu schweigen vom zugeladenen Gewicht.

 Nun zum wichtigsten Teil: Der Bootsreichweite mit dem passenden Motor! Die Reichweite der verschiedenen Elektroaußenborder habe ich rechnerisch mit 130 Ah Batteriekapazität ermittelt. Im günstigsten Fall sind das zwei 65 Ah Batterien. Diese sind mit je 20-30 kg Gewicht noch ganz gut zu bewegen. Das würde bedeuten, dass der Rhino VX 34, mit 130 Ah Batteriekapazität, ca. 36 km weit fahren kann. Ein Yamaha M 26 schafft da mal gerade 11,8 km. Das sind natürlich alles errechnete Werte aus den Datenblättern der Motoren- und Batteriehersteller. Bei Sturm und voll beladenem Schlauchboot zählen aber nur die harten Erfahrungswerte...

Bei steigender Motorleistung sinkt leider auch die auf den Batterien angegebene Ah Kapazität. Große Batteriekapazitäten (auch parallelgeschaltete) ab 120 Ah sind da nicht ganz so empfindlich und brechen in der Kapazität nicht so stark zusammen wie eine einzelne 50-80 Ah Batterie.

Die Formel zum selbst berechnen:

P (Watt) durch U (Volt) = I (Ampere)

I (Ampere) mal t (Stunde) = Ah (Amperestunden)

z.B. 290 Watt dividiert durch 12 Volt = 24,16 Ampere

24,16 Ampere multipliziert mit 1 Stunde = 24,16 Amperestunden

Wer seine Kenntnisse über die Elektrik vielleicht noch ein bisschen vertiefen will, dem seien die alten Physik-Schulbücher empfohlen. Stadtbibliotheken helfen da gerne weiter - übrigends nicht nur fürs Angeln zu empfehlen...

 In der nebenan aufgeführten Liste findet ihr alle aktuellen E-Außenborder und deren Leistungsmerkmale:An dieser Stelle sollte ich dann auch gleich einige Besonderheiten mir bekannter Modelle aufzeigen. Wenig Leistungsaufnahme und viel Schubkraft: Hier stechen die Rhino VX Modelle ganz klar heraus. Der neue Minn Kota CAMO 44 hat bei 432 Watt satte 20,0 kp Schubkraft und ist der stärkste Motor in Bezug auf Verbrauch / Schubkraft. Der unwirtschaftlichste E-Außenborder in diesem Bericht ist der Minn Kota Classic, denn bei 400 Watt Aufnahmeleistung kommen mal gerade 12,7 kp an der Schraube an. Der zuverlässigste E-Außenborder, den ich persönlich kenne, ist der Minn-Kota Endura 30. Seit sieben Jahren ist der Motor bei uns im Dauereinsatz und läuft tadellos.

Natürlich ist auch die Geschwindigkeit eines Motors interessant, aber mal ganz ehrlich - mehr als 5-6 km/h schafft kein beladenes Boot, egal mit welchem E-Motor. Die Anzahl der Flügel an einer E-Außenborderschraube und deren Bauweise hat nur einen sehr geringen Einfluss auf die Geschwindigkeit. Mehr Schubkraft bekommt man mit sogenannten „Turbo-Schrauben“ daher nicht.

Viele E-Außenborder haben die Schraube mit einer Flügelschraube gesichert. Da kann man mal eben problemlos die Schnur vom Angelpartner von der Motorachse entfernen. Bei einigen Modellen ist leider ein 13er Maulschlüssel erforderlich. Der sollte dann auch immer im Boot liegen. Schnur auf der Motorachse verringert nicht nur die Schubkraft, sondern zerstört auch die Dichtung zum elektrischen Motorbereich. Dann ist der Motor natürlich hinüber. Die Schraube sollte während der Fahrt möglichst knapp unterhalb des Bootsrumpfes sein. Eine zu tief unter dem Bootsrumpf laufende Schraube kann nicht die maximale Schubkraft auf das Boot ausüben.

Die elektrischen Anschlüsse aller E-Außenborder sind meistens mit niedlichen Kupferklemmen versehen, die kaum den ersten Einsatz aushalten. Daher sollte man sich lieber Kabelschuhe zum Verschrauben mit dem richtigen Lochdurchmesser kaufen und die Klemmen direkt an der Batterie befestigen (mit Flügelmuttern). KFZ Quetschkabelschuhe gehen auch, aber diese verlöte ich lieber - das hält dann ewig. Ein wenig Schrumpfschlauch als Knickschutz am Ende vom Kabelschuh verhindert das Abknicken der Anschlusskabel.

Alle Schlauchboote sind Gleiter und haben einen sehr geringen Wasserwiderstand, ebenso die Porta- und Banana-Boote. Man kann mit einem sogenannten Gleiter viel batteriesparender fahren, so dass die Batteriekapazität geschont wird. Ein Luftkiel unterstützt das Kurshalten sehr und schont damit auch die Batteriekapazität (Ah). Für große GFK oder Holzboote sind die meisten E-Außenborder zu schwach und durch die wasserverdrängende Bauweise (Verdränger) sind diese Boote wahre Batteriefresser. Ein einfaches GFK oder Holzruderboot ist immer ein Verdränger und hat einen sehr großen Wasserwiderstand aufgrund des Tiefgangs.

 Bei starkem Seitenwind und untermotorisiertem Schlauchboot ist es teilweise unmöglich den geraden Zielkurs zu halten. Man fährt im Zick Zack und verbraucht viel zuviel Batteriekapazität. Da sammelt man mal eben schnell die Marker von anderen Anglern ein oder schippert über deren Spot. Das schafft dann bestimmt keine neuen Freunde. Natürlich unterstützen Schlauchboote mit GFK-Festrumpf oder Luftkiel das Kurshalten positiv und man muss nicht zuviel nachsteuern, aber ein E-Außenborder für die passende Bootsklasse muss bei stürmischen Winden immer unter Volllast gefahren werden, um den Zielkurs zu halten und das kostet wiederum viel Batteriekapazität.

Mit einem 12 Volt Solarmodul im Gepäck kann man natürlich auch mit dem Minn Kota Turbo 90 über die großen Seen fahren und die Batterien immer geladen halten. Die geringe Reichweite mit 130 Ah ist hier aber zu beachten. Da wären schon 200-300 Ah Batteriekapazität geeigneter - viel Power kostet halt auch viel Geld. Mit solch einer Ausrüstung sollte dann aber auf den großen Seen auch gar nichts mehr schief gehen.

Ich hoffe, dass ich mit diesem Bericht eure Suche nach dem passenden Elektroaußenborder ein wenig erleichtert habe.

Im nächsten Teil werde ich über verschiedene Batterien und deren Lademöglichkeiten berichten.


Marco „Schwarzangler“ Reimers