Heiß, heißer, Frühling

Von Matthias Hinrichs / März 2016

Langsam ziehen Nebelschwaden über den noch kühlen See. Er liegt ganz windstill dort und das aufkommende Vogelgezwitscher weckte mich. Ich setze mich auf die Bedchair-Kante und schaue mir voller Vorfreude auf die nächsten Monate den ziehenden Kaffee an und genieße den Augenblick! In mir keimt die Hoffnung und das Leben wieder auf. Ich sehne mich nach Sonne, Runs und einer farbenfrohe Natur. Es kommt meine Lieblingszeit ...

 

Chillen im ersten warmen Tag des Jahres: Die ersten Sonnnestrahlen wärmen die Seele

Warum ist das Frühjahr für so viel Angler die beste Jahrszeit?

Sie liegt nämlich auch in einer schwierigen Zeit, der Laichzeit! Trotzdem zählen viele, auch ich, diese Jahreszeit zu ihren Lieblingsjahreszeiten! Ich will es mal mit Folgendem vergleichen: Wer kennt es nicht, wir haben Heißhunger. Wir stehen vor dem Schrank mit dem Süßigkeitenvorrat und plündern ihn, automatisch geht’s uns danach gut. Aber warum? Süße und fetthaltige Speisen - Schokolade ist beides - aktivieren beim Verzehr unser Belohnungssystem. Der Neurotransmitter Dopamin wird ausgeschüttet, außerdem setzt der Körper Endorphine frei, körpereigene Opiate.

Auf diese Weise trägt die Schokolade zur guten Laune bei. Die Schokolade enthält zwar auch selbst das stimmungsaufhellende Hormon Serotonin, allerdings sind die Mengen zu gering, um zu wirken. Außerdem durchdringt es nicht die Blut-Hirn-Schranke. Auch das in Schokolade enthaltene aufputschende Theobromin ist zu gering dosiert, um zu wirken. Nach Meinung von Wissenschaftlern sorgen vor allem die Erwartungshaltung und der Essgenuss dafür, dass die Schokolade emotional aufgeladen ist und das Belohnungssystem aktiviert.

 

Solche Momente sind unbezahlbar!

Wenn die Vögel zwitschern

Wenn es tagsüber wieder deutlich länger hell ist, die ersten Bäume und Blumen blühen, erblühen nicht nur wir. Alle, vor allem die Tiere und die Natur, sehnen sich nach der wichtigen Sonneneinstrahlung, die Leben bedeutet! Sobald das Wasser die Zehn-Grad-Marke dauerhaft erklommen hat, wächst es auch unter Wasser und gibt somit den Startschuß für den Frühjahrstanz! Bei uns Menschen sorgen die beschriebenen Umstände für einen Endorphinausbruch und es kommt dem Schokoeffekt sehr nahe.

Wir werden weniger krank und haben wieder mehr Lust aufs Leben insgesamt. Die dunkle und kalte Jahreszeit zehrte an so manch einem! So auch bei den Karpfen, einige Fische überleben den Winter nicht. Zu stark zehrte er an den Reserven, und die geringe Nahrungszufuhr und die Umstände lassen eine kleine Erkrankung schnell zum Verhängnis werden!

Da der Stoffwechsel der Karpfen sehr herabgesetzt ist, geht das ziemlich schnell; nur die Fische, die sich im Herbst ein ordentliches Polster angefuttert haben und über eine stabile Kondition verfügen, überleben diese harten Monate der Tristesse! Von Anfang April bis Ende Mai steht alles im Zeichen der Vermehrung und Fortpflanzung - über und unter Wasser herrscht ein frohes und munteres Treiben!

 

Die Uferrute brachte den ersehnten Biss

Leben im Überfluss

Doch all das bunte Treiben hat natürlich auch Nachteile: Es herrscht im Wasser aufgrund des erwachenden Lebens ein Futterüberschuss, wie es ihn nur im Frühjahr gibt! Das ist auch gut so, denn unsere gelben Freunde müssen sich ja wieder etwas anfuttern, um bereit für den nächsten aufreibenden Akt zu sein, das Laichgeschäft.

Sie finden so ziemlich alles, was sie gerne essen, seien es kleine Krebse, Tubifex, Schnecken, Muscheln und Wasserpflanzen. Diese sind komplett ausgetrieben bzw. gewachsen bis Ende Mai und können uns gehörig die Suppe versalzen! Da hilft meist nur das Fallenstellen! Heißt, ich befische meist instant die Spots und füttere eher wenig als Beifutter.

Das ganze wird mittels eines PVA–Sticks und einer meiner Lieblingsmontagen, dem Hinged-Stiff-Rig und einem IB–V Pop up in 16mm abgerundet.
Nun laufen auch wieder alle Spots gleich gut. Denn die Fische schwimmen wieder, im Gegensatz zur kalten Jahreszeit, deutlich längere Strecken, um an ihre Fressbar wie Krautfelder, Muschelbänke etc. zu kommen. Wenn wir Spots finden, die schon Fisch brachten, sind wir auf dem richtigen Weg. Dort solltet ihr eure „Falle“ auslegen.

 

Auch die IB Uncle Bait geizen nicht mit Reizen!

Nachspiel

Mit zunehmender Freude der Fische und der Angler, endlich wieder Sonne zu tanken, und mit dem Stresslevel und dem Entzug vom bunten Treiben steigt die Blankgefahr! Ja, sie steht Ende Mai – Anfang Juni in fast allen Gewässern bevor: die Laichzeit!

Auch diese Zeit gehört zum Frühjahr und ist die letzte Phase eines jeden Frühjahres und markiert die letzte Phase der Metamorphose des blühenden Lebens! Das Fischen ist in dieser Zeit sehr schwierig! Die Karpfen haben in dieser Zeit nur eines im Kopf, die Fortpflanzung!

Sie fressen deutlich weniger und suchen nun Stellen auf, um sich unbekümmert um den Nachwuchs zu kümmern. Dabei stehen Bereiche wie flache Schilfgürtel oder überflutete Bereiche an erster Stelle, denn dort ist alles gegeben, um den Laich der Rogner (weiblicher Karpfen) abzulegen, den die Milchner (männliche Karpfen) dann besamen können.

Natürlich laichen nicht alle Karpfen gleichzeitig, aber ein Großteil der Karpfen empfindet gleich und kommt mit einer Wassertemperatur von 17-20 Grad in Wallung. Zudem ist diese Zeit, in der die Karpfen viele Wunden vom Laichgeschäft erleiden, sehr gefährlich - es können tiefen Wunden entstehen, die manche Fische nicht überstehen. Dort können sich Parasiten anhaften und können so ungehindert in den Organismus des Karpfens eindringen- je nach Konstitution, ist das verheerend!

Die Uferrute brachte den ersehnten Biss

Wenn ich mitbekomme, dass Fische in einem Gewässer laichen, lass ich ihnen ihre benötigte Ruhe und befische diesen See nicht, sondern nutze das Szenario zum Auskundschaften des Bestandes. Oft sieht man Fische, die man vielleicht noch nicht kennt und kann somit neue Ziele sammeln. Unsere Zeit kommt noch nach der Laichzeit, um ihnen wieder nachzustellen.

Das Gute ist, dass ja nicht alle Gewässer gleichzeitig die Voraussetzungen haben, damit die Fische in die nötige Stimmung kommen. D heißt es, aufmerksam seine Hausaufgaben machen (beobachten) und vielleicht ist der See oder Flussabschnitt noch nicht soweit und man kann dort den Karpfen nachstellen. Auch hier gilt, der Tüchtige wird nie mit leeren Händen nach Hause kommen!

 

Fazit

Jedes Jahr sitze ich ab Ende Januar vor dem PC und schaue mir die Wetterentwicklung der nächsten Tage an und hoffe endlich auf das Auftauen der Seen! Sicherlich gibt es einfachere Zeiten im Jahr, wie den Herbst, wenn die Fische nur Fressen im Kopf haben! Doch leider markiert er auch das Ende der guten Zeit für uns Angler. Wenn die Tristesse Einzug hält, denke ich einfach nicht an die schwierigen Frühjahrszeiten, sondern an die blühende Fauna und Flora, die springenden Karpfen, die endlich wieder rasenden Spulenköpfe, die Wärme der Sonne und das fröhliche Vogelgezwitscher...ach ja!

 

Ich liebe den Mai!

Frühlingserwachen
Betrachtet das Erwachen des Frühlings und das Erscheinen der Morgenröte! Die Schönheit offenbart sich denjenigen, die betrachten.
(Khalil Gibran 1883-1931, libanesisch-amerikanischer Dichter)

Matthias Hinrichs
Imperial Fishing Germany